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Lancet-Studie warnt

Bestimmte Lebensmittel schaden fast allen Organen im Körper 

Der Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel bringt erhebliche Folgen für unsere Gesundheit mit sich, wie eine große „Lancet“-Studie zeigt
Der Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel bringt erhebliche Folgen für unsere Gesundheit mit sich, wie eine große „Lancet“-Studie zeigt Foto: Getty Images/Science Photo Libra
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Nuno Alves
Chefredakteur

20. November 2025, 17:16 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Der weltweite Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel nimmt rasant zu – mit gravierenden Folgen für die Gesundheit. Das zeigt eine im Fachjournal The Lancet veröffentlichte Studienreihe. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass diese Produkte allen Organsystemen des Körpers schaden können. Für „Highway to Health – Studien kompakt“ habe ich mir die Untersuchung genauer angesehen.

Was wurde untersucht?  Die erste Arbeit einer dreiteiligen Reihe im Fachjournal „The Lancet“ fasst zahlreiche Studien und globale Verkaufsdaten zu hochverarbeiteten Lebensmitteln zusammen.1

Analysiert wurde, wie stark der Konsum dieser industriell hergestellten Produkte, die viele Zusatzstoffe, Aromen und veränderte Zutaten enthalten, mit der Gesundheit zusammenhängt. Dafür wurden Daten aus 93 Ländern zwischen 2007 und 2022 ausgewertet, ergänzt um mehr als 100 Langzeitbeobachtungen an Erwachsenen. Zwei kontrollierte Kurzzeitstudien untersuchten zusätzlich, wie sich hochverarbeitete im Vergleich zu unverarbeiteten Lebensmitteln auf das Essverhalten auswirken.

Zahlreiche Krankheiten und vorzeitiger Tod durch hochverarbeitete Lebensmittel

Ergebnisse: Der Anteil stark verarbeiteter Produkte an der täglichen Ernährung steigt weltweit. Schon eine Erhöhung des Anteils um 10 Prozent führte im Durchschnitt zu einem Mehrverzehr von 34,7 Kilokalorien pro Tag. In einer US-Studie nahmen Personen, die stark verarbeitete Kost konsumierten, rund 500 Kilokalorien täglich mehr zu sich und legten in zwei Wochen 0,9 Kilogramm zu, obwohl der Nährstoffgehalt der Diäten gleich war. In Tokio waren es sogar 813 Kilokalorien mehr und 2,2 Kilogramm Zunahme innerhalb einer Woche.
Über 90 Langzeitstudien zeigen zudem ein deutlich erhöhtes Risiko für:

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass hochverarbeitete Lebensmittel fast allen wichtigen Organsystemen schaden.

Auch interessant: Stark verarbeitete Lebensmittel beeinflussen das Krebsrisiko erheblich

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Experten: Viele hochverarbeitete Lebensmittel bieten Suchtpotenzial

Bedeutung: Hochverarbeitete Produkte verdrängen zunehmend frische, traditionelle Lebensmittel und fördern so die Entstehung zahlreicher chronischer Krankheiten. Ihre gesundheitlichen Nachteile sind in Studien ähnlich stark ausgeprägt wie die schützenden Effekte einer mediterranen Ernährung. Die Hauptursachen:

  • Überessen durch hohe Energiedichte, weiche Konsistenz und starke Würzung
  • Nährstoffmängel, etwa durch zu geringe Aufnahme von Ballast- und Schutzstoffen
  • Belastung durch Zusatz- und Verpackungsstoffe, die giftige oder hormonstörende Chemikalien freisetzen können

Auch wenn Nährstoffe zugesetzt werden, bleibt das Problem bestehen: Die Art der Verarbeitung, die zerstörte Lebensmittelstruktur und der hohe Anteil an Zusatzstoffen machen diese Produkte grundsätzlich ungesund.

Hinzu kommt ein weiteres Risiko: Viele dieser Lebensmittel besitzen laut Experten ein echtes Suchtpotenzial. Sie werden gezielt so entwickelt und vermarktet, dass Konsumenten mehr davon essen, als ihnen guttut. Fachleute fordern daher politische Maßnahmen, um den Konsum frischer Lebensmittel zu fördern und den Anteil industrieller Produkte zu begrenzen.

Nuno Alves
Chefredakteur

Hochverarbeitete Lebensmittel überreizen unseren Geschmackssinn

„Ich betrachte diese Entwicklung mit wachsender Sorge, denn sie führt viele Menschen in eine stille Falle, aus der nicht jeder ohne bewusste Anstrengung wieder herausfindet. Hochverarbeitete Lebensmittel überreizen unsere Geschmackssinne so stark, dass natürliche, frische Kost im Vergleich kaum noch etwas auslöst: Sie wirkt fad, beinahe enttäuschend. Mit der Zeit stumpft unser Geschmacksempfinden ab – es braucht immer intensivere Reize, um überhaupt noch etwas zu spüren. Genau das lässt viele umso häufiger zu verarbeiteten Produkten greifen. Ein Teufelskreis.

Der erste Schritt, um daraus auszubrechen, ist Wissen: zu verstehen, welchen Schaden hochverarbeitete Lebensmittel anrichten. Wer das begreift, kann beim Einkaufen und Essen bewusster entscheiden – und sich allmählich wieder einer natürlichen Ernährung annähern. Dann kehrt auch der echte Geschmack zurück.“

Fehler entdeckt? Bitte Feedback an: highway2health@fitbook.de.

Quellen

  1. Monteiro, C. A., Louzada, M. L. C., Steele-Martinez, E., Cannon, G., Andrade, G. C., Baker, P., Bes-Rastrollo, M., Bonaccio, M., Gearhardt, A. N., Khandpur, N., Kolby, M., Levy, R. B., Machado, P. P., Moubarac, J.-C., Rezende, L. F. M., Rivera, J. A., Scrinis, G., Srour, B., Swinburn, B., & Touvier, M. (2025). Ultra-processed foods and human health: the main thesis and the evidence. The Lancet, Online first. ↩︎

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