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Herzinfarkt mögliche Folge

Arteriosklerose – woran erkennt man verstopfte Arterien?

Symptome von Arteriosklerose
Je nachdem, wo Arterien „verstopft“ sind, kann sich Arteriosklerose unterschiedlich zeigen. FITBOOK erklärt die Symptome.Foto: Getty Images

Arteriosklerose (auch als „Arterienverkalkung“ bekannt) ist der Fachbegriff, wenn Ablagerungen in den Arterien den Blutstrom behindern. Es ist in der Regel ein schleichender Prozess, der schlimmstenfalls zur vollständigen Unterbrechung des Blutflusses führen kann. Zu den möglichen Folgen zählt u. a. ein lebensgefährlicher Herzinfarkt. FITBOOK erklärt, woran Sie verstopfte Arterien erkennen und wie Sie der Diagnose vorbeugen können.

Arterien sind Schlagadern, die „frisches“, sauerstoffhaltiges Blut vom Herzen weg führen. Dieses Blut hat die Aufgabe, die Organe und Gewebe im Körper mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen und dadurch funktionsfähig zu machen. Bei Arteriosklerose handelt es sich um eine Erkrankung dieser wichtigen Blutgefäße. Sie beeinträchtigt den Blutstrom – mitunter massiv.

FITBOOK hat mit Prof. Dr. Norbert Stefan, Internist, Endokrinologe, Diabetologe und Inhaber der Heisenberg Professur für klinisch-experimentelle Diabetologie am Universitätsklinikum Tübingen gesprochen. Der Experte hat uns genauer erklärt, was Arteriosklerose ist, wie man die Erkrankung erkennt und ihr bestmöglich vorbeugen kann.

Arteriosklerose – was steckt hinter den Ablagerungen?

Ärzte sprechen im Zusammenhang mit Ablagerungen in den Arterien auch von Plaque. Damit sind Verhärtungen innerhalb der Schlagader gemeint. Sie können beispielsweise aus Blutgerinnseln, Blutfetten oder auch auch Kalk (= Ablagerungen von Kalzium) bestehen.

Wer ist besonders gefährdet, zu erkranken?

Meist sind ältere Menschen von Arteriosklerose betroffen. Männer trifft die Erkrankung dabei häufiger. Sie gilt übrigens als häufigste Ursache im Fall einer Impotenz. Frauen sind in der Regel erst nach Abschluss der Wechseljahre (und damit einhergehender hormoneller Umstellungen) gefährdet.

Veranlagte Risikofaktoren

Laut Professor Stefan geht man davon aus, dass u. a. Menschen, in deren familiären Umfeld es früh zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen gekommen ist, zur Risikogruppe gehören. Ebenso Patienten, die selbst bereits ein entsprechendes Ereignis hinter sich haben.

Neben körperlichen Erkrankungen, wie zum Beispiel Rheuma, stehen auch psychische Vorbelastungen wie Angststörungen und Depressionen im Verdacht, das Risiko einer Arteriosklerose zu erhöhen.

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Risiken durch die Lebensweise

Aber auch die Lebensführung spielt eine Rolle. So begünstigen Raucher durch den Tabakrauch die Entstehung von Ablagerungen in ihren Arterien. Und auch eine sehr fett- und kalorienreiche Ernährung sehen Ärzte kritisch. Laut Professor Stefan gehören Faktoren, die häufig auch mit Adipositas einhergehen (wie starkes Übergewicht im Bereich des Bauchs, Fettleber, Diabetes, dauerhafter Bluthochdruck und ein erhöhter Cholesterinspiegel) zu den Risikofaktoren.

Woran erkennt man, dass Arterien verstopft sind?

Je nachdem, welche, beziehungsweise wie viele Stellen im Körper von Arteriosklerose betroffen sind, können die Symptome unterschiedlich ausfallen. Verstopfte Herzkranzgefäße verursachen beim Patienten oft ein Druck- und Engegefühl im Bereich des Brustkorbs. Innerhalb der Nieren beeinträchtigen verstopfte Arterien die Nierenfunktion. Das erkennen Betroffene u. a. an schaumigem Urin, Wassereinlagerungen in den Beinen und hohem Blutdruck.

Auch Störungen und Ausfälle von Funktionen des Nervensystems können auf Arteriosklerose zurückzuführen sein. Verstopfungen der Halsschlagader sind dabei oft der Auslöser.

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„Schaufensterkrankheit“ aufgrund von Arteriosklerose

Laut Professor Stefan sind Symptome der sogenannten „Schaufensterkrankheit“ ein sehr wichtiger Hinweis drauf, dass arterielle Ablagerungen in den Hals-, Herz- und Hirngefäßen vorliegen könnten. In der Fachsprache ist sie als periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) bekannt (englisch: peripheral arterial disease, kurz PAD).

Es können aufgrund verengter oder gänzlich verschlossener Arterien, welche die Beine mit Blut versorgen sollen, Beschwerden beim Gehen bestehen, und mitunter auch belastungsunabhängige Schmerzen in den Beinen auftreten. Diese können dazu führen, dass Betroffene immer wieder Pausen beim Gehen machen müssen. Unter Ärzten wird dieses Anzeichen der sogenannten „Schaufensterkrankheit“ als „intermittierendes Hinken“ bezeichnet.

Manchmal ist die Durchblutung so stark gestört, dass Gliedmaßen oder Teile davon amputiert werden müssen.

Mögliche Folgen von Arteriosklerose

Arteriosklerose ist ein ernstzunehmender Befund. Mit ihrem Fortschreiten kann die Erkrankung dazu führen, dass sich Ablagerungen zu einem Blutpfropf (Thrombus) verbinden und den Blutstrom nicht mehr „nur“ stören, sondern gar kein Blut mehr durchlassen. Das kann einen Herzinfarkt verursachen. In der Hauptschlagader begünstigen Blutgerinnsel einen Schlaganfall.

Untersuchung und Diagnose

Im ersten Schritt führen Ärzte eine Blutuntersuchung durch.

Ermittlung der Cholesterin- und Blutzuckerwerte

Laut Professor Stefan sind es u. a. erhöhte Blutzucker- und bestimmte Cholesterinwerte, die Anzeichen einer Arteriosklerose sein können. Darunter hohes LDL-Cholesterin („mehr als 150 Milligramm pro Deziliter, bei Diabetikern sind bereits mehr als 100 Milligramm pro Deziliter relevant“) und Lipoprotein a.

Eine Übersicht der verschiedenen Cholesterinwerte (und Tipps, um sie auf natürliche Weise zu senken), finden Sie hier.

Messungen der Herzaktion

Bei Verdacht auf Arteriosklerose wird der Patient auch abgehört. Im Detail richten sich Ablauf und Bestandteile der Untersuchung allerdings danach, wo die Verkalkungen vermutet werden. Je nach Verdacht kann auch ein Elektrokardiogramm (EKG) beziehungsweise ein Belastungs-EKG sinnvoll sein. Dabei handelt es sich um ein diagnostisches Verfahren, bei dem die Herzaktionen des Patienten unter Belastung gemessen werden.

Einfache bildgebende Untersuchungsverfahren

Um eine sichere Diagnose stellen zu können, nutzen Ärzte und Ärztinnen für gewöhnlich bildgebende Verfahren, welche etwaige Verdickungen der Gefäßwände aufzeigen können. In dem Zusammenhang hebt Professor Stefan die sogenannte „Carotis Doppler“-Methode hervor. Jene nicht-invasive Ultraschall-Untersuchung mache strukturelle Veränderungen von Gefäßen und Gefäßwänden des Halses gut sichtbar. 

Dagegen greife man zur Einsicht in die Herzkranzgefäße meist auf die Methode der Stress-Echokardiographie zurück. Dabei handelt es sich um eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens beispielsweise unter Fahrradbelastung oder Vergabe eines speziellen Medikamentes. Dadurch erkennen Ärzte Funktionsstörungen des Herzmuskels, die auf einer schlechteren Durchblutung des Herzmuskels unter Belastung beruhen.

Behandlung von Arteriosklerose

Vorerkrankungen, die Arteriosklerose begünstigen können (wie die oben genannte Adipositas, Fettleber und Stoffwechselkrankheiten) gelte es, zu therapieren.

Medikamente

Je nach Schwere der Erkrankung kann eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Mediziner*innen verschreiben zur Vermeidung oder Linderung einer Arteriosklerose für gewöhnlich Arzneien, die auch anderen Problemen des Herz-Kreislauf-Systems vorbeugen sollen. Darunter Gerinnungsmittel (umgangssprachlich auch „Blutverdünner“ genannt) und Blutdrucksenker.

Interventionelle Therapien per Katheter und Operationen

Nicht immer ist eine Behandlung ohne einen chirurgischen Eingriff möglich. Je nach Befund gibt es hierbei verschiedene Methoden.

Im Bereich der Herz-, Hals- und Beinschlagadern besteht die Möglichkeit von Ballonkathetern, welche die verengten Gefäße künstlich erweitern sollen oder künstliche Gefäße, mit deren Hilfe Blut aus sehr stark verengten Gefäßen umgeleitet wird. Manchmal können Chirurgen sich hier aber auch mit körpereigenem Material von anderen Körperstellen des Patienten behelfen.

Besser: vorsorgen!

Die Prävention sollte schon vor Auftreten etwaiger Arterienverkalkungen beginnen – in Form eines gesunden Lebenswandels. Risikofaktoren, wie das Rauchen oder ungesunde Ernährung, sollten vermieden werden. Stattdessen besser artgerecht essen, ausreichend schlafen und bewegen. Dann haben Sie schon viel für die Gesundheit Ihrer Arterien getan.