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Wenn man um die Erkrankung nicht weiß

Welche Symptome weisen auf Bluthochdruck hin?

Darstellung des Blutgefäßsystems
Symptome von Bluthochdruck sind sehr unspezifisch. FITBOOK hat mit einem Experten gesprochen.Foto: Getty Images

Dass jemand an Bluthochdruck (Hypertonie) leidet, wird häufig erst spät erkannt. Manchmal zu spät. Grund dafür ist das lange Ausbleiben von Symptomen, und treten sie auf, sind sie allenfalls diffus. FITBOOK erklärt, bei welchen Beschwerden Sie aufmerksam werden sollten.

Es ist schwierig, Bluthochdruck anhand etwaiger Symptome zu erkennen, wenn man um die Erkrankung (noch) nicht weiß. Das erklärt im Gespräch mit FITBOOK der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Frankfurt am Main, Prof. Dr. med. Leo Latasch. Demnach weisen allenfalls unspezifische Beschwerden auf Bluthochdruck hin – und tückischerweise vor allem solche, die man schnell fehlinterpretiert.

Typische Bluthochdruck-Symptome? Gibt es nicht!

Wolle man von „typischen“ Bluthochdruck-Symptomen sprechen, würde man zunächst sicherlich morgendliche Kopfschmerzen, „vor allem Schwindelanfälle“, aber auch allgemeines Unwohlsein und Sehstörungen nennen, weiß der Experte. Auffällig: Die Beschwerden ähneln ausgerechnet denen eines zu niedrigen Blutdrucks. Kein Zufall.

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Es passiere recht häufig, dass sich die Neigung zu niedrigem in hohen Blutdruck umwandelt. Das ist problematisch, da die Betroffenen kaum auf Idee kommen, dass ihr Befund sich ins Gegenteil gekehrt haben könnte. Es gelte nun, den Patienten auf mögliche körperliche Ursachen (z. B. eine Verengung der Blutgefäße) zu untersuchen.

Vermischung mit weiteren Beschwerden der zweiten Lebenshälfte

Was außerdem dazu führen kann, dass Symptome von Bluthochdruck nicht gedeutet würden: Die Erkrankung tritt selten vor Eintritt in die zweite Lebenshälfte auf.

„Mehr als die Hälfte der Frauen entwickelt in den ersten Jahren nach der Menopause eine Hypertonie“, heißt es dazu auf der Website der Deutschen Hochdruckliga. In dieser Zeit haben viele Betroffen mit menopausalen Beschwerden wie Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen sowie eben auch generellem Unwohlsein, Kopfschmerzen und Schwindel zu kämpfen. Schnell hat man die weniger offensichtliche Ursache der Beschwerden verkannt.

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Dabei ist Bluthochdruck vor dem Hintergrund der Wechseljahre offenbar besonders gefährlich. Vorher seien Frauen besser mit dem weiblichen Sexualhormon Östrogen versorgt, welches blutdrucksenkend und dadurch erkrankungsvorbeugend wirke. Danach kommt es zu einer hormonellen Verschiebung und in der Folge zur Vermehrung ungesunden Bauchfetts. Eine gefährliche Entwicklung, denn: Jenes Fettgewebe „setzt selbst Hormone frei, die den Appetit anregen und auch dafür sorgen, dass der Blutdruck steigt“. Oft seien laut der Deutschen Hochdruckliga Organe wie das Herz und die Nieren bereits geschädigt, wenn sich der Bluthochdruck eindeutiger bemerkbar mache.

Bluthochdruck nicht dem Zufall überlassen

„Meistens wird Bluthochdruck durch Zufall entdeckt“, warnt Prof. Latasch. Derartige Zufälle seien oft von schwerwiegender und potenziell lebensgefährlicher Natur – schlimmstenfalls sei es ein Schlaganfall.

Um das zu vermeiden, rät der Notfallmediziner dringend dazu, seinen Blutdruck regelmäßig zu messen – „ab dem Alter von etwa 40 am besten täglich“, so Prof. Latasch. Apotheken bieten kostenlose Messungen an, die man bei jedem Besuch in Anspruch nehmen kann. Noch besser sei es, sich ein Blutdruckmessgerät für zu Hause (Kosten: ca. 20 Euro) anzuschaffen. Die Bedienung ist einfach und dauert kaum eine Minute.

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Ab wann ist es Bluthochdruck?

Laut der Leitlinie der Deutschen Hochdruckliga gilt ein Blutdruck von 140/90 mmHg als krankhaft und behandlungswürdig. Einen Blutdruckbereich von 130-139/85-89 mmHg nennen Mediziner „hochnormal“ und empfehlen das Überdenken der persönlichen Ernährungs- und generellen Lebensgewohnheiten, um seinen Blutdruck auf natürliche Weise zu senken. Was dabei hilft: den Fokus auf Obst und Gemüse zu legen und tierische Fette sowie Salz nur sparsam konsumieren. Daneben profitiert das Herz-Kreislauf-System auch von regelmäßigem Sport.