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Präadipositas

Übergewicht – Ursachen, Folgen und BMI erklärt

Weihnachten, Urlaub, Stress – kurze Phasen, die langfristig auf der Waage bleiben.
Weihnachten, Urlaub, Stress – kurze Phasen, die langfristig auf der Waage bleiben. Foto: Getty Images
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10. April 2026, 17:03 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

Nein, übergewichtig zu sein, bedeutet nicht, adipös zu sein. Sind Sie unsicher, ob Sie tatsächlich adipös sind und was das bedeutet? Welche gesundheitlichen Einschränkungen und Gefahren können auch bei Übergewicht auftreten? All das beantwortet Ihnen FITBOOK-Redakteur Michel Winges.

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Sind Sie übergewichtig? – Zu Hause messen

Laut der WHO gilt ein Erwachsener mit einem BMI zwischen 25 und 29,9 kg/m² als Übergewichtig.1 Alles darüber würde bedeuten, Sie sind fettleibig und adipös. Um Ihren BMI schnell zu berechnen, benötigen Sie nur Ihr aktuelles Gewicht, Ihre Körpergröße und zwei kleine Rechnungen. Multiplizieren Sie Ihre Körpergröße mit sich selbst. Mit dem Ergebnis können Sie nun Ihr Gewicht (in Kilogramm) durch den eben errechneten Wert teilen.

Definition BMI
BMI steht für Body-Mass-Index – auf Deutsch bedeutet das so viel wie Körpermasseindex.
Es ist eine Maßzahl, die angibt, ob Ihr Gewicht im Verhältnis zu Ihrer Körpergröße normal, zu hoch oder zu niedrig ist.

Eine Beispielrechnung:

Eine Person wiegt 75 Kilogramm und ist 1,75 Meter groß.

Im ersten Schritt wird die Körpergröße mit sich selbst multipliziert:
1,75 × 1,75 = 3,0625

Im zweiten Schritt wird das Körpergewicht durch dieses Ergebnis geteilt:
75 ÷ 3,0625 = 24,5

Das Ergebnis ist der BMI. In diesem Beispiel beträgt er 24,5. Dieser Wert liegt im Normalbereich, es besteht also kein Übergewicht.

Wichtig!

Der hier berechnete BMI ist lediglich ein grober Richtwert und keine medizinische Diagnose. In eine vollständige gesundheitliche Beurteilung fließen noch viele weitere Faktoren ein, wie zum Beispiel Alter, Geschlecht, Körperbau und Fitnesslevel. Außerdem kann der BMI nicht zwischen Muskelmasse und Körperfett unterscheiden – muskulöse Menschen können daher einen erhöhten BMI haben, obwohl sie kerngesund sind. Für eine genaue Einschätzung empfiehlt sich ein Gespräch mit einem Arzt.

Übergewicht begünstigt Krebs

Eine Übersichtsarbeit aus 2026 hat festgestellt, dass Übergewicht rund zwölf Krebsarten begünstigen kann.2 Darunter Darm-, Leber-, Nieren-, Bauchspeicheldrüsen- und Brustkrebs nach den Wechseljahren. In den USA hängen sogar etwa zehn Prozent aller neuen Krebsdiagnosen pro Jahr mit Übergewicht und Adipositas zusammen.

Woran liegt es, dass Übergewicht zu einem erhöhten Krebsrisiko führt?

Überschüssiges Fettgewebe kann chronische Entzündungsprozesse im Körper fördern und die natürliche Reparatur von Zellschäden erschweren. Beides kann langfristig zur Entstehung von Krebs beitragen.

Die gute Nachricht jedoch: Wer deutlich abnimmt – also mindestens zehn Prozent seines Körpergewichts – kann sein Krebsrisiko möglicherweise senken. Das zeigten zum Beispiel Studien mit Menschen nach einer Magenverkleinerung oder mit bestimmten Abnehmmedikamenten.3 Ob Abnehmen Krebs tatsächlich zuverlässig vorbeugt, muss die Wissenschaft aber noch in weiteren Studien genauer untersuchen.

Die physischen Beschwerden

Übergewicht wird medizinisch als Präadipositas bezeichnet. Das bedeutet, man ist noch nicht zwangsläufig krank, aber an der Schwelle dazu. Während Adipositas für mehr als 60 Begleiterkrankungen verantwortlich zu sein scheint, lassen sich diese Risiken nicht eins zu eins auf einfaches Übergewicht übertragen. Dennoch können Vorstufen ernster Probleme bereits in dieser Phase auftreten.

Durch Übergewicht entstehen auch Einschränkungen im täglichen Leben – das kann sich von banal wirkenden Aufgaben bis hin zu erwartbar schwierigen Aufgaben durch den gesamten Tag ziehen. Vor allem die reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit wird sich schnell bemerkbar machen, wenn sich alles einfach etwas anstrengender anfühlt als zuvor.

Atembeschwerden bis hin zu Schlafapnoe

Viele Betroffene schnarchen nicht nur laut, sondern hören im Schlaf auch kurzzeitig komplett auf zu atmen, oft ohne es zu merken. Übergewichtige machen rund 60 Prozent aller Schlafapnoe-Patienten aus – und sie sind viermal häufiger betroffen als Normalgewichtige.4 Und auch wenn keine Schlafapnoe vorliegt, kann Schnarchen enorm belastend sein, da der Körper nachts nicht richtig zur Ruhe kommt. Deshalb wacht man morgens trotz eigentlich ausreichenden Schlafs erschöpft auf.

Herz-Kreislauf-Probleme

Übergewicht belastet das Herz gleich auf mehreren Wegen gleichzeitig. Es begünstigt Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte und ungünstige Cholesterinwerte. Daten einer deutschen Studie zeigen, dass Menschen mit einem BMI zwischen 25 und 29,9 nach Anpassung an Geschlecht, Alter und Raucherstatus ein um etwa 24,7 Prozent erhöhtes Schlaganfallrisiko im Vergleich zu Normalgewichtigen haben.5

Eine große schottische Studie mit rund 296.000 Teilnehmern zeigte zudem, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei einem BMI von etwa 22 bis 23 am niedrigsten ist und mit weiter steigendem BMI kontinuierlich zunimmt.6

Schmerzen

Das hohe Körpergewicht sorgt für eine Belastung des Rückens und der Gelenke. Das kann sogar zu chronischen Rückenschmerzen und frühzeitiger Arthrose, insbesondere in Knien und Hüfte, führen.

Stoffwechselerkrankungen – Typ-2-Diabetes und Fettlebererkrankungen

Übergewicht ist oft der Startschuss für eine Kettenreaktion, die zu Stoffwechselerkrankungen führt. Das liegt daran, dass das überschüssige Körperfett, besonders im Bauchraum, Botenstoffe ausschüttet, die Entzündungen fördern. Unter anderem sorgen diese Botenstoffe dafür, dass die Zellen schlechter auf Insulin reagieren. Genannt wird das dann eine Insulinresistenz und sie ist damit eine direkte Vorstufe für Typ-2-Diabetes. Laut der Deutschen Adipositas Gesellschaft steigt das Diabetesrisiko bereits ab einem BMI von 25.7

Diese Kettenreaktion betrifft Frauen noch stärker als Männer. Die Insulinresistenz kann das Gleichgewicht ihrer Hormone so stark stören, dass ein polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) begünstigt wird, was den Stoffwechsel oft noch weiter belastet. Symptome wie Zyklusstörungen, Hautprobleme oder auch das massiv erschwerte Abnehmen können dann eine zusätzliche Belastung darstellen. Das Tückische dabei ist außerdem, dass Frauen mit PCOS ein deutlich erhöhtes Risiko haben, zusätzlich einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln.

Wenn der Körper den Zucker und die Hormone nicht mehr richtig regulieren kann, wird die überschüssige Energie stattdessen verstärkt als Fett direkt in den Organen zwischengelagert. So entsteht eine Belastungsschleife, die schlussendlich zu chronischen Leiden wie der nicht-alkoholischen Fettleber führt, welche auch schon bei leichtem Übergewicht ihren Anfang nehmen kann.

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Ursachen

Ist die Gewichtszunahme schleichend oder sprunghaft?

Man könnte annehmen, dass die Gewichtszunahme durch einen kleinen täglichen Kalorienüberschuss entsteht, was sich auf lange Zeit läppert. Forscher der Loughborough University zeigten in ihrer Studie, dass Menschen häufig gar nicht gleichmäßig zunehmen, sondern in kurzen, aber heftigen Phasen.8 Diese heftigen Phasen werden durch Momente ausgelöst, die den Alltag durcheinanderwirbeln. Dazu können zählen: ein Umzug, eine Trennung, ein neuer Job oder auch die Weihnachtszeit. Solche Disruptoren bringen Essen und Bewegung kurzzeitig aus dem Gleichgewicht, und das scheint schon auszureichen, um langfristig zuzunehmen. Eine weitere Studie mit über 3.700 Teilnehmern zeigte zudem, dass die in der Weihnachtszeit zugenommenen Kilos danach meist nicht vollständig wieder verschwinden.9 Als extremes Beispiel nennen die Forscher die britische Weihnachtszeit, in der die tägliche Kalorienzufuhr auf bis zu 6.000 Kalorien ansteigen kann – so viel wie ein Radprofi bei der Tour de France verbraucht.10

Das eigentliche Problem scheint also nicht der tägliche kleine Kalorienüberschuss zu sein, sondern diese kurzen, heftigen Phasen – in denen wir deutlich mehr essen als wir verbrauchen, und die dabei zugenommenen Kilos danach nie ganz wieder loswerden.

Genetik und Mutterleib

Dass die genetische Veranlagung eine Rolle spielt, zeigt sich deutlich bei Zwillingen. Bei eineiigen Zwillingen ähnelt sich der BMI zu 40 bis 70 Prozent, und das selbst dann, wenn sie in völlig unterschiedlichen Familien aufwachsen.11

Forschung der Charité – Universitätsmedizin Berlin zeigt, dass neben Lebensstil und Genen auch früh entstandene epigenetische Veränderungen das Risiko für Übergewicht beeinflussen können. Dabei geht es um das Sättigungsgen POMC, dessen Aktivität wie bei einem Lichtschalter mit Dimmfunktion dauerhaft herunterreguliert ist. Das Gen ist zwar vorhanden, wird aber nicht stark genug hochgefahren, um ein rechtzeitiges Sättigungsgefühl auszulösen. Diese Regulierung entsteht offenbar schon in einer sehr frühen Phase der Embryonalentwicklung. Dadurch kann die Regulation von Hunger und Sättigung bei manchen Menschen verändert sein und dazu führen, dass manche Menschen mit einem biologisch stärkeren Hungergefühl ins Leben starten als andere.

Psychisch

Nicht nur leiden Menschen mit Übergewicht deutlich häufiger an psychischen Erkrankungen, sondern bei adipösen Personen ist das Risiko, an einer Depression zu erkranken, sogar doppelt so hoch wie bei Normalgewichtigen.12 Und auch umgekehrt steigt bei bestehenden Depressionen oder Angststörungen das Risiko für eine starke Gewichtszunahme erheblich an. Es entsteht ein Teufelskreis, der sich gegenseitig befeuert.

Durch dauerhaften Stress schüttet der Körper das Hormon Cortisol aus, das dafür sorgt, dass Energie gespart und vermehrt Fett im Bauchbereich eingelagert wird. Gleichzeitig sinkt der Serotoninspiegel, was Heißhunger auf Süßes oder Kohlenhydrate auslöst. Essen wird so zu einem unbewussten Ventil, um Druck, Einsamkeit oder Frust kurzfristig zu dämpfen – oft ohne dass sich die Betroffenen dessen bewusst sind. Besonders deutlich zeigt sich das bei Menschen mit ADHS, deren Risiko, eine Adipositas zu entwickeln, um rund 70 Prozent erhöht ist.13

Hormonell

Hier entsteht eine tückische Wechselwirkung, denn Übergewicht führt nicht nur zu hormonellen Störungen, wie unter dem Absatz „Stoffwechselerkrankungen“ auch bereits angeführt, sondern diese Störungen befeuern wiederum auch die Gewichtszunahme. So sorgt eine beginnende Insulinresistenz dafür, dass der Körper ständig Fett einlagert, anstatt es zu verbrennen – was das Abnehmen enorm erschwert.14 Auch eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Überschuss an Stresshormonen können den Stoffwechsel massiv bremsen. In diesen Fällen ist das Übergewicht also sowohl Folge als auch Ursache. Das macht deutlich, dass es oft keine reine Frage des Willens ist, sondern eine Belastungsschleife, in der sich Hormone und Körperfett gegenseitig negativ beeinflussen.

Medikamente

Auch wenn Medikamente dafür da sind, unser Leben zu verbessern, gibt es einige, die Nebenwirkungen mit sich bringen, die das Hunger- und Sättigungsgefühl beeinflussen. Vor allem Psychopharmaka können das Essverhalten stark beeinflussen. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft stellte in einer Studie fest, dass bis zu 40 Prozent der Patienten „klinisch relevant“ zunahmen – meist mehr als sieben Prozent ihres Ausgangsgewichts.15 Die in den Pharmaka enthaltenen Antidepressiva sorgen dafür, dass bestimmte Neurotransmitter im Gehirn nicht nur die Depression vermindern, sondern auch das Hunger- und Sättigungsgefühl stimulieren. Aber auch weitere Medikamente wie Antiepileptika, Betablocker und Kortison können für ein verändertes Essverhalten verantwortlich sein.16

Auch interessant: Bestimmtes Schlafverhalten könnte Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko verdoppeln

Fazit

Ein BMI zwischen 25 und 29,9 bedeutet noch keine schwere Erkrankung, aber er ist ein klares Signal, das ernst genommen werden sollte. Übergewicht schränkt die Lebensqualität ein, erhöht das Risiko für zahlreiche Folgeerkrankungen und kann die Lebenserwartung senken. Gleichzeitig sind Sie noch nicht adipös. Das bedeutet, Sie haben jetzt die Möglichkeit, gegenzusteuern, bevor aus einem Risiko eine chronische Erkrankung wird. Der erste Schritt ist oft der wichtigste.

Quellen

  1. World Health Organization. Obesity and overweight. (aufgerufen am 09.04.2026) ↩︎
  2. Shen, S., Brown, K. A., Green, A. K., & Iyengar, N. M. (2026). Obesity and Cancer: A Translational Science Review. JAMA. ↩︎
  3. FITBOOK. Wie Übergewicht und Adipositas die Entstehung von Krebs begünstigen können. (aufgerufen am 09.04.2026) ↩︎
  4. Snorflex. Zusammenhang von Schlafapnoe und Übergewicht. (aufgerufen am 09.04.2026) ↩︎
  5. Assmann Stiftung für Prävention. Übergewicht als Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall in der PROCAM-Studie. (aufgerufen am 09.04.2026) ↩︎
  6. Lliodromiti, S., Celis-Morales, C. A., Lyall, D. M., et al. (2018). The impact of confounding on the associations of different adiposity measures with the incidence of cardiovascular disease: a cohort study of 296 535 adults of white European descent. National Library of Medicine. ↩︎
  7. Deutsche Adipositas Gesellschaft. Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur „Prävention und Therapie der Adipositas“. (aufgerufen am 09.04.2026) ↩︎
  8. Smith, L. H., Holm, L. (2011). Obesity in a life-course perspective: an exploration of lay explanations of weight gain. National Library of Medicine. ↩︎
  9. Turicchi, J., O'Driscoll, R., Horgan, G. et al. (2020). Weekly, seasonal and holiday body weight fluctuation patterns among individuals engaged in a European multi-centre behavioural weight loss maintenance intervention. National Library of Medicine. ↩︎
  10. FITBOOK. Verläuft eine Gewichtszunahme eher sprunghaft als schleichend? (aufgerufen am 09.04.2026) ↩︎
  11. Charité. Nicht nur Lebensstil und Gene: Weiterer Einflussfaktor für Übergewicht entdeckt. (aufgerufen am 09.04.2026) ↩︎
  12. Marcus Knipsel. Statistiken zu Übergewicht (Adipositas) in Deutschland. (aufgerufen am 09.04.2026) ↩︎
  13. Dr. Shirley Hershko. In welchem Zusammenhang steht ADHS mit Adipositas / Essgewohnheiten? (aufgerufen am 10.04.2026) ↩︎
  14. Universimed. Adipositastherapie: Gewichtsreduktion und Prognoseverbesserung. (aufgerufen am 10.04.2026) ↩︎
  15. Schneider, M., Grohmann, R., Heinze, M. et al. (2021). Ausgeprägte Gewichtszunahmen stationärer psychiatrischer Patienten unter Psychopharmaka: Daten aus dem AMSP-Projekt 2001–2016. Arzneimittelkomission der deutschen Ärzteschaft. ↩︎
  16. Springer Medizin. Übergewicht und Adipositas. (aufgerufen am 09.04.2026) ↩︎

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