6. Juli 2026, 12:36 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Das Alter gilt als wichtigster Risikofaktor für Demenz. Doch es ist längst nicht der einzige. Auch der Lebensstil kann beeinflussen, wie hoch das Risiko für eine spätere Erkrankung ist. Laut einer aktuellen Übersichtsarbeit in „The Lancet Healthy Longevity“ könnten fast die Hälfte aller Demenzfälle mit veränderbaren Risikofaktoren zusammenhängen – also mit Faktoren, die sich zumindest teilweise beeinflussen lassen.
Nicht nur das Alter! Auch Lebensstil beeinflusst Demenzrisiko
Die neue Studie der Curtin Universität, die in „The Lancet Healthy Longevity“ erschienen ist, zeigt: Ein erheblicher Teil des Demenzrisikos hängt mit beeinflussbaren Faktoren zusammen. Ganze 45 Prozent der Fälle könnten durch Veränderungen des eigenen Lebensstils vermieden werden.1 Die Forschenden werteten zwölf Studien aus acht Ländern aus, in denen Präventionsprogramme und Aufklärungskampagnen zur Demenzvorbeugung untersucht wurden. Dabei zeigte sich zwar auch, dass reine Informationskampagnen Verhalten oft nur begrenzt verändern. Für den Alltag bleibt aber die zentrale Botschaft: Viele Risikofaktoren sind bereits bekannt und einige davon lassen sich aktiv angehen. Dazu zählen z. B. Bewegungsmangel, Rauchen und Bluthochdruck. Und ein weiterer Faktor rückt nun in den Fokus: Muskelkraft.
Muskelkraft als neuer wichtiger Faktor für die Gehirngesundheit
In einer weiteren aktuellen Studie der Curtis Universität untersuchten Forschende den Zusammenhang zwischen sogenannter sarkopener Adipositas und Demenz. Damit ist die Kombination aus geringer Muskelkraft bzw. -masse und starkem Übergewicht gemeint. Dafür werteten die Wissenschaftler Daten von 489.972 Erwachsenen aus. Das Durchschnittsalter lag bei 56,5 Jahren und die Teilnehmenden wurden im Schnitt 13,6 Jahre beobachtet.2
Sarkopenie, also eine zu geringe Muskelkraft, erhöhte das Demenzrisiko um 30 Prozent. Die Kombination von Sarkopenie und Adipositas ließ es um 34 Prozent steigen. Spannenderweise war Adipositas allein nicht mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden. Entscheidend schien vielmehr zu sein, ob zusätzlich die Muskelkraft niedrig war. Die Handgriffkraft erwies sich dabei als wichtiger Marker. Nahm sie im Verlauf ab, sagte das in der Analyse ein höheres späteres Demenzrisiko voraus.
Das bedeutet nicht, dass Krafttraining Demenz sicher verhindern kann. Dennoch passt das Ergebnis zu dem, was bereits über Bewegung und Gehirngesundheit bekannt ist: Neben Kraft und Mobilität beeinflussen Muskeln nämlich auch die Blutzuckerregulation, Entzündungsprozesse, die Gefäßgesundheit und den Stoffwechsel – alles Faktoren, die wiederum mit der Gehirngesundheit in Verbindung stehen.
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Diese Demenz-Risikofaktoren zeigen schon 20-Jährige
Schon jüngere Menschen können ihr Demenzrisiko beeinflussen
Bereits 2022 untersuchten Wissenschaftler Daten von 22.117 Personen zwischen 18 und 89 Jahren. Die Teilnehmenden beantworteten einen Fragebogen und absolvierten kognitive Aufgaben. Ziel war es herauszufinden, wie sich mehrere bekannte Risikofaktoren auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirken.3
Die Studie untersuchte damals acht Lebensstilfaktoren:
- Niedriger Bildungsstand
- Rauchen
- Depression
- Bluthochdruck
- Schwerhörigkeit/Hörverlust
- Alkohol- oder Drogenmissbrauch
- Diabetes
- Hirnverletzungen
Die Auswertung der Testergebnisse zeigte, dass jeder zusätzliche Risikofaktor mit einer schlechteren kognitiven Leistung einherging. Laut den Forschenden entsprach ein einzelner Risikofaktor rechnerisch einer kognitiven Alterung von bis zu drei Jahren. Die Zusammenhänge zeigten sich nicht nur bei älteren Menschen, sondern über verschiedene Altersgruppen hinweg. Auch junge und mittelalte Erwachsene können also bereits Risikofaktoren ansammeln, die sich später auf die Gehirngesundheit auswirken könnten.
Alle vermeidbaren Risikofaktoren
Die Lancet Commission hatte in ihrem Demenz-Report 2024 insgesamt 14 wichtige veränderbare Risikofaktoren benannt.4 Mit den acht oben genannten und dem neuen Faktor Muskelkraft sieht die vollständige Liste wie folgt aus:
- Niedriger Bildungsstand
- Rauchen
- Depression
- Bluthochdruck
- Schwerhörigkeit/Hörverlust
- Alkohol- oder Drogenmissbrauch
- Diabetes
- Hirnverletzungen
- Bewegungsmangel
- soziale Isolation
- Adipositas
- erhöhtes LDL-Cholesterin
- unbehandelter Sehverlust
- Luftverschmutzung
- geringe Muskelkraft
Was man konkret tun kann
Die aktuelle Forschung macht insofern Hoffnung, dass man Demenz nicht ausschließlich dem Schicksal überlässt. Ein großer Teil des Risikos hängt mit Faktoren zusammen, die sich beeinflussen lassen.
Wer sein Demenzrisiko senken möchte, muss nicht von heute auf morgen sein Leben auf den Kopf stellen. Sinnvoller ist es, an einzelnen Punkten anzusetzen und diese langfristig beizubehalten. Gerade die neue Muskelkraft-Studie zeigt, dass der Erhalt von Muskelkraft und -masse ein wichtiger Ansatzpunkt ist.
Ein guter Anfang können zwei bis drei Krafteinheiten pro Woche sein. Dabei können Sie sich im Fitnessstudio an den „Big Five“ orientieren. Aber auch für zu Hause gibt es Übungen mit dem eigenen Körpergewicht oder Widerstandsbändern. Wichtig ist, dass die Belastung regelmäßig stattfindet und mit der Zeit etwas gesteigert wird.
Auch bei anderen Risikofaktoren gilt: Kleine Veränderungen können ein Anfang sein, etwa den Blutdruck kontrollieren lassen, Sehprobleme behandeln, mehr Bewegung in den Alltag bringen oder Unterstützung beim Rauchstopp suchen.