23. Juli 2025, 19:01 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wenn von Diabetes die Rede ist, sind fast immer Typ-1- und Typ-2-Diabetes gemeint. Nun gibt es jedoch immer mehr Hinweise darauf, dass es noch weitere Formen gibt. Die aktuellen Erkenntnisse könnten zu neuen Therapieformen führen und vor allem bisher falsch behandelten Diabetes-Patienten helfen. FITBOOK hat alle Informationen zu den neuen Diabetes-Subtypen zusammengestellt.
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In einer aktuellen Studie haben internationale Forscher untersucht, warum einige afrikanische Kinder und junge Erwachsene trotz der Diagnose Typ-1-Diabetes keine typischen Symptome zeigen.1 Dabei fanden sie heraus, dass die Probanden einen neuartigen Subtyp von Diabetes aufweisen, der sich sowohl von der Autoimmunerkrankung Typ 1 als auch von Diabetes Typ 2 unterscheidet. Während die Forscher noch keinen Namen für diese Art von Diabetes haben, wurde im April 2025 von der International Diabetes Federation der Diabetes mellitus Typ 5 eingeführt.2 Dieser beschreibt Diabetes in Folge von Mangel- und Unterernährung. Somit gibt es mindestens zwei neue Formen, die sich von den allseits bekannten unterscheiden.
Warum können einige Betroffene ohne Insulin-Spritzen überleben?
In ihrer Studie, die im Fachjournal „The Lancet“ erschien, erklären die Forscher, dass Typ-1-Diabetes in Afrika aufgrund der geringen Verfügbarkeit solider Beobachtungsstudien nur unzureichend erforscht ist. Die Ergebnisse bestehender Studien deuten jedoch darauf hin, dass die Erkrankung in Subsahara-Afrika einen anderen Phänotyp aufweisen könnte als in anderen Ländern. Dabei stellten sich die Forscher die Frage, warum viele junge Menschen in Afrika, bei denen Typ-1-Diabetes diagnostiziert wurde, es schaffen, für einige Zeit ohne Insulin zu überleben. Denn bei typischem Typ-1-Diabetes sind Betroffene auf Insulin-Spritzen dringend angewiesen.
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Was haben die Forscher herausgefunden?
Um dem Phänomen auf die Spur zu kommen, haben die Wissenschaftler Gesundheitsdaten von 894 schwarzen Patienten in Kamerun, Uganda und Südafrika ausgewertet. Die Studienteilnehmer waren unter 30, als man bei ihnen Typ-1-Diabetes diagnostizierte. Seitdem hat man sie mit Insulin-Spritzen behandelt. Die Daten der kranken Studienteilnehmer hat man mit jenen einer gesunden Kontrollgruppe aus denselben Ländern verglichen.
Dabei kam heraus, dass nur 35 Prozent der Diabetes-Patienten die Typ-1-Variante hatten. Bei den restlichen 65 Prozent fehlten die typischen Merkmale der Autoimmunerkrankung. Zum Beispiel fehlten bei ihnen Hinweise darauf, dass die Bauchspeicheldrüse vom Immunsystem mit entsprechenden Antikörpern angegriffen wird. Auch die genetische Veranlagung war relativ gering, denn nur 20 Prozent der Patienten hatten ein Elternteil mit dieser Erkrankung.
Was zeichnet die neue Diabetes-Form aus?
Obwohl alle Patienten an einer Blutzucker-Regulationsstörung litten, wiesen 65 Prozent der Probanden ein einzigartiges Symptom auf: Sie hatten einen niedrigen Insulinspiegel, obwohl ein Biomarker im Blut auf eine übermäßige Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse hinwies. Da keines der bekannten Formen über dieses Symptom verfügt und bei den Patienten auch keine Mangelernährung vorlag, schließen die Forscher daraus, dass es sich um eine neue Form handeln muss.
Um herauszufinden, ob dieser neue Form auch außerhalb Afrikas auftritt, gingen die Forscher noch einen Schritt weiter. Hierzu analysierten sie die Gesundheitsdaten von über 3.000 US-amerikanischen Kindern. Auch hier wurden sie fündig. Allerdings wiesen nur 15 Prozent der schwarzen Studienteilnehmer das einzigartige Symptom der neuen Diabetes-Erkrankung auf. Interessanterweise waren weiße Kinder davon nicht betroffen.
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Vermutlich werden viele Patienten falsch behandelt
Den Forschern zufolge führt die neue Erkenntnis dazu, dass vermutlich viele Typ-1-Diabetes-Patienten, vor allem in Afrika, falsch behandelt werden, da sie eigentlich eine andere Diabetes-Form aufweisen. Es ist sogar möglich, dass die bisherige Therapie nicht richtig anschlägt. Da die Forschung zu diesem neuen Typ jedoch erst am Anfang steht, muss man noch viele Fragen klären. Zum Beispiel die Frage nach den Auslösern. Ist es die Umwelt beziehungsweise die Abstammung? Vieles deutet darauf hin.
Im nächsten Schritt will man die möglichen Ursachen genauer untersuchen. Denn nur so können neue Fälle verhindert und wirksame Behandlungsmethoden entwickelt werden.
Was ist Diabetes‑Typ 5?
Neben der vorgestellten Variante haben internationale Wissenschaftler im April 2025 von der International Diabetes Federation (IDF) den Diabetes mellitus Typ 5 eingeführt. Im Gegensatz zu Diabetes-Typ-2, welches meist durch Übergewicht und Bewegungsmangel entsteht, kommt es zum Diabetes-Typ-5 in Folge von Mangel- und Unterernährung – insbesondere bei Kindern.
In einer Studie aus dem Jahr 2022, zeigen Forscher vom indischen Christian Medical College in Vellore, dass Diabetes in Verbindung mit Unterernährung sich grundlegend von Typ-1- und 2-Diabetes unterscheidet.3 Es wird meist im Kindesalter durch eine reduzierte Betazellfunktion in Kombination mit gesteigerter Glukoseabsorption ausgelöst. Diese Mechanismen stellen wahrscheinlich Anpassungen an den chronischen Energiemangel bei Unterernährung dar.
Menschen mit Typ-5-Diabetes leiden unter Insulinmangel, sind jedoch nicht insulinresistent. Viele von ihnen könne man womöglich mit oralen Medikamenten statt mit Insulininjektionen behandeln, schreiben Experten von der International Diabetes Federation. Da Typ-5-Diabetes vor allem in ressourcenarmen Ländern auftritt, könnte sich dieser kostengünstige Ansatz in den betroffenen Regionen als wichtig erweisen.
„Die Anerkennung von Typ-5-Diabetes markiert einen historischen Wandel in der weltweiten Herangehensweise an Diabetes. Zu lange hat man diese Erkrankung ignoriert, wodurch Millionen von Menschen betroffen waren und ihnen der Zugang zu einer angemessenen Versorgung verwehrt blieb. Mit der Gründung der Arbeitsgruppe Typ-5-Diabetes unternehmen wir nun wichtige Schritte, um dies zu korrigieren. Es geht um Gerechtigkeit, Wissenschaft und die Rettung von Menschenleben”, sagt IDF-Vorsitzender Professor Peter Schwarz. Denn Typ-5-Diabetes betrifft schätzungsweise zwischen 20 und 25 Millionen Menschen weltweit, vor allem in Regionen wie Asien und Afrika.