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Verschleiß des Gelenkknorpels

Arthrose – Anzeichen der unheilbaren Erkrankung und wie man vorbeugen kann

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Sylvia Petersen

30. November 2025, 8:51 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

Arthrose ist weltweit die häufigste Gelenkerkrankung. Wie man ihr vorbeugen kann und warum eine Operation die letzte Option sein sollte – FITBOOK fasst die wichtigsten Fakten und neuesten Erkenntnisse zusammen.

Auf fachliche Richtigkeit geprüft von Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Wandern, Badminton, Tanzen – was gerade noch selbstverständlich schien, kann mit einer Arthrose schlagartig zur Qual werden. Die Krankheit greift alle Gelenke an, von der Schulter bis zum Fußgelenk. Besonders betroffen ist aber das Knie. Schleichend zerstört eine Arthrose im Gelenk den Knorpel, der als Puffer zwischen den Knochen dient. Wenn am Ende die blanken Knochen aneinanderreiben, sind die Schmerzen für Betroffene kaum noch auszuhalten. Arthrose ist nicht heilbar. Umso wichtiger ist es, ihr vorzubeugen und rechtzeitige Maßnahmen bei den ersten Anzeichen der Erkrankung zu ergreifen.

Was versteht man unter Arthrose?

Von Arthrose spricht man, wenn ein schleichender Verschleiß des Gelenkknorpels stattfindet. Dabei handelt es sich um die glatte Knorpelschicht, die die Gelenkflächen der Knochen bedeckt und wie ein Stoßdämpfer Belastungen abfedert. Sie verhindert, dass Knochen direkt aufeinanderreiben. Mit fortschreitendem Knorpelabbau verliert das Gelenk an Schutz – Schmerzen, Steifheit und Bewegungseinschränkungen sind die Folge. „Mit Arthrose bezeichnet man den Verschleiß von Gelenkknorpel. Dieser Verschleiß ist meist altersbedingt“, erklären Experten. Reiben die Knochen aneinander, verstärken sich die Beschwerden und die Gelenkfunktion nimmt weiter ab. Arthrose ist nicht heilbar, allerdings gibt es Behandlungsmethoden, mit denen sich das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen lässt.

Häufigkeit

Arthrose tritt überwiegend bei Personen in der zweiten Lebenshälfte und mit zunehmendem Lebensalter vermehrt auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. 2019 und 2020 hat das Robert-Koch-Institut bundesweit 23.000 Personen befragt. Insgesamt gaben 17,1 Prozent der Erwachsenen ab 18 Jahren an, in den letzten zwölf Monaten Arthrose zu haben.1

Bei den 18- bis 29-Jährigen lag die Prävalenz bei 0,7 Prozent (Frauen) und 0,4 Prozent (Männer). Bei den 30- bis 44-Jährigen gaben 3,9 Prozent der Frauen und 3 Prozent der Männer an, Arthrose aufzuweisen. Die Zahl der Betroffenen steigt ab 45 Jahren stark ab und lag in der Altersgruppe zwischen 45 und 64 bei 23,9 Prozent (Frauen) und 15,4 Prozent (Männer). Ab 65 Jahren ist die Krankheit am stärksten verbreitet: 39,7 Prozent der Frauen und 23,2 Prozent der Männer sind ab diesem Alter von der Krankheit betroffen.

Warum Frauen häufiger Arthrose entwickeln als Männer, ist unklar. Laut RKI könnte die Hormonumstellung im Zuge der Menopause ein Grund dafür sein. Untersuchungen hätten aber bis jetzt keine eindeutigen Ergebnisse dazu ergeben.

Arten von Arthrose

Allgemein betrachtet verfügt der menschliche Körper über rund 140 echte Gelenke – das heißt Gelenke, die aus zwei Knochen bestehen, die durch einen Gelenkspalt voneinander getrennt sind. Prinzipiell kann Arthrose an jedem dieser Gelenke auftreten. Besonders häufig betroffen sind jedoch:

  • Hüftgelenk (Coxarthrose)
  • Kniegelenk (Gonarthrose)
  • Hand- und Fingergelenke

Die Erkrankung verläuft oft schleichend – umso wichtiger ist es, frühzeitig auf Symptome wie Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit zu achten und geeignete Behandlungsmaßnahmen zu ergreifen.

Ursachen der Erkrankung

Die Krankheit tritt vor allem dann auf, wenn Gelenke über einen langen Zeitraum zu stark belastet werden. Das kann bei bestimmten Sportarten, wie beispielsweise Squash, der Fall sein – vor allem dann, wenn man sie professionell betreibt. Dazu gehören aber auch beruf­liche Belastungen wie ständiges Hinknien und Anheben. Verletzungen, bakterielle Infektionen oder Fehlstellungen, wie X- oder O-Beine, können ebenfalls eine Arthrose auslösen. Ein großer Risikofaktor ist Übergewicht. Bei adipösen Menschen ist meistens das Knie betroffen.

Symptome

Eine Arthrose macht oft zuallererst mit dem sogenannten „Anlaufschmerz“ auf sich aufmerksam. So bezeichnet die Deutsche Rheuma-Liga das unangenehme Gefühl, wenn man aufsteht und nicht so recht in die Gänge kommt, weil es im Knie oder in der Hüfte zieht.2 Dieser Schmerz ist anfangs noch nicht sehr stark und tritt auch nur hin und wieder auf. Mit der Zeit wird das Gehen aber zunehmend anstrengender und die Schmerzen ein ständiger Begleiter. Mitunter schwillt das betroffene Gelenk auch an. Die Deutsche Rheuma-Liga warnt eindringlich: „Der Schmerz ist ein Alarmsignal.“ Das bedeute meistens, dass die Zerstörung der Gelenke ist bereits in vollem Gange sei.

Folgende Risikofaktoren begünstigen die Entstehung von Arthrose

Verschiedene Einflüsse können den Knorpelverschleiß in den Gelenken beschleunigen. Zu den biologischen Risikofaktoren gehören:

  • Entzündungen und frühere Verletzungen, etwa Meniskusschäden, Bänderrisse oder Knochenbrüche
  • genetische Faktoren, wenn Arthrose in der Familie bereits häufiger aufgetreten ist
  • Fehlstellungen von Gelenken, wie beispielsweise an Knie oder Hüfte
  • fortschreitendes Alter, vor allem ab dem 50. Lebensjahr
  • weibliches Geschlecht

Neben diesen biologischen Ursachen tragen auch Lebensstilfaktoren zur Entstehung von Arthrose bei:

  • Bewegungsmangel, etwa durch langes Sitzen im Büro, kann die Muskulatur schwächen, Haltungsschäden begünstigen und den Knorpelabbau beschleunigen
  • Übergewicht belastet die Gelenke stark – so ist das Risiko für Arthrose an Knie und Hüfte bei starkem Übergewicht vier- bis fünfmal so hoch
  • Sportarten mit starker Gelenkbelastung, wie Handball, Fußball, Boxen oder Ringen, können das Risiko erhöhen
  • einseitige oder falsch erlernte Bewegungsabläufe, etwa durch monotone Arbeitsabläufe oder intensive sportliche Belastung, können zu Überlastung führen
  • Tätigkeiten, die häufiges Knien, Bücken, Hocken oder schweres Heben erfordern, wie es in einigen Berufen üblich ist, belasten die Gelenke ebenfalls stark3
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Diagnose

Besteht der Verdacht auf Arthrose, sollte man schnellstmöglich einen Orthopäden aufsuchen. Nur so können Operationen abgewendet oder hinausgezögert werden. Ein Arzt kann anhand eines Ultraschall- und Röntgenbildes gut erkennen, ob es sich um eine Arthrose handelt – und wie weit sie bereits fortgeschritten ist.

Behandlung von Arthrose

Übergewicht vermeiden oder abbauen

Jedes Kilo weniger bedeutet für Betroffene (und für die Gelenke) eine Erleichterung. Das ist wissenschaftlich erwiesen. In einer Studie aus dem Jahr 2018 wurden 240 adipöse Teilnehmer mit leichter bis mittelschwerer Arthrose über einen längeren Zeitraum untersucht. Das Resultat: Wer 20 Prozent seines Gewichts abnahm, hatte 25 Prozent weniger Schmerzen.4

Bewegen – aber richtig

Wer Schmerzen im Gelenk hat, neigt meistens ganz automatisch dazu, das betroffene Körperteil zu schonen. Doch statt bei Beschwerden im Knie die Beine hochzulegen, rät die Deutsche Rheuma-Lliga, sich zu bewegen, um die Beweglichkeit der Gelenke trotz Schmerzen zu erhalten. Konkrete Übungen für Kreislauf, Schultergelenke, Rumpf und Wirbelsäule sowie Fingergelenke kann man der Broschüre „Arthrose – Bewegungsübungen für kleine Pausen“ entnehmen.5

Orthopäden verschreiben im frühen Arthrose-Stadium oft auch Krankengymnastik. Dort lernt man, wie man seine Gelenke beweglich hält und richtig belastet. Sinnvoll sind laut Rheuma-Liga Nordic Walking und Wandern, Fahrradfahren, Schwimmen sowie spezielle Kraftübungen, um die gelenkstabilisierende Muskulatur zu stärken und aufzubauen.

Medikamentöse Therapie

  • Schmerzmittel: Wenn die Arthrose so sehr schmerzt, dass man kaum mehr laufen mag (und kann), können Schmerzmittel dabei helfen, in Bewegung zu bleiben. Das RKI empfiehlt, mit einfachen Präparaten wie Paracetamol anzufangen. Reichen diese nicht aus, werden meistens sogenannte nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAP) verschrieben. Sie wirken entzündungshemmend, können aber auf den Magen schlagen und sollten daher nur für kurze Zeit eingenommen werden.
  • Cortison: Ist die Arthrose bereits weit vorangeschritten, kann Cortison helfen. Es wird direkt ins Gelenk gespritzt und dämpft die Entzündung. Patienten sind danach meistens wochenlang nahezu schmerzfrei. Eine Dauerlösung sind Cortison-Spritzen wegen ihrer starken Nebenwirkungen jedoch nicht.
  • Hyaluronsäure: Manche Ärzte injizieren das Mittel ins Gelenk. Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür in der Regel nicht. Diese Therapie gehört zu den sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). Begründet wird es damit, dass eine positive Wirkung nicht ausreichend erwiesen ist.6
  • Chondroitin: Dabei handelt es sich um einen Bestandteil des Knorpelgewebes, der in Kapsel-Form freiverkäuflich von verschiedenen Herstellern angeboten wird. Es soll den Knorpelabbau hemmen und Beschwerden lindern. Die Verbraucherzentrale sieht das skeptisch und weist auf widersprüchliche Ergebnisse bei Studien hin. Das ist auch der Grund, warum Anbieter ihre Chondroitin-haltigen Nahrungsergänzungsmittel bereits seit 2012 nicht mehr mit Slogans wie „Für gesunde Gelenke“ bewerben dürfen. 

Gelenkspiegelung

Bei einer Gelenkspiegelung, der Arthroskopie, macht der Arzt kleine Schnitte in die Haut. Über sie gelangt er ins Gelenk und kann beispielsweise abgelöste Knorpelstückchen entfernen. Allzu viel darf man sich als Betroffener davon nicht versprechen. Das Dresdner UniversitätsCentrum für Orthopädie, Unfall- und Plastische Chirurgie weist auf seiner Website darauf hin, dass eine Arthrose damit nicht beseitigt wird und Beschwerden innerhalb weniger Wochen nach dem Eingriff wieder auftreten können.

Knorpel-Transplantation

Wenn die Arthrose an einer umschriebenen Stelle lokal begrenzt ist, kann eine Knorpeltransplantation sinnvoll sein und gute Ergebnisse bringen. Dabei wird mithilfe einer Arthroskopie Knorpelgewebe aus dem Gelenk entnommen, im Labor vermehrt und dann wieder eingesetzt. Ist eine große Fläche geschädigt, ist ein solcher Eingriff weniger Erfolg versprechend.

Operation und künstliche Gelenke

Liegt eine angeborene oder verletzungsbedingte Fehlstellung der Beine vor, wird das Kniegelenk oft einseitig stark belastet. Um das auszugleichen, begradigt man im Rahmen einer Operation die Beine. Bestenfalls wird die Knie-Arthrose damit ausgebremst und Betroffene haben einige Jahre Ruhe.

Wenn die Arthrose stark ausgeprägt ist und alle anderen Behandlungsmöglichkeiten (Medikamente, Krankengymnastik) ausgeschöpft sind, bleibt nur noch eines übrig: das zerstörte Gelenk durch ein künstliches Implantat zu ersetzen – entweder in Form einer Teil- oder Voll-Prothese. So eine Operation birgt jedoch immer das Risiko einer Infektion. Das Dresdner UniversitätsCentrum für Orthopädie, Unfall- und Plastische Chirurgie schreibt dazu: „Dieses Risiko besteht nicht nur in den ersten Wochen nach der Operation, sondern kann auch in späteren Jahren auftreten.“ Starkes Übergewicht kann das Infektionsrisiko noch erhöhen. Eine Gelenkprothese ist deswegen das letzte Mittel der Wahl – und älteren Menschen vorbehalten, denn so eine Prothese hält meist nur zehn Jahre.

Quellen

  1. Robert Koch-Institut: Arthrose: Prävalenz (ab 18 Jahre) (2024, aufgerufen am 24.11.2025) ↩︎
  2. Deutsche Rheuma-Liga: Arthrose – Symptome, Ursachen, Behandlung (aufgerufen am 25.11.2025) ↩︎
  3. Gesundheit.GV.AT. Arthrose. (aufgerufen am 02.06.2025) ↩︎
  4. Stephen P. Messier, Allison E. Resnik, Daniel P. et al. (2018). Intentional Weight Loss in Overweight and Obese Patients With Knee Osteoarthritis: Is More Better? Arthritis Care & Research ↩︎
  5. Deutsche Rheuma-Liga: Arthrose – Bewegungsübungen für kleine Pausen (aufgerufen am 25.11.2025) ↩︎
  6. Medizinischer Dienst: IGeL-Monitor bewertet Hyaluronsäure-Injektionen bei Knie- und Hüftgelenksarthrose mit „negativ“ (aufgerufen am 25.11.2025)
    ↩︎

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