1. Juli 2025, 10:50 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Wenn sich Finger- oder Fußnägel gelb bis hellbraun verfärben und gleichzeitig verdicken, liegt der Verdacht nahe: Es handelt sich um Nagelpilz. Kein schöner Anblick – aber immerhin meist schmerzfrei und ohne Juckreiz. Trotzdem sollte man die Infektion nicht auf die leichte Schulter nehmen. FITBOOK-Redakteur Michel Winges erklärt, wie man Nagelpilz frühzeitig erkennt, was wirklich dagegen hilft und mit welchen Maßnahmen man effektiv vorbeugen kann.
Nagelpilz entsteht meist nicht einfach so, denn oft geht ihm eine andere Pilzinfektion voraus, wie zum Beispiel Fußpilz. Die winzigen Erreger dringen durch kleine Verletzungen oder Risse in die Haut ein und befallen von dort aus den Nagel. Besonders gefährdet sind die Zehennägel: Dort ist das Milieu oft warm und feucht, somit ideale Bedingungen für Pilze. Dabei kann sich der Nagel gelblich bis bräunlich verfärben, verdicken, spröde werden und sich in fortgeschrittenen Fällen teilweise ablösen. Nagelpilz wird mitunter als rein kosmetisches Problem betrachtet, kann jedoch unbehandelt fortschreiten und umliegendes Gewebe betreffen. Je später die Behandlung erfolgt, desto langwieriger kann sie verlaufen.1
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Übersicht
Woran erkennt man Nagelpilz?
Nagelpilz (in der Medizin als „Onychomykose“ bekannt) beginnt größtenteils unauffällig – und genau das macht ihn so tückisch. Anfangs zeigt sich nur eine leichte Verfärbung, oft am äußeren Rand des Nagels. Doch mit der Zeit nehmen die Veränderungen deutlich zu. Die häufigsten Symptome im Überblick:
- Verfärbung: Der Nagel verfärbt sich gelblich, weißlich oder bräunlich. Zuerst punktuell, später flächiger.
- Verdickung: Die Nagelplatte wird dicker und hebt sich teilweise vom Nagelbett ab.
- Brüchigkeit: Der Nagel splittert, wird porös oder beginnt zu krümeln.
- Stumpfer Glanz: Gesunde Nägel sind leicht glänzend. Pilzbefallene wirken oft matt und durchsichtig.2
- Ablösung: In fortgeschrittenen Fällen kann sich der Nagel teilweise, sogar ganz ablösen.
Am häufigsten betroffen sind die Zehennägel, insbesondere der große Zeh. Fingernägel sind seltener befallen, aber ebenfalls gefährdet, etwa bei Menschen mit häufigem Wasserkontakt oder kleinen Verletzungen rund um den Nagel.
Wichtig: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser lässt sich der Pilz eindämmen. Bei Unsicherheit sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Eine sichere Diagnose erfolgt in der Regel durch eine Laboruntersuchung.
Diese Varianten gibt es
Distolaterale subunguale Onychomykose
Die mit Abstand häufigste Form. Der Pilz befällt zunächst die Haut rund um den Nagel, etwa am Nagelrand oder unter der Nagelspitze und arbeitet sich dann von unten in die Nagelplatte vor. Dort breitet er sich langsam aus, der Nagel wird weich, brüchig und nimmt eine gelbliche Verfärbung an.
Proximale subunguale Onychomykose
Deutlich seltener, aber dafür besonders heimtückisch: Bei dieser Variante greift der Pilz direkt an der Nagelwurzel an, also dort, wo der Nagel entsteht. Von dort aus wandert die Infektion über die gesamte Nagelplatte nach vorn. Diese Form tritt häufiger bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem auf.
Weiße superfizielle Onychomykose
Bei dieser Form bleibt die Infektion auf die oberste Schicht der Nagelplatte begrenzt. Der Pilz (Trichophyton ist hier meistens der Auslöser) wächst ausschließlich auf der obersten Schicht des Nagels. Das Ergebnis: Der Nagel zeigt weißliche Flecken oder wirkt milchig verfärbt. Diese Variante gilt als vergleichsweise gut behandelbar.
Totale Onychodystrophie
In diesem Stadium hat der Pilz den gesamten Nagel zerstört – inklusive Nagelbett und Wurzel. Die Nagelplatte ist vollständig geschädigt, brüchig, verfärbt oder sogar komplett abgelöst. Eine Behandlung ist hier besonders langwierig und erfordert viel Geduld, manchmal bleibt nur das vollständige Entfernen des Nagels.
Ursachen
Ohne Badeschlappen barfuß unterwegs im Schwimmbad, in der Sauna oder im Duschbereich des Fitnessstudios – und schon ist es passiert: Pilze, die dort auf warm-feuchten Böden nur darauf warten, sich neue „Wirtsfüße“ zu suchen, haben leichtes Spiel. Denn sie brauchen nicht viel: eine kleine Verletzung, ein feiner Riss im Nagel oder etwas aufgeweichte Haut reichen schon, um sich einzunisten.
Verursacht wird Nagelpilz meist durch sogenannte „Dermatophyten“. Es handelt sich dabei um Pilze, die sich auf Haut, Haaren und Nägeln besonders wohlfühlen. Aber auch Hefepilze oder Schimmelpilze können die Übeltäter sein. Die Erreger dringen in den Nagel ein und vermehren sich dort, wo sie kaum gestört werden: unter der dicken Hornplatte. Besonders gern trifft es Zehennägel, weil dort oft ein feuchtwarmes Klima herrscht, durch Schuhe, Socken, Schweiß. Ein bereits bestehender Fußpilz kann ebenfalls als Eintrittspforte für eine spätere Nagelinfektion dienen.
Auch interessant: Die verschiedenen Formen von Hautpilz und ihre Symptome
Häufigkeit im Alter?
Im Alter tritt Nagelpilz häufiger auf. Studien zufolge steigt das Risiko mit zunehmendem Alter deutlich an. In der Altersgruppe über 65 Jahren wird eine Prävalenz von bis zu 50 Prozent beschrieben.3 Grund ist, dass die Durchblutung im Alter nachlässt und die Nägel langsamer wachsen. Dadurch sind sie anfälliger für eine Besiedlung des Pilzes. Hinzu kommt, dass Erkrankungen wie Diabetes oder Gefäßerkrankungen mit dem Alter zunehmen und das Immunsystem schwächen können. Auch die Fußpflege wird oft schwieriger, wenn Beweglichkeit und Sehvermögen nachlassen und so bleibt der Pilz häufig lange unentdeckt.
Diagnose
Zeigt der Nagel Verfärbungen, eine brüchige Struktur oder eine ungewöhnliche Verdickung, kann ein Pilzbefall vorliegen. Viele denken sofort an Nagelpilz und liegen damit oft richtig, aber eben nicht immer. Denn auch Schuppenflechte, Ekzeme oder Verletzungen können Nägel ähnlich verändern. Um sicherzugehen, braucht es deshalb mehr als nur den Blick auf das äußere Erscheinungsbild. Der erste Schritt führt in die dermatologische Praxis. Der Hautarzt schaut sich den betroffenen Nagel genau an und prüft typische Anzeichen wie Farbe, Beschaffenheit und Ausbreitung. In der Regel wird anschließend eine Probe des befallenen Nagelmaterials entnommen und im Labor untersucht. Je nach Methode dauert es ein paar Tage bis Wochen, bis ein Ergebnis vorliegt.
- Direktmikroskopie: Hier wird das Material unter dem Mikroskop auf Pilzstrukturen untersucht.
- Pilzkultur: Dabei wird versucht, den Erreger „anzuzüchten“, um genau herauszufinden, welche Pilzart für die Infektion verantwortlich ist.
- PCR-Test: Moderne Labore setzen auf molekulargenetische Verfahren ein, um Pilz-DNA nachzuweisen, das ist besonders präzise, aber nicht überall Standard.4
Die Identifizierung des genauen Pilzes ist wichtig, da nicht jeder Wirkstoff gegen jeden Erreger hilft. Somit wird über die Bestimmung die Grundlage für eine gezielte Behandlung gelegt.
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Behandlung
Nagelpilz ist hartnäckig, aber behandelbar. Da Nägel langsam wachsen, kann es mehrere Monate dauern, bis ein gesunder Nagel vollständig nachgewachsen ist. Entscheidend für den Therapieerfolg ist die richtige Kombination aus Wirkstoff, Geduld und konsequenter Anwendung. Ein spontanes Abklingen ohne Behandlung ist in der Regel nicht zu erwarten.
- Lokale Behandlung mit Lack oder Creme: Ist der Befall noch begrenzt, also weniger als 50 Prozent der Nagelplatte betroffen und maximal drei Nägel, dann reicht meist eine äußerliche Behandlung aus. Zum Einsatz kommen spezielle Antipilz-Lacke oder -Cremes, die regelmäßig aufgetragen werden. Vorher sollte der Nagel angeraut oder mit einer Harnstoffsalbe vorbehandelt werden, um die Wirkstoffe besser eindringen zu lassen.5,6
- Systematische Therapie mit Tabletten: Bei stärkerem oder fortgeschrittenem Befall, etwa wenn mehrere Nägel betroffen sind oder der Pilz tief ins Nagelbett vorgedrungen ist, empfehlen Fachleute eine Kombination aus äußerlicher und innerlicher Behandlung.7 Dabei werden Antipilz-Tabletten wie Terbinafin oder Itraconazol eingesetzt, die den Erreger von innen heraus bekämpfen. Die Einnahme erfolgt über mehrere Wochen bis Monate und sollte ärztlich überwacht werden, da mögliche Nebenwirkungen auftreten können.
- Lasertherapie: Eine neuere Methode ist die Lasertherapie, bei der der befallene Nagel mit Infrarotlicht bestrahlt wird. Ziel ist es, die Pilzstrukturen zu zerstören, ohne den Nagel zu schädigen. Die Wirksamkeit dieser Methode ist laut Studienlage noch nicht abschließend geklärt.8
- Hausmittel: Essig, Teebaumöl oder Natron werden oft als Hausmittel gegen Nagelpilz empfohlen. Doch ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht belegt. Sie können allenfalls unterstützend wirken, ersetzen aber keine medizinische Behandlung.
Wie kann man vorbeugen?
Dem Risiko von Nagelpilz lässt sich durch einfache Hygienemaßnahmen vorbeugen. Das fängt schon im Schwimmbad oder der Sauna an: Wer ohne Badeschlappen barfuß durch feuchte Bereiche wie Duschen oder Umkleiden läuft, erhöht das Risiko einer Ansteckung. Deshalb gilt: Nicht barfuß in öffentlichen Duschen, Umkleiden oder Spa-Bereichen unterwegs sein.
Andere Dinge, auf die Sie im Alltag achten können:
- Füße trocken halten: Nach dem Duschen gründlich abtrocknen, besonders zwischen den Zehen.
- Socken täglich wechseln: am besten aus atmungsaktiven Materialien wie Baumwolle.
- Schuhe lüften und desinfizieren: Besonders Sportschuhe regelmäßig auslüften und ggf. mit Antipilz-Spray behandeln.
- Nagelpflege: Nägel nicht zu kurz schneiden, keine scharfen Ecken oder Verletzungen am Nagelbett provozieren.
- Eigenes Werkzeug verwenden: Nagelschere, Feile und Co. sollten nur von einer Person benutzt und regelmäßig gereinigt werden.
- Immunsystem stärken: Wer gut versorgt ist, bietet dem Pilz weniger Angriffsfläche.
Und ganz wichtig: Fußpilz ernst nehmen! Denn er ist oft der Einstiegspunkt für eine Nagelinfektion. Wer Juckreiz, Rötung oder Schuppung an den Füßen bemerkt, sollte frühzeitig handeln.