3. November 2025, 12:51 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten
Adipositas hat viele Namen: Fettleibigkeit, Fettsucht oder krankhaftes Übergewicht. Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie beschreiben einen Zustand, der nicht nur gesundheitsgefährdend, sondern auch noch lebensgefährlich werden kann. FITBOOK klärt über die Ursachen, Risiken und Behandlungsmöglichkeiten auf.
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Was ist Adipositas?
Adipositas zählt zu einer der häufigsten chronischen Ernährungs- und Stoffwechselerkrankungen. Rund ein Viertel Prozent der Männer und Frauen in Deutschland gelten als stark übergewichtig. Dabei ist die Erkrankung mit einer überdurchschnittlichen Vermehrung des Körperfettanteils gekennzeichnet.
Von Adipositas spricht man, wenn ein starkes Übergewicht vorliegt, welches schädlich für die Gesundheit ist. Die chronische Krankheit schränkt massiv die Lebensqualität der Betroffenen ein und stellt ebenfalls ein hohes Risiko für Folgeerkrankungen, wie Arthrose, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft definiert Fettsucht als „eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts“. Der Fettanteil gilt als zu hoch, wenn der Body-Mass-Index (BMI) über 30 liegt.
Adipositas im Kindesalter
Rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zwischen drei und 17 Jahren haben Übergewicht oder Adipositas. Etwa 6 Prozent gelten als adipös – also stark übergewichtig mit Krankheitsrisiko. Aktuelle Krankenkassendaten zeigen, dass vor allem seit der Corona-Pandemie mehr Kinder zu viel wiegen und sich dieser Trend bislang nicht umgekehrt hat.1
Die Ursachen sind vielfältig: eine unausgewogene Ernährung, zu wenig Bewegung, hoher Medienkonsum, familiäre Belastungen oder auch Stress. Hinzu kommen genetische Faktoren und das Vorbild der Eltern. Neben körperlichen Folgen wie Bluthochdruck oder Gelenkproblemen kann Übergewicht auch zu sozialer Ausgrenzung, Mobbing und psychischen Belastungen führen. Umso wichtiger sind frühe Prävention und Aufklärung – sowohl in Familien als auch in Kitas und Schulen.
Klassifizierung und Folgen der Adipositas
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet drei Schweregrade und eine Vorstufe (Präadipositas). Mithilfe dieser Einstufungen ist es möglich, zu erkennen, wie ausgeprägt Adipositas ist – und auch das Risiko für Folgeerkrankungen abzuschätzen. Somit lassen sich passende Therapien zur Behandlung finden.
Wie erkennt man Adipositas?
Mit dem Body Mass Index (BMI) ist es möglich, Fettsucht zu erkennen und einzugrenzen, um welche Stufe es sich handelt. Hierfür wird das eigene Körpergewicht durch das Quadrat der Körpergröße in Metern geteilt. Für die Diagnose von Adipositas können aber auch eine Magenspiegelung, eine Cortisolwert-Bestimmung oder Laborwerte herangezogen werden.
Präadipositas
Bei einem BMI von 25 bis 29,9 spricht man von Präadipositas. Es bedeutet, dass Übergewicht besteht und dass es sich um eine Vorstufe von Adipositas handelt.
Das Risiko für Begleiterkrankungen ist gering erhöht. Da bereits Übergewicht besteht, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass man an Bluthochdruck oder Diabetes Typ 2 erkranken kann.
Adipositas Grad 1
Um Grad 1 handelt es sich, wenn man einen BMI von 30 bis 34,9 hat.
Mögliche Folgen wären neben Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Insulinresistenz, Diabetes Typ 2 und Schlaganfall.
Adipositas Grad 2
Dieser Grad liegt bei einem BMI zwischen 35 und 39,9. Dabei ist das Übergewicht bereits stark fortgeschritten und auch die Folgen können sich nun im Alltag deutlich bemerkbar machen.
Die Betroffenen haben häufig mit Kurzatmigkeit, Rücken- und Gelenkschmerzen sowie Erschöpfung zu kämpfen. Sie sind auch in ihrer Bewegung eingeschränkt. Zu den bereits aufgeführten Folgeerkrankungen können nun Fettstoffwechselstörungen, Fettleber, Gicht und Arteriosklerose dazukommen. Zudem ist das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Diabetes stark erhöht. Eine starke psychische Belastung könnte mit der Fettleibigkeit einhergehen.
Adipositas Grad 3
Diese Stufe zählt zu der schwerwiegendsten Form der Fettleibigkeit. Mit einem BMI von 40 oder mehr, wird es auch als Adipositas permagna bezeichnet.
Eine reduzierte Leistungsfähigkeit, Gelenkprobleme, Knie- und Rückenschmerzen und starke Schweißbildung sind nur ein paar der Symptome, die auftreten können. Hinzu kommen noch psychische Symptome, die durch Frustration, Unsicherheit oder auch Selbstzweifel aufgrund des zu hohen Körpergewichts entstehen. Auch Depressionen können eine Folge sein.
Häufig isolieren sich die Betroffenen aus ihrem sozialen Umfeld oder haben Schwierigkeiten, durch ihren Alltag zu kommen. Menschen, die von Adipositas Grad 3 betroffen sind, haben ein stark erhöhtes Risiko, an Diabetes-Typ-2, koronare Herzkrankheiten, Herzinfarkt und an Krebs zu erkranken.
Weitere Folgen
Je nachdem, wie weit fortgeschritten die Fettleibigkeit ist, können auch Herzinsuffizienz, Atemstillstände während des Schlafens und Erkrankungen des Verdauungstraktes die Folge sein. Des Weiteren kann Adipositas zu Stoffwechsel- und Hormonstörungen führen, die eine Impotenz bei Männern oder Unfruchtbarkeit bei Frauen mit sich ziehen können. Auch können Hauterkrankungen, wie beispielsweise Pilzinfektionen auftreten.
Sogar wenn noch keine Folgeerkrankungen bei den Betroffenen eingetreten sind, haben sie meistens mit Einschränkungen im Alltag sowie sozialen Problemen (Ausgrenzung, verminderte Lebensqualität) zu tun.
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Ursachen von Adipositas
Die Ursachen für die Entstehung von Adipositas können vielfältig sein. Auch genetische Veranlagungen spielen eine Rolle, da bestimmte Gene das Risiko für Adipositas erhöhen.2 Allerdings ist dies nicht als einziges ausschlaggebend. Äußere Einflüsse können auch Faktoren für die Begünstigung der Erkrankung sein:
- Bewegungsmangel
- Lebensstil (evtl. von Eltern vorgegeben)
- Ständige Verfügbarkeit von Nahrung
- Unausgewogene Ernährung
- Stress und Schlafmangel
- Diäten
- Kulturelle Bedeutungen (Übergewicht als Schönheitsideal in Afrika)
- Depressive Erkrankungen
- Medikamente
- Familiäre Disposition (genetische Veranlagung)
- Nikotinverzicht oder Schwangerschaft
- Keine bis wenig Aufklärung über gesunde Ernährung
Adipositas entsteht meistens durch eine übermäßige Kalorienzufuhr. Durch ungesunde und fettreiche Nahrung wird mehr Energie aufgenommen, als der Körper verbrauchen kann. Das hat eine Vermehrung des Fettgewebes und eine Gewichtszunahme zur Folge. Die Betroffenen essen meistens heimlich oder sie verschweigen die tatsächliche Menge. Dazu haben sie Schwierigkeiten, körperliche Sättigung zu verspüren. Deswegen fällt es ihnen schwer, ihr Essverhalten zu kontrollieren. Auch Heißhungerattacken (die bspw. beim Binge-Eating auftreten) könnten eine Ursache sein. Diese können zur Stressbewältigung eingesetzt werden, oder um fehlende emotionale Zuwendung zu ersetzen.
Zudem machen es gesellschaftliche Entwicklungen besonders schwierig, die Kalorienaufnahme und den Verbrauch auszugleichen. Heutzutage arbeiten weniger Menschen in Berufen, die körperlich anstrengend sind. Außerdem beschäftigen sie sich häufig in der Freizeit vorwiegend im Sitzen.
Symptome
Eins der offensichtlichsten Symptome von Adipositas ist ein deutlicher Anstieg des Körpergewichts sowie ein erhöhter Körperfettanteil. Es können aber auch weitere Symptome wie Atembeschwerden, Gelenkschmerzen, Hautirritationen, Müdigkeit oder ein gestörtes Essverhalten auftreten.
Wer ist von Adipositas betroffen?
Nach den Daten des Robert-Koch-Instituts sind in Deutschland etwa 24 Prozent aller Männer und Frauen stark übergewichtig3, davon
- 17 Prozent mit Adipositas Grad 1
- 5 Prozent mit Adipositas Grad 2
- 2 Prozent mit Adipositas Grad 3
Differenzierung zwischen Adipositas und Übergewicht
Zwar sind beide Begriffe miteinander verwandt, allerdings ist es wichtig, sie richtig zu unterscheiden. Während sich Adipositas auf eine spezifische Form des Übergewichts fokussiert (der Fettanteil des Körpers hat einen kritischen Punkt erreicht), bezieht sich Übergewicht nur auf ein übermäßiges Körpergewicht bezüglich der Körpergröße.
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Wie lässt sich Adipositas behandeln?
Damit man die Erkrankung erfolgreich behandeln kann, ist es nicht ausreichend, den BMI auf einen bestimmten Wert abzusenken. Die Behandlung umfasst eine Ernährungsumstellung, körperliche Aktivität und medizinische Untersuchungen. Dabei ist es entscheidend, ein gesundes Essverhalten mit reduziertem Kaloriengehalt sowie ausgewogenen und nährstoffreichen Mahlzeiten zu entwickeln. Den Lebensstil langfristig zu verändern, indem man sich nicht nur gesund ernährt, sondern sich ebenfalls sportlich betätigt, ist ein wichtiger Faktor, um Gewicht zu verlieren.4
Unter anderem kann es notwendig sein, eine medizinische Behandlung durchzuführen, bei welcher Medikamente für Gewichtsverlust eingesetzt werden. Sie kommen aber nur infrage, wenn mit einer Ernährungsumstellung und mehr Bewegung trotzdem kein ausreichender Abnehmerfolg eintritt. Menschen, die einen Adipositas-Grad 2 oder 3 haben, müssen eventuell mit einem chirurgischen Eingriff behandelt werden. In diesem kann es zu einer Magenverkleinerung kommen – aufgrund der damit verbundenen Komplikationen oder Nebenwirkungen ist ein gründliches Abwägen von Vorteil.
Neben der körperlichen Behandlung ist es auch wichtig, die Betroffenen psychologisch auf ihrem Weg zu unterstützen. Mit einer Verhaltenstherapie können alte Denk- und Verhaltensmuster, die eine Adipositas begünstigt haben, durch neuere und gesündere Denkweisen ersetzt werden.
Erfahrungsbericht: Wie es ist, Patienten bei ihrer Magenverkleinerung zu begleiten
Eine Magenverkleinerung ist eine Entscheidung fürs Leben
„Während meines Ökotrophologie-Studiums absolvierte ich ein Praxissemester in einem Düsseldorfer Adipositaszentrum. Neben der Arbeit mit klassischen Abnehmgruppen lernte ich hier auch die Adipositas-Chirurgie mit all ihren Vor- und Nachteilen kennen.
Ich habe viele Patienten kommen und gehen sehen, für die ihre Adipositas nicht nur körperlich, sondern auch psychisch eine große Belastung dargestellt hat. Nicht selten reichte ich Patienten Taschentücher in der Sprechstunde, wenn sie auf den extra für adipöse Menschen angefertigten, breiten und massiven Holzstühlen saßen.
Häufig wird übergewichtigen Personen nachgesagt, sie seien faul oder dumm, müssten nur mal weniger essen. Doch das stimmt so nicht. Die Krankheit birgt nach erfolgreicher Abnahme eine hohe Rückfallquote und wohl einen noch höheren Leidensdruck.
Ich habe definitiv niemanden in der Sprechstunde kennengelernt, der eine Magenverkleinerung auf die leichte Schulter genommen hat. Denn allen Patienten ist klar: Nach solch einer Operation geht das Leben nicht wie gewohnt weiter. Die Teilnahme am sozialen Leben ändert sich, das Lieblingsessen kann der eigene Magen vielleicht nicht mehr verdauen. Eine Mahlzeit ist ein Bruchteil von dem, was Freunde und Familie essen.
Umso schöner ist es jedoch, altbekannte Gesichter strahlend bei der Nachsorge wiederzusehen. Wenn Patienten berichten, wie gut die Abnahme klappt, das Knie weniger wehtut oder sie wieder weitere Strecken laufen können. Für diesen Moment habe ich dort am liebsten gearbeitet.“
Prävention von Adipositas
Adipositas ist eine sehr ernstzunehmende Erkrankung, die unbehandelt lebensgefährliche Folgen mit sich ziehen kann. Deswegen ist es bereits im jungen Alter essenziell, gesunde Gewohnheiten bezüglich des Essens und regelmäßige körperliche Aktivitäten zu entwickeln. Dazu ist es wichtig, nicht nur die Ursachen und Risiken zu verstehen, sondern auch aktiv Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. Bereits eine rechtzeitige Diagnose, gesunde Ernährung und Bewegung können dabei helfen, die Folgen der Adipositas zu verringern oder vollständig zu behandeln.