13. Mai 2026, 14:09 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Ex-Gewichtheber und Olympiasieger Matthias Steiner betreibt ein Food-Start-up namens „Steiner’s“. Mit Low-Carb-Nudeln, Brötchen und Backmischungen richtet er sich an Menschen, die abnehmen oder ihr Gewicht halten möchten. Die Produkte zielen darauf ab, den Blutzuckeranstieg nach dem Essen möglichst gering zu halten, und sollen beim Abnehmen und Gewichthalten helfen. FITBOOK-Ernährungsexpertin Sophie Brünke prüft die Inhaltsstoffe.
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Von Olympia zu Low Carb
Als Matthias Steiner 2008 olympisches Gold im Superschwergewicht holte, spielte Ernährung eine andere Rolle als heute. Er musste für seine Gewichtsklasse entsprechend viel essen und gleichzeitig seinen Blutzucker in Schach halten, da er an Typ‑1-Diabetes erkrankt ist. Eine Herausforderung. Inzwischen hat er deutlich an Gewicht verloren und sein Konzept in eine eigene Produktlinie übersetzt. Mit der Steinerfood GmbH vertreibt er verschiedene Low-Carb-Produkte, die seit dem Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ bundesweit erhältlich sind.
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Was Low-Carb und High-Protein für viele interessant macht
Nicht zu übersehen auf den Steiner’s-Produkten ist ein großer „Low Carb“-Schriftzug. Auf manchen Produkten folgt darauf in kleinerer Schrift „High Protein“. Die Idee dahinter ist zwar nicht neu, aber effektiv. Das Ziel? Den Blutzuckerspiegel möglichst konstant halten. Denn Kohlenhydrate, insbesondere einfache Zucker, lassen diesen (im Gegensatz zu Eiweiß) in die Höhe schnellen. Fällt er ab, kommt es zu Heißhunger, dem natürlichen Feind des Gewichtsmanagements. Doch an dieser Stellschraube kann gedreht werden.
Im Fall der Steiner’s-Produkte bedeutet das: Der ohnehin reduzierte Kohlenhydratanteil (pro Brötchen beispielsweise fünf Gramm) wird mit ausreichend Eiweiß kombiniert (Brötchen: 15 Gramm). Diese „verpacken“ die Kohlenhydrate, sodass der Blutzucker langsamer und geringer steigt. Zudem sorgt eine eiweißreiche Ernährung für eine lange Sättigung und schützt nebenbei beim Abnehmen die Muskulatur vor Abbau. Ein weiterer Vorteil ist der hohe Ballaststoffgehalt (Brötchen: 14 Gramm). Auch Ballaststoffe stabilisieren den Blutzucker und halten lange satt. Zusätzlich sind sie wichtig für eine funktionierende Verdauung und das Darmmikrobiom. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, täglich 30 Gramm Ballaststoffe zu essen. Im Durchschnitt kommen Deutsche jedoch nur auf 18 bis 19 Gramm.1 Wer rechnen kann, weiß nun: Mit zwei Brötchen von Steiner‘s wäre der Soll bereits weitestgehend gedeckt.
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Lupine, Konjakwurzel, Hühnerei – die Rezepturen überraschen
Wie kommt so ein Blutzucker-Brötchen eigentlich zustande? Die Proteine stammen aus Weizen, Lupinen und Hühnereiweiß, was einen Mix mit guter biologischer Wertigkeit ergibt. Dazu kommen Pflanzenfasern aus Kartoffel und Hafer, denen man wohl die Ballaststoffe verdankt. Ergänzt wird die Rezeptur um Hefe, Rapsöl, Apfelessig und das Verdickungsmittel Hydroxypropylmethylcellulose (HPMC). HPMC scheidet der Körper wieder unverdaut aus. In sehr hohen Dosen kann es jedoch abführend wirken.
Konjak
Bei anderen Produkten wie den Spätzle findet man das Geliermittel Konjak sowie Emulgatoren wie Lecithine. Konjak wird aus der Wurzel der „Teufelszunge“ gewonnen und ist bekannt für seinen geringen Kaloriengehalt und den Ballaststoff Glucomannan. Denn für diesen hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigt, dass „Glucomannan im Rahmen einer kalorienreduzierten Diät die Gewichtsabnahme unterstützen kann“.2
Erythrit
In Backmischungen findet sich unter anderem das Süßungsmittel Erythrit. Dieser sogenannte Zuckeraustauschstoff ist kalorienfrei und wirkt sich kaum auf den Blutzuckerspiegel aus. Grundsätzlich wird Erythrit von Behörden als sicher bewertet. Neuere Studien deuten jedoch darauf hin, dass hohe Blutspiegel die Blutplättchen beeinflussen könnten. Zudem wurde ein Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Ereignissen beobachtet. Ein ursächlicher Effekt ist bislang aber nicht bewiesen – die Hinweise betreffen vor allem hohe Blutspiegel bzw. hohe kurzfristige Aufnahmemengen.
Man merkt, dass die Zutaten sich deutlich von klassischen Rezepturen mit Weizenmehl und Zucker unterscheiden. Sie sind jedoch in der Europäischen Union als Lebensmittelzutaten oder Zusatzstoffe zugelassen und werden auch in vielen anderen Produkten verwendet, etwa im glutenfreien oder kalorienreduzierten Bereich.
Wer abnehmen will, profitiert von einem stabilen Blutzucker – dennoch sollte eine ausgewogene Ernährung die Basis sein
„Low-Carb und High-Protein klingt schnell automatisch gesünder– ganz so einfach ist es aber nicht. Ernährungsphysiologisch verschiebt sich vor allem die Nährstoffverteilung: weniger Kohlenhydrate, dafür mehr Eiweiß und oft auch mehr Ballaststoffe. Das kann sinnvoll sein, um Blutzuckerspitzen abzuflachen und trotz Kaloriendefizit länger satt zu bleiben.
Doch insbesondere mit Blick auf die Backmischungen gilt: Ein proteinreicher Kuchen bleibt ein Kuchen. Solche Produkte können eine praktische Alternative sein, sind aber kein Freifahrtschein, automatisch mehr davon zu essen. Zudem gehört zu einer ausgewogenen Ernährung auch, nur wenig verarbeitete Produkte mit Zusatzstoffen zu essen, denn immer häufiger werden Studien laut, dass eine Ernährung mit vielen verarbeiteten Lebensmitteln der Gesundheit schaden kann.
Mein Fazit: Low-Carb-High-Protein-Produkte können je nach Zielsetzung ein hilfreicher Baustein sein. Die Basis bleibt aber eine ausgewogene Ernährung, nicht das einzelne optimierte Produkt.“