4. August 2025, 3:47 Uhr | Lesezeit: 17 Minuten
Während Diabetes Typ 2 häufig im Zusammenhang mit Lebensstil diskutiert wird, steht Typ 1 für eine andere Krankheitsgeschichte: Hier entscheidet das Immunsystem, wer betroffen ist – nicht Ernährung oder Bewegung. Rund 340.000 Erwachsene und über 37.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leben aktuell mit Diabetes Typ 1. Erste Anzeichen können auffällig häufiges Urinieren oder ein erhöhtes Durstgefühl sein. FITBOOK-Redakteur Michel Winges erklärt, welche weiteren Symptome es gibt, die Ursachen für Diabetes mellitus Typ 1 sowie mögliche Folgen und Therapiemöglichkeiten.
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Übersicht
Ursachen für die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 1
Die Ursache für Typ-1-Diabetes scheint ein Zusammenhang zwischen erblicher Veranlagung und weiteren äußeren Faktoren zu sein.1 Unter anderem haben Menschen mit akuter Enterovirus-Infektion ein deutlich größeres Risiko, Typ‑1‑Diabetes zu entwickeln.2 Eine weitere Korrelation hängt mit einer Infektion der Coxsackieviren zusammen.3
Bei Typ-1-Diabetes steht ein ganz bestimmter Ablauf im Körper im Mittelpunkt: wie Zucker aus der Nahrung in die Zellen gelangt. Die Antwort darauf führt direkt zum Hormon Insulin. Nach dem Essen steigt der Blutzuckerspiegel an, weil die Nahrung Glukose enthält. Damit dieser Zucker vom Blut in die Körperzellen gelangt, braucht es das Hormon Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird – genauer gesagt in bestimmten Zellen, den sogenannten Betazellen.
Insulin wirkt dabei wie ein Türöffner: Es ermöglicht, dass die Glukose aus dem Blut in die Zellen aufgenommen wird, wo sie als Energie genutzt werden kann. Ohne Insulin bleiben die Zell-Türen verschlossen, und der Zucker staut sich im Blut.
Bei Typ-1-Diabetes entsteht das Problem dadurch, dass das Immunsystem – eigentlich unser Schutz vor Krankheiten – einen Fehler macht: Es hält die eigenen Betazellen fälschlicherweise für gefährlich und zerstört sie. Die Folge ist, dass kaum noch oder gar kein Insulin mehr produziert wird. Warum das Immunsystem so reagiert, ist bis heute nicht ganz geklärt; Fachleute sprechen von einer Autoimmunreaktion.
Deshalb müssen Menschen mit Typ-1-Diabetes das fehlende Insulin ein Leben lang von außen zuführen, meist durch Spritzen oder eine Insulinpumpe.4 Nur so kann der Zucker wieder in die Zellen gelangen und der Körper ausreichend mit Energie versorgt werden.
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Symptome
Die Symptome können sehr ad hoc auftreten und sich rasch verschlimmern.
- Polyurie: wenn man häufiger urinieren muss als der Altersdurchschnitt
- Polydipsie: erhöhtes Durstgefühl, das mit übermäßigen Trinken einhergeht
- Polyphagie: abnormal gesteigerte Nahrungsaufnahme
- Müdigkeit, Schwäche und Antriebslosigkeit
- Kopfschmerzen
- Bauchschmerzen, mit möglichem Brechreiz
- Gewichtsverlust
- Pilzinfektion der Haut
- Sehstörung
Diagnose
Der Arzt führt zuerst eine systematische Befragung durch, um den Gesundheitszustand des Patienten aufzuschlüsseln. Beschwerden, gesundheitliche Vorgeschichte, Allergien und die Lebensumstände sowie das genetische Risiko werden erfasst. Daraufhin folgt eine körperliche Untersuchung: Sehen, Hören, Tasten und Riechen.
Zur Abklärung eines möglichen Diabetes mellitus wird der Blutzuckerspiegel kontrolliert. Dafür kann eine erste orientierende Messung mittels eines kleinen Stichs in die Fingerkuppe erfolgen. Diese gibt einen Hinweis auf den aktuellen Blutzuckerwert. Für eine genaue Diagnose ist jedoch eine Blutabnahme im nüchternen Zustand erforderlich, nachdem mindestens acht Stunden keine Nahrung aufgenommen wurde.
Wird dabei ein erhöhter Nüchternblutzuckerwert festgestellt, ist das ein Hinweis auf Diabetes. Ergänzend wird häufig der sogenannte HbA1c-Wert bestimmt. Er gibt Aufschluss über die durchschnittliche Blutzuckerkonzentration der letzten zwei bis drei Monate.
Diabetes mellitus Typ 1 beginnt vorwiegend schon Jahre vor der eigentlichen Diagnose, ohne dass man davon etwas mitbekommt. Eine große Langzeitstudie mit Tausenden Kindern aus Deutschland, Finnland und den USA zeigt: Bei Kindern mit einem erhöhten genetischen Risiko lassen sich sogenannte Inselautoantikörper im Blut schon im Kleinkindalter feststellen.5 Die Inselautoantikörper sind wie ein Marker, aber sie zerstören die Betazellen nicht aktiv, dies passiert Jahre, teilweise erst Jahrzehnte später, wenn die T-Zellen fälschlicherweise die Betazellen als Feinde ansehen. Die Inselautoantikörper gelten also als Frühzeichen für die Entwicklung von Diabetes mellitus Typ 1. Besonders deutlich wird das Risiko, wenn mehrere dieser Autoantikörper gleichzeitig vorhanden sind. Denn rund 70 Prozent der betroffenen Kinder erkrankten innerhalb von zehn Jahren. Nach 15 Jahren lag die Rate bereits bei über 84 Prozent und am Ende der Beobachtungszeit nach fast 20 Jahren hatten fast alle Kinder Diabetes entwickelt.
Was man also aus der Studie schließen kann, ist, dass es ein langes Zeitfenster gibt, in dem gezielte Vorsorge und Präventionsmaßnahmen ansetzen können. Verhindern kann man den Ausbruch jedoch nicht.
Therapie
Typ-1-Diabetes kann leider nicht geheilt werden, aber es gibt mittlerweile verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen. Nicht nur stehen mehrere Insulinarten zur Verfügung, sondern auch unterschiedliche Techniken zur Anwendung. Die Grundlage bleibt jedoch gleich: Erkrankte müssen regelmäßig ihren Blutzucker messen und sich entsprechend Insulin spritzen. Nur so lässt sich der Blutzuckerspiegel dauerhaft im Zielbereich halten.
Formen der Insulinbehandlung
Grundsätzlich haben Diabetiker die Wahl zwischen zwei Behandlungsformen. Die Mehrheit der Betroffenen entscheidet sich heute für die intensivierte Therapie. Welche Methode die bessere ist, lässt sich aber nicht pauschal sagen – das hängt stark von den Lebensumständen und persönlichen Bedürfnissen ab.
Konventionelle Behandlung
Die konventionelle Therapie setzt auf einen eher starren Ablauf. Sie funktioniert nur, wenn der Alltag sehr gleichmäßig verläuft – feste Mahlzeiten, feste Spritzzeiten, feste Aktivitäten.
Hier wird in der Regel zweimal täglich Insulin gespritzt – meist ein Mischinsulin, das über Stunden wirkt. Damit die Wirkung optimal greift und Unterzuckerungen vermieden werden, müssen Patienten zu bestimmten Uhrzeiten genau definierte Mengen an Kohlenhydraten essen. Auch Bewegung darf nicht spontan passieren – sie muss vorher eingeplant werden, damit es nicht zu Problemen kommt.
Kurz gesagt: Diese Therapie erfordert Disziplin und einen ziemlich strukturierten Tagesablauf. Spontanität ist kaum möglich, dafür ist die Handhabung relativ einfach.
Intensivierte Insulintherapie
Die intensivierte Therapie ist flexibler – sie passt sich dem Leben an, nicht umgekehrt. Hier wird ein lang wirksames Insulin für den Grundbedarf (Basalinsulin) genutzt, und zusätzlich schnell wirkendes Insulin vor den Mahlzeiten gespritzt – je nachdem, was und wie viel gegessen wird, und wie hoch der aktuelle Blutzucker ist.
Die Vorteile: Essen, Bewegung und Tagesplanung sind deutlich freier. Dafür braucht es mehr Mitdenken, Rechnen und Aufmerksamkeit. Wer sich aber einmal eingearbeitet hat, kommt mit dieser Methode gut durch den Alltag – egal ob Schule, Beruf oder Freizeit.
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Ursachen und Symptome von Diabetes Typ 1 bei Kindern
Diabetes mellitus Typ 2 – Ursachen für die Entstehung, mögliche Folgen und Vorbeugung
Welche Hilfsmittel gibt es?
Insulinpens
Insulinpumpen sind einfach zu bedienende Injektionshilfen, etwa so groß wie ein Kugelschreiber. Mit ihnen lässt sich Insulin schnell, präzise und nahezu schmerzfrei verabreichen. Es gibt halbautomatische und vollautomatische Modelle sowie Pens mit digitalen Funktionen wie Dosis-Speicherung oder Smartphone-Anbindung.
Insulinpumpe
Insulinpumpen geben rund um die Uhr kleine Mengen Insulin über einen Katheter unter die Haut ab. Zusätzlich können per Knopfdruck Mahlzeiten-Boli verabreischt werden. Sie bieten mehr Flexibilität als Pens und werden bei häufigen Unterzuckerungen, unregelmäßigen Tagesabläufen und Kindern empfohlen.
Hybride Closed-Loop-System
Diese Systeme kombinieren eine Insulinpumpe mit kontinuierlicher Glukosemessung (CGM). Sie passen automatisch die Insulinzufuhr an den Glukosewert an. Mahlzeiten müssen jedoch weiterhin manuell eingegeben werden. Laut Studienerkenntnis verbessert ein Closed-Loop-System die Blutzuckerzuführung und senkt das Risiko für Unterzuckerungen.6
Patch-Pumpen
Patch-Pumpen sind kleine Geräte die keinen Schlauch benötigen und direkt auf die Haut geklebt werden. Sie lassen sich per Fernbedienung steuern und sind unauffälliger im Alltag. Nach drei Tagen wird das komplette Gerät gewechselt.
Folgeerkrankungen
Es gibt eine ganze Reihe an Folgeerkrankungen, die durch Diabetes mellitus Typ 1 auftreten können. Bei einem unbehandelten Diabetes mellitus kann unter anderem eine Ketoazidose entstehen, nämlich wenn ein absoluter Insulinmangel vorliegt.7 Daraus resultieren Symptome wie Bewusstseinstrübung, tiefe und betonte Atmung sowie sogenannter Azetongeruch, ein Geruch, der an Nagellackentferner oder überreifes Obst erinnert.
Sexuelle Einschränkungen
Bei Männern
Dass Typ-1-Diabetes die Sexualität beeinflusst, ist kein Einzelfall – sondern weit verbreitet. Eine italienische Studie aus dem Jahr 2025 zeigt: Fast jeder zweite Mann mit Typ-1-Diabetes ist von erektiler Dysfunktion betroffen. Über ein Viertel der Teilnehmer litt obendrein an einer schweren Form der Erektionsstörung, also an einer ausgeprägten und dauerhaften Beeinträchtigung.
Untersucht wurden insgesamt 68 Männer ab 18 Jahren mit unterschiedlicher Diabetestherapie. Alle Teilnehmer füllten den international standardisierten Fragebogen zur Erfassung der sexuellen Funktion aus. Die Analyse zeigt: Die Wahrscheinlichkeit für sexuelle Funktionsstörungen steigt deutlich mit dem Alter. Männer zwischen 41 und 60 Jahren erreichten in fast allen Bereichen der Sexualfunktion (z. B. Erektionsfähigkeit, Lust, Zufriedenheit) deutlich niedrigere Werte als die jüngeren Teilnehmer.
Weder die Blutzuckerkontrolle noch die Art der Insulintherapie (Pen oder Pumpe) hatten einen messbaren Einfluss auf die Häufigkeit von Erektionsstörungen. Stattdessen zeigte sich: Der Beziehungsstatus spielte eine große Rolle. Männer, die in einer festen Partnerschaft lebten, insbesondere in einer neuen Beziehung, hatten signifikant bessere Werte bei Lust, Zufriedenheit und Erektionsfähigkeit als alleinstehende Männer.
Dass dies leider immer noch ein großes Tabuthema ist, zeigt die Studie ebenfalls: Mehr als drei Viertel der Männer hatten vor der Studie noch nie mit medizinischem Fachpersonal über ihre Sexualprobleme gesprochen.8
Bei Frauen
Ein ebenso großes Tabuthema ist dies bei Frauen – obendrein ist die Forschung hier deutlich geringer ausgeprägt als beim männlichen Pendant. Eine Studie beleuchtete jedoch, dass mehr als jede dritte Frau mit Typ-1-Diabetes an einer sexuellen Funktionsstörung leidet. Das ist ein signifikant höherer Wert als bei gesunden Gleichaltrigen: etwas mehr als 36 Prozent gegenüber etwas mehr als fünf Prozent.
Bei der Studie wurde derselbe Fragebogen verwendet wie auch zuvor bei der Studie zur männlichen Einschränkung. Die Frauen erreichten durchweg niedrigere Werte bei Lust, Erregung, Lubrikation (Feuchtigkeit) und Orgasmus als die gesunde Kontrollgruppe. Vor allem Verlangen und körperliche Erregbarkeit unterschieden sich stark.
So wie bei den Männern hatte auch bei den Frauen weder die Blutzuckerkontrolle noch die Art der Insulintherapie (Pen oder Pumpe) einen signifikanten Unterschied gemacht. Ebenfalls auffällig war ein Zusammenhang mit diabetischen Spätfolgen wie Neuropathien: Frauen mit Folgeschäden berichteten häufiger über Probleme beim Geschlechtsverkehr, etwa durch verminderte Empfindsamkeit oder vaginale Trockenheit.9
Diabetische Retinopathie
Die Wahrscheinlichkeit, als Typ-1-Diabetiker im Laufe seines Lebens an einer diabetischen Retinopathie zu erkranken, liegt bei etwa 25 Prozent. Sie entsteht, weil Diabetes die kleinsten Blutgefäße in den Augen schädigen kann. Anfänglich bemerken Betroffene dies oft nicht, doch im Verlauf kann es zu leichten Sehbeschwerden bis hin zur Erblindung kommen.
Die diabetische Retinopathie kann sich auf verschiedene Weise äußern: Neben den typischen Gefäßveränderungen kann auch der gelbe Fleck (Makulopathie) betroffen sein. Außerdem treten bei Menschen mit Diabetes häufiger ein grauer Star (Katarakt) und grüner Star (Glaukom) auf. Auch Entzündungen an Ober- und Unterlid können vorkommen.
Wegen all dieser möglichen Folgen empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes ab dem elften Lebensjahr oder spätestens fünf Jahre nach der Diagnose regelmäßig eine Kontrolle der Augen durchführen lassen.10
Diabetischer Fuß
Das sogenannte diabetische Fußsyndrom entsteht, wenn dauerhaft hohe Blutzuckerwerte die Nerven und Blutgefäße in den Beinen schädigen. In der Folge verspüren die Diabetiker Druckstellen, kleine Verletzungen oder eingewachsene Nägel nicht mehr richtig. Die Wunden können sich so unbemerkt weiter ausbreiten. Obendrein wird das Gewebe schlechter durchblutet, was die Heilung zusätzlich erschwert. Im schlimmsten Fall kann dann sogar Gewebe absterben und eine Amputation drohen. Um dies zu verhindern, sollten die Füße regelmäßig kontrolliert werden. Erste Anzeichen, an denen diabetische Füße erkannt werden können, sind trockene, und/oder rissige Haut, Hornhautschwielen oder schlecht heilende Wunden an Zehen, Ferse oder Fußballen.
Gehirn und Psyche
Eine Diabetes-Erkrankung kann bei den Betroffenen erheblichen Stress verursachen. Viele überfordern die täglichen Anforderungen und Umstellungen, die eine Diagnose für das restliche Leben bedeutet. Für diese immerwährende emotionale Belastung und den Dauerstress gibt es in der Fachwelt die Bezeichnung Diabetes-Distress.
Darüber hinaus können auch weitere Folgeerkrankungen auftreten, unter anderem Depressionen. Menschen mit Diabetes haben ein signifikant erhöhtes Risiko, an einer Depression zu erkranken. Das Risiko für Diabetiker ist im Durchschnitt um 33 Prozent höher als bei Menschen ohne Diabetes.11
Neben der Psyche ist auch das Gehirn strukturell und funktionell betroffen. Studien weisen darauf hin, dass Diabetes das Risiko für leichte kognitive Störungen erhöht. Bei langem Krankheitsverlauf und im späteren Alter ist besonders beunruhigend, dass Diabetiker deutlich häufiger an Demenz erkranken – bis zu 1,7-mal häufiger treten Demenzformen bei ihnen auf. Bei der vaskulären Demenz ist das Risiko um mehr als das Zweifache erhöht.12,13
Hautkrankheiten
Bei bis zu 80 Prozent aller Diabetes-Erkrankten treten im Laufe des Lebens krankhafte Veränderungen der Haut auf. Auslöser ist zum einen die dauerhafte starke Überzuckerung des Körpers, aber auch bestimmte Insuline oder weitere Begleitmedikamente können zum Auslösen führen. Bei Diabetes Typ 1 treten häufiger autoimmunbedingte Veränderungen auf. Dazu gehören Weißfleckenkrankheit (Vitiligo), Necrobiosis lipoidica und auch – zwar nicht primär autoimmun – Sklerodermie.
Weitere Hautkrankheiten, die auftreten können, sind:
Pilzinfektionen: Candida-Infektionen (häufig im Mund, in Hautfalten, an Haarwurzeln oder im Genitalbereich bei Männern und Frauen); Tinea/Dermatophytose (Nagelpilz oder Fußpilz)
Bakterielle Infektionen: Wundrose/Erysipel (kräftig gerötet, wärmer als die Umgebung und rasch ausbreitend); Zwergflechte/Erythrasma (vor allem in Hautfalten oder Bereichen mit starker Schweißbildung)
Pseudacanthosis nigricans: meist Folge einer Insulinresistenz und betrifft zu Beginn die Nackenregion, später auch Achselhöhlen, Gelenkbeugen oder die Leistenregion. Grau-bräunliche und samtartige Stellen auf der Haut.
Gelbknoten/Xanthome: Folge einer Fettstoffwechselstörung, sorgt für knotenartige Fettablagerungen in der Haut, diese sind orange-gelblich schimmernd, jedoch harmlos.
Juckreiz: Circa ein Drittel aller Diabetiker leidet unter trockener und juckender Haut. Kratzen verschlimmert den Juckreiz nur.
Pigmentstörungen: Rötlich bis braun gefärbte Flecken an den Unterschenkeln, sind jedoch schmerzlos.
Zahngesundheit
Diabetes kann sich auch auf die Zahngesundheit auswirken und eine sogenannte Parodontis und Zahnfleischentzündungen hervorrufen. Eine Paradontis verläuft schleichend, führt zum Knochenverlust und wird leider häufig erst bemerkt, wenn die ersten Zähne gelockert sind. Deswegen ist regelmäßiges Zähneputzen essenziell und eine jährliche Kontrolluntersuchung empfehlenswert. Menschen mit Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken – dreimal so häufig wie Nicht-Diabetiker. Rund 75 Prozent aller Diabetiker entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Entzündung der Mundschleimhaut.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen zu den häufigsten Folgeproblemen bei Diabetes mellitus – auch bei Typ 1. Hohe Blutzuckerwerte schädigen langfristig die Innenwände der Aterien. Aufgrund der Gefäßverengungen, auch Arteriosklerose genannt, wird die Durchblutung behindert. Resultat ist ein Anstieg von Herzinfakten, Schlaganfällen oder peripheren Durchblutungsstörungen.
Die Gefäßschäden entwickeln sich meist schleichend und bleiben lange unbemerkt. Erst wenn sie fortgeschritten sind, treten Beschwerden auf und je nach betroffenem Organ ganz unterschiedlich. Belastungsschmerzen in der Brust, Schwindel oder Muskelschmerzen in den Beinen können Warnzeichen sein. Letztere sind typisch für die sogenannte „Schaufensterkrankheit“ – ein gängiger Begriff für Durchblutungsstörungen in den Beinarterien. Eine regelmäßige Kontrolle der Gefäßgesundheit ist besonders wichtig um vorzubeugen.
Neben einer guten Blutzuckereinstellung spielt vor allem ein gesunder Lebensstil eine entscheidende Rolle: ausgewogene Ernährung, Bewegung, Rauchverzicht – und bei Bedarf eine gezielte medikamentöse Therapie. Laut den ESC/ESH-Leitlinien 2018 sollten Menschen mit Diabetes einen Blutdruckzielwert von unter 140/80 mmHg anstreben – idealerweise 130/80 mmHg, sofern gut verträglich.14
Leber
Bei Typ-1-Diabetikern ist das Auftreten einer Fettleber zwar seltener als bei Typ-2-Diabetikern, aber dennoch eine gefährliche Folgeerkrankung. Hauptursache ist häufig eine Insulinresistenz, die den Fettstoffwechsel durcheinanderbringt. Verstärkt wird das Risiko durch Übergewicht, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung oder dauerhaft hohe Blutzuckerwerte.
Typische Warnzeichen gibt es kaum. Hinweise können Müdigkeit, Völlegefühl oder Druck im Oberbauch sein. Klarheit bringt bei Unsicherheit meist ein Ultraschall. Die gute Nachricht ist, dass sich mit konsequentem Lebensstilwandel viel erreichen lässt. Schon fünf bis zehn Prozent Gewichtsverlust können die Leber entlasten. Ab zehn Prozent Gewichtsverlust kann nachweislich sogar eine nicht-alkoholische Fettleberentzündung rückgängig gemacht werden.15
Lunge
Studien zeigen, dass Diabetes Typ 1 die Lungenfunktion messbar verschlechtert, auch schon bei Kindern. Die Ergebnisse einer Metaanalyse mit über 2500 Teilnehmenden sprechen eine klare Sprache: Menschen mit Typ-1-Diabetes haben im Schnitt niedrigere Werte bei mehreren Lungenfunktionstests – darunter Lungenvolumen, Atemstromstärke und Sauerstoffaustausch.16 Besonders betroffen sind kleine Atemwege und die Fähigkeit der Lunge, Sauerstoff ins Blut aufzunehmen. Verantwortlich dafür sind vermutlich dauerhafte Entzündungsprozesse und Veränderungen an den feinen Blutgefäßen der Lunge. Die Lunge zeigt damit ähnliche Schäden wie andere bekannte Zielorgane bei Diabetes – etwa Augen oder Nieren.17 Schon bei Kindern mit Typ-1-Diabetes wurde festegestellt, dass eine eingeschränkte Sauerstoffaufnahme, schlechtere Belastbarkeit und erhöhte Entzündungsmarker in der Lunge auftritt.18
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Krebs
Zwar ist der Zusammenhang bei Typ-2-Diabetes besser belegt, doch auch bei Menschen mit Typ-1-Diabetes zeigen vermehrt Studien eine leicht erhöhte Krebsinzidenz. Insbesondere die folgenden Krebsarten treten häufiger bei Typ-1-Diabetikern auf als bei Nicht-Diabetikern: Krebs der Leber, Bauchspeicheldrüse, Niere, des Magens sowie Leukämie und Schilddrüsenkrebs.
Die Ursachen sind nicht eindeutig geklärt. Diskutiert werden vor allem hohe Blutzuckerwerte und Insulinspiegel als mögliche Einflussfaktoren. Denn Insulin wirkt nicht nur als Blutzuckerregulator, sondern auch als Wachstumsfaktor, ableiten lässt sich daher, dass ein dauerhaft erhöhter Insulinspiegel (etwa bei hoher täglicher Insulindosis) so das Zellwachstum beeinflussen könnte.19 Obendrein begünstigt Hyperglykämie entzündliche Prozesse im Körper, die ebenfalls das Krebsrisiko erhöhen können.20
Eine großangelegte Studie aus fünf Ländern bestätigt: Frauen mit Typ-1-Diabetes haben ein um rund sieben Prozent erhöhtes Gesamtrisiko für Krebs, Männer liegen in etwa gleichauf mit der Allgemeinbevölkerung. Die größten Unterschiede zeigen sich bei Leber-, Pankreas- und Magenkrebs – hier war das Risiko teils doppelt so hoch. Gleichzeitig wiesen Männer mit Typ-1-Diabetes ein deutlich geringeres Risiko für Prostatakrebs auf, Frauen für Brustkrebs.21
Nieren
Die Nieren sind besonders empfindlich. Rund 20 bis 40 Prozent der Betroffenen entwickeln im Laufe der Zeit sogenannte diabetische Nephropathie, eine chronische und schleichend beginnende Nierenschädigung. Die dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerte schädigen die feinen Blutgefäße in den Nierenkörbchen. Daraus resultiert, dass Eiweiße in den Urin gelangen, da die Filterfunktion der Niere nachlässt. Ab einer Diabetes-Dauer von fünf Jahren sollte jährlich eine Kontrolle erfolgen, damit die Frühzeichen so schnell wie möglich entdeckt werden.
Nervenschäden
Nervenschäden neben den Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Folgeerkrankungen bei Typ 1 Diabetes. Je nachdem , welche Bereiche betroffen sind, unterscheidet man zwei Formen: periphere und vegetative Neuropathie. Neuropathien entwickeln sich oft schleichend. Fachleute empfehlen daher ab dem fünften Jahr nach Diagnose regelmäßige Kontrolluntersuchungen. Ein stabiler Blutzucker, Bewegung und Rauchverzicht können vorbeugen.22
Periphere Form
Die periphere Form betrifft meist Füße und Beine und äußert sich durch Kribbeln, Brennen, Taubheit oder Schmerzen. Die Symptome treten vor allem nachts auf. Dadurch werden kleine Verletzungen leicht übersehen, was das Risiko für das diabetische Fußsyndrom erhöht.
Vegetative Form
Die vegetative Neuropathie betrifft innere Organe: Herz, Magen, Blase oder Sexualorgane. Mögliche Folgen sind Verdauungsprobleme, Kreislaufstörungen oder sexuelle Einschränkungen.