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Beim Sportwissenschaftler nachgefragt

Muss effektives Training wirklich wehtun?

Sportler
Es muss richtig ziehen – das glauben viele. Aber ist das Training dadurch wirklich effektiver? FITBOOK klärt auf
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„Versetze dich in eine Situation, die dich wahnsinnig wütend gemacht hat, und jetzt powere noch einmal richtig durch.“ Mit solchen Gedanken pushen sich viele Sportler zu mehr Leistung. Das funktioniert – ist aber, laut einem Sportwissenschaftler, sehr ungesund. FITBOOK fragte ihn, warum das so ist und wie man es besser machen kann.

Wem Unrecht oder Gewalt angetan wurde, der wird wütend. Ebenso gehört Angst zu den negativen Gefühlen, die ungeahnte Kräfte freisetzen. Die Natur hat sich etwas dabei gedacht: Verschiedene Stresshormone helfen dabei, sich in Bedrohungssituationen zu verteidigen. Ein wichtiger Mechanismus zum Überleben also – den man aber nicht als Antrieb für die Performance missbrauchen sollte! Das findet jedenfalls Diplom-Sportwissenschaftler und Personal Coach Felix Klemme.

Felie Klemme

Beim Training geht es Felix Klemme in erster Linie um die Freude an der Bewegung. Das vermittelt der Personal Trainer auch seinen Kunden
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Schmerz als Indikator für Effektivität

„Beim Sport soll man sich fordern, aber nicht überfordern“, bringt es Personal Trainer Klemme auf den Punkt. Er findet es frappierend, wie viele Freizeitsportler glauben, effektives Training müsse wehtun. Ein Muskelkater gebe ihnen das Gefühl, richtig gut trainiert zu haben. Natürlich kann man mal einen haben, sollte es aber nicht unbedingt darauf anlegen. Was man als Schmerzen wahrnimmt, sind schließlich Mikroverletzungen der Muskeln. Durch die kleinen Risse im beanspruchten Muskelgewebe dringt Wasser durch, was kleine Ödeme und ein Ausdehnen der Muskeln verursacht. Keineswegs sei das nötig, um einen Trainingserfolg zu erzielen, versichert Klemme.

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Dass hierzulande so viele glauben, für ein effektives Training Schmerzen gelitten haben zu müssen, betrachtet Klemme als deutsches Phänomen. „Genauso typisch, wie sich über das Wetter, den Chef – immer irgendetwas aufzuregen.“ Wer etwa morgens eine Auseinandersetzung mit einem anderen Verkehrsteilnehmer hatte, könne sich noch stundenlang darüber aufregen. Spätestens beim Sport hole er die negativen Gedanken wieder hoch und schlage, nach dem Motto „dem zeig ich’s“, besonders kräftig zu. Also keine positiven Gefühle, die man hierfür erzeugt. Körperliche Entwicklungen, die darauf fußen, können Klemmes Meinung nach nicht gesund sein.

Laut dem Experten gibt es Sportler – „harte Jungs und Mädels“, ebenso Crossfitter –, für die Härte ein guter Antriebsfaktor darstellt. Dass es aber generell eine gängige Motivationsmaßnahme ist, Aggression und Wut zu schüren, findet er fragwürdig
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Was man verbissen angeht, sei sehr oft zum Scheitern verurteilt. Und dann ärgere man sich umso mehr, wenn es nicht geklappt hat.

Zu den Stresshormonen zählen Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol. Letzteres, auch als Hydrokortison bekannt, hat Einfluss auf den gesamten Stoffwechsel. Es ist von Natur aus im menschlichen Blut vorhanden und im Normalmaß sehr wichtig für den Körper. Bei Stress verstärkt sich die Produktion durch die Nebennierenrinde, was ebenfalls Einfluss auf den Organismus hat: einen negativen.

Wenn regelmäßig viele Stresshormone ausgeschüttet werden, ist der Organismus in ständiger Alarmbereitschaft. Hält das ungesund hohe Niveau dauerhaft an, geht das zu Lasten der Organe, zudem ist man dauerhaft nervös und reizbar. Darüber hinaus belegen verschiedene US-Studien, dass dauerhafter Stress Gift für den Körper ist und die Gehirnregion schädigen kann, die für Erinnerungen zuständig ist.

Klemme stellt Aggression als Antrieb aber auch aus psychologischer Sicht in Frage. „Wenn sportliche Erfolge auf negativen Empfindungen beruhen, steht der eigentliche Zweck des ganzen Trainings – Gesundheit! – doch sehr in Frage.“  Für den Sportwissenschaftler geht es nicht um die Leistung, sondern um die Freude an der Bewegung. Dass der Effekt so automatisch kommt, beweist er selbst. Im FITBOOK-Interview verrät Felix Klemme, wie man es schafft, dass Sport NICHT weh tut. Und dadurch umso effektiver wird.

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• Echten „sportlichen“ Ehrgeiz zeigen

Die letzten Minuten des Trainings oder Wettkampfes stehen an. Bedeutet: Serotoninausschüttung und ein zufriedenes Gefühl, es geschafft zu haben. KEIN Grund also, an einen ungeliebten Menschen oder hässlichen Streit zu denken, um sich ans Ziel zu pushen. Der Gedanke daran, was man für seine Fitness getan hat, oder an das Siegertreppchen, sind laut Klemme Motivation genug. Klemme ist sicher: „Die wirklich erfolgreichen Athleten denken nicht daran, wem sie’s gerade so richtig gezeigt haben, sondern motivieren sich durch positive Bilder aus der Vergangenheit oder in der Zukunft.“

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• Motivation an der richtigen Stelle finden

Wer in Trainingswoche drei schon ein paar Minuten länger laufen konnte oder die Jeans, die jahrelang zu eng wahr, endlich ansatzweise zubekommt, spürt und sieht die Motivation zu sportlichen Engagement am eigenen Leib. Auch die Vorfreude auf einen schönen Urlaub, in dem die Bikinifigur präsentiert werden möchte, dürfte ein besseres Zugpferd sein als die Vorstellung, jemandem eins auszuwischen.

Klemme und Trainingspartner

Selbst, wenn man beim Workout lächelt, kann der Trainingsreiz bereits ausreichen. Das erleben auch Klemmes (r.) Kunden in dessen Outdoor-Gym-Kursen
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• Ärger direkt verarbeiten

Nach dem Büro geht’s ins Fitness-Studio, wo man die Wut über den nervigen Chef oder einen anderen Streitpartner richtig wegboxen kann. Was dabei passiert? „Man versetzt sich in das negative Gefühl zurück, das man vor einigen Stunden hatte“, erklärt der Sportwissenschaftler, „regt sich also ein weiteres, unnötiges Mal auf.“ Durch diesen künstlich wieder heraufbeschworenen Zustand der Angespanntheit wird es unmöglich, mit der ärgerlichen Situation endgültig abzuschließen. Das kann niemand wirklich wollen. Besser: direkt aufregen, Dampf ablassen, abschließen und nicht mehr über den Idioten nachdenken. Auch fürs Karma.

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