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Dreifach-Mama Elly (34) – das Laufen ist seit zehn Monaten ihr Stressventil

Lockdown Kinder Laufen
Seit Mai 2020 läuft die 34-jährige Elly rund dreimal die Woche, um einen Ausgleich zu Homeoffice, Homeschooling und Kinderbetreuung zu haben.Foto: Instagram @elly_runs_marathon

Der Lockdown ist für niemanden leicht. Besonders Eltern belastet die Corona-Zeit sehr. Die 34-jährige Elisabeth „Elly“, Mutter von drei Kindern, musste einfach mal raus – und hat dabei das Laufen für sich entdeckt. Wie sie ihr Ziel, einen Marathon zu laufen, erreichen will, wie sie Training und Kinder unter einen Hut bringt und weshalb sie plötzlich so auf Marmelade steht, erzählt Elly im FITBOOK-Interview.

Marathon-Vorbereitung im Lockdown – und nebenbei von zu Hause arbeiten, die Kinder betreuen und den Alltag managen. Shop-Managerin Elly ist gut ausgelastet. Aber sie bleibt optimistisch: „Wenn ich mir jeden Tag einrede, wie schlimm das alles ist, ändert sich trotzdem nichts. Deswegen versuche ich, das Positive für mich rauszuziehen.“ Ihr Ventil ist das Laufen – und wenn das nur große Runden um das eigene Haus sind, damit sie die Kinder (8, 5 und 3 Jahre alt) schnell erreichen kann.

FITBOOK: Sie haben auf unseren Aufruf nach Lockdown-Tranformationen einige Fotos von sich geschickt – vor den drei Schwangerschaften, währenddessen und danach. Was ist die Geschichte dahinter?

Elly: Ich war als Kind auf einer Sportschule und habe Triathlon und Bahnradsport betrieben. Mit 18 Jahren habe ich aufgehört und danach immer mal wieder mit Sport angefangen, ihn aber nie durchgezogen. Dann habe ich innerhalb von fünf Jahren drei Kinder bekommen und in jeder Schwangerschaft rund 30 Kilo zugelegt. Als 2017 das letzte Kind auf der Welt war, sollten die verbliebenen acht Kilo wieder runter. Aber das hat nie richtig funktioniert und irgendwann habe ich das akzeptiert.

Dann kam der erste Lockdown und ich war lange alleine mit den Kindern, mein Mann war auf Montage. Irgendwann kam er wieder und ich habe gesagt: „Ich muss jetzt einfach mal raus. Ich will einfach mal eine Stunde lang nicht das Wort ‚Mama‘ hören.“ Dann bin ich im Mai 2020 zum ersten Mal laufen gegangen – drei Kilometer in einer halben Stunde. Da habe mir gedacht, dass da noch ein bisschen mehr gehen muss.

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So sah Elly während ihrer dritten Schwangerschaft aus.Foto: Privat

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Wie konnten Sie sich zum Laufen motivieren?

Ich glaube, ich hätte alles gemacht, um die Wohnung zu verlassen. Kein „Mama, ich möchte…“ oder „Mama, ich brauche…“ oder „Mama, kommst du mal…“! Das Laufen ist Zeit für mich. Ich höre total gerne Lauf-Podcasts und lausche Ultra-Läufern, die erzählen, wie sie 200 Kilometer durch die Wüste gelaufen sind. Wenn ich dann zehn Kilometer durch den Stadtpark laufe und keinen Bock mehr habe, sage ich mir: „Stelle dich nicht so an, die können 200 Kilometer durch die Sahara laufen, dann schaffst du auch zehn Kilometer durch den Volkspark.“

Welche Läufer-Podcasts können Sie uns empfehlen?

Ich höre sehr gerne „Laufmasche“, „FatBoysRun“ und „Schneckentempo“. Welchen ich besonders cool finde, ist „PACEPRESSO“. Die Interviews dauern in etwa eine bis anderthalb Stunden und im Hintergrund werden Geräusche von Super Mario eingespielt. Wenn das schnellere Geräusch kommt, dann läufst du schneller, wenn das langsame Geräusch kommt, dann läufst du wieder langsam. So macht man währenddessen eine Intervalleinheit oder ein Tempotraining und manchmal auch nur einen langen Dauerlauf mit Ein- und Auslaufen. Dann geht auch die Zeit schneller vorbei. 

Halbmarathon abgesagt? Gelaufen wird er trotzdem

Was haben Sie beim Laufen bislang erreicht?

Am Anfang bin ich die drei Kilometer in 25 Minuten gelaufen, jetzt schaffe ich knapp fünf Kilometer in derselben Zeit. Ich hatte mir nach drei Wochen Lauftraining das ambitionierte Ziel gesteckt, den Halbmarathon in Leipzig im Oktober 2020 zu laufen. Aber der wurde wegen Corona abgesagt. Weil ich aber so lange trainiert hatte, wollte ich es trotzdem machen. Ich habe mich mit einer Freundin – sie war meine Begleitung auf dem Fahrrad – in der Rummelsburger Bucht getroffen und bin den Halbmarathon in 2:11 Stunden gelaufen. Das waren elf Minuten langsamer als geplant. Aber es war ja ohne Wettkampf und es waren sehr viele Menschen unterwegs. Da hatten wir zeitweilig ganz schön Action, weil uns so viele Leute entgegenkamen. Belohnt haben wir uns dann mit einem Aperol Spritz und Pommes Schranke.

Ihr nächstes Ziel ist der Elstertal-Marathon.

Genau. Ich komme eigentlich aus Gera in Thüringen. Den Elstertal-Marathon gibt es da schon seit ich 12 oder 13 Jahre alt bin und er führt am Haus meiner Eltern vorbei. Ich glaube, wenn der Marathon auch wegen Corona ausfallen sollte, dann fahre ich trotzdem hin und laufe ihn. Ich kenne die Strecke, die ist nicht so kompliziert, immer an der Elster entlang.

Wie bereiten Sie sich während des Lockdowns auf den Marathon vor?

Mit dem ganz festen Plan werde ich erst 16 Wochen vorher anfangen. Online gibt es ja gefühlt hunderttausend Marathon-Pläne. Da suche ich gerade noch nach dem Richtigen für mich. Aktuell laufe ich dreimal die Woche. Ich mache eine schnelle Einheit, ein Fahrtspiel oder ein Intervall-Training, und sonntags einen langen Lauf von zwei bis zweieinhalb Stunden. In der Woche dann Kraft, Stabilität, Dehnung, Yoga. Ich versuche immer, relativ viel neben dem Laufen zu machen. Denn Laufen allein hilft beim Muskelaufbau ja eher weniger.

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Neben dem Laufen springt Elly Trampolin und trainiert mit dem Hula-Hoop-Reifen

Was machen Sie da genau für Workouts?

Ich habe so einen kleinen Mini-Stepper, auf dem mache ich immer noch ein paar Cardio-Einheiten. Seilspringen, Kettleball und Gummibänder kommen auch öfter vor. Nach der zweiten Schwangerschaft habe ich mit Jumping Fitness angefangen. Ich habe mir ein Set für zu Hause gekauft – die Kinder lieben das natürlich, denn wir haben ein Trampolin zu Hause. Einmal die Woche mache ich dazu ein Youtube-Workout oder es gibt Leute auf Instagram, die eine Stunde mit Musik live gehen und mit denen man „jumpen“ kann. Daran habe ich einfach Spaß gefunden – auch an Hula-Hoop, was ja gerade eine Trendsportart ist. Ich habe einen Reifen mit dicken Plastiknoppen, da bekommt man schnell blaue Flecken. Mein Tipp: Die ersten drei Wochen mit Hoodie und Strumpfhose trainieren, dann tut es weniger weh.

Wie bringen Sie das Training und Ihre drei kleinen Kinder unter einen Hut?

Das ist manchmal ein bisschen schwierig. Wenn mein Mann auf Montage ist, dann kann ich nicht lang laufen und laufe stattdessen fünf Kilometer ums Haus. Wir wohnen so, dass ich nie weiter als 350 Meter entfernt bin, wenn ich meine Runden drehe. Das ist wie eine Stadionrunde, die ich 15 Mal laufe. Der Große hat dann Babysitter-Dienst für 40 Minuten, länger gehe ich nicht laufen. Die Kinder haben ein Telefon und ich habe mein Handy mit. Aber sie haben mich tatsächlich noch nie angerufen. Wir klären dann vorher immer, was sie machen und sie kommen gut klar.

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Ellys große Ziele: ein 100-Meilen-Lauf und ein Iron-Man-Triathlon

Ihren Kindern zuliebe wollen Sie auch Ihren nächsten Zielen nach dem Marathon Zeit geben.

Ja, weil sie sehr zeitintensiv sind. Ich würde gerne den Mauerweglauf, also 100 Meilen um Berlin, schaffen und einen Iron Man. Früher als ich noch Triathlon gemacht habe und auf der Sportschule war, haben wir immer die Iron Man Challenge als Zuschauer begleitet. Ich habe die Profis und Breitensportler bewundert. Den Zieleinlauf nach 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,2 Kilometern Laufen will ich auch mal erleben. Aber dafür müssen die Kinder einfach noch ein bisschen größer werden, denn da muss ich ja nicht mehr nur Laufen, sondern auch noch Schwimmen und Radfahren. Das ist aktuell zeitlich noch nicht machbar. Wenn ich sie irgendwann zum Schwimmen mitnehmen kann, vielleicht schon. Aber momentan könnte ich nicht drei Kinder mitnehmen, wenn zwei nicht schwimmen können. Da kommt man trainingstechnisch nicht so weit. Das sind meine beiden größeren sportlichen Ziele. Aber die haben noch Zeit.

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Elly heute gemeinsam mit ihrer Tochter.Foto: Privat

Jetzt haben wir vor allem über Sport gesprochen. Haben Sie auch etwas an Ihrer Ernährung geändert?

Nach der Schwangerschaft hat sich eine Rosacea in meinem Gesicht entwickelt. Ich sah zeitweilig wirklich schlimm aus. Alles war rot, pickelig, eiterig und offen. Ich war beim Hausarzt und sollte Cortison und Antibiotika bekommen. Da habe ich gedacht: „Nein, da lebe ich lieber mit roten Flecken. Das schmiere ich mir nicht ins Gesicht.“ Dann hat mir jemand zu veganer Ernährung geraten. Ich war skeptisch, weil ich vorher in meinem Leben nur zwei Veganerinnen getroffen hatte und die waren etwas extrem. Aber dann habe ich mich damit beschäftigt und muss zugeben: Je veganer ich lebe, desto besser wird meine Haut. Die Kinder essen zum Glück auch alles mit. Ich bin da sehr verwöhnt. Wenn ich Rote-Bohnen-Chilli mache, essen sie das. Wenn ich Bolognese aus Haferflocken, Linsen und Möhren mache, essen sie das. Ich glaube, weil mein Großer alles ist, machen es ihm die beiden Kleinen nach.

Nach dem Laufen darf’s dann auch ein Marmeladenbrot sein

Wie sieht es mit Lastern aus?

Ich habe früher nie Marmelade gegessen. Seit ich so viel laufe, habe ich sie für mich entdeckt. Und Kartoffelchips! Ich glaube, das liegt am Salz. Seit ich so viel laufe, könnte ich alles tausendmal nachsalzen. Ich laufe immer nüchtern, auch bei langen Läufen esse ich vorher nichts. Aber wenn ich wiederkomme, dann finde ich so ein Marmeladenbrot schon ganz cool, weil das natürlich auch schnell Energie gibt.

Wenn Sie jemandem einen Tipp geben sollten, der oder die mit dem Laufen anfangen möchte, welcher wäre das?

Lauf einfach los! Es reicht am Anfang auch, wenn man sagt, dass man erst einmal fünf Kilometer laufen möchte. Und wenn man nicht losrennen kann, ist es ja auch nicht schlimm, stattdessen täglich für eine Dreiviertelstunde walken oder spazieren zu gehen. Hauptsache, man kommt in Bewegung. Online kann man sich sehr gut vernetzen und Leute finden, die auch gerade mit dem Laufen anfangen.

Außerdem sollte man sich nie Fitness-Influencer zum Vorbild nehmen und denken: „In einem Jahr sehe ich auch so aus“. Denn man muss bedenken, dass es deren Job ist. Als normalsterblicher Mensch hat man nebenbei noch tausend andere Dinge zu tun und kann nicht den ganzen Tag Sport machen und auf seine Ernährung achten. Deshalb sollte man sich realistische Ziele setzen.

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Vielen Dank, dass Sie Ihre Geschichte mit den FITBOOK-Leser*innen geteilt haben.

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