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von FITBOOK

Studie warnt

Gesundheitsportale geben sensible Daten weiter

Stethoskop liegt auf Tastatur
Verstoßen Gesundheitsportale gegen den Datenschutz?
Foto: Getty Images

Diagnose Sammelwut! Forscher warnen in einer Studie, dass Gesundheitsportale sensible Nutzerdaten an Drittunternehmen weitergeben. Bedeutet: Wer sich im Internet über psychische Erkrankungen informiert, verrät möglicherweise mehr über sich, als ihm lieb ist. FITBOOK fasst den Inhalt der Studie zusammen.

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Diese können dann Nutzerprofile erstellen – zum Beispiel für personifizierte Werbung.

Schlimmer noch: Geraten die sensiblen Informationen zur eigenen Gesundheit in falsche Hände, verbunden beispielsweise mit Infos über den Standort und das Befinden des Nutzers, könnten diese für ganz andere Zwecke verwendet werden. Wie sammelwütig Gesundheitsportale zulangen, ahnen Hilfesuchende oftmals nicht, denn sie werden auf den meisten Webseiten nicht darüber informiert. Einwilligen oder ablehnen? Fehlanzeige.

Fast alle Seiten sind mit Trackern versehen

Forscher der Nichtregierungsorganisation Privacy International haben 136 Webseiten in deutscher, französischer und englischer Sprache unter die Lupe genommen. Ausgerechnet im Gesundheitssektor warnen sie in ihrer Studie vor möglichem Datenmissbrauch: Fast 98 Prozent der Seiten hatten Werbe-Tracker installiert. Von den 44 deutschsprachigen Seiten sind rund zwei Drittel mit solchen Trackern ausgestattet.

Betroffen sind zum Beispiel Internet-Seiten wie Netdoktor, Apotheken-Umschau, aber auch Online-Auftritte verschiedener Kliniken. Der Verlag der Apotheken-Umschau will klären, inwieweit die geschaltete Werbung datenschutzkonform ist. In einer Pressemitteilung heißt es: „Bis diese Prüfungen abgeschlossen sind, hat der Verlag vorsorglich entschieden, die Werbung von seiner Website zu nehmen und damit auch alle Werbetracking-Tools zu entfernen.“

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Auch auf der Online-Seite von Netdoktor werden in stattlichem Umfang Daten der Nutzer weitergeleitet. Die Forscher von Privacy International haben auf der Seite über 120 Elemente von Drittanbietern gefunden, darunter von datenhungrigen Internet-Riesen wie Amazon, Facebook und Google.

Ob Netdoktor gesundheitsbezogene Daten auch sammelt? Unklar. Auf der Seite steht in der Datenschutz-Erklärung, dass das Gesundheitsportal die Dienste eines Drittanbieters in Anspruch nimmt, um das Verhalten des Nutzers zu sammeln und auszuwerten. Laut Tagesschau.de hingegen erklärte eine Sprecherin von Netdoktor, dass das auf der eigenen Seite beschriebene Tool zur Daten-Auswertung derzeit nicht aktiviert sei.

Vorsicht vor Selbst-Tests im Internet

Auch das haben die Datenschutz-Experten von Privacy International herausgefunden: Teilweise wurde an Drittanbieter übermittelt, auf welche Fragen Rat suchende Nutzer bei einem Selbst-Test zur eigenen psychischen Verfassung geantwortet hatten. Auf den untersuchten deutschen Seiten fanden die Forscher keine Hinweise, dass konkrete Antworten weitergereicht wurden. Auf französischen Gesundheitsportalen stießen sie jedoch auf einen krassen Fall: Jede einzelne Antwort, die bei einem Psycho-Test nichtsahnend eingetippt wurde, ist an Werbe-Netzwerke übermittelt worden. Die konnten dann noch weitere Daten abgreifen, weil sie beim Nutzer ein entsprechendes Cookie im Browser installierten.