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Rote Blutkörperchen

Blutarmut (Anämie) – Ursachen, Symptome und Behandlung

Blutarmut, Symptome: Rote Blutkörperchen (Symbolbild)
Die roten Blutkörperchen transportieren den Sauerstoff. Liegt eine Blutarmut vor, kommt also nicht genug Sauerstoff in die Körperzellen.Foto: Getty Images

Müdigkeit, Schwindel und Blässe – Symptome, die auf eine sogenannte Blutarmut (Anämie) hinweisen können. Der Mangel liegt vor, wenn der Anteil an rotem Blutfarbstoff und/oder gesunden roten Blutkörperchen zu niedrig ist und dadurch die Körperzellen nicht genug mit Sauerstoff versorgt werden.

Auf fachliche Richtigkeit geprüft von
Enrico Zessin, Arzt in Weiterbildung für Innere Medizin und Sportmedizin, Verbandsarzt Deutscher Leichtathletik Verband und Diplom-Molekularbiologe

Egal, ob alt oder jung: Jeder kann im Verlauf seines Lebens eine Blutarmut entwickeln. Bei der Erkrankung ist der Anteil an rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin) und/oder gesunden roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Körper zu niedrig. In den roten Blutkörperchen befindet sich das eisenhaltige Protein Hämoglobin, das für den Sauerstofftransport von der Lunge zu jeder Körperzelle sowie für den Abtransport von CO2 wieder in die Lunge zurück verantwortlich ist. Bei einem Mangel des roten Blutfarbstoffs oder der roten Blutkörperchen und damit einem zu geringen Anteil der roten Blutzellen (Hämatokrit) können also die Körperzellen nicht genug mit Sauerstoff versorgt werden. Die Symptome einer Blutarmut erschweren Betroffenen oft den Alltag.1

Was sind Symptome einer Blutarmut?

Betroffene können jahrelang unwissentlich mit Symptomen einer Blutarmut leben. Die Beschwerden schleichen sich oft ein und werden dadurch nicht bewusst wahrgenommen. Symptome einer Blutarmut können sein:2

  • Müdigkeit, schnelle Ermüdung
  • körperliche Schwäche
  • Kurzatmigkeit
  • Schwindel
  • schnelles oder unregelmäßiges Herzklopfen
  • Klopfen oder „Zischen“ in den Ohren
  • Kopfschmerzen
  • kalte Hände oder Füße
  • blasse oder gelbe Haut
  • Schmerzen in der Brust

Da die Symptome relativ breit und unspezifisch sind, können sie nur durch einen Bluttest beim Arzt einer Anämie richtig zugeordnet werden.

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Was sind die Ursachen einer Blutarmut?

Eine Anämie kann auftreten, wenn der Körper entweder zu wenige rote Blutkörperchen produziert, zu viele rote Blutkörperchen zerstört oder zu viele verliert. Den Ursachen kann eine genetische Prädisposition zugrunde liegen oder sie entwickeln sich im Laufe des Lebens.

Gestörte Blutbildung

Rote Blutkörperchen werden im Knochenmark produziert. Liegen eine Erkrankung des Knochenmarks oder chronische Krankheiten wie Krebs, HIV/Aids oder rheumatische Arthritis vor, kann das die Blutbildung beeinträchtigen. Darüber hinaus kann auch eine Nierenerkrankung Einfluss nehmen. Denn die Nieren senden über das Hormon Erythropoietin Signale an das Knochenmark, wann mehr rote Blutkörperchen zu bilden sind.

Um genügend Hämoglobin und Erythrozyten herzustellen, braucht das Knochenmark aber in erster Linie genug Eisen, Vitamin B-12, Folsäure und andere lebenswichtige Vitamine sowie Eiweiß. Also kann auch eine unausgewogene Ernährung eine große Rolle spielen. Natürlich können auch Erkrankungen, die die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen wie beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion die Blutbildung stören.

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Zerstörung roter Blutkörperchen

Die natürliche Lebensdauer von einem roten Blutkörperchen beträgt circa 120 Tage. Danach lösen sie sich auf. Ein Prozess, der sich Hämolyse nennt. Allerdings gibt es Erkrankungen, die diese Zerstörung bzw. Hämolyse beschleunigen, sodass große Mengen an Blutkörperchen vor ihrem „Ablaufdatum“ zerstört werden. Danach muss das Knochenmark wieder ran und die verlorenen Blutkörperchen wieder nachproduzieren. Das geht aber in großen Mengen nicht so schnell und daher kommt es zu einem Mangel. Die Ursache für beschleunigte Hämolyse können vererbte oder erworbene Krankheiten sein, wie zum Beispiel:

  • Erkrankungen an der Leber oder Milz
  • bestimmte Infektionskrankheiten wie Herpes
  • medikamentös/toxisch bedingte Störungen (z. B. bestimmte Schmerzmittel (NSAR), Sulfonamide, Benzol)
  • bestimmte Autoimmunerkrankungen
    • genetisch bedingte Störungen
    • Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (G6PD)
    • Thalassämie
    • Sichelzellenanämie

Starker Verbrauch und Abbau von roten Blutkörperchen

Eine Blutarmut kann auch durch einfachen Blutverlust entstehen, das heißt, durch innere und äußere Blutungen, wie:

  • Endometriose
  • Magen-Darm-Verletzungen (blutende Magengeschwüre und Darmverletzungen)
  • Menstruation
  • Geburten
  • übermäßige Blutungen aus der Gebärmutter
  • Operationen

Die häufigste Ursache für eine Anämie ist allerdings Eisenmangel: mehr als die Hälfte aller Blutarmutsfälle ist auf den Nährstoffmangel zurückzuführen. Insbesondere Veganer und Vegetarier laufen Gefahr, ohne Ergänzungsmittel zu wenig Eisen zu sich zu nehmen.2

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Nährstoffmangel und Blutarmut

Um eine Anämie zu vermeiden, kann eine ausgeglichene, gesunde Ernährung ein gutes Präventionsmittel sein. Neben genug Obst und Gemüse, sollte man insbesondere auf genügend Eisen, Folat und Vitamin B-12 Zufuhr achten.

Eisen

Der meistverbreitete Typ der Blutarmut ist die Eisenmangelanämie. Diese tritt auf, wenn es dem Organismus an Eisen mangelt. Auch übermäßige Einnahme von Magnesium kann zum Eisenmangel führen, da beides zweiwertige Kationen sind und im Darm um die Resorption konkurrieren. So kann man bei zu hoher Magnesiumeinnahme trotz ausreichend Eisen eine Eisenmangelanämie bekommen. Die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ empfiehlt Jugendlichen und Erwachsenen im Alter von 15 bis 65 eine tägliche Zufuhr wie folgt:3

Jugendliche Männer (12 bis 19 Jahre)12 Milligramm
Männer10 Milligramm
Frauen im gebärfähigen Alter15 Milligramm
Schwangere30 Milligramm
Stillende20 Milligramm

Wenn ein Eisenmangel vorliegt, sind Ergänzungsmittel meistens unabdinglich. Alleine mit Ernährung einen schon bestehenden Mangel auszugleichen, dauert meist zu lange. Lebensmittel, die besonders viel Eisen enthalten, sind: Hühner- und Rinderleber, rotes Fleisch, Meeresfrüchte, Haferflocken, Linsen, Bohnen und Spinat.4 Die Eisenaufnahme wird in Verbindung von Vitamin C (z. B. Orangensaft) verbessert.

Folat

Folat ist ein wasserlösliches Vitamin und für den menschlichen Stoffwechsel und vor allem für die gesunde Blutbildung unverzichtbar. Es ist die natürliche, im Körper hergestellte Form der Folsäure, die man als Nahrungsergänzungsmittel kennt. Liegt eine unzureichende Folatversorgung vor, kann das Knochenmark nicht ausreichend rote Blutkörperchen produzieren.

Jugendlichen und Erwachsenen wird eine tägliche Folatzufuhr von 300 Milligramm empfohlen. Schwangere benötigen 500 Milligramm Folat täglich und Stillende 450 Milligram. Lebensmitteltechnisch ist besonders viel Folat in Rinderleber, Linsen, Spinat, Bohnen, Spargel und Eiern enthalten.5,6

Vitamin B-12

Auch Vitamin B12 ist für eine funktionierende Blutbildung nötig. Empfohlen wird Jugendlichen und Erwachsenen eine tägliche Zufuhr von 4 Milligramm täglich. Auch hier müssen Schwangere und Stillende eine Schippe draufsetzen. Schwangere sollten 4,5 Milligramm und Stillende 5,5 Milligramm am Tag zu sich nehmen.7

Vitamin B12 ist hauptsächlich in tierischen Produkten wie Eiern, Fleisch, Milch und Käse enthalten. Wer durch seine Ernährung genügend Vitamin B12 zu sich nimmt, der kann problemlos auf Ergänzungsmittel zurückgreifen.

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Diagnose und Behandlung

Am Ende des Tages sollte man bei Symptomen unbedingt einen Arzt aufsuchen. Insbesondere Vegetarier, Veganer, Schwangere, Stillende oder chronisch Kranke können sich durch ein kleines Blutbild Klarheit verschaffen und damit eine mögliche Therapie unter fachlicher Aufsicht eingehen. Das große Blutbild beinhaltet zusätzlich die Vorläuferstufen der verschiedenen Blutzelltypen und wird in der Regel nur bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten bzw. Blutkrebserkrankungen oder Ähnlichem gemacht. Für eine normale Anämiediagnostik ist ein kleines Blutbild und ggf. bestimmte Stoffwechselwerte ausreichend.

Ist die Ursache der Anämie geklärt, kann effizient behandelt werden. Ist Blutarmut auf einen Nährstoffmangel zurückzuführen, können Ergänzungsmittel die Symptome in vielen Fällen lindern. Liegen chronische oder akute Erkrankungen zugrunde, sollte im Zuge deren Behandlung auch die Blutarmut wieder verschwinden.

Quellen