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Ernährungsexpertin klärt auf

Wie gesund ist Aloe-vera-Saft wirklich?

Aloe Vera gesund
Welche Effekte hat ein Glas Aloe-vera-Saft täglich auf die Gesundheit? Foto: Getty Images
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23. August 2025, 17:41 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Aloe vera kennt man vorwiegend aus Kosmetikprodukten, doch die traditionelle Heilpflanze findet zunehmend den Weg in Lebensmittel. So soll sie nicht nur gegen Sonnenbrand, sondern auch gegen Entzündungen helfen, das Immunsystem stärken, die Verdauung fördern und sogar vor Krebs schützen – ein echtes Wundermittel, oder? Für FITBOOK-Ernährungsexpertin Sophie Brünke Anlass, genauer hinzuschauen.

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Der „Arzt im Blumentopf“ – Hausmittel mit Geschichte

Die Aloe‑Vera‑Pflanze gehört zu den Liliengewächsen und ist in Wüstengebieten zu finden. Und sie gilt nicht umsonst als Klassiker unter den Heilpflanzen – ihre Geschichte reicht viele tausend Jahre zurück. Schon vor rund 6000 Jahren nutzten die alten Ägypter das Gel der Pflanze und erwähnten es im berühmten „Eberschen Papyrus“ (Arzneibuch, ca. 1500 v. Chr.). Selbst Cleopatra und Nofretete sollen bei der Hautpflege auf die feuchtigkeitsspendende Wirkung gesetzt haben.

Von Ägypten aus verbreitete sich die Pflanze weiter: In der ayurvedischen Medizin Asiens war sie schon um 500 v. Chr. ein fester Bestandteil, geschätzt bei inneren und äußeren Beschwerden. Auch berühmte Persönlichkeiten wie Alexander der Große oder der griechische Arzt Dioskurides empfahlen Aloe vera bei Wunden, Magenproblemen oder Sonnenbrand. Christoph Kolumbus gab ihr den charmanten Namen „Arzt im Blumentopf“, weil sie immer an Bord seiner Schiffe griffbereit war.

Auch im Deutschland des frühen Mittelalters war die Pflanze bekannt: Die Benediktinernonne Hildegard von Bingen setzte sie bei Magenbeschwerden, Hautproblemen und sogar Zahnerkrankungen ein.1

Auch interessant: Ayurveda-Expertin: »Wer seinen Darm umprogrammiert, isst gesünder und nimmt ab!

Welche Inhaltsstoffe stecken in Aloe vera?

Das Aloe-vera-Blattgel besteht zu rund 98 bis 99 Prozent aus Wasser. Es wurden bisher mehr als 200 Inhaltsstoffe entdeckt, darunter:

Besonders hervorgehoben werden zudem die Mucopolysaccharide (Schleimstoffe aus Kohlenhydraten), Glykosaminoglykane (insbesondere Acemannan bzw. Aloverose) und Salicylsäure, welchen viele positive gesundheitliche Wirkungen nachgesagt werden.

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Insgesamt ist das Spektrum an Inhaltsstoffen also breit, die jeweiligen Mengen sind aufgrund des Wassergehalts jedoch sehr gering und auch in heimischem Obst und Gemüse zu finden. Nennenswert ist der Eisengehalt im Aloe-vera-Saft: Ein Liter liefert 44 Milligramm, wobei der Tagesbedarf von Männern bei elf, von Frauen bei 16 Milligramm liegt.2

„Ökotest“ weist darauf hin, dass Aloe-vera-Direktsaft zu 100 Prozent aus dem Blattgel frischer Pflanzen bestehen muss, ansonsten aber auch Zusatzstoffe wie Vitamin C enthalten sein können. Aloe-vera-Trinkgele können auch aus Konzentrat des Gels hergestellt sein und Konservierungs-, Verdickungs- und Säuerungsmittel enthalten. Die Range der Zusammensetzung variiert entsprechend stark.3

Was Aloe-vera-Saft bewirken soll

Aloe-vera-Saft wird als gesunder Alleskönner vermarktet. Zu den versprochenen Wirkungen zählen:

  • Entzündungen hemmen
  • das Immunsystem stärken
  • die Magen- und Darmschleimhaut beruhigen
  • die Verdauung fördern
  • vor Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Aids, Asthma, Depressionen, Migräne oder Neurodermitis schützen
  • die Kollagenproduktion der Haut anregen

Die Liste ist lang, doch welche Effekte gehen über vermeintliche Versprechen hinaus?

Welche Effekte wissenschaftlich bewiesen sind – und welche nicht

Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass viele der Wirkungen aus angeblichen Erfahrungsberichten stammen. Wissenschaftliche Belege gäbe es nur wenige, und wenn, dann basieren sie auf Zellkultur- oder Tierstudien mit Extrakten. Entsprechend sind die Ergebnisse nicht auf einen Saft trinkenden Menschen übertragbar.4

Ein Review aus 2024 fasst zusammen, welche Wirkungen in Studien ohne Menschen belegt wurden:

  • entzündungshemmend (menschliche Zellen, Ratten)
  • antioxidativ (Zebrafische)
  • antibakteriell (Bakterien)
  • antimykotisch (pilztötend, an Pilzen)
  • antiparasitär (Mäuse)
  • immunmodulierend (Mäuse)
  • antitumoral (menschliche Zellen, Ratten)
  • Schutz vor Leber- und Nierenschädigung (Ratten, Kaninchen)
  • kardioprotektiv (Ratten)

Einzig in puncto Wundheilung führte das Review Studien an Menschen auf, die einen Effekt bei Verbrennungen, Akne und Hautpflege feststellten.5 Eine kleine Metastudie aus dem Jahr 2018, welche drei klinische Studien mit insgesamt 151 Probanden analysierte, kam überdies zu dem Schluss, dass Aloe vera in Form von Saft oder Tabletten die Symptome von Reizdarm gegenüber eines Placebos signifikant linderte und keine Nebenwirkungen zeigte.6

Auch eine andere Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt zeigte sich bei Menschen: Aloe vera ist stark abführend. Deswegen wird der Saft teilweise noch in Arzneimitteln gegen Verstopfung angewendet. Und Arzneimittel ist ein wichtiges Stichwort. Diese unterliegen anderen Kriterien als Nahrungsergänzungsmittel. So warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor Nahrungsergänzungsmitteln, z. B. Säften, die auf der Basis von ganzen, ungeschälten Blättern der Aloe vera hergestellt wurden. Diese sind aufgrund der enthaltenen Anthranoide möglicherweise krebserregend und sollten nicht länger als zwei Wochen angewendet werden.7

Jegliche krankheitsbezogene Aussagen bei Aloe vera sind übrigens laut der Verbraucherzentrale verboten. Es seien zwar einige Health Claims bei der EU beantragt, bisher sei jedoch keiner zugelassen worden.

Saft als Nahrungsergänzungsmittel

Wenn Sie Aloe-vera-Saft verwenden möchten, sollten Sie auf folgende Punkte achten:

  • Ungeschälte Blätter: Nahrungsergänzungsmittel aus ungeschälten Aloe-Blättern (z. B. Aloe arborescens) sind unsicher und können krebserregend sein.
  • Werbung: Die meisten beworbenen Wirkungen sind nicht belegt und beziehen sich oft nur auf zugesetzte Vitamine – Zutatenliste prüfen.
  • Dosierung: Auf der Verpackung muss die Tagesdosis stehen; ein Shot darf höchstens 60 Milliliter enthalten. Dosierangaben nicht überschreiten.
  • Siegel: Kennzeichnungen wie Institut Fresenius oder International Aloe Science Council zeigen Qualitätskontrolle, sind aber kein Wirknachweis.
  • Nebenwirkungen: Möglich sind Magen-Darm- oder Nierenreizungen, Allergien sowie Wechselwirkungen mit Medikamenten; vor Operationen Arzt informieren.
  • Kontraindikationen: Nicht einnehmen bei Schwangerschaft, Stillzeit, Hämorrhoiden, Darmverschluss oder akuten Darmentzündungen. Kinder unter zwölf Jahren sollten den Saft ebenfalls nicht trinken.
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Saft selbst herstellen? Lieber nicht!

Greifen Sie nicht selbst zur Zimmerpflanze und zum Pürierstab. Die Blätter müssen sehr sorgfältig geschält werden, damit das Endprodukt frei von Anthranoiden ist – überlassen Sie das Fachleuten.

Fazit: Ist Aloe-vera-Saft gesund?

Aloe-vera-Saft enthält viele wertvolle Inhaltsstoffe, doch die Mengen sind im Vergleich zu Obst und Gemüse gering. Wissenschaftlich belegt sind bisher vor allem Effekte auf Haut und Verdauung. Viele andere beworbene Wirkungen, wie ein Schutz vor Krebs oder eine Stärkung des Immunsystems, sind dagegen nicht ausreichend nachgewiesen.

Wer Aloe-vera-Saft trinken möchte, sollte auf geprüfte Produkte aus geschältem Blattgel achten und die Dosierungsempfehlungen nicht überschreiten. Vorsicht gilt besonders bei Nahrungsergänzungsmitteln aus ungeschälten Blättern, da diese sogar möglicherweise krebserregend sind.

Quellen

  1. Roland, F. Aloe vera in der (Ernährungs)Medizin. Umwelt & Gesundheit. (aufgerufen am 22.08.2025) ↩︎
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Referenzwert Eisen. (aufgerufen am 2025) ↩︎
  3. Ökotest. Aloe-vera-Saft: Was soll er im Körper bewirken? (aufgerufen am 22.08.2025) ↩︎
  4. Verbraucherzentrale. Aloe vera - die Pflanze für Schönheit und Gesundheit? (aufgerufen am 22.08.2025) ↩︎
  5. Catalano, A., Ceramella, J., Iacopetta, D. et al. (2024). Aloe vera-An Extensive Review Focused on Recent Studies. Foods. ↩︎
  6. Hong, S.W., Chun, J., Park, S. et al. (2018). Aloe vera Is Effective and Safe in Short-term Treatment of Irritable Bowel Syndrome: A Systematic Review and Meta-analysis. Journal of Neurogastroenterology and Motility. ↩︎
  7. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Nahrungsergänzungsmittel mit anthranoidhaltigen AloeGanzblattzubereitungen bergen gesundheitliche Risiken. (aufgerufen am 22.08.2025) ↩︎

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