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Fast 1 Mio. Erkrankte in Deutschland

Gicht – Ursachen, Symptome und Prävention

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Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

29. Oktober 2025, 11:01 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

In Deutschland leben etwa 950.000 Menschen mit der Diagnose Gicht. Etwa acht von zehn Patienten sind männlich – meistens tritt die Krankheit erst nach dem 40. Lebensjahr auf. FITBOOK über Ursachen der Zivilisationserkrankung und konkrete Verhaltensempfehlungen, die davor schützen. Denn Gicht kann abgewendet werden!

Bei Gicht handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich die Gelenke stark entzünden und in der Folge schmerzen können. Dies kann im späteren Verlauf zu Schäden an den Gelenken führen.1

Ursache für Gicht

Die Krankheit entsteht, weil sich zu viel Harnsäure (Hyperurikämie) im Körper ansammelt und an unterschiedlichen Stellen ablagert, z. B. in Gelenken, Sehnen und Schleimbeuteln. Dort verursachen sie dann eine heftige Entzündung, den Gichtanfall. Aber bis es dazu kommt, können Jahre vergehen. Betroffen sind vor allem Männer, meist erst nach dem 40. Lebensjahr. Dass sich überhaupt so viele Menschen mit gichtbedingten Gelenkschmerzen herumschlagen, müsse aber nicht sein, lautet das Fazit einer Studie, erschienen in der Fachpublikation „Arthritis & Rheumatology“.2 Mehr zu ihren Erkenntnissen an anderer Stelle.

Welche Symptome gibt es?

Gicht macht sich oft überraschend bemerkbar, in vielen Fällen unmittelbar, nachdem viel Fleisch gegessen und viel Alkohol getrunken wurde. Auch Stress, andere Belastungen oder eine Infektionskrankheit können einen Gichtanfall auslösen.

Das häufigste Warnsignal ist ein entzündetes Grundgelenk des großen Zehs – dieser wird heiß, schwillt an, ist berührungsempfindlich und verfärbt sich rot bis bläulich. Die Symptome können auch an Knie-, Sprung-, Hand- oder Fingergelenken auftreten.

Im Verlauf der Erkrankung können sich sogenannte Gichtknoten (Tophi) bilden, die aber meistens nicht schmerzhaft sind. Sie entstehen, wenn sich das Salz der Harnsäure im Körper ablagert, z. B. an den Ohrmuscheln, an den Zehen und Fingergelenken, an der Achillessehne oder im Schleimbeutel am Ellenbogen. Eine frühe Behandlung der Stoffwechselkrankheit kann die Gichtknoten verhindern.

Lagert sich Harnsäuresalz in den Nieren ab, verursacht das zwar zunächst keine Beschwerden, schränkt aber die Funktion der Niere ein. Nierensteine können sich bilden.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch die Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und Laborwerten. Der wichtigste Labortest ist die Bestimmung des Harnsäurespiegels im Blut. Werte über 6,5 mg/dl (Hyperurikämie) sprechen für ein Risiko, sind aber allein kein Beweis für Gicht, da auch andere Erkrankungen erhöhte Harnsäurewerte verursachen können. Während eines akuten Anfalls kann der Harnsäurespiegel sogar normal erscheinen, weshalb eine Kontrollmessung nach zwei bis drei Wochen sinnvoll ist.

Nur etwa zehn Prozent der Menschen mit Hyperurikämie entwickeln tatsächlich Gicht. Ein sicherer Nachweis gelingt, wenn bei einer Gelenkpunktion Harnsäurekristalle in der Gelenkflüssigkeit nachgewiesen werden. Auch Ultraschalluntersuchungen können charakteristische Ablagerungen zeigen. Röntgenaufnahmen liefern erst nach längerem Krankheitsverlauf Hinweise, wenn sich bereits größere Kristallansammlungen gebildet haben.

Therapie

Akutbehandlung

Während eines akuten Anfalls steht die Linderung von Schmerzen und Entzündungen im Vordergrund. Eingesetzt werden klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac (NSAR). Auch Colchicin kann helfen – es ist in niedriger Dosierung meist gut verträglich – und wird zusätzlich zur Vorbeugung weiterer Anfälle eingesetzt. In schweren Fällen kommt Kortison zum Einsatz, das gegebenenfalls direkt in das betroffene Gelenk gespritzt wird.

Langzeittherapie

Eine dauerhafte Senkung des Harnsäurespiegels wird spätestens nach dem zweiten Anfall, bei vorhandenen Gichtknoten (Tophi), Gelenkschäden oder eingeschränkter Nierenfunktion notwendig. Ziel ist eine Harnsäurekonzentration unter 6 mg/dl, bei Tophi sogar unter 5 mg/dl.

Das Standardmedikament ist Allopurinol, das die Bildung von Harnsäure hemmt und bestehende Ablagerungen reduzieren kann. Wenn Allopurinol nicht ausreicht oder bei eingeschränkter Nierenfunktion nicht geeignet ist, steht Febuxostat als alternatives Mittel zur Verfügung. Beide Wirkstoffe lassen sich bei Bedarf mit Benzbromaron kombinieren, das die Harnsäureausscheidung über die Nieren erhöht – hierbei ist ausreichendes Trinken wichtig.

Da die Senkung des Harnsäurespiegels zu Beginn paradoxerweise neue Anfälle auslösen kann, wird eine Prophylaxe mit niedrig dosiertem Colchicin über drei bis sechs Monate empfohlen.

Für Patientinnen und Patienten, die die genannten Medikamente nicht vertragen oder bei denen sie unwirksam sind, steht das Biologikum Canakinumab als weitere Option bei schwerer, therapieresistenter Gicht zur Verfügung.

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Ernährung bei Gicht

Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung und Vorbeugung von Gicht.
Da sich Harnsäure aus Purinen bildet, sollten Betroffene purinreiche Lebensmittel meiden. Dazu gehören viele Fleischsorten, Meeresfrüchte und Hülsenfrüchte. Lebensmittel mit mehr als 150 Milligramm Purin pro 100 Gramm gelten als ungünstig.

Auch Alkoholkonsum sollte stark eingeschränkt werden, da er die Harnsäurekonzentration im Blut erhöht. Das gilt ebenso für Softdrinks und Fruchtsäfte, die Fruchtzucker (Fruktose) enthalten.

Übergewicht ist ein weiterer Risikofaktor. Allerdings sollten Betroffene auf radikale Diäten oder Fastenkuren verzichten, da sie neue Gichtanfälle auslösen können. Stattdessen sind maßvolle Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung empfehlenswert.

Milch und Milchprodukte können vorbeugend wirken, weil sie die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren fördern.

Erkenntnisse der Gicht-Studie

Welche Risikofaktoren spielen die größte Rolle?

Die Forschenden um Dr. med. Hyon K. Choi von der Harvard Medical School in Boston konnten in ihrer Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2019 vier Risikofaktoren identifizieren:

  • Übergewicht (Body-Mass-Index von über 25)
  • Erhöhter Alkoholkonsum
  • Ernährung mit viel Fleisch, Salz und Zucker
  • Erhöhte Einnahme von Entwässerungsmedikamenten

Die Wissenschaftler stellten fest, dass jeder einzelne der vier untersuchten Faktoren in einer sogenannten Dosis-Wirkungs-Beziehung mit dem Harnsäurewert stehe. So betrug bei Übergewicht das Risiko für einen erhöhten Harnsäurespiegel beispielsweise 44 Prozent, 12 Prozent bei einer erhöhten Einnahme von Entwässerungsmedikamenten, 9 Prozent bei einer fleisch-, salz- und zuckerlastigen Ernährung sowie 8 Prozent bei erhöhtem Alkoholkonsum.

Verhaltenstipps, die Gicht vorbeugen

Im Umkehrschluss lassen sich den Studienautoren zufolge vier Verhaltenstipps ableiten, deren Einhaltung einem erhöhten Harnsäurespiegel vorbeugen und hoffentlich die Zahl an Gichtneuerkrankungen drastisch reduzieren könne.

  • Reduzieren Sie Ihr Übergewicht
  • Trinken Sie Alkohol in moderaten Dosen
  • Essen Sie möglichst wenig Fleisch, Salz und Zucker
  • Sorgen Sie für eine reduzierte Einnahme von Entwässerungsmedikamenten

Den Vorteil der ersten drei Empfehlungen fasst Dr. med. Choi wie folgt zusammen: „Die zu erwartenden gesundheitlichen Vorteile gehen weit über Hyperurikämie und Gicht heraus, bis hin zu typischen Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Problemen und Diabetes.“ Wer also aktiv Gicht vorbeugt, schützt sich indirekt zusätzlich vor schwerwiegenderen Krankheiten.

Quellen

  1. Deutsche Rheuma-Liga. Gicht: Ursachen, Symptome, Therapie (aufgerufen am 28.10.2025) ↩︎
  2. Choi, H., McCormick, N., Lu, N. et al. (2019). Population Impact Attributable to Modifiable Risk Factors for Hyperuricemia. Arthritis & Rheumatology. ↩︎

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