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Erfahrungsbericht, Teil 1

Selbstversuch im Heilfasten: »Ich möchte die Wirkung am eigenen Leib spüren

heilfasten vorbereitung: Grüner Gemüsesaft
Fasten wird immer beliebter und soll so einige gesundheitliche Vorteile bringenFoto: Getty Images

Heilfasten – was steckt dahinter, wie funktioniert es und wie wirkt es? All dem wollte FITBOOK-Autorin Beke ganz genau auf den Grund gehen – und wagte deshalb den Selbstversuch. Wie genau dieser abgelaufen ist, was sie beachtet hat und ob sie überzeugt ist oder nicht, erfahren Sie in ihrer Erfahrungsbericht-Reihe.

Ich beschäftige mich schon einiger Zeit mit den gesundheitlichen Vorteilen von Fasten. Während ich Intervallfasten bereits fest in meinen Alltag integriert habe, möchte ich unbedingt ausprobieren, ob ich auch von einer klassischen Fastenkur profitieren kann. Nachdem ich bereits vor einem Jahr ein paar Tage Heilfasten ausprobiert hatte und mir dies auf verschiedener Ebene gut getan hatte, möchte ich im erneuten Selbstversuch mindestens zehn Tage bewusst auf Essen verzichten. In diesem ersten Fasten-Artikel erkläre ich meine Motivation, zu fasten, die gewählte Methode und gebe wertvolle Tipps für den Einkauf und die richtige Vorbereitung aufs Heilfasten. Denn eine gute Organisation ist das A und O, um unnötigen Stress während der Nahrungskarenz zu vermeiden. „On top” stelle ich Rezeptinspirationen für die Entlastungstage und für die klassische Fastenbrühe vor. 

Das Prinzip: Heilfasten nach Buchinger 

Ich orientiere mich am traditionellen Heilfasten nach Buchinger. Als Ernährungswissenschaftlerin nehme ich Ernährungskonzepte, Diäten und eben auch Fastenkuren genau unter die Lupe. Während ich dabei alle mir sinnvoll erscheinenden Tipps beherzige, hinterfrage ich mögliche Schwachstellen kritisch.  

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100 Jahre Buchinger Fasten

Gerade bei alten Konzepten schaue ich, ob die Empfehlungen nicht längst durch moderne ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse überholt sind. Schließlich schaut die Geschichte des Buchinger Heilfasten bereits auf 100 Jahre Ernährungsverzicht für gesundheitliche Zwecke zurück. 

Zusätzlich lege ich großen Wert auf eine individuell passende Praxis, da dieser Aspekt aus ernährungspsychologischer Sicht grundlegend für jegliche Form der Ernährung ist. Gleiches gilt für den Erfolg einer Diät, einer Ernährungsumstellung und insbesondere für eine herausfordernde Fastenkur. 

Folgende Übersichten veranschaulichen, wie ich in der Vorbereitung auf mein Heilfasten das Original Buchinger Fasten im Einzelnen modifiziere, ohne das eigentliche Prinzip zu verändern. 

Klassisches Heilfasten nach Buchinger

  • 1 Entlastungstag (max. 1000 kcal, z. B. ein Reistag) 
  • Darmreinigung mit Glaubersalz am ersten Fastentag 
  • Während der Fastentage 50 bis 500 kcal
  • 250 ml frisch gekochte Gemüsebrühe pro Fastentag 
  • 250 ml frisch gepresster Obst- oder Gemüsesaft 
  • 20 bis 30 g Honig pro Tag 
  • mind. 2500 ml Wasser und/oder Kräutertee 

Modifiziertes Heilfasten 

  • 1. Entlastungstag (ca. 1500 kcal: Reis, Gemüse, Tofu, wenig Milchprodukte) 
  • 2. Entlastungstag (max. 1000 kcal, Reistag) 
  • natürliche Darmreinigung an den Entlastungstagen 
  • natürliche Darmreinigung am ersten Fastentag 
  • Während der Fastentage 250 bis 500 kcal
  • ca. 500 ml frisch gekochte Gemüsebrühe pro Fastentag 
  • 250 ml frisch gepresster Obst- oder Gemüsesaft 
  • Honig bei Bedarf durch Obstsaft austauschen 
  • mind. 2500 ml Wasser und/oder Kräutertee 

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Vorbereitung: Heilfasten auf meine Bedürfnisse zuschneiden

Um die für mich optimale Heilfasten-Kur zusammenzustellen, habe ich in der Vorbereitung meine gesundheitlichen Bedürfnisse, meine Motivation zum Fasten und meine geschmacklichen Präferenzen berücksichtigt. Dabei ist mir bewusst, dass es sicher konsequente Fastenanhänger gibt, die sich zu 100 Prozent an das Buchinger Original oder an eine sonstige Fastenmethode halten und jegliche Abweichung als fehlende Askese interpretieren würden.  

Toleranz statt Askese
Ich bin diesbezüglich toleranter und halte es definitiv für sinnvoller und gesünder, das individuelle Wohlbefinden in den Vordergrund zu stellen. Und für eine bis mehrere Wochen maximal 500 anstatt der üblichen 2000 Kilokalorien (durchschnittlicher Energiebedarf einer erwachsenen Frau) pro Tag aufzunehmen und komplett auf feste Nahrung zu verzichten, ist für mich Askese genug.  

Fasten neu interpretiert
Ich möchte unbedingt auch jüngere Menschen für das Thema Fasten begeistern, welches sich oft hinter einem verstaubten Image versteckt. Ich halte es diesbezüglich für ausschlaggebend, den bewussten Ernährungsverzicht so angenehm und individuell wie möglich zu gestalten. Wann immer dieser Grundsatz realisierbar ist, werde ich sinnvolle Alternativen und Modifikationen bzw. Varianten im Text nennen. Denn ich bin mir sicher, dass so mancher bei der Aussicht auf tagelanges Schlürfen von nahezu geschmackloser Gemüsebrühe gar nicht erst in Berührung mit den positiven Effekten einer Heilfastenkur kommt.  

Dabei sollte man wissen: Das facettenreiche gesundheitliche Potential von Heilfasten für Psyche, Körper und Geist ist weit mehr als Hokuspokus.  

Unverzichtbarer Kalorienstopp für den Fastenstoffwechsel
Trotz möglicher Modifikationen des Original Buchinger Fasten ist es auf physiologischer Ebene für erfolgreiches Fasten unverzichtbar, nicht mehr als 500 Kilokalorien über Säfte, Brühe und gegebenenfalls Honig aufzunehmen. Denn nur über diese stark herabgesetzte Energiezufuhr gelangt man überhaupt erst in den Fastenmodus. Nur so kann die Gesundheit von den ausgelösten Effekten profitieren. Was genau im Körper beim Hungerstoffwechsel passiert, werde ich im zweiten Teil meines Erfahrungsberichtes erklären. 

 

Meine persönlichen Ziele: Warum mache ich den Selbstversuch im Heilfasten?

In der Vorbereitung aufs Heilfasten habe ich so viel über die gesundheitlichen Vorteile von Nahrungsverzicht gelesen. Nun finde ich es total spannend, die Wirkung am eigenen Leibe zu spüren. Noch mehr interessiert mich, wie ich Fasten als Initialzündung für mich nutzen kann, um ungeliebte Gewohnheiten abzulegen. Ich möchte mich inspirieren lassen und neue Wege einschlagen.  

Dass ich zusätzlich etwas an Gewicht verlieren werde, sehe ich als willkommenes i-Tüpfelchen. Nicht zuletzt möchte ich herausfinden, ob der so oft kritisierte Zusammenhang zwischen Fasten und Jo-Jo-Effekt vermeidbar ist. Dafür habe ich schon ein paar Pläne. Ich werde meinen Gewichtsverlauf und meine Daten wie Fettmasse, BMI und Co. übrigens im dritten Teil meines Heilfasten-Experimentes preisgeben.  

Individuelle Formulierung der Ziele
An dieser Stelle möchte ich jeden, der Heilfasten oder Fasten generell mal ausprobieren möchte, unbedingt dazu motivieren, in der Vorbereitung seine Ziele für den bewussten Nahrungsverzicht zu formulieren. Denn nur wer genau weiß, warum er sich für diesen Schritt entscheidet, wird in kritischen Situationen standhaft bleiben und kulinarischen Verlockungen widerstehen können.

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Meine Fasten-Ziele

  • Gesundheitlicher Nutzen
    Auch wenn die als „entschlackend“ beschriebene Detox-Wirkung aus schulmedizinischer Sicht nicht belegt ist, rückt das Interesse an Fasten immer mehr in den Mittelpunkt wissenschaftlicher Untersuchungen. Spätestens seit dem alltagstauglichen Intervallfasten-Boom gelten nicht nur Methoden wie „16:8“, von der ich übrigens begeistert bin, als gesund und lebensverlängernd. Auch klassische Fastenkuren werden nicht nur alternativmedizinisch als „heilend“ angepriesen, sondern zunehmend ernährungswissenschaftlich bei erhöhten Blutfettwerten, Diabetes oder Hypertonie – sowie bei zahlreichen immunologischen Krankheiten – empfohlen.

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Autophagie
Mittlerweile ist belegt, dass ein vorübergehender Nahrungsverzicht die Autophagie – einen natürlichen zellulären Reinigungsmechanismus – auslöst. Dieser unterstützt den Abbau von Zellgiften und wirkt sogar lebensverlängernd. Sozusagen gibt es den entgiftenden Effekt des Nahrungsverzichts tatsächlich: Zwar nicht in Form von „Schlacken”, aber als Autophagie, die umgangssprachlich als „körpereigene Müllabführ auf Zellebene” beschrieben werden kann. Was dieser gesundheitliche Effekt der Autophagie mit Kaffee, grünem bzw. schwarzem Tee und sogar Rotwein gemeinsam hat, erkläre ich im zweiten Teil meines Fasten-Experimentes.

Immunerkrankungen
Beim Fasten profitieren vor allem Personen mit Erkrankungen, bei denen das Immunsystem involviert ist. Da ich unter der Autoimmunerkrankung „Hashimoto Thyreoditis” (Schilddrüsenunterfunktion) und Asthma leide, möchte ich herausfinden, ob sich meine allergischen Beschwerden, eine erhöhte Infektanfälligkeit und chronische Müdigkeit verbessern.

Ärztlicher Check
Dringende Empfehlung für die Vorbereitung aufs Heilfasten: Alle Personen mit einer chronischen Erkrankung, sollten sich unbedingt ärztlich beraten lassen, inwiefern eine Fastenkur für sie geeignet ist. Wer das erste mal fastet, sollte dies auch erst nach einem medizinischen Check und möglichst nicht im Alleingang, sondern in einer Gruppe unter einer professionellen Fastenanleitung machen.

  • Psyche & Spiritualität
    Eine ganz besondere Rolle spielt dieser Punkt für mich. Ich würde mich zwar nicht unbedingt als spirituelle Person bezeichnen, dennoch habe ich bei meiner ersten Heilfastenkur erlebt, dass es auch zu Veränderungen auf geistiger und mentaler Ebene kommt. Nachdem der Körper sich an die stark herabgesetzte Energiezufuhr gewöhnt hatte, haben sich Blockaden nach und nach gelöst. Es tauchten plötzlich wieder verborgene Wünsche und Träume auf, für die im Alltag kein Raum war. Auch dieses oft beschriebene Gefühl, Ballast loszuwerden und neue Energie zu mobilisieren, kann ich bestätigen. Das Heilfasten möchte ich nun nutzen, um aus dem Hamsterrad auszubrechen und mir über meine Bedürfnisse und Herzenswünsche wieder mehr Klarheit zu verschaffen. Ich möchte wieder mehr zu mir selbst finden. Ich wünsche mir insgesamt mehr Achtsamkeit und Leichtigkeit – in jedem Moment. 

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  • Reset & Richtungswechsel
    Zusätzlich möchte ich ungeliebte Gewohnheiten ablegen und neue Richtungen einschlagen. Das Reset möchte ich auch für mich nutzen, um toxische Verhaltensweisen und Beziehungen zu reflektieren. Während ich zudem weniger Rotwein trinken möchte, bin ich mit meiner Ernährung sonst grundsätzlich recht zufrieden. Allerdings möchte ich bewusster und ohne Ablenkung – und nicht wie so oft „nebenbei“ – essen. Mir ist nach dem letzten Fasten aufgefallen, dass ich deutlich langsamer und bewusster gegessen habe. Das hat sogar mehrere Monate angehalten und schwingt immer noch etwas mit. Dieses achtsamere Essen möchte ich „reaktivieren“ und auch auf den Genuss von Rotwein übertragen. Viel bewusster und ohne Ablenkung möchte ich jeden einzelnen Schluck samt aller Nuancen meines Bio-Merlots genießen – inklusive der wunderbaren Wirkung der Autophagie. Sozusagen Qualität vor Quantität. Nicht zuletzt möchte ich endlich zum echten Yogi werden und regelmäßig meditieren. 

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Vorbereitung aufs Heilfasten: Entlastungstage (Tag 1 & 2) 

Als Vorbereitung für das Heilfasten habe ich mich für zwei Entlastungstage entschieden. Allerdings war diese Entscheidung weniger eine bewusst getroffene, sondern hatte vielmehr einen praktischen Hintergrund. Da ich noch Tofu und Frischkäse mit kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum übrig hatte, die meine Fastenzeit vermutlich nicht überstanden hätten, habe ich meinen Gemüse-Reis kurzerhand damit aufgepeppt. Herausgekommen ist ein unerwartet köstliches kalorienarmes Gericht, welches ich mit Chili, Ingwer und Koriander asiatisch vollendet habe.  

Da ich mit 1500 Kilokalorien aber noch über den Empfehlung von 1000 Kilokalorien für die Entlastung lag, habe ich noch einen zweiten „richtigen” Entlastungstag eingelegt. Ich habe auch darauf geachtet, gemäß der Fastenregeln bereits an diesem Tag auf tierisches Eiweiß, genau wie Zucker, Koffein und Alkohol zu verzichten. 

Frühstücksrezept „Apfel-Vanille-Reis“

Apfel-Vanille-Reis
Foto: Beke Enderstein
  • 50 g Naturreis 
  • 2 Äpfel 
  • 1 Prise Zimt 
  • etwas Vanillemark 

Zubereitung: 

  1. Den Naturreis mindestens für 30 Minuten wässern, abgießen, gründlich waschen und in einen kleinen Topf geben.
  2. Den gewaschenen Reis mit der doppelten Menge Wasser zum Kochen bringen und abgedeckt ca. 25 Minuten auf niedriger Stufe köcheln lassen. Falls das Wasser schon vor der Garzeit aufgesogen sein sollte, noch einen Schuss heißes Wasser zugeben und umrühren.
  3. In der Zwischenzeit die Äpfel waschen, das Kerngehäuse entfernen, die Äpfel würfeln, zusammen mit dem ausgepressten Orangensaft wenige Minuten weich dünsten und mit Zimt verfeinern.
  4. Den Reis mit Vanille verfeinern und zusammen mit dem gedünsteten Apfel servieren.

Mittags- und Abendrezept „Reis mit gedünstetem Gemüse“

Reis mit gedünstetem Gemüse
Foto: Beke Enderstein
  • 100 g Naturreis 
  • 500 g Gemüse-Mix 
  • 200 ml Gemüsebrühe* 

Zubereitung: 

  1. Den Naturreis mindestens für 30 Minuten wässern, abgießen, gründlich waschen und in einen Topf geben.
  2. Den gewaschenen Reis mit der Gemüsebrühe zum Kochen bringen und abgedeckt ca. 25 Minuten auf niedriger Stufe köcheln lassen. Falls die Brühe schon vor der Garzeit aufgesogen sein sollte, noch einen Schuss heißes Wasser oder Brühe zugeben und umrühren.
  3. In der Zwischenzeit das Gemüse abspülen, je nach Sorte putzen, kleinschneiden und wenige Minuten im Öl anbraten bzw. dünsten, sodass es nährstoffreich bleibt.
  4. Das Gemüse nach persönlicher Vorliebe mit Salz verfeinern, 250 g davon zusammen mit der Hälfte Reis  zum Mittag servieren. Die andere Hälfte abends essen.***

*Da ich für meine Entlastungstage bereits die frisch gekochte Gemüsebrühe der Fastentage verwenden wollte, habe ich bereits am zweiten Entlastungstag einen großen Topf gekocht. Das passende Rezept gibt es im letzten Abschnitt dieses Artikels. 

**Ich habe mich für Mini-Romana-Tomaten, Babyspinat und rote Zwiebeln entschieden. Der Spinat wird erst am Ende der Garzeit zugegeben, da er beim Unterheben direkt zusammenfällt.

***Wer möchte, kann Reis und Gemüse natürlich auch frisch zubereiten. Spinat aufgrund einer möglichen Nitrosaminbildung nicht aufwärmen.

Physiologischer Nutzen der Entlastungstage:  

  1. Als Vorbereitung aufs Heilfasten ist die Reduktion der Energiezufuhr an den Tagen zuvor wichtig. So soll das Verdauungssystem auf die bevorstehende Nahrungskarenz vorbereitet bzw. entlastet werden. Zusätzlich versorgt ein hoher Anteil an Obst und Gemüse den Körper mit einer Extraportion Antioxidantien (sekundäre Pflanzenstoffe) und Mikronährstoffen wie Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen.  
  1. Auch wenn Heilfasten den Gesundheitszustand und das Wohlbefinden steigert, bedeutet der Nahrungsverzicht während der Umstellungsphase auf „kalorienarme Flüssignahrung” zunächst Stress für den Körper. Diesbezüglich sind insbesondere sekundäre Pflanzenstoffe (u.a. Farbpigmente) und antioxidativ wirksame Vitamine wie das Zellschutz-Trio A,C,E wertvoll, die sich positiv auf zellulären Stress auswirken. 

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Individuelle Dauer der Entlastung: 

  1. Während für manche Menschen ein Tag ausreichend ist, um den Übergang von fester zu flüssiger Nahrung einzuleiten, benötigt eine andere Person mehrere Tage. Als Orientierung erscheinen mir für das erste Mal Fasten zwei oder drei entlastende Tage als sinnvoll. Für den letzten Tag vor dem eigentlichen Fastenstart bieten sich beispielsweise Smoothies und pürierte Gemüsesuppen an – sozusagen als Zwischenstufe von fest zu flüssig.  
  1. Doch nicht nur das Verdauungssystem profitiert von den Entlastungstagen. Als ganzheitliches Konzept geht es beim Fasten nicht nur um gesundheitliche Vorteile, sondern auch um eine mentale Auszeit vom Alltag. Und da es der Philosophie vom Fasten widersprechen würde, von Null auf 100 durchzustarten – bzw. seine Nahrungszufuhr von 100 auf Null runterzufahren –,  entfalten die Entlastungstage eine entschleunigende Wirkung. 

Tipp: Die Entschleunigung von Körper, Seele und Geist wird sinnvoll unterstützt, wenn während der Entlastungstage Stress zugunsten von Entspannungsübungen, Yoga, Meditation und Sauna oder einem heißen Bad gezielt reduziert wird. Um sich auf das bevorstehende Fasten einzustimmen, ist bereits jetzt auf ausreichend Bewegung an der frischen Luft zu achten. Dabei lautet die Devise vor allem während des Verzichts auf feste Nahrung: Lieber ausgiebige Spaziergänge als körperliche Höchstleistung. Und bereits jetzt schon ganz wichtig: Trinken, trinken und trinken (natürlich Wasser!).

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Tipps für den Einkauf: Alles BIO oder was? 

Ich habe die Entlastungstage dafür genutzt, alle Zutaten für meinen Selbstversuch im Heilfasten einzukaufen. Neben Mineralwasser und verschiedenen Kräutertees standen vor allem frisches Obst und Gemüse in Bio-Qualität für Saft und meine frisch gekochte Gemüsebrühe auf dem Speiseplan. Neben Produkten aus ökologischem Landbau habe ich zusätzlich darauf geachtet, dass es sich möglichst um regionale und saisonale Produkte handelt. 

Bio-Qualität: Wer sich mit dem Thema Heilfasten beschäftigt, wird nicht drumherumkommen, seine Zutaten aus biologischem Landbau zu beziehen. Denn „Detox” bzw. Entgiftung von Körper und Seele harmonieren einfach nicht mit Pestiziden und sonstigen toxischen und gesundheitsbedenklichen Rückständen aus der Massenproduktion.  

Bio-Ware hat zudem den Vorteil, dass die gut gewaschenen Gemüse- und Obstsorten mit Schale in den Topf bzw. den Entsafter wandern können. Das spart nicht nur Zeit sondern es gelangen auch mehr Mikronährstoffe in die Fastenmahlzeiten. Vitamine und Co. tummeln sich in besonders hoher Konzentration in der Schale bzw. direkt darunter. 

Ansonsten sollten natürlich nur solche Zutaten in den Säften und der Fastenbrühe landen, die gut vertragen werden und eine persönlich besonders gut schmecken. 

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Geschnittenes Gemüse
Foto: Beke Enderstein

Lebensmittel fürs Heilfasten: 

  • Mineralwasser 
  • Kräutertee 
  • Pflaumensaft 
  • Äpfel & Möhren 
  • Gurke & Rote Bete 
  • Kartoffeln & Tomaten 
  • Brokkoli 
  • Sellerie & Pastinake 
  • Knoblauch & Ingwer 
  • (rote) Zwiebeln 
  • frische Curcumaknollen & Chilischoten 
  • frische Kräuter 
  • Zitrone & Orange 

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Vorbereitung aufs Heilfasten: Darmreinigung um das Hungergefühl zu stoppen 

Für viele ist die Thematik des Abführens vermutlich auch ein Grund, gar nicht erst mit dem Fasten zu beginnen. Allerdings ist ein geleerter Darm Voraussetzung dafür, dass der Magen-Darm-Trakt während des Nahrungsverzichts zur Ruhe kommt. Während unsere Verdauung permanent Nahrung verstoffwechseln muss und dabei auf Hochtouren läuft, soll der Darm beim Fasten eine Verschnaufpause bekommen.  

Hunger adé
Durch die Ausschaltung der Darmmotilität (Darmbewegung) werden nicht nur die gesundheitlichen Effekte ausgelöst, sondern auch das Hungergefühl wird zuverlässig gestoppt. Ich wurde während meines Selbstversuchs im Heilfasten oft gefragt, wie es mir gelingt, nichts zu essen. Die Antwort ist ganz einfach: Der physische Hunger wird tatsächlich durch die Darmreinigung ausgeschaltet, allerdings bleiben der Appetit und die Lust auf Lieblingsspeisen bestehen.  

Gelüste statt echtem Hunger
Die „kulinarische Sehnsucht” im Kopf nach Pizza, Pasta und Schokolade ist die tatsächliche Herausforderung, nicht schwach zu werden. Daher bin ich auch davon überzeugt, dass der Genussfaktor beim Fasten – natürlich in den nicht zu leugnenden Grenzen – so wertvoll ist. Wann und in welcher Situation ich allerdings dann doch einen „Ausrutscher” hatte, berichte ich im zweiten Teil meines Heilfasten-Selbstversuchs.  

Übrigens unterstützen das regelmäßige „Glaubern” (mit Glaubersalz) und weitere Abführmethoden während der Heilfastenkur das sogenannte Fastenhoch. Indem die für den Körper kräftezehrende Verdauungsfunktion pausiert, werden Energiereserven mobilisiert.  

Glaubersalz als Klassiker zum Abführen
Beim ersten Fastenversuch vor einem Jahr habe ich am ersten Fastentag ganz klassisch ein Glas Wasser mit Glaubersalz getrunken. Zusätzlich wird empfohlen, die Prozedur alle zwei, drei Tage zu wiederholen. Überstanden habe ich es, indem ich mir die Nase zugehalten und danach etwas Zitronensaft getrunken habe. Auch den empfohlenen Einlauf habe ich damals ausprobiert, allerdings war das auch der einzige Versuch, den ich unternommen habe. 

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Natürliche Alternativen: Abführen mit Pflaumensaft und Zitronenwasser 

Bei dieser Fastenkur wollte ich natürliche Alternativen ausprobieren. Ich habe mich für Pflaumensaft und Zitronenwasser entschieden, was mir natürlich deutlich leichter gefallen ist, als das gewöhnungsbedürftige Glaubersalz zu trinken. Noch dazu ist Glaubersalz zwar äußerst effizient, spült allerdings auch wichtige Elektrolyte aus dem Körper.  

Da ich mich schon darauf eingestellt hatte, dass natürliche Alternativen nicht so effektiv und schnell wirksam wie synthetische Abführmittel sind, habe ich zusätzlich zum ersten Fastentag bereits an den beiden Entlastungstagen morgens auf nüchternen Magen ein Glas Pflaumensaft und Zitronenwasser (ein Glas Wasser mit dem Saft einer Zitrone)  getrunken.  

Da mir der Pflaumensaft so lecker geschmeckt hat, habe ich ihn während meiner Fastenkur öfter zusätzlich in kleiner Menge zu meinen frisch gepressten Säften getrunken. Die Saftmenge habe ich entsprechend der Fasten-Regeln dann von der täglichen Gesamtmenge abgezogen.

Grüner und schwarzer Tee
Warum ich morgens zusätzlich die abführende Wirkung von Grüntee und Schwarztee für mich genutzt habe, obwohl das Original Buchinger Fasten von Koffein in den meisten Fällen abrät, erkläre ich im zweiten Teil meines Fasten-Experimentes. 

Fastenbrühe: Das Salz in der Suppe meines Fastenalltags 

Die Gemüsebrühe wurde genau wie der frisch gepresste Saft zu einem wahren Höhepunkt meines Fatsenalltags. Während die klassische Heilfastenkur nach Buchinger vorsieht, nur 250 Milliliter nahezu ungesalzene Gemüsebrühe am Mittag oder Abend zu löffeln, habe ich mir diese Menge einmal am Mittag und ein weiteres Mal am Abend (teilweise auch mehr) gegönnt. Letztendlich habe ich so meine Flüssigkeitszufuhr auf leckere Weise erhöht, eine Extraportion Mineralstoffe und unwesentlich mehr Kalorien aufgenommen. Aus ernährungsphysiologischer Sicht bringt das den Fastenstoffwechsel nicht durcheinander und hilft, das „kulinarische Kopfkino” zu besänftigen. 

„Das Salz in der Suppe”
Da Personen mit niedrigem Blutdruck ruhig etwas mehr salzen dürfen, habe ich mich gefreut: Für mich muss eine Brühe einfach nach etwas schmecken. Dem Geschmack zuliebe habe ich meine Brühe zusätzlich mit ein paar Tropfen Oliven-, Raps oder geröstetem Sesamöl verfeinert. Zusätzlich konnte mein Körper so die fettlöslichen Zellschutz-Vitamine A bzw. Beta-Carotin und Vitamin E für sich nutzen. 

Wer nicht gerade unter Hypertonie leidet, kann seine Suppe aus meiner Sicht ruhig etwas stärker als mit nur einer Prise salzen. Im Vergleich zur normalen Kost enthalten ein bis zwei Brühen pro Tag definitiv weniger Kochsalz. Wem es beim Fasten hauptsächlich darum geht, intensiv zu entwässern und seinen Geschmackssinn zu sensibilisieren, sollte natürlich sparsam salzen.  

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Ansonsten ist das „Salz in der Suppe” lebenswichtig, unterstützt den Genussfaktor und ich kann mir nicht vorstellen, dass die paar Meersalzkristalle in meiner Fastenbrühe schädlicher sein sollen als das hochdosierte Glaubersalz. Und zum Thema Entwässern: Natürlich geht die Waageanzeige bei salzfreier Fastenbrühe schneller runter, aber der Gesundheit zuliebe geht es ja darum, hauptsächlich viszerales Fett (gefährliches Fett in der Bauchgegend) und nicht kurzzeitig Wasser zu verlieren. 

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Rezept klassische Gemüsebrühe (500 ml)*

klassische Gemüsebrühe
Foto: Beke Enderstein
  • 500 g Gemüse-Mix**
  • 1 rote Zwiebel
  • 1 kleine Knoblauchknolle
  • 500 ml Wasser
  • ein Spritzer Oliven- oder Rapsöl
  • etwas Salz
  • Pfeffer oder Chiliflocken

Zubereitung: 

  1. Das Gemüse abspülen, je nach Sorte putzen, kleinschneiden und in einen Topf geben.
  2. Die rote Zwiebel und die Knoblauchzehe ebenfalls abspülen, grob zerkleinern und mit Schale (Bio!) zum Gemüse geben.
  3. Das vorbereitete Gemüse mit 500 ml kaltem Wasser aufgießen, aufkochen und bei geschlossenem Deckel ca. 45 Minuten bei kleiner Hitze köcheln lassen. Dabei gehen die Mikronährstoffe in die Fastenbrühe über.
  4. Die klare Brühe über einem Küchensieb abseihen, mit etwas Öl, Salz und Pfeffer oder Chiliflocken abschmecken und mittags und abends 1 Portion genießen.

*Für 2 Portionen pro Tag (mittags & abends). Zur Zeitersparnis kann auch direkt die doppelte oder dreifache Menge für 2 oder 3 Tage gekocht und kühl aufbewahrt werden.

**Ich habe Möhre, Staudensellerie mit Blättern, Pastinake und Kartoffeln verwendet. Auf Wunsch kann auch frischer Thymian oder Rosmarin mitgegart werden.

Tipp: Ich habe meine Gemüsebrühe während des Fastens in verschiedenen Variationen abgewandelt und geschmacklich perfektioniert, sodass sie für mich zu einer wirklich köstlichen Mahlzeit wurde. Herausgekommen sind dank Zusatz von frischen Gemüsesäften brillant rote, grüne und orangene Kreationen mit Knoblauch, Chili und frischem Koriander. Die passenden Rezepte gibt es in meinen nächsten beiden Fasten-Artikeln. 

Vorschau: Nachdem meine Vorbereitungen für das Heilfasten abgeschlossen sind, berichte ich in meinem zweiten Artikel davon, wie ich die ersten Tage ohne Essen erlebt habe. Ich präsentiere meinen Fastenplan, der als Orientierung für die eigene Fastenkur genutzt werden kann. Neben weiteren Rezepten für frische Säfte und Co. schreibe ich darüber, wie ich es geschafft habe, trotz Motivationseinbruch und „Ausrutscher” am Ball zu bleiben – und dem Fastenhoch entgegenzusteuern.