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Sechs Monate Bauzeit

US-Amerikaner macht seinen Hometrainer zum „Mario Kart“

Mann baut „Mario Kart“-Hometrainer
Andere spielen „Mario Kart“ mit Gamecontrollern, Mike Choi mit seinem Hometrainer. Je schneller er tritt, desto schneller wird auch sein Rennwagen im Spiel.Foto: Video-Screenshot/Mike Choi

Für einige Menschen ist Sport eine Verpflichtung, kein Vergnügen. Sie müssen sich entscheiden: etwas für die körperliche Fitness tun oder sich dem Lieblingshobby widmen? Im besten Fall hat man das Geschick, beides zu verbinden. Mike Choi aus der Nähe von San Francisco hat genau das getan. Sechs Monate tüftelte er, um aus einem Videospiel ein Workout zu machen.

Dafür integrierte der Hardware-Ingenieur sein Fitnessbike in das seit Jahrzehnten beliebte Rennspiel „Mario Kart“. Das mag im ersten Moment wie ein Konzept klingen, das nur mit viel Fantasie funktioniert. Aber tatsächlich lässt sich das Videospiel mit einem Hometrainer und dem Fitnesstool „Ring Fit“, dazu später mehr, steuern. Ganze sechs Monate hat der 27-jährige US-Amerikaner an diesem Gaming-Workout gearbeitet.

Was ist „Mario Kart“ – und was hat das mit Sport zu tun?

Bei „Mario Kart“ handelt es sich um eines der bekanntesten und populärsten Videospiele der Welt. Die erste Ausgabe erschien 1992 für das Super Nintendo Entertainment System (SNES). Seitdem sind zahlreiche weitere Spiele für die jeweils aktuellen Konsolen erschienen. Bei dem Spiel geht es darum, mit bekannten Game-Figuren, wie Super Mario oder Prinzessin Peach, Rennen zu fahren. Entweder gegen Gegner, die von der Konsole gesteuert werden, oder gegen eigene Freunde. Es wird geschätzt, dass seit 1992 weltweit um die 100 Millionen Spiele der „Mario Kart“-Reihe verkauft wurden. Choi hat seine Erfindung für das „Nintendo Switch“-Spiel „Mario Kart 8 Deluxe“ konzipiert.

Sportlich mag dieses Videospiel im ersten Moment nicht klingen. Aber der japanische Gaming-Gigant Nintendo, der „Mario Kart“ herausbringt, hat zahlreiche andere Spiele entwickelt, die körperliche Aktivität erfordern. Für die Konsole Wii gibt es z. B. Games, bei denen man Tanzen, Tennis spielen oder Full-Body-Workouts machen kann. Die eigenen Bewegungen werden durch Controller oder Boards mit Sensoren aufgezeichnet und ins Spiel integriert, wo man beispielsweise durch richtige Bewegungen Punkte sammeln kann. Diese interaktive Technik hat Mike Choi zum Teil genutzt, um seinen Hometrainer zu einem Controller zu machen.

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So wurde der Hometrainer Teil eines Videospiels

Im Gespräch mit der „Washington Post“ erzählt Choi, dass er nicht sonderlich sportaffin sei, aber Fitness Games faszinierend fände. Da die meisten jedoch nicht sehr fesselnd seien und ihn nie länger als ein paar Wochen bei der Stange hätten, habe er sich etwas eigenes gebaut: „Die zentrale Frage ist, wie kann man trainieren, ohne das Gefühl zu haben, dass man trainiert?“ In einem 24-minütigen Youtube-Video zeigt Choi, in Form einer parodistischen Werbung, wie seine Erfindung funktioniert. „Alles, was man im Video sieht, ist echt“, verspricht Choi. „Es funktioniert exakt so, wie ich es erkläre. Ich benutze es ständig.“

Mann baut „Mario Kart“-Hometrainer
So sehen Chois selbstgebaute Trainingsgeräte aus. Die Pappe am Bike hat keine Funktion, sie ist eine Hommage an ein Do-it-yourself-Kit von Nintendo, das aus Pappe besteht.Foto: Video-Screenshot/Mike Choi

„Es“ ist das „Labo Fit Adventure Kart Kit“, wie der 27-Jährige seine Spielerweiterung nennt. Mit den Pedalen des Hometrainers treibt Choi sein Rennauto bei „Mario Kart“ an. Wenn er also mit dem Treten nachlässt, verliert er auch im Spiel an Geschwindigkeit. Das Lenken funktioniert über „Ring Fit“, einem Ring, den Nintendo für seine Fitnessspiele entwickelt hat. Andere Funktionen im Spiel lassen sich durch das Zusammendrücken oder Schütteln des Rings, den Choi mit Sensoren ausgestattet hat, aktivieren. Da es sich bei dem Ring um ein Sportgerät handelt, bedarf es übrigens einiger Muskelkraft, ihn für länger als einige Sekunden zusammenzudrücken. Der Ringe sehe aus wie ein Lenkrad, so Choi. „Es war eine recht einfache Lösung, um die Lenkung hinzubekommen. Die Funktionen im Spiel durch das Drücken des Rings zu aktivieren, war wirklich schwer. Aber ich fand, dass es der Schlüssel zu einem Full-Body-Workout ist.“

Für den Ring hat Choi eine Art Mini-Roboter namens „TAPBO“ entwickelt. Der hält den Controller des Spiels am Ring fest und wandelt die Steuerungssignale der verbundenen Geräte in Tasteneingaben um. Ein Beispiel: Wenn man beim Treten eine bestimmte Geschwindigkeit erreicht hat, aktiviert das „TAPBO“ die Taste, die man beim normalen Spiel gedrückt halten muss, um Gas zu geben. An der Software hat er übrigens nichts verändert, da Nintendo das nicht erlaubt.

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Lohnt sich diese Art zu trainieren?

Für Mike Choi auf jeden Fall. Seine Spielerweiterung sei die sechs Monate Bauzeit auf jeden Fall wert gewesen, urteilt der Tüftler. So habe er einen neuen Weg gefunden, mit dem Spiel zu interagieren und an seiner Fitness zu arbeiten. „Wenn mich irgendetwas zum Training bewegen kann, dann definitiv das.“ Auch in den Kommentaren unter seinem Youtube-Video häuft sich das Lob. Zwar soll es sehr schwer sein, mit dem Hometrainer ein „Mario Kart“-Rennen zu gewinnen, doch es macht sicher umso mehr Spaß, nicht nur wortwörtlich auf das Gas zu drücken, sondern das Rennauto durch eigenes Treten anzutreiben.

Wer sich schwer zu Sport aufraffen kann, dem dürfte es helfen, das Training mit spaßigen Aktivitäten zu verbinden. Wer nicht die technischen Fähigkeiten besitzt, seinen Hometrainer in ein Videospiel zu integrieren, kann beim Training auf dem Fitnessbike beispielsweise auch ein Hörbuch hören, eine Serie gucken oder mit Freunden telefonieren, die ebenfalls Sport treiben. Außerdem bieten Trainings-Apps wie „Zwift“ oder „Rouvy“ in Verbindung mit einem smarten Fitnessbike ähnlichen Videospiel-Charakter durch virtuelle Rennen oder Community-Fahrten.

So oder so: Bleiben Sie aktiv und haben Sie Spaß dabei!