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Kostenbeteiligung, Voraussetzungen

Wandern auf Rezept? Welche Krankenkassen Gesundheitsurlaube unterstützen

gesundheitsurlaub krankenkasse: Zwei Leute beim Wandern
Manche Krankenkassen beteiligen sich an Gesundheitsurlauben, andere „nur“ an Gesundheitskursen. Wir geben einen Überblick.Foto: Getty Images

Wandern oder Radtouren „auf Rezept“ – das geht? Tatsächlich beteiligen sich einige Krankenkassen im Rahmen der Gesundheitsförderung an derlei Urlauben – unter bestimmten Voraussetzungen.

Vielleicht sind Sie im Internet auch schon auf Werbung für Wanderurlaube oder Ähnlichem gestoßen, auf denen es u. a. heißt, dass Krankenkassen sich an den Kosten beteiligen. Doch stimmt das? FITBOOK wollte es genau wissen, hat recherchiert und bei den Kassen nachgefragt. Was genau übernehmen Krankenkassen: komplette Gesundheitsurlaube oder einzelne Kurse am Reiseziel? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Wir geben einen Überblick über die Angebote der zehn größten (gemäß Mitgliederzahlen) gesetzlichen Krankenkassen.1

Welche Krankenkassen haben wir geprüft?

Bei unserer Recherche haben wir die zehn größten gesetzlichen Krankenkassen in den Fokus gerückt – gemessen an ihrer Mitgliederzahl:

  • Techniker Krankenkasse
  • AOK (als Gemeinschaft, alle eigenständigen, regionalen AOK zusammengenommen)
  • Barmer
  • SBK
  • hkk Krankenkasse
  • DAK
  • Mobil Krankenkasse
  • KKH
  • KNAPPSCHAFT
  • IKK classic

Was zählt als Gesundheitsurlaub?

Zunächst vorweg: Ein Gesundheitsurlaub ist nicht mit jedem Sporturlaub gleichzusetzen. Wie die Techniker Krankenkasse auf FITBOOK-Nachfrage erklärt, handelt es sich „bei einer Gesundheitsreise um ein Präventionsangebot, das nicht am Wohnort und zusammen mit Übernachtungen angeboten“ wird. Mit Präventionsangeboten sind wiederum anerkannte Gesundheitskurse u. a. in den Bereichen Bewegung und Ernährung gemeint. Bei einigen Krankenkassen, wie z. B. der DAK, werden Gesundheits- bzw. Präventionsreisen auch als „wohnortferne Kompaktkurse“ bezeichnet.

Nicht jeder Sportkurs ist ein von Krankenkassen anerkannter Gesundheitskurs und demnach ist auch nicht jeder Sporturlaub mit einer Gesundheitsreise gleichzusetzen. Wer also z. B. eine Reise nach Portugal plant, um dort surfen zu lernen, wird eher keine finanzielle Unterstützung der Krankenkasse bekommen. Plant man dagegen eine Reise inklusive Stressmanagement in Form eines Yoga-Kurses und nimmt am Reiseziel vielleicht noch an einer angebotenen Ernährungsberatung teil, stehen die Chancen gut, dass man einen Zuschuss von der Krankenkasse bekommt.

Zudem beschränken sich die bezuschussten Gesundheitsreisen überwiegend auf Reiseziele in Deutschland. Das liegt daran, dass die Gesundheitskurse von der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) zertifiziert sein müssen.

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Was zählt als Gesundheitskurs?

Wie bereits erwähnt gelten nur solche Kurse als Gesundheitskurse, die ein entsprechendes Zertifikat der ZPP haben. Die Zentrale Prüfstelle Prävention ist eine seit dem 1. Januar 2014 tätige Gemeinschaftseinrichtung der Krankenkassen in Deutschland. Sie hat das erklärte Ziel, Präventionskurse gemäß § 20 Abs. 4 Nr. 1 SGB V nach einheitlichen Kriterien zu prüfen. Kursanbieter können ihre Kurse im Bereich Gesundheit dort zur Prüfung einreichen, um das offiziell von Krankenkassen anerkannte Gesundheitskurs-Zertifikat zu erhalten.

Welche Arten von Gesundheitskursen gibt es?

Gesundheitskurse gibt es in vier Bereichen:

  • Bewegung
  • Stressmanagement/Entspannung
  • Ernährung
  • Suchtmittel (Prävention/Abgewöhnung)

Die Kurse, die darunter fallen, sind vielfältig. Beispiele sind:

Infografik Gesundheitskurse Krankenkasse
Viele Krankenkassen bieten selbst unterschiedliche Gesundheitskurse an und/oder bezuschussen externe Angebote.Foto: FITBOOK

Welche unterschiedlichen Angebote der Krankenkassen gibt es?

Kassenmitglieder können auf unterschiedliche Weise sowohl Gesundheitsurlaube bzw. Kompaktkurse als auch einzelne Gesundheitskurse wahrnehmen. So bieten alle Krankenkassen selbst entsprechende Kurse und einige auch sogenannte Reisepakete an.

Zudem kann man sich auch Kurse und Präventionsreisen externer Anbieter raussuchen und einen Antrag zur Kostenbeteiligung der Krankenkasse stellen.

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Reisepakete und Kurse der Krankenkassen selbst

Manche Krankenkassen haben bereits fertige Reisepakte für ihre Mitglieder im Angebot. Dafür arbeiten sie fest mit einem Reiseveranstalter und/oder Hotel zusammen. So bietet etwa die SBK Balancetage und Gesundheitsreisen in Kooperation mit Dr. Holiday an. Die Mobilkrankenkasse kooperiert mit „Akon“, einem Online-Anbieter für Präventionsreisen (Aktivurlaub und Wellness) und bietet dort u. a. Aktivwochen an.

Alle der von uns geprüften zehn großen gesetzlichen Krankenkassen bieten eine Auswahl an Gesundheitskursen an. Diese finden zum Teil in Wohnortnähe und/oder online statt. Mitglieder können sich auf den Webseiten ihrer Kassen informieren und für Kurse anmelden.

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Kostenbeteiligung an Urlauben und Kursen externer Anbieter

Hat die Krankenkasse, bei der man Mitglied ist, kein passendes Angebot zur Auswahl, kann man sich auch bei anderen Anbietern umschauen. Das gilt sowohl für einzelne Kurse (in der Nähe des Wohnorts und/oder online) als auch für wohnortferne Kurse, die dann als Präventions- bzw. Gesundheitsreise gelten. Dazu zählen (zumindest bei der DAK, wie diese auf Anfrage bestätigte) z. B. auch Reisen, wie sie online unter Titeln wie „Wandern auf Rezept“, „Radfahren auf Rezept“ u. ä. zu finden sind.

Wichtig zu wissen ist aber, dass die Kassen in den meisten Fällen nicht die Kosten der gesamten Reise übernehmen. Sie geben einen Zuschuss für die im Rahmen der Reise stattfindenden Kurse – also für die sogenannten wohnortfernen Kurse. Die Kosten für Übernachtungen etwa muss man also selbst tragen. Die meisten Kassen bezuschussen zudem nur zwei Gesundheitskurse (zu Hause oder in Form einer Präventionsreise) und nur bis zu einem gewissen Preislimit. Vor der Buchung ist es also ratsam, genau abzuklären, ob und welche Kosten die Krankenasse übernimmt.

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Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden?

Die Grundvoraussetzung ist natürlich, dass man Mitglied der Krankenkasse ist, deren Angebot man wahrnehmen oder von der man einen Zuschuss haben möchte. Für die Angebote gilt, dass sie die bereits erklärte Zertifizierung der ZPP vorweisen können. Das gilt für Online-Kurse genauso wie für Kurse, die man z. B. wöchentlich in der Nähe des Wohnorts besucht. Und ebenso für „wohnortferne Kompaktkurse“, für die man etwa ein Wochenende an einem anderen Ort verbringt, und für Gesundheitskurse, an denen man im Rahmen eines Urlaubs teilnehmen möchte.

Der Großteil der Krankenkassen gab auf FITBOOK-Anfrage als Voraussetzung für eine Kostenbeteiligung zudem eine Teilnahmequote an. In den meisten Fällen beträgt sie bei Präsenzkursen eine 80-prozentige und bei Online-Kursen eine 100-prozentige Teilnahme. Das gilt sowohl für Kurse am Heimatort als auch solche im Rahmen von Gesundheitsurlauben. Umfasst ein Yoga-Gesundheitskurs z. B. fünf einzelne Termine, dann müssen im Fall von Präsenzkursen vier Termine wahrgenommen werden, bei Onlinekursen alle fünf. Für die Erstattung oder Bezuschussung der Kosten verlangen die Krankenkassen zumeist eine Bescheinigung über die Teilnahme.

Was dagegen keine Kasse als Bedingung angab: ein ärztliches Rezept. Daher wirken Angebote wie z. B.„Wandern auf Rezept“ etwas irreführend.

Die 10 größten Krankenkassen: Angebote und Voraussetzungen im Überblick

Tabelle 1 Gesundheitskurse Krankenkasse
Foto: FITBOOK
Tabelle 2 Gesundheitskurse Krankenkasse
Foto: FITBOOK

Fazit: Gibt es nun also „Wanderurlaub auf Rezept“?

Wanderurlaub auf Rezept trifft es nicht ganz. Ein Urlaub im Zeichen von Gesundheit und Fitness und das mit finanzieller Förderung der Krankenkasse ist dagegen realistisch. Vorausgesetzt, dass das Kassenmitglied die genannten Bedingungen erfüllt und der Kurs bzw. die Kurse im Gesundheitsurlaub zertifiziert sind. Eine komplette Reise inklusive Anreise und Unterkunft wird sicherlich in den seltensten Fällen vollständig finanziert. Doch eine Antragstellung (im Falle von externen Angeboten), um einen Zuschuss zu bekommen, kann sich lohnen. So wird der nächste Urlaub nicht nur aktiv und gesund, sondern auch um einiges günstiger.

Quelle

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