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Die Stöcke machen den Unterschied

Die Technik macht’s! Warum Nordic Walking ein unterschätztes Training ist

nordic walking vorteile: Zwei Frauen beim Nordic Walking
Viele belächeln Nordic Walking als Sportart ein bisschen. Zu Unrecht!Foto: iStock/gbh007

Nordic Walking wird noch immer von vielen als Alte-Leute-Sport belächelt. Dabei macht ein Großteil den Sport falsch – die richtige Technik ist nämlich gar nicht so leicht. Und nur wer die beherrscht, kann die zahlreichen Vorzüge dieses unterschätzten Ganzkörpertrainings erfahren. Wer zusätzlich noch auf die richtigen Schuhe und Stöcke setzt, könnte seine Jogging-Einheit schon bald durch Nordic Walking ersetzt haben!

Komiker Jürgen von der Lippe hat mal gesagt: „Nordic Walking sieht scheiße aus, macht aber Spaß!” Und in der Tat wird das schnelle Gehen mit Stöcken größtenteils noch immer als Sport für Rentner abgestempelt. Dabei wird der Ganzkörpersport enorm unterschätzt und steht anderen Ausdauersportarten in nichts nach. Im Gegenteil hat Nordic Walking sogar einige Vorteile. Es aktiviert neben den unteren Muskelgruppen zusätzlich auch den Oberkörper, Bauch und Rückenmuskeln. Damit könnte also auch die jüngere Fraktion zahlreiche positive Effekte auf Gesundheit und Fitness genießen – sofern sie die Technik beherrschen und richtigen Schuhe und Stöcke besitzen.

Die Vorteile von Nordic Walking

Wie der Name schon verrät, hat Nordic Walking seinen Ursprung im Norden, genau genommen in Finnland. Biathleten nutzten das schnelle Gehen mit Stöcken, um auch im Sommer fit zu bleiben und die Oberkörpermuskulatur zu stärken.

Der nordische Ausdauersport aktiviert den Körper damit sogar stärker als Joggen. Der Grund: Anders als beim Laufen aktiviert man beim Nordic Walking nicht nur Beine, sondern durch das Schwingen der Stöcke auch die Bauch-, Rumpf-, Arm- und Rückenmuskeln. Durch die leichte und gegengleiche Rumpfdrehung werden zusätzlich auch die geraden und schrägen Bauchmuskeln trainiert.

FITBOOK Workout

Aufgrund des Kreuzganges stärkt Nordic Walking zudem die Koordination: Hier schwingt man die rechte Hand mit linkem Fuß und linke Hand mit rechtem Fuß. Das mag zunächst banal klingen, wer allerdings regelmäßig walkt, kann damit auf Dauer zusätzlich ein paar Gehirnzellen trainieren, statt einfach verträumt geradeaus zu laufen.

Anders als beim Joggen befinden sich hier auch jederzeit beide Füße am Boden. In Kombination mit den Stöcken wird der Bewegungsapparat bis zu 30 Prozent entlastet. Die Gelenke und Knochen werden es auf Dauer danken!

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Nordic Walking erhöht den Kalorienverbrauch

Bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von sechs Stundenkilometern können pro Stunde schon mal 400 bis 600 Kalorien verbraucht werden. Dadurch, dass zu der Beinmuskulatur auch die Muskeln des Oberkörpers gestärkt werden, führt das nach einiger Zeit außerdem dazu, dass der Grundumsatz erhöht wird. Man verbraucht also auch im Ruhezustand noch mehr Kalorien.

Ebenfalls einen Effekt auf den Kalorienverbrauch hat die Sauerstoffaufnahme. Beim Nordic Walking ist die vergleichsweise höher, da man sich länger an der frischen Luft befindet als der durchschnittliche Jogger. Und je mehr Sauerstoff eingeatmet wird, umso mehr Energie wird dem Körper auch bereitgestellt. Eine Faustregel kann man sich merken: Ein 20-minütiges Outdoortraining kann eine Tasse Kaffee ersetzen.

Inwiefern ist Nordic Walking besser als Joggen?

Apropos Joggen: Zwar hängt der negative Einfluss auf die Gelenke vom Belastungsumfang ab, dennoch ist Nordic Walking diesbezüglich im Vorteil und eine echte Alternative. Mit dem Workout kann man sanfter seine Ausdauer und Fitness trainieren und ebenso tolle Ergebnisse erzielen.

Beim Nordic-Walking-Zyklus setzt die linke Ferse auf, während der rechte Stock zeitgleich den Boden berührt. Im Umkehrschluss setzt der linke Stock auf den Boden auf, sobald die rechte Ferse Bodenkontakt hat. Das bedeutet, dass immer ein Fuß am Boden ist, während beim Joggen für einen kurzen Moment die gesamte Belastung auf einem Bein liegt. Nordic Walking ist damit ein hervorragender Ausdauersport, der die Gelenke und Knochen optimal schützt.

Effekt auf Fitness und Körperfett in Studien belegt

Eine Untersuchung zu dem gesundheitlichen Nutzen von Nordic Walking hat zudem ergeben, dass Nordic Walking in Bezug auf kurz- und langfristige Auswirkungen auf Herzfrequenz, Sauerstoffverbrauch und Lebensqualität dem zügigen Gehen ohne Stöcken und sogar in einigen Endpunkten dem Joggen überlegen ist.1

Dazu wurden 16 randomisierte, kontrollierte Studien mit insgesamt 1062 Patienten und elf Beobachtungsstudien mit 831 Patienten analysiert. Das Ergebnis: Nordic Walking wirkt sich positiv auf die Ruheherzfrequenz, den Blutdruck, die körperliche Leistungsfähigkeit, den maximalen Sauerstoffverbrauch und die Lebensqualität bei Patienten mit verschiedenen Erkrankungen aus und ist deswegen nicht nur für ältere Generationen oder übergewichtige Menschen ein großartiger Sport, sondern auch eine ideale Prävention für die jungen Sportskanonen.

Wer denkt, ein täglicher Spaziergang reiche aus und zwei Stöcke in der Hand brächten keine große Veränderung, der irrt. Eine andere Studie untersuchte nämlich die Auswirkungen einer Diät in Kombination mit einem Nordic-Walking-Training im Vergleich zu einem Training ohne Stöcke auf die Körperzusammensetzung, die aerobe Kapazität und die Kraft bei übergewichtigen Erwachsenen. Beide Gruppen hatten nach sechs Monaten einen signifikanten Rückgang des BMI (6 Prozent bzw. 4 Prozent), allerdings konnte nur die Nordic-Walking-Gruppe ihr Körperfett reduzieren.2

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Die Ausrüstung

Wer tatsächlich regelmäßig walken geht, sollte auf einen leichten Laufschuh mit abgerundetem Fersenbereich und weichem Vorderbereich setzen. Wer mit dem Nordic Walking hingegen gerade erst beginnt, braucht nicht erst den perfekten, speziellen Lauftreter. Der Fuß sollte lediglich sicher im Schuh sitzen und die Sohle fest sein. Dazu am besten eine Kleidung, die locker und schön luftig ist und Bewegungsfreiheit ermöglicht.

Wichtiger sind bei diesem Ganzkörpersport viel mehr die richtigen Stöcke. Als Faustregel für die richtige Länge gilt die eigene Körpergröße multipliziert mit 0,66. Dennoch richtet sich die Stocklänge auch nach der Länge von Armen und Beinen sowie dessen Trainingszustand. Hier lohnt sich tatsächlich ein Experten-Gespräch im Fachgeschäft.

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Nicht zu vergessen sind auch die Walking-Handschuhe: Sie sind an den wichtigen Stellen gepolstert, sodass man die Sporteinheit nicht mit der Behandlung böser Blasen ausklingen lassen muss.

Die richtige Technik beim Nordic Walking

Nordic Walking ist nicht einfach nur ein Spaziergang, denn es ist gar nicht so leicht mit der richtigen Technik zu laufen. Und nur wer die richtige Technik beherrscht, kann auch in den Genuss der zahlreichen Vorteile von Nordic Walking kommen.

Besonders Anfänger haben beim Nordic Walking das Gefühl, dass die Arme beim am stärksten beansprucht werden und plagen sich zu Beginn häufig mit Muskelkater rum. Schließlich wird die Armmuskulatur im Alltag kaum noch beansprucht. Wer allerdings echte Schmerzen hat, kann davon ausgehen, dass er Fehler bei der Technik macht.

Die häufigsten Fehler

Die häufigsten Ausführungsfehler sind beispielsweise das Abstützen auf die Stöcke oder eine zu geringe Nähe der Stöcke an den Körper. Viele machen zudem zu lange Schritte setzen ihre Ferse zu steil auf oder drehen die Hüfte zu stark.

Empfehlenswert ist, beim Gehen eine lockere Faust zu machen und die Arme aktiv nach vorne zu nehmen, aber auch wieder aktiv nach hinten durchzuschwingen. Nur so wird auch die Rückenmuskulatur aktiviert. Zudem gilt auch hier: Je weicher der Untergrund, desto besser ist es für die Gelenke.

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Fazit

Jede Ausdauersportart hat ihre Vorzüge. Dennoch ist Nordic Walking in einigen Gesundheitsparametern sowohl dem Walken als auch dem Joggen überlegen. Wer sich für das Gehen mit Stöcken entscheidet, kommt in den Genuss auf sanfte Weise seine Ausdauer zu trainieren und gleichzeitig die gesamte Körpermuskulatur zu stärken – ohne die Gelenke zu sehr zu belasten. Zusätzlich erhöht sich die Sauerstoffaufnahme und Koordination wird gefördert. Spaß und Erfolge stellen sich am Ende allerdings nur mit der richtigen Technik ein!

Quellen

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