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Nierensteine! Liam Hemsworth vermutet vegane Ernährung als Ursache

Liam Hemsworth litt unter Nierensteinen
Schauspieler Liam Hemsworth litt an Nierensteinen. Welche Rolle hatte dafür seine Ernährung gespielt?Foto: Getty Images

Schauspieler Liam Hemsworth hat „die schmerzhaftesten Wochen seines Lebens“ Nierensteinen zu verdanken, und jenen unliebsamen Befund seinem Veganismus. Das erklärte jedenfalls er selbst in einem Interview. FITBOOK erklärt, inwieweit sich die Ernährung tatsächlich auf die Entstehung von Nierensteinen auswirken kann, welche weiteren Ursachen es gibt und was man(n)über ihre Behandlung und Heilung wissen sollte.

Nierensteine werden im Anfangsstadium oft als Nierengrieß bezeichnet. Es sind zunächst sehr kleine und bald etwa reiskorngroße Kristalle, die noch deutlich größer (zu sogenannten Ausgusssteinen) werden können. Ihrem schmerzhaften Ruf zum Trotz, werden sie von den Betroffenen mitunter nicht bemerkt, sondern bereiten für gewöhnlich erst dann stärkere Beschwerden, falls die Nierensteine in den Harnleiter gelangen.

Bei Liam Hemsworth war es so. In einem Interview mit dem amerikanischen Männermagazin „Men’s Health“ berichtete der heute 30-Jährige von seiner schmerzhaften Nierenerkrankung aus dem vergangenen Jahr. Die Steine wurden operativ entfernt, doch damit war es nicht getan. „Ich musste komplett überdenken, was ich zu mir nehme“, so Hemsworth. Er hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits vier Jahre lang rein vegan – und bewusst gesund – ernährt. Doch ausgerechnet die großen Mengen an Gemüse sollen die Entstehung seiner Nierensteine ausgelöst haben.

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Eine überraschende Theorie – schließlich gelten Nierensteine im Volksmund als „Wohlstandskrankheit“, da sie häufig mit einer hohen Zufuhr an (tierischem) Eiweiß in Verbindung stehen sollen. Dennoch dürfte etwas dran sein. Das bestätigt Dr. med. Christoph Pies, Urologe und Buchautor, im Gespräch mit FITBOOK. Wir haben mit ihm ausführlicher über das Thema gesprochen.

Was genau sind Nierensteine?

Nierensteine bilden sich in den Nieren oder im Nierenbecken als Ablagerungen aus Bestandteilen des Urins. Am häufigsten setzen die Steine sich zu großen Teilen aus Kalzium zusammen – ein solcher Kalziumoxalatstein war es auch bei Liam Hemsworth.

Am zweithäufigsten sind sogenannte Uratsteine aus Harnsäure. „Harnsäure ist das Endprodukt des Purinstoffwechsels im Körper und wird über die Nieren ausgeschieden“, erklärt Dr. Pies. „Eine hohe Harnsäureausscheidung begünstigt die Bildung von Harnsäuresteinen.“

Nicht immer zeigen Nierensteine Symptome

Oft verbleiben die Nierensteine in den Nieren oder im Nierenbecken und dort unbemerkt. Mildere Anzeichen, die auf das Vorhandensein von Nierensteinen hindeuten können, sind Verstopfung und Blähungen, ebenso häufiger und schwer zu unterdrückender Harndrang mit auffällig kleiner Ausscheidungsmenge.

Wenn die Nierensteine in den Harnleiter hinab wandern, können sie die gefürchteten stechenden Beschwerden und plötzlich auftretende Krämpfe verursachen. Die Schmerzen können im Rücken oder seitlichen Unterbauch auftreten und bis in den Genitalbereich ausstrahlen – abhängig davon, wo die Nierensteine liegen. Häufig werden derartige sogenannte Nierenkoliken von starker Übelkeit, Erbrechen und teilweise auch von Fieber begleitet.

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Ursachen von Nierensteinen

Die Wahrscheinlichkeit auf Nierensteine erhöht sich, wenn sich im Urin gewisse Substanzen (z.B. Kalzium oder Harnsäure, wie oben erklärt) in einer zu hohen Konzentration befinden. Wenn sich jene Substanzen zusammenbinden, können mit der Zeit daraus Nierensteine entstehen.

„Ein geringes Harnvolumen gilt als einer der Hauptrisikofaktoren der Steinbildung“, sagt der Urologe. Wenn zu wenig Flüssigkeit zugeführt wird, kann es zu einer Übersättigung der steinbildenden Substanzen im Harn kommen. Das fördert die Steinbildung.

Mann mit Schmerzen durch Nierensteine
Wenn die Nierensteine in die Harnwege gelangt sind, können sie Krämpfe und Schmerzen in der Bauchregion auslösenFoto: Getty Images

Einfluss der Ernährung auf Entstehung von Nierensteinen

„Ein reichlicher Verzehr von Fleisch, Wurst, Ei, Käse und Fisch führt zu einer hohen Zufuhr an tierischem Eiweiß“, weiß der Arzt. Dies begünstige die Steinbildung auf gleich mehrere Weisen. Zum einen sinke der pH-Wert des Urins, wodurch die Auskristallisierung von Kalziumoxalat und Harnsäure gefördert wird, und zum anderen erhöhen sich die Kalzium- und Harnsäurekonzentration im Urin.

Dr. Pies rät, täglich höchstens 150 Gramm Fleisch, Wurst oder Fisch zu sich zu nehmen. Er stützt sich dabei auf eine aktuelle italienische Studie, in der die negative Auswirkung tierischen Proteins auf die Steinbildung belegt wird. „Eine ausgewogene vegetarische Ernährung in Kombination mit Milchprodukten scheint den besten Schutz für Nierensteinpatienten zu gewährleisten“, heißt es in dem Abstract, nachzulesen in der Online-Medizindatenbank National Center for Biotechnology Information (NCBI).

Veganismus und Nierensteine

„Ein Zusammenhang zwischen veganer Ernährung und Nierensteinen ist nicht bewiesen“, so Pies. Dennoch: Den Erklärungsansatz im Fall Hemsworth – der Schauspieler erklärte im „Men’s Health“-Interview, dass seine Nierensteine aus einem Ungleichgewicht an Oxalsäure herrührten – hält er für plausibel. „Wenn zu wenig Kalzium zu sich genommen wird, kann es einen erhöhte Oxalsäurespiegel im Blut kommen, was das Risiko von Nierensteinen erhöht“, erklärt uns Dr. Pies.

Oxalsäure (auch bekannt als Kaliumoxalat) steckt in vielen eigentlich gesunden Gemüsesorten, kann im Übermaß jedoch schädlich werden. Womöglich hat sich Hemsworth zu viel davon zugeführt. Tatsächlich gibt er selbst an, jeden Morgen mit einem Smoothie Mandelmilch und Pflanzenprotein begonnen zu haben – „mit fünf Hand voll Spinat“. Und wie Facharzt Pies im Gespräch mit FITBOOK erläutert, handelt es sich u.a. bei Spinat um ein besonders oxalsäurereiches Lebensmittel.

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Wie werden Nierensteine behandelt?

Vor einer Operation versucht man es meist mit nicht-invasiven Behandlungsmethoden. Die Patienten sollen viel trinken, um die Urinausscheidung zu fördern – oft begleitend mit Schmerzmitteln und muskelentspannenden Medikamenten. Auch gibt es (bei Harnsäuresteinen) die Möglichkeit, steinauflösende Medikamente einzunehmen. Dr. Pies berichtet außerdem von einer Stoßwellentherapie, durch die Nierensteine zertrümmert und somit ausgeschieden werden sollen, um eine Operation zu vermeiden.

Wenn die genannten Therapien nicht anschlagen oder aus anderen Gründen nicht in Frage kommen, wird eine Endoskopie vorgenommen. Zu den gängigen OP-Methoden gehören die Steinentfernung über eine Harnleiterspiegelung oder durch die Niere. Beide Verfahren werden unter Vollnarkose durchgeführt. Die Patienten müssen im Anschluss an den Eingriff meist noch einige Tage im Krankenhaus bleiben. Die Genesungsdauer hängt dabei vom jeweiligen Fall ab.

Worauf ist nach der Behandlung zu achten?

„Wenn man einmal einen Nierenstein hatte, besteht eine 50-prozentige Chance, dass man wieder einen bekommt“, weiß nicht nur der leidgeprüfte Liam Hemsworth. (Ex-)Nierensteinpatienten wird deshalb von Ärzten geraten, auf ihre Ernährung zu achten.

Dr. Pies kann uns sehr konkrete Empfehlungen nennen. Wer gefährdet ist, sollte Alkohol, Zucker und Salz meiden, und auch mit purinreichen Lebensmitteln sparsam umgehen. Dazu gehören Fleisch und Geflügel (v.a. Wurstwaren und Innereien), Fisch (besonders Sardinen, Sprotten, Thunfisch, Muscheln, Hering) sowie die Haut von Geflügel und Fisch.

Unter den pflanzlichen Lebensmitteln sind vor allem Hülsenfrüchte und Soja sehr purinreich. Ansonsten können, wie oben erwähnt, die besonders oxalsäurereichen Vertreter (z.B. Spinat, Rhabarber, rote Beete, Mangold, Sauerampfer, Nüsse, Kakao, Kaffee, Weizenkleie) im Übermaß kritisch werden.

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Ganz wichtig: viel trinken!

Der Urologe betont noch einmal die Bedeutung des Harnvolumen. Insbesondere, wer zu Nierensteinen neigt, sollte deshalb über den Tag verteilt viel Flüssigkeit zu sich nehmen – „gerne zweieinhalb bis drei Liter“, so Dr. Pies.

Das sei auch im Hinblick auf den Schlaf wichtig. Weil man sich in der liegenden Position viele Stunden praktisch gar nicht bewegt, kann die Konzentration von Substanzen im Harn sich erhöhen und die Auskristallisierung von Steinen begünstigen. Der Arzt rät daher dazu, vor dem Zubettgehen stets ein großes Glas Wasser zu trinken.