5. September 2025, 3:50 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Während topgestylte Beauty-Influencer auf Social Media mit „Super-Glow“ wieder mal eine neue Pflegeserie für ihre „Morning-Routine“ anpreisen, sieht der Alltag vor dem Spiegel für die meisten Teenager und jungen Erwachsenen ganz anders aus. Mehr als die Hälfte aller 15- bis 24-Jährigen in Europa hat mit Akne zu kämpfen.1 Doch was ist Akne eigentlich, warum trifft es uns vor allem im Jugendalter – und was hilft gegen Pickel und Co.?
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Was ist Akne?
Akne und Pickel sind nicht das Gleiche. Während sich fast jeder Teenager mal mit dem einen oder anderen Pickel herumärgert, ist die sogenannte „Akne vulgaris“ eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, bei der viele Eiterpickel und sogar große Knoten entstehen können.
Das passiert, weil sich die sogenannten Talgdrüsenfollikel entzünden. Ein Talgdrüsenfollikel ist der Ort, an dem unsere Haare „verankert“ sind. Man kann sich das so vorstellen: Ein Haar sitzt in einer Art „Röhre“ in der Haut (dem Follikel). An der Seite dieser Röhre hängt ein kleiner „Beutel“ – die Talgdrüse. Sie drückt ihr Fett in den Haarkanal, und von dort gelangt es nach draußen und fettet Haut und Haare ein. Diese ganze „Einheit“ nennt sich Talgdrüsenfollikel. Und genau diese Follikel entzünden sich bei der „Akne vulgaris“, vor allem im Gesicht, auf Brust und Rücken.2 Es entstehen Mitesser, schmerzhafte Knötchen, Pusteln und in schweren Fällen größere Knoten oder Zysten.
Anders als ein gewöhnlicher Ausschlag ist Akne oft langwierig und kann psychisch stark belasten.3 Akne kann in jedem Lebensalter auftreten. Vorrangig sind aber Teenager und junge Erwachsene betroffen.
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Entstehung von Akne – und warum trifft es Teenager besonders?
Es gibt vier Hauptfaktoren für die Entstehung von Akne: eine gesteigerte Talgproduktion, Hautverhornungen (Hautzellen im Bereich des Haarfollikels werden nicht so abgestoßen, wie sie sollten), Bakterienbesiedlung und eine entzündliche Immunantwort.4
Vor allem junge Menschen sind betroffen, weil sich im Teenageralter viel im Hormonhaushalt verändert und diese Veränderungen auch den Talgfluss aus den Follikeln verstärken. Verhornungsstörungen verschließen die Poren, wodurch Mitesser entstehen. Das Bakterium „Cutibacterium acnes“, ein natürlicher Bewohner der Haut, besiedelt diese verstopften Follikel und löst zunehmend Entzündungen aus. Jugendliche sind zudem besonders auf ihr Aussehen fokussiert. Übereifrige Hautpflege, falsche Informationen aus den sozialen Medien und psychischer Stress verschärfen die Situation zusätzlich.
Akne hat aber auch eine genetische Komponente: Einige Gene steuern Hormone oder den Fettstoffwechsel in der Haut, was Einfluss auf Talgproduktion und Entzündungen hat.5 Andere Gene beeinflussen, wie sich Haarfollikel entwickeln und wie sich die Haut regeneriert. Und so ist man eher betroffen, wenn Akne „in der Familie“ liegt, also Eltern oder Geschwister schon betroffen waren.
Dazu erhöhen Übergewicht, Rauchen, Schlafmangel oder Stress das Risiko für einen Akne-Ausbruch – wohingegen eine große Überblicksstudie bei vielen Lebensmitteln, die oft mit einer Akne-Erkrankung in Verbindung gebracht werden (Schokolade, Zucker, Milchprodukte, Fast Food), keine eindeutigen Zusammenhänge finden konnte. Die Forschungsergebnisse legen aber nahe, dass diese Lebensmittel die Schwere eines Akne-Ausbruchs verstärken können.6
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Was tun bei Akne?
Durch die richtige Hautpflege werden Akne-Schübe seltener und weniger ausgeprägt. Dafür aber bitte nicht die 15-Steps-Cleansing-Routine von irgendwelchen Influencern nachmachen (die nur die dazugehörigen Produkte bewerben sollen), sondern zu einer einfachen, sanften Hautpflege greifen, die die Hautbarriere schützt: Reinigung mit pH-neutralen, Talg regulierenden Produkten, maximal zweimal täglich. Übermäßiges Waschen, Peelen oder aggressive Reinigungsmittel fördern dagegen Hautreizungen und Entzündungen.
Wenn die Pickel und Mitesser schon da sind, werden alle Hautärztinnen und -ärzte raten: Nicht ausdrücken – das kann zu Infektionen und Narbenbildung führen. Die Bakterien können so nämlich noch tiefer unter die Haut wandern. Allerdings: Für viele ist es schwer, Pickeln oder Mitessern nicht zu Leibe zu rücken. Dann ist die Empfehlung: Nur mit ganz sauberen Händen (am besten nach der Dusche) und nur die „Kandidaten“ bearbeiten, die nur wenig Handanlegen oder kein aggressives Zusammendrücken erfordern.7
Auch während des Akne-Schubs gilt: nicht zu oft waschen, unparfümierte Cremes und leichten, fettfreien Sonnenschutz benutzen. Stressabbau, etwa durch Sport, Entspannung und ausreichend Schlaf, unterstützt nicht nur das Hautbild, sondern auch das psychische Wohlbefinden.
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Welche Medikamente helfen?
Es gibt unzählige Mittel gegen Akne-Beschwerden – frei verkäuflich und ärztlich verordnet. Bevor man zu Salben und Pillen greift, ist ein Gang in die dermatologische Praxis ratsam. Denn meist ist eine Kombinationstherapie mit verschiedenen Wirkstoffen nötig, angepasst an das individuelle Krankheitsbild, um der Akne wirksam entgegenzutreten. Bei leichter Akne können Salben und Cremes mit Wirkstoffen wie Benzoylperoxid, Retinoiden oder Azelainsäure verschrieben werden – sie wirken antimikrobiell, entstauend und entzündungshemmend. Für mittelschwere bis schwere Verläufe können auch Antibiotika (als Salben oder Tabletten) zum Einsatz kommen. Leider dauert es meistens zwei bis drei Monate, bis ein Akne-Medikament Wirkung zeigt. Geduld und konsequente Therapie sind also wichtig!8
Langzeitfolgen und Komplikationen
Akne ist nicht nur nervig, schmerzhaft und beschämend, wenn man einen akuten Ausbruch hat – sie kann langfristig auch sichtbare Narben oder Pigmentstörungen hinterlassen. Narben können atrophisch (eingesunken) oder hypertroph (wulstig) sein. Eine gute Hautpflege und medizinische Begleitung helfen, diese Schäden möglichst gering zu halten.
Aber Akne bedeutet auch viel psychisches Leid: Viele Betroffene leiden unter Scham, schlechtem Selbstwertgefühl und sozialen Ängsten. Sie ziehen sich zurück und haben ein höheres Risiko für Depressionen und Angststörungen.9 Wichtig ist deshalb, zu verstehen und aufzuklären: Akne ist keine Frage schlechter Hygiene, sondern eine Hauterkrankung, die fast alle Menschen mal im Laufe ihres Lebens durchmachen (müssen).