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Fitness-Infuencer im Interview

Philipp Stehler: »Das hat mir wieder auf die Beine geholfen

Fitness-Influencer Philipp Stehler
Fitness-Influencer Philipp Stehler hat FITBOOK verraten, wie es ihm aktuell geht
Foto: Instagram: philipp_stehler

Im Frühjahr 2019 hat Philipp Stehler öffentlich gemacht, dass er unter einer schweren Form von Colitis ulcerosa leidet. Wie es ihm mit der Autoimmunerkrankung mittlerweile geht und woraus er Kraft schöpft, hat er FITBOOK in einem Interview verraten.

Vor einigen Wochen hat FITBOOK den aus diversen TV-Formaten (u.a. Bachelorette) bekannten Fitness-Influencer Philipp Stehler (31) bei einer Foodspring-Veranstaltung getroffen. Obwohl man aktuell sagen müsste: den Ernährungs- und Akupunktur-Influencer. Denn Fitness kann Philipp gerade nicht wirklich machen, zumindest nicht in dem Maße, wie man es von ihm gewohnt ist. Schuld daran ist eine chronische Darmerkrankung, Colitis ulcerosa, unter der er seit etlichen Jahren leidet. Seit Anfang des Jahres haben sich die Symptome deutlich verschlimmert, mit dramatischen Konsequenzen.

Im Interview hat er uns nicht nur verraten, wie es ihm aktuell geht, sondern auch, was er für persönliche Lehren aus seiner Erkrankung zieht und was ihn in seiner schwärzesten Stunde motiviert hat, (sich) nicht aufzugeben.

FITBOOK: Hallo Philipp, wie geht’s dir?

Philipp Stehler: Heute eigentlich ziemlich gut, aber wie ihr ja wahrscheinlich wisst, habe ich Colitis ulcerosa, eine chronische Darmentzündung. Die habe ich eigentlich schon seit 2011 und muss ihretwegen auf fette Lebensmittel, Zucker oder blähendes Gemüse verzichten. Die Krankheit hat sich bis zum Jahreswechsel so geäußert, dass ich vor allem bei Stress Darmbeschwerden bekam. Aber es war nie so, dass ich nicht zum Sport oder gar nichts mehr essen konnte…

Was ist dann passiert?

Ab Dezember wurden die Beschwerden dann chronisch. Ich habe insgesamt 25 Kilo abgenommen, bin von 85 auf 60 runter, und musste ins Krankenhaus. Dort teilten sie mir mit, dass Medikamente jetzt nichts mehr bringen würden. „Herr Stehler, wir müssen operieren“, hieß es. Am Ende haben sie mir fast den ganzen Dickdarm rausgenommen. Das war eine krasse OP und Erfahrung. Seitdem heißt es nicht mehr Muskelaufbau, sondern erst mal wieder fit werden und klarkommen.

Was ist eine Colitis ulcerosa?

Die Colitis ulcerosa ist eine chronische Entzündung im Verdauungstrakt, die nur den Dickdarm befällt. Sie beginnt immer im After und kann sich von da aus nach oben ausbreiten. Zusammen mit Morbus Crohn gehört sie zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Darms. Klassische Symptome sind blutig-schleimige Durchfälle und Bauchschmerzen, wobei die Krankheit oft schleichend und mit leichten Beschwerden beginnt.

Warum hast du dich erst dieses Jahr dazu entschlossen, die Krankheit publik zu machen?

Die Krankheit habe ich ja schon seit 2011, aber wer redet schon gerne über seine Verdauungsprobleme oder Durchfall? Zumal ich ja jahrelang meinen Sport machen konnte, wie ich wollte. Doch als ich dann im Krankenhaus lag, dachte ich mir: Was soll ich hier rumfaken, soll ich jetzt jedes Mal raus und spazieren gehen für meine Insta-Storys? Nein, also rede ich mal darüber. Denn was ich da zeige, bin ja ich, und das gehört ja auch zu mir, dass ich gerade eine schwere Phase habe. Die Realität ist eben nicht immer geile weiße Strände mit türkisem Wasser, auch wenn das auf Instagram so wirken kann.

Philipp Stehler beim FITBOOK-Interview

Philipp Stehler hat beim FITBOOK-Interview verraten, was ihm wieder auf die Beine geholfen hat
Foto: FITBOOK

Und wie haben die Leute reagiert?

Super! Die größte Überraschung war, wie viel Feedback ich bekommen habe, wie viele Leute auch unter Darmbeschwerden leiden. Da sieht man mal wieder, wie hoch die Dunkelziffer und das Schamgefühl in der Gesellschaft sind. Seitdem bekomme ich jetzt ganz viele Fragen zu meiner Krankheit, zu Symptomen, Ärzten und Ernährung, wo früher der Schwerpunkt natürlich auf Fragen zum Training lag.

Was haben dich deine gesundheitlichen Rückschläge gelehrt?

Ich habe krass dazu gelernt, wie ich mich motivieren kann und was mir Kraft gibt. Kurzfassung: Familie und Rückzug.

Ich habe gelernt, einfach mal einen Gang rauszunehmen. Ich muss nicht immer überall dabei sein. Ich lebe zwar in Berlin, aber nur weil Wochenende ist, muss ich nicht um die Häuser ziehen. Und ich kann zu jeder Zeit auf meinen inneren Kreis setzen. Ich habe gelernt: Verbring mehr Zeit mit deiner Familie! Da spielt das Handy dann keine Rolle, da lädt sich der Tank auf.

Gleichzeitig musste ich mich aber auch zwingen, nicht nur auf die Bremse zu drücken, sondern den Arsch hochzukriegen und beispielsweise einfach mal spazieren zu gehen. Eigentlich war ich immer die Person in meinem Freundeskreis, die man am wenigsten für Sport motivieren musste. Aber in so einer harten Zeit hast du echt keinen Bock.

Wer oder was hat dich schließlich aus dem Loch rausgezogen?

Wendepunkt war, als ich nach der OP zum ersten Mal wieder aufgestanden bin: Das Atmen fiel mir schwer, ich habe einfach nur Hilflosigkeit gespürt und für mich verstanden: Ich muss da jetzt was machen. Und natürlich hat mir auch meine Familie geholfen.

Hatte deine Erkrankung also auch positive Aspekte?

(überlegt) Ehrlich gesagt gibt es wenig Positives, was ich damit assoziieren kann. Wenn überhaupt, dann eine gesundere Selbstreflektion: Was ist gut für mich, wer ist gut für mich? Ich habe gelernt, ein besseres Gefühl für meinen Körper zu kriegen und bin in Sachen Ernährung bewusster geworden.

Wann sehen wir dich wieder als klassischen Fitness-Influencer?

Fakt ist: Ich werde Sport perspektivisch wieder machen können wie vorher. Das zu wissen, tut auf jeden Fall gut. Ich musste halt erstmal auf diese Situation klarkommen: Du hast dein Leben lang für eine gute Fitness trainierst und dann liegst du im Krankenhaus und kannst dabei zuschauen, wie dein Oberschenkel Woche für Woche schrumpft. Und dann denkst du dir, was ist das bitte für ein undankbarer Sport? Aber ich bin zuversichtlich, dass ich es dank des Memory-Effects nicht allzu schwer haben werde mit dem erneuten Muskelaufbau.