Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de

Vergrößerung ist ein Warnzeichen

Woran erkenne ich, ob meine Milz geschädigt ist?

Milz
Die Milz hat die Form einer Kaffeebohne und ist dem Blutkreislauf zugeschalteter Teil des ImmunsystemsFoto: Getty Images

Herz, Leber, Magen – über die Funktion dieser Organe weiß man grob Bescheid. Anders sieht es bei der Milz aus. Wozu ist sie eigentlich gut? Und woran merkt man, ob sie nicht mehr richtig funktioniert? FITBOOK klärt über die Warnzeichen und Behandlungsmöglichkeiten einer krankhaft vergrößerten Milz auf.

Die Milz befindet sich (wenn man an sich herunterschaut) auf der linken Seite des Oberbauchs unterhalb des Brustkorbs. Ertasten kann man das kaffeebohnenförmige Organ normalerweise nicht, dafür liegt sie viel zu gut verborgen im Bauchraum. Sie ist Teil des Immunsystems und in den Blutkreislauf eingeschaltet. Eine erkrankte Milz ist häufig vergrößert und kann im schlimmsten Fall reißen. FITBOOK klärt auf über Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Splenomegalie (Milzschwellung).

Welche Aufgaben hat die Milz?

Die Milz spielt eine entbehrliche, aber wichtige Rolle im Immunsystem. Das bedeutet, dass man auch ohne das Organ leben kann, aber dann meist anfälliger für Infektionen ist. Die Milz filtert nämlich Fremdstoffe und alte rote Blutkörperchen aus dem Blut heraus und speichert zugleich weiße Blutzellen. Diese wehren Krankheitserreger ab. Z.B. Seitenstechen reduziert die Durchblutung der Milz.

Wie groß ist die Milz?

Außerdem ist das Organ mit einer Länge von circa zehn bis zwölf Zentimetern Länge und rund acht Zentimetern Breite auch nicht besonders groß. Die Milz kann aber an Größe und Gewicht zulegen, man spricht dann von einer sogenannten Splenomegalie.

Was sind die Symptome einer vergrößerten Milz (Splenomegalie)?

Die Milz an sich bereitet keine Beschwerden. Doch wenn sie sich vergrößert, können durch den Druck auf andere Organe starke Schmerzen auftreten. Eine vergrößerte Milz führt nach Angaben der Uniklinik Heidelberg oft auch zu einer Überfunktion des Organs.1 Die Milz filtert also zu viele Blutkörperchen heraus. In der Folge kann Blutarmut auftreten. Betroffene sind dann meistens sehr blass und fühlen sich matt. Ist die Milzschwellung mild ausgeprägt, ist die Milz nur um wenige Zentimeter vergrößert. Ihr Gewicht kann sich damit aber bereits von normalen 200 Gramm auf 400 Gramm verdoppeln. Bei einer massiven Splenomegalie kann die Milz über ein Kilogramm wiegen. 2018 machte der Bericht von einer Patientin die Runde, deren Milz 3,4 Kilogramm wog und 24 Zentimeter lang war.2

Wie wird eine Splenomegalie diagnostiziert?

Eine stark geschwollene Milz kann ein Arzt gewöhnlich ertasten, aber erst eine Ultraschalluntersuchung gibt Gewissheit. Auch eine Blutuntersuchung liefert wichtige Hinweise. Patienten mit einer vergrößerten Milz haben unter anderem eine reduzierte Anzahl an roten Blutplättchen.

Eine vergrößerte Milz, also eine Splenomegalie, ist in der Regel keine Erkrankung an sich. Es ist vielmehr eine Begleiterscheinung und damit ein Warnzeichen, dass irgendetwas im Körper nicht in Ordnung ist. Meistens sind es denn auch die Symptome dieser Grunderkrankung, die Betroffene dazu veranlassen, einen Arzt aufzusuchen – und nicht die geschwollene Milz an sich.

Was sind mögliche Ursachen einer vergrößerten Milz?

Laut einer 2017 veröffentlichten dänischen Studie hat eine Splenomegalie in 39 Prozent aller Fälle eine hämatologische Ursache.3 Das bedeutet, dass eine Erkrankung des Blutes oder Lymphsystems dahintersteckt, wie Leukämie oder  Lymphdrüsenkrebs. 18 Prozent der untersuchten Patient*innen mit vergrößerter Milz hatten einen Leberschaden. Zehn Prozent litten an Infektionen wie Pfeiffersches Drüsenfieber oder Malaria. Bei einem Viertel der Splenomegalie-Fälle konnte die genaue Ursache nicht ermittelt werden.

Aktuell untersucht das Robert Koch-Institut einen Zusammenhang zwischen der Covid19-Erkrankung und dem sogenannten Hyperinflammationssyndrom, das mit einer Splenomegalie einhergeht.4

Eine Splenomegalie ist auch ein typisches Symptom bei Myelofibrose. Das ist eine schwere, aber zum Glück seltene Erkrankung des Knochenmarks. Im Februar 2021 wurde berichtet, dass mit dem Wirkstoff Fedratinib nach fast zehn Jahren ein neues Medikament in der EU zugelassen wird.5 Es soll eine vergrößerte Milz effektiv reduzieren können.

Milzriss

Eine vergrößerte Milz kann im schlimmsten Fall zu einem Milzriss und damit zu inneren Blutungen führen. Nach Angaben des Instituts für Medizinische Biometrie und Statistik der Uniklinik Freiburg muss bei 8000 Menschen pro Jahr die Milz entfernt werden. Ein unbehandelter Milzriss kann noch heute zum Tode führen.

Leben ohne Milz ist möglich, aber gefährlicher

Die Milz spielt bei der Abwehr von Fremdkörpern eine bedeutende Rolle. Fehlt sie, steigt das Risiko, an Infektionen schwer zu erkranken. Betroffene werden deswegen – wenn möglich – bereits vor einer Milz-Operation gegen bestimmte Erreger wie Pneumokokken geimpft. Nach dem Eingriff bleibt das Immunsystem ein Leben lang geschwächt. Betroffene sollten daher alles tun, um Infektionen zu vermeiden. 

Quellen