17. April 2026, 21:03 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Zu hohe Blutfettwerte sind ungesund – das ist nichts Neues. Folgen von zu hohen Cholesterinwerten sind Arterienverkalkungen, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Doch wann spricht man eigentlich von einem erhöhten Cholesterinspiegel? Und was bedeuten die Werte HDL, LDL und Triglyceride auf dem Bluttest? Welches Cholesterin ist „gut“ und welches „schlecht“? Lesen Sie all das hier – zusammengefasst!
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Was ist Cholesterin überhaupt?
Cholesterin ist ein Lipid, also eine fettähnliche Substanz, die der Körper für eine Vielzahl an Körperfunktionen benötigt. Als wichtiger Baustoff für Zellwände (Zellmembranen) stabilisiert es die Zellwände und reguliert deren Festigkeit. Auch an Stoffwechselvorgängen des Gehirns ist Cholesterin beteiligt. Außerdem ist es ein Ausgangsstoff für die Produktion von Gallensäure und damit maßgeblicher Bestandteil einer funktionierenden Fettverdauung. Auch für unseren Vitamin-D-Stoffwechsel sowie die Produktion von Sexualhormonen ist Cholesterin notwendig.
Der Körper (genauer: die Leber) kann den gesamten benötigten Cholesterinbedarf selbst herstellen. Zusätzliches Cholesterin stammt aus der Nahrung.1
Was für Cholesterinwerte gibt es?
Da Cholesterin nicht wasserlöslich ist, kann es nicht allein über das Blut zu den notwendigen Körperzellen wandern. Für den Transport des selbst hergestellten Cholesterins sorgen Lipoproteine. Das sind Fett-Eiweiß-Verbindungen, die das Cholesterin durch den Blutkreislauf aus der Leber zu den Geweben und wieder zurücktransportieren.
Wer schon mal einen Bluttest hat machen lassen, dem werden die Cholesterinwerte LDL, HDL, und Triglyceride schon mal begegnet sein. Um aus den vielen Begriffen und Zahlen schlau zu werden, brauchen die meisten die Erklärung und Einschätzung des eigenen Hausarztes. Dabei sind die drei Arten von Fettwerten, um die sich alles dreht, recht einfach auseinanderzuhalten: Es gibt das „gute“ sowie das „schlechte“ Cholesterin und Triglyceride.
LDL-Cholesterin
Wenn bei einem Bluttest ein erhöhter LDL-Cholesterinwert (Low Density Lipoprotein) nachgewiesen wird, ist es zwingend ratsam, etwas an seinem Lebensstil zu ändern. Das vereinfacht oft als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnete LDL ist ein Lipoprotein, das das Cholesterin aus der Leber in verschiedene Gewebe transportiert. Liegt zu viel LDL im Blut vor, kann sich in den Blutgefäßen Fett ablagern. Diese Ablagerungen, sogenannte Plaques, können dann wiederum zu Herzinfarkten, Schlaganfällen oder anderen Gesundheitsproblemen führen.
HDL-Cholesterin
Es gibt auch Cholesterinwerte, die hoch sein dürfen. Das HDL (High Density Lipoprotein) ist ebenfalls ein Lipoprotein, bringt das überschüssige Cholesterin vom Gewebe und den Arterienwänden allerdings wieder in die Leber zurück, damit der Körper es über die Galle wieder ausscheiden kann. Als „gut“ wird das HDL-Cholesterin häufig bezeichnet, da es mit einem reduzierten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Arterienerkrankungen in Verbindung gebracht wird.
Was hat es mit Triglyceriden auf sich?
In Abgrenzung zu den Lipoproteinen gibt es noch die Triglyceride, natürlich vorkommende Fette, die wir über die Nahrung aufnehmen. Sie liefern uns Energie, werden in den Fettdepots gespeichert und werden ebenfalls über Lipoproteine durch die Blutgefäße transportiert. Sind die Triglyceridwerte zu hoch, kann das ähnliche Folgen wie ein erhöhter LDL-Wert haben – im schlimmsten Fall kommt es also zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen.
Gesamtcholesterin
Der Wert des Gesamtcholesterins setzt sich im Wesentlichen aus HDL- und LDL-Cholesterin zusammen. Triglyceride fließen über Berechnungen indirekt mit ein. Ein erhöhtes Gesamtcholesterin und insbesondere ein erhöhter LDL-Cholesterinwert sollten ernst genommen und in jedem Fall weiter medizinisch beobachtet und behandelt werden.2, 3
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HDL, LDL, Triglyceride – was sind normale Werte für Cholesterin?
Je mehr „schlechtes“ LDL oder Triglycerid in unserem Blut zirkuliert, desto höher ist das Risiko, dass unsere Gesundheit davon beeinträchtigt wird. Laut den wissenschaftlichen Leitlinien sind die Zielwerte von LDL-Cholesterin und Triglyceriden abhängig von bestimmten Risikofaktoren.4 Wer raucht, Diabetes oder Bluthochdruck hat, genetisch prädisponiert oder übergewichtig ist, hat ein höheres Risiko bei erhöhten Cholesterinwerten an koronaren Ereignissen zu erkranken. Dementsprechend niedriger ist der Cholesterin-Zielwert. Die Zielwerte sind also enorm individuell – deswegen sollten Sie die folgenden Angaben nicht zu sehr pauschalisieren.5
Die Abkürzung mg/dL steht für Milligramm pro Deziliter.
LDL-Cholesterin („schlechtes“ Cholesterin)
- Niedriges Risiko: Hier sollte der LDL-Spiegel unter 116 mg/dL liegen.
- Moderates Risiko: Hier sollte der LDL-Spiegel unter 100 mg/dL liegen.
- Hohes Risiko: Für Patienten mit deutlich erhöhten Risikofaktoren oder chronischer Niereninsuffizienz liegt das Ziel unter 70 mg/dL.
- Sehr hohes Risiko: Personen, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, sollten einen Zielwert von unter 55 mg/dL erreichen.
- Extrem hohes Risiko: Bei Patienten, die innerhalb von zwei Jahren ein zweites vaskuläres Ereignis trotz Therapie erleiden, kann sogar ein Wert von unter 40 mg/dL angestrebt werden.
Triglyceride
Während die Zielwerte bei LDL nach Risikoklassen gestaffelt sind, geben die Leitlinien für Triglyceride allgemeinere Orientierungswerte vor. Als normal gilt in der Regel ein Wert von unter 150 mg/dL.
- Grenzwertig hoch: 150 bis 199 mg/dL
- Hoch: 200 bis 499 mg/dL
- Sehr hoch: Über 500 mg/dL
HDL-Cholesterin („gutes“ Cholesterin)
Bei den Zielwerten wird meist ein Mindestwert angestrebt. Ein HDL-Wert von mindestens 40 mg/dL gilt als angestrebtes Minimum für ein gesundes Herz-Kreislauf-System.6 Eine Obergrenze gibt es offiziell zwar nicht, aber sehr hohe HDL-Werte könnten ebenfalls als Warnsignal gelten. Mehrere große Beobachtungsstudien zeigen, dass auch extrem hohe HDL-Spiegel mit einem erhöhten Risiko verbunden sein können.7,8 Ob das HDL-Cholesterin selbst schädlich ist oder eher auf andere Risikofaktoren hinweist, ist dabei nicht klar.
Gesamtcholesterin
Früher wurde oft noch das Gesamtcholesterin betrachtet, dessen Zielwert vorwiegend unter 200 mg/dL lag. Heute weiß man jedoch, dass die Verteilung, also das Verhältnis von LDL zu HDL, eine viel aussagekräftigere Rolle spielt und daher vorrangig betrachtet wird.
Symptome von hohen Blutfettwerten
Im Grunde kann man erhöhtes Cholesterin nur über einen Bluttest nachweisen. Das ist es auch, was die ganze Sache so tückisch macht: Hohe Blutfettwerte erzeugen bei Betroffenen keine merkbaren Symptome, während es in den Arterien zu Plaquebildung kommt.
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Ursachen von hohen Blutfettwerten
Zu den Faktoren in Bezug auf den Lebensstil, die zu einem hohen Cholesterinspiegel führen können, gehören:9, 10
- schlechte Ernährung in Form von zu vielen gesättigten Fettsäuren oder Transfetten
- Rauchen
- übermäßiger Alkoholkonsum
- Bewegungsmangel
- krankhaftes Übergewicht
Daneben gibt es noch Faktoren außerhalb der eigenen Kontrolle, die zu hohen Cholesterinwerten führen. Dazu gehören unter anderem:
- erbliche Veranlagung
- Leber- und Nierenerkrankungen
- Schilddrüsenunterfunktion
- Gallenverschluss
- Gendefekt, welcher schon im Kindesalter erhöhte Cholesterinwerte verursacht
- Alter (Männer älter als 45 Jahre, Frauen älter als 55 Jahre)
- hormonelle Veränderungen, wie frühzeitige Menopause
- Einnahme von bestimmten Medikamenten
Diese Symptome können auf eine Fettstoffwechselstörung hinweisen
Wer sein „schlechtes“ Cholesterin senkt, kann Demenzrisiko um 26 Prozent verringern
Wie kann man Cholesterinwerte ohne Medikamente senken?
Je nach Ursache der erhöhten Blutfettwerte gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Werte natürlich oder mithilfe von Medikamenten zu senken. Liegt die Ursache im Übergewicht durch schlechte Ernährung sowie Bewegungsmangel oder in Faktoren wie Alkoholkonsum und Rauchen, reicht oft schon ein Wandel des Lebensstils aus, um die Werte signifikant zu senken. Insbesondere die Ernährung macht einen enormen Teil der Prävention und auch der Behandlung eines zu hohen Cholesterinspiegels aus.
Der erste Schritt: Ernährungsumstellung
Denn gesättigte Fettsäuren und Transfette sorgen dafür, dass die Leber mehr LDL-Cholesterin produziert, als sie es sonst tun würde. Für manche Menschen führt eine unausgewogene Ernährung mit viel gesättigten Fettsäuren und Transfetten zu einem ungesunden Wert von LDL-Cholesterin.
Um die Werte zu senken, ist der erste Schritt dementsprechend, die Ernährung umzustellen. Lebensmittel wie rotes Fleisch, Wurst und fettige Milchprodukte sollten wegen reichlich enthaltenen gesättigten Fettsäuren und Transfetten gemieden werden, ebenso Frittiertes, zuckerhaltige Süßigkeiten und Getränke. Gut fürs Herz und damit empfehlenswert sind Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, mageres Fleisch, Geflügel, Nüsse und bestimmte Pflanzenöle wie Leinöl und Walnussöl.
Behandlung durch Medikamente
In vielen Fällen müssen allerdings auch cholesterinsenkende Medikamente eingenommen werden. Vorwiegend, wenn die Werte bei Risikopatienten viel zu hoch sind oder sich trotz Ernährungs- und Lebensstilwandel keine Besserung einstellt.
Dabei werden am häufigsten Statine verschrieben. Als Cholesterin- bzw. Lipidsenker hindern sie die Leber daran, mehr Cholesterin zu produzieren. Das Medikament Ezetimib bspw. hemmt die Aufnahme von Cholesterin im Darm. Das Statin Simvastatin hemmt die körpereigene Cholesterinproduktion.11
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Fazit
Bleiben hohe Blutfettwerte lange unentdeckt, kann das zu Erkrankungen und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Umso wichtiger ist es, die Werte regelmäßig von seinem Arzt checken zu lassen. Hohen Cholesterinwerten und insbesondere „bösen“ LDL-Werten kann man präventiv mit einem gesunden Lebensstil vorbeugen. Dieser umfasst ausgewogene, gesunde, fett- und zuckerarme Ernährung sowie regelmäßige Bewegung. Übermäßiger Alkoholkonsum und Rauchen sollten (nicht nur im Hinblick auf den Cholesterinspiegel) in jedem Fall vermieden werden.