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Azidose

Die falsche und richtige Ernährung bei einer Übersäuerung des Körpers

Platte mit Wurst
Als säurebildend gelten jene Nahrungsmittel, die beim Abbau im Körper in mehr Säuren als Basen zerlegt werden. Dazu gehören unter anderem alle Fleischprodukte. Aber kann ein zu starker Konsum davon zu einer Übersäuerung des Körpers, auch Azidose genannt, führen?Foto: Getty Images

Immer wieder hört man von der ungesunden Übersäuerung des Körpers. Dem soll eine sogenannte basische Ernährung entgegenwirken, die für mehr Vitalität sorgen und angeblich auch zahlreichen Krankheiten vorbeugen soll. Was ist dran?

Müde, nicht belastungsfähig, abgespannt? So unspezifische Erscheinungen sind in der Alternativmedizin schnell Anzeichen für eine Übersäuerung des Körpers, auch als Azidose bezeichnet. Basische Ernährung, Basenpulver oder basischen Bäder sollen dabei helfen, den Körper aus diesem Zustand zu holen. Aber funktioniert das?

Säure- und basenbildende Lebensmittel

Als gesichert gilt die Erkenntnis, dass es sowohl säure- als auch basenbildende Nahrungsmittel gibt. Erstere sind jene, die beim Abbau im Körper in mehr Säuren als Basen zerlegt werden und damit die Nieren potenziell belasten. Dazu gehören alle Fleischsorten und Fleischprodukte, Fisch, Eier sowie die meisten Milchprodukte. Als Säure erzeugende und damit besonders ungünstige Lebensmittel werden alle Weißmehl-Produkte bezeichnet sowie Süßigkeiten, Softdrinks und hochprozentiger Alkohol.

1995 haben die Wissenschaftler Thomas Remer und Friedrich Manz in einer Studie ermittelt, welche Lebensmittel und Getränke zu welchem Lager gehören. Dazu untersuchten sie die Zusammensetzung von Säuren und Basen im Urin nach dem Essen. 

Wichtig ist: nur weil etwas sauer schmeckt, wie zum Beispiel Zitrusfrüchte, muss das Nahrungsmittel nicht zwangsläufig zu Säure verstoffwechselt werden.

Unter die Basenbildner fallen die meisten Obst- und Gemüsesorten, ganz besonders Kartoffeln, Pilze und Kräuter. Die Mineralstoffe, die sie liefern, wirken basisch. Als Orientierung des Säure-Basehaushalts hat FITBOOK ein paar Beispiele herausgegriffen:1

Nahrungsmittel mit säuerndem EffektNahrungsmittel mit basischen Effekt
Brot/MehlprodukteObst
PastaGemüse
ReisTrockenfrüchte
Eiweißreiche Milchprodukte Kartoffeln
Käse Nüsse
Eier Samen / Keimlinge
Linsen Kräutertee
Fleisch / Fleischprodukte
Fisch / Meeresfrüchte

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Kann es beim Körper überhaupt zur Übersäuerung (Azidose) kommen?

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist eine Übersäuerung des Körpers bei gesunden Menschen nicht zu befürchten, „da Puffersysteme die Säure-Basen-Konzentration im Blut regulieren“. Überschüssige Säuren würden beispielsweise über die Nieren, Kot, Schweiß und auch beim Ausatmen über Kohlendioxid ausgeschieden.

Dreh- und Angelpunkt des Säure-Basen-Haushalts unseres Körpers ist das Blut. Sein pH-Wert schwankt um 7,4 mit nur winzigen Abweichungen. Von einer krankhaften Übersäuerung des Körpers, genannt Azidose, spricht man, wenn der pH-Wert des Blutes über einen längeren Zeitraum unter dem neutralen Wert liegt. Hier können sich schon kleinste Schwankungen negativ auswirken, bereits ab einem Wert von 7,35 wird es problematisch. Wer sie jedoch nicht behandelt, kann chronische Schmerzen, Migräne, Neurodermitis, Arthritis, Gicht und Arteriosklerose entwickeln. Oft seien es auch unspezifische Beschwerden wie eine geringe Belastungsfähigkeit, Müdigkeit und Abgespanntheit. Diese sogenannte Azidose trete nur bei bestimmten Krankheiten, etwa Diabetes mellitus Typ 2, auf – sprich: Gesunde Menschen müssen sich vor einer Azidose durch ungesunde Ernährung nicht fürchten.

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Den pH-Wert Ihres Blutes können Sie beim Hausarzt bestimmen lassen. Aber Achtung: Die Veränderungen beginnen im Gewebe und am Knochen, bevor sie im Blutbild sichtbar werden.

Lohnt es sich, auf eine basische Ernährung zu achten?

Laut der DGE bringt eine basenüberschüssige Kost keine nachweisbaren gesundheitlichen Vorteile. Etwas differenzierter sieht es Dr. Alexander Ströhle vom Institut für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung der Leibniz Uni in Hannover. Er hat sich mit dem Thema tiefgehend auseinandergesetzt und zusammen mit Prof. Thomas Remer, Leiter des Instituts für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Uni Bonn, einen wissenschaftlichen Beitrag zum Thema „Ernährung und Säure-Basen-Haushalt“ im „Aid-Magazin“ der Bundeszentrale für Ernährung (BZfE) veröffentlicht.

Nach Auswertung etlicher Studien würden „die vorliegenden Befunde dafür sprechen, die Säurelast der Nahrung zu reduzieren“, heißt es darin. Zu erreichen sei dies mit einer Steigerung des Konsums von Obst, Gemüse, bicarbonatreichen Getränken (Mineralwässer mit mehr als 1500 mg Bicarbonat) sowie dem teilweisen Ersatz von Getreide- und Fleischwaren durch Kartoffeln, Hülsenfrüchten und Nüssen. Besonders eine vegetarische Ernährung wirke sich neutral bis leicht basisch auf die Säurelast aus, schreiben die Wissenschaftler.2

Was kann passieren, wenn man zu viele säuernde Nahrungsmittel isst?

Zu den Gesundheitsrisiken einer dauerhaften Ernährung mit hoher Säurelast gehören laut diversen von den Verfassern ausgewerteten Studien Osteoporose, Nierensteine, Diabetes mellitus Typ 2, erhöhter Blutdruck sowie eine nicht-alkoholische Fettleber. Säuren-Basen-Experte Vormann gibt diese Faustregel mit auf den Weg: „Im Idealfall sollten 80 Prozent der Nahrung aus basischen und nur 20 Prozent aus Säure bildenden Lebensmitteln bestehen.“

Allerdings konnten Behauptungen, dass eine Ernährung hauptsächlich basierend auf säuernden Nahrungsmitteln das Risiko erhöhe, an Krebs zu erkranken, bis dato in Studien nicht belegt werden. Natürlich kommt es auch bei den säurehaltigen Nahrungsmitteln darauf an, welche genau man konsumiert. Dass eine sehr naturbelassene, gemüse- und obstlastige Ernährung vorteilhafter für die Gesundheit ist als ein übermäßiger Zucker- und Wurstkonsum, sollte klar sein.3,4

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Können Basenpulver bei möglicher Übersäuerung des Körpers helfen?

„Ja“, sagt Säure-Basen-Experte Vormann, „weil mit den Pulvern jene Basen zugeführt werden, die man mit einer basenreichen Ernährung auch zu sich nehmen würde“. Die Einnahme kann also nicht schaden, sie täglich zu konsumieren, hält er trotzdem nicht für sinnvoll: „Zwischendurch zwei- oder dreimal im Jahr eine dreiwöchige Kur, das reicht völlig aus.“ Jedoch komme es auf die Zusammensetzung an.

Es gebe zwei Sorten: Das klassische Bicarbonat sowie die besseren Citrate (die auch im Obst, Gemüse und Salat vorkommen). Letztere haben den Vorteil, keinen Einfluss auf den pH-Wert im Magen zu nehmen. „Sie werden aus dem Darm aufgenommen und binden beim Abbau der Citrate die überschüssige Säure, sodass sie nicht mehr durch die Niere ausgeschieden werden muss und somit keine Belastung darstellt“, führt Vormann aus. Bicarbonat- und carbonathaltige Präparate neutralisieren hingegen die Magensäure. Ein Problem speziell bei älteren Menschen, die ohnehin schon weniger davon produzieren würden.

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Taugt basisches Badesalz?

Nein. Zwar scheide der Körper geringe Mengen Säure auch über die Haut aus, vor allem beim Schwitzen, aber mit gesunder Ernährung und einem Basen-Citrat-Pulver kann man laut dem Experten mehr bewirken. Vieles, was auf dem Säure-Basen-Markt zur Außenanwendung angeboten werde, sei „Hokuspokus“.

Fazit

Da der Körper über Mechanismen verfügt, überschüssige Säuren auszuscheiden, muss man nicht allzu viel tun, um den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht zu halten. Durch eine ausgewogene und vielfältige Ernährung kann man den Körper jedoch dabei unterstützen und damit eine Übersäuerung (Azidose) vermeiden. Erlaubt ist alles, sofern der Gemüse-, Obst- sowie Vollkornanteil hoch und der Anteil an tierischen Produkten (Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch) sowie zuckerhaltigen Lebensmitteln und Getränken, ebenso Alkohol, gering ist. Wer eher zu einer säurelastigen Ernährung tendiert, tut dem Körper mit einer mehrwöchige Basen-Pulver-Kur alle paar Monate etwas Gutes.

Quellen

  1. Säure-Base Forum. Nahrungsmitteltabelle. (aufgerufen 15.12.2021)
  2. Ströhle, A., Remer, T. (2014). Ernährung. Säure- und Basehaushalt. Ernährung im Fokus
  3. Fenton, T., Huang, T. (2016). Systematic review of the association between dietary acid load, alkaline water and cancer. BJM Open
  4. Robey, I. R. (2012). Examining the relationship between diet-induced acidosis and cancer. Nutrition & Metabolism