12. September 2025, 21:58 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Gedächtnisstörungen im Alter sind oft harmlos und gehören zum normalen Älterwerden. Doch manchmal können sie auch frühe Anzeichen einer Demenz sein. Wichtig ist, die Unterschiede zu kennen – und zu wissen, ab wann ein Arztbesuch sinnvoll ist.
Was genau bedeutet Demenz?
Wenn es um den Verdacht einer Demenz geht, ist eine Begriffserklärung wichtig „Demenz und Alzheimer werden sehr häufig verwechselt“, erklärte Prof. Oliver Peters, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité in Berlin 2023 der „dpa“. Die kürzeste Erklärung lautet: „Demenz hat viele Ursachen, Alzheimer ist die häufigste.“
Von einer Demenz spreche man, wenn geistige und emotionale Einschränkungen vorlägen, die den Alltag über mindestens sechs Monate beeinträchtigten. Das heiße in fortgeschrittenen Stadien: Jemand anders müsse sich um die betroffene Person kümmern, ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben sei nur noch eingeschränkt möglich, so Peters. Das Syndrom könne viele Ursachen haben und es trete in Zusammenhang mit verschiedenen Krankheiten auf, die teils gut behandelbar seien.
Führt eine Alzheimer-Erkrankung zu Demenzsymptomen, gibt es aber noch keine ursächliche Therapie, um die Krankheit zu heilen. Trotzdem kann es sich lohnen, möglichst früh Klarheit zu haben und mögliche Warnzeichen folglich ernstzunehmen. Denn eine symptomatische Therapie kann die Lebensqualität deutlich verbessern.
Anzeichen, die auf Demenz hindeuten können
„Eine Vorstellung beim Arzt ist generell geboten, wenn die Gedächtnisstörungen neu auftreten und anhalten oder wenn für den Betroffenen wichtige Dinge vergessen werden“, erklärte Prof. Janine Diehl-Schmid, Leiterin des Zentrums für kognitive Störungen am Klinikum rechts der Isar in München. Gleiches gelte, „wenn die Betroffenen unangemessen oft Fragen oder Gesprächsinhalte wiederholen, weil sie sich nicht mehr erinnern können, dass sie dieses oder jenes schon erzählt oder gefragt haben.“
Auch Orientierungsstörungen oder Probleme mit der Benutzung von Smartphone, Computer oder Kaffeemaschine sind Alarmsignale – sofern das vorher jeweils problemlos funktioniert hat.
Wenn Angehörigen solche Signale auffallen, sollten sie dies behutsam ansprechen und immer wieder einfühlsam darauf hinweisen. „Es gibt das Phänomen der fehlenden Krankheitseinsicht, das oft im Rahmen von Demenzerkrankungen vorkommt“, erklärte Oliver Peters. Es könne zu Abwehrreaktionen kommen, wenn man zu viel Druck ausübe und das Thema nicht empathisch genug anspreche.
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Was sind erste Anzeichen für Demenz?
Brieftasche verlegt, Schlüssel verloren oder Geburtstage durcheinandergebracht – eine gewisse Schusseligkeit im Alter ist normal. Auch fällt es vielen älteren Menschen schwerer, sich auf neue Situationen einzustellen oder Neues zu lernen. Das allein ist aber noch kein Hinweis auf Demenz. Typische Anzeichen für eine beginnende Demenz sind dagegen beispielsweise:
- Häufiges Vergessen von Wörtern, die früher alltäglich verwendet wurden.
- Deutlich nachlassende Konzentrationsfähigkeit.
- Komplexe Aufgaben, die Planung und logisches Denken erfordern, fallen deutlich schwerer.
- Zeitliche Orientierung geht verloren: Betroffene wissen oft nicht, welcher Tag oder welches Jahr gerade ist.
- Es kommt häufiger vor, dass man nicht mehr weiß, wo man ist oder sich verirrt.
- Man erinnert sich nicht mehr an Ereignisse von gestern, während Erlebnisse aus der fernen Vergangenheit – etwa aus der Schulzeit – noch präsent sind.
- Viele Betroffene fühlen sich antriebslos, ängstlich oder gereizt – nicht selten auch beschämt, weil sie mehr Fehler machen oder so vieles vergessen.
Wichtig: Diese Anzeichen allein erlauben keine Diagnose. Wer sich Sorgen macht, sollte in jedem Fall ärztlichen Rat einholen. Nur eine medizinische Untersuchung kann klären, ob tatsächlich eine Demenz vorliegt.1
Alzheimer – Symptome, Ursachen und Behandlung
„Normale“ Vergesslichkeit oder Demenz? Die Unterschiede
Was tun, wenn ein Verdacht auf Demenz besteht?
Ein erster Ansprechpartner kann der Hausarzt sein, der seinen Patienten idealerweise bereits mehrere Jahre kennt. „Allerdings ist unsere Erfahrung, dass in Hausarztpraxen die Frühstadien der Demenzen beziehungsweise das Prä-Demenzstadium nicht selten übersehen werden“, sagt Janine Diehl-Schmid. „Außerdem stehen in der Hausarztpraxis nur selten die Möglichkeiten zur weiteren Diagnostik zur Verfügung.“
Hier könnten niedergelassene Neurologen oder Psychiater eine gute Adresse sein, um festzustellen, ob im konkreten Fall „nur“ eine Vergesslichkeit vorliegt oder es sich um beginnende Demenz handelt.
Oliver Peters empfiehlt den Besuch einer sogenannten Gedächtnissprechstunde, für die man entsprechende Adressen im Internet findet, zum Beispiel auf der Website der Deutschen Alzheimer Gesellschaft oder beim Kompetenznetz Demenzen.
„Sollte tatsächlich ein Prä-Demenzstadium diagnostiziert werden, gibt es zwar keine Therapie“, sagt Psychiaterin Diehl-Schmid. „Aber für viele Menschen ist es wichtig, zu wissen, was los ist. Sie erfahren, wie sie präventiv das Fortschreiten der Krankheit beeinflussen und ihre Lebensplanung entsprechend gestalten können.“
Das können Betroffene und Angehörige tun
Bereits bei den ersten Anzeichen von Demenz ist es sinnvoll, eine ärztliche Abklärung einzuleiten. So können behandelbare Ursachen ausgeschlossen und frühzeitig passende Therapien begonnen werden. Wichtig ist außerdem, rechtliche Fragen wie Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung rechtzeitig zu regeln. Auch die Kontaktaufnahme mit der Pflegeberatung – beispielsweise bei der AOK – kann hilfreich sein, um im Bedarfsfall Leistungen der Pflegeversicherung zu beantragen.
Darüber hinaus empfiehlt es sich, die Wohnung an die Bedürfnisse des Erkrankten anzupassen und frühzeitig nach ergänzenden Betreuungsangeboten wie Tagespflege oder einem Pflegedienst Ausschau zu halten. Gerade bei den ersten Schritten wie Arztbesuch oder rechtlichen Regelungen ist jedoch viel Fingerspitzengefühl gefragt, da Betroffene die Einschätzung ihrer Angehörigen oft nicht teilen und entsprechende Maßnahmen zunächst ablehnen.
Ein an Demenz erkrankter Mensch verliert nach und nach kognitive Fähigkeiten wie Erinnern, Denken, Lernen und Beurteilen. Auch Orientierung, emotionale Kompetenzen und Sprachvermögen können betroffen sein. Typische erste Symptome sind Wortfindungs- oder Orientierungsstörungen sowie ein nachlassendes Kurzzeitgedächtnis. Auffällig ist dabei häufig, dass Erinnerungen aus der fernen Vergangenheit weiterhin abrufbar bleiben. Auch Persönlichkeitsveränderungen können auftreten, deren Ausprägung vom jeweiligen Krankheitsbild abhängt. Gemeinsam ist allen Demenzformen, dass die Beeinträchtigungen im Krankheitsverlauf zunehmen.
Allerdings: Nicht nur bei Demenz, auch bei einer Depression können Gedächtnislücken oder Verwirrtheit auftreten. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung entscheidend, um eine genaue Diagnose zu stellen und die richtige Behandlung einzuleiten.2
*Mit Material von dpa