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Durchfälle und Müdigkeit

Colitis ulcerosa – die Anzeichen der kaum bekannten chronischen Darmerkrankung

Die Erkrankung Colitis ulcerosa breitet sich im Dickdarm eines Menschen aus
Die Colitis ulcerosa breitet sich im Dickdarm aus und befällt zunächst unten den Mastdarm Foto: Getty Images

Bei der Colitis ulcerosa handelt es sich um eine chronische Darmerkrankung mit unberechenbarem Verlauf. Sie tritt in Schüben auf, sorgt für Durchfälle und Müdigkeit. Schon früh, meistens zwischen dem 20. und 34. Lebensjahr, macht sie sich erstmals bemerkbar. Und sie bleibt ein Leben lang. FITBOOK hat alles Wissenswerte zu der wenig bekannten Darmerkrankung zusammengetragen.

Laut Schätzungen sind in Deutschland etwa 160.000 Menschen an der Colitis ulcerosa erkrankt. Dennoch haben vermutlich die meisten Deutschen den Namen dieser chronischen Darmerkrankung noch nie gehört. Daher kurz die Erklärung: „Colitis“ beschreibt die Entzündung des Dickdarms, während „ulcerosa“ geschwürig bedeutet. Es handelt sich also um eine chronische Darmerkrankung mit Geschwüren in der Schleimhautschicht des Dickdarms. Im Folgenden finden Sie alles Wissenswerte zu den Symptomen, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Darmerkrankung.

Wie erkenne ich eine Colitis ulcerosa?

Die chronische Darmerkrankung macht sich meistens erstmals schon im jungen Alter zwischen dem 20. und 34. Lebensjahr bemerkbar. Generell kann sie aber in jedem Alter ausbrechen. Anfangs äußert sie sich über Durchfälle, die oft blutig oder schleimig sind. Der Grund dafür sind die Geschwüre im Dickdarm. Auch findet die Stuhlentleerung mehrmals täglich statt. Hinzu kommen krampfartige Bauchschmerzen sowie in einigen Fällen auch ein schmerzhafter Stuhlgang. Zudem leiden Betroffene unter Müdigkeit und Erschöpfung.

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Je nach Schweregrad der Erkrankung kann es zu vielen blutigen Stuhlgängen am Tag, starken Bauchkrämpfen sowie Fieber und Erschöpfung kommen. Dabei ist der Verlauf von Colitis ulcerosa sehr unterschiedlich. Da die Beschwerden meist in Schüben auftreten, kann ein Schub ein paar Tage oder aber mehrere Wochen anhalten. Eher selten sind die Beschwerden fortwährend.

Auf die Schübe folgt meist eine Ruhephase: Die Beschwerden klingen ab und verschwinden manchmal für Monate oder gar Jahre. Genau dieser Umstand bewirkt, dass man die Krankheit entweder nicht erkennt oder für überstanden hält. Umso wichtiger ist es, bei einem Schub mit den oben beschriebenen Symptomen sofort einen Arzt aufzusuchen.

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Wie verläuft die Darmerkrankung?

Eine Colitis ulcerosa beginnt meistens im Mastdarm, kurz nach dem After. In diesem Stadium wird sie bei etwa der Hälfte der Patienten diagnostiziert. Im weiteren Verlauf schreitet sie fort zum Dickdarm auf der linken Körperhälfte. Im fortgeschrittenen Stadium ist schließlich der gesamte Dickdarm auch auf der rechten Körperhälfte befallen. In sehr seltenen Fällen kann die Entzündung den Dünndarm erreichen.

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Da es sich hier um eine chronische Darmerkrankung handelt, müssen Betroffene ein Leben lang damit zurechtkommen. Ähnlich wie bei Morbus Crohn lässt sich die Erkrankung jedoch medikamentös in den Griff bekommen, was die Lebensqualität deutlich erhöht. Während Morbus Crohn den gesamten Verdauungsbereich betrifft, beschränkt sich die Colitis ulcerosa auf den Dickdarm und dort speziell die Schleimhaut.

2019 offenbare Philipp Stehler, Fitness-Influencer und einstiger „Die Bachelorette“-Kandidat, dass er von Colitis ulcerosa betroffen ist. Im FITBOOK-Interview erzählte er offen von seinem Leiden: „Ich habe insgesamt 25 Kilo abgenommen, bin von 85 auf 60 runter, und musste ins Krankenhaus. Dort teilten sie mir mit, dass Medikamente jetzt nichts mehr bringen würden. ‘Herr Stehler, wir müssen operieren‘, hieß es. Am Ende haben sie mir fast den ganzen Dickdarm rausgenommen. Das war eine krasse OP und Erfahrung.“

Wodurch wird eine Colitis ulcerosa ausgelöst?

Leider ist bislang nicht richtig geklärt, wie es zu einer Colitis ulcerosa kommt. Man geht aber davon aus, dass die genetische Veranlagung sowie Umweltfaktoren einen Ausbruch der Krankheit bewirken können. Wie die „Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulceros Vereinigung (DCCV e.V.)“ berichtet, können mehr als 160 verschiedene Gene für die Entstehung der Krankheit Verantwortlich sein. Deswegen lässt sich momentan der Krankheitsursprung nicht beeinflussen.

Neben der genetischen Veranlagung spielen allerdings noch andere Risikofaktoren eine Rolle:

  • ein gestörtes Immunsystem
  • starke Antibiotika-Gabe im Kindesalter
  • häufige Einnahme von Schmerzmitteln
  • Lebensmittelunverträglichkeiten
  • Magen-Darm-Infektionen
  • seelische Belastungen / Stress

Wie wird Colitis ulcerosa behandelt?

In den meisten Fällen behandelt man eine Colitis ulcerosa medikamentös. Je nach Schweregrad werden unterschiedliche Medikamente eingesetzt. Bei leichten bis mittelschweren Verläufen reichen sogenannte Aminosalizylate und eine ambulante Behandlung aus. Bei einem schweren Schub werden hingegen Kortikoide über die Venen verabreicht, was zu einem Krankenhausaufenthalt führt. Diese Patienten können auch unter einem Nährstoffmangel leiden, da beispielsweise Vitamine, Mineralien und Elektrolyte nicht gut genug über den Darm aufgenommen werden. Zusätzlich kann sich ein bakterieller Infekt im Darm bilden und es werden Antibiotika nötig.

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Im schweren Stadium, wenn die medikamentöse Behandlung nicht anschlägt und die Blutungen im Darm sich nicht stoppen lassen, muss der gesamte Dickdarm operativ entfernt werden. Obwohl sich dieser Eingriff extrem anhört, kann der Mensch auch ohne einen Dickdarm leben, denn der wichtige Dünndarm bleibt weiterhin erhalten. Am Ende erhöht das sogar die Lebensqualität der Patienten, weil sie keine Medikamente mehr brauchen.

Dennoch hinterlässt eine chronische Krankheit wie die Colitis ulcerosa nach vielen Jahren der Behandlung ihre Spuren. Eine Psychotherapie kann den Betroffenen helfen, damit besser umzugehen.

Quellen