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Keine Nudeln nach 18 Uhr

Machen Kohlenhydrate am Abend dick?

Freunde beim Nudeln- und Pizzaessen
Typische Kohlenhydratlieferanten sind Pasta, Pizza, Gnocchi – kurz: die leckeren Sachen, für die wir zum Italiener gehen. Sind diese jetzt (abends) verboten?
Foto: Getty Images

Zum Abendessen stehen bei mehr und mehr Menschen Low-Carb-Rezepte auf dem Speiseplan, also Gerichte, die möglichst ohne oder mit sehr wenigen Kohlenhydraten auskommen. Bloß: Warum sollte der Nahrungsbaustein nach 18 Uhr mehr ansetzen – oder gar der Gesundheit schaden – als früher am Tag? Und (wie) funktioniert die sogenannte Trennkost? FITBOOK erkundigte sich beim Experten.

Wo stecken Kohlenhydrate drin? Sind sie wirklich schlecht für die schlanke Linie, gar für den ganzen Körper – und womöglich NOCH mehr, wenn man sie am Abend verzehrt?! Das Thema ist komplex, doch glücklicherweise das Steckenpferd von Professor Nicolai Worm, Diplom-Ökotrophologe und Autor ernährungswissenschaftlicher Fachliteratur. FITBOOK stellte ihm die wichtigsten Fragen.

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Was sind eigentlich Kohlenhydrate?

Kohlenhydrate (auf Englisch „carbohydrate“, neudeutsch „Carbs“) sind ein Makronährstoff und in unserer Ernährung sehr präsent. Sie bestehen aus Zuckermolekülen, die über das Blut in die Zellen gelangen und Muskulatur und Gehirn als Treibstoff dienen. Kohlenhydrate stecken vor allem in natürlichen Produkten – etwa in Getreide und dem, was daraus hergestellt wird –, ebenso in Obst und verschiedenen Gemüsesorten. Theoretisch wären sie eher diätgeeignet als Proteine oder Fett: Kohlenhydrate haben pro Gramm vier Kalorien, während etwa Fett auf neun kommt. Trotzdem jagt Kohlenhydraten der Ruf nach, dick zu machen.

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Wieso sollte man – der Figur zuliebe – auf Kohlenhydrate verzichten?

Eine Ernährung mit Fokus auf Proteine soll mehr sättigen und es so leichter machen, insgesamt weniger (Kalorien) zu sich zu nehmen. Klassische Proteinlieferanten sind Fleisch und Fisch, ebenso Milchprodukte
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Was bedeutet Trennkost?

Trennköstler nehmen Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett getrennt zu sich, da die einzelnen Makronährstoffe dadurch weniger ansetzen sollen. Diese Theorie basiert auf einer Idee von William Howard Hay (1866 – 1940), der zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Trennkost-Konzept entwickelte. Hierbei sollten Nudeln ohne proteinreiche Begleiter wie etwa Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte oder Milchprodukte auf dem Teller landen, ebenso sind fettreiche Saucen ungeeignet. Umgekehrt wird etwa Hähnchenbrustfilet OHNE Kartoffeln, Reis oder Teigwaren, dafür mit stärkearmem Gemüse oder Salat verzehrt. Klingt eigentlich einfach. In der Praxis fällt diese Art der Ernährung manchen Menschen schwer.

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Was sind „versteckte“ Kohlenhydrate?

Fertiggerichten, in deren Herstellung viele geschmacksverstärkende – und künstliche – Zutaten zum Einsatz kommen, werden oft Zucker(-arten) beigemischt, weiß Professor Worm. Vorsicht sei insbesondere bei angeblichen „Light“-Produkten geboten: Um den von Käufern häufig befürchteten Geschmacksverlust durch eine fettreduzierte Zubereitung entgegenzuwirken, werde gerne mit einem Extra an Fruchtzucker kompensiert. Dieser wirke sich laut dem Experten genauso auf den Körper aus wie klassischer Haushaltszucker, müsse jedoch nicht als Inhaltsstoff deklariert werden. Manchmal werde auch klassischer Industriezucker verwendet, auf der Verpackung aber so verklausuliert, dass der Laie ihn nicht erkennt.

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Sind Low-Carb-Rezepte kompliziert?

Nein, findet Professor Worm. Seine Publikation „Die Flexi-Diät: Abnehmen mit mediterranem Low Carb“ widmet sich dem Thema kohlenhydratarmer Ernährung mit dem Ziel einer Gewichtsreduktion. Es enthält verschiedenste Rezepte für das Frühstück, Mittag- oder Abendessen, auch werden mögliche Snacks vorgestellt – kleine Zwischenmahlzeiten gehen also auch ohne Kohlenhydrate –, die kleinere Hungergefühle auf figurbewusste Weise stillen sollen.

Überhaupt sei es viel leichter, sich kohlenhydratreduziert zu ernähren, als man denkt: Man nehme mehr vom Proteinlieferanten der Wahl – beispielsweise dem Filetsteak oder Lachs – und dafür weniger von der stärkereichen Beilage wie Kartoffeln oder Reis.

Zucchini-Röllchen

Mit Ei gefüllte Gurken oder Zucchini-Röllchen mit Käse und Pilzen wären gleichermaßen als kohlenhydratarme Snacks gegen den kleinen Hunger geeignet
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Isst man dadurch nicht viel zu viel Fleisch?

Der Ernährungswissenschaftler würde die verbreiteten Empfehlungen, den Konsum von Fleisch auf maximal 300 Gramm pro Woche zu beschränken, nicht unterschreiben. Man dürfe man sogar täglich Rind und Co. essen, solange ein insgesamt bewusster Lebensstil eingehalten werde.

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Problematisch sei täglicher Fleisch-, aber auch Kohlenhydratekonsum für diejenigen, die an einer sogenannten Insulinintoleranz leiden – und diese ist übrigens in unserer heutigen Gesellschaft weiter verbreitet als häufig angenommen. Wie Worm erklärt, könne eine sehr zuckerreiche Ernährung in Kombination mit Übergewicht und Bewegungsmangel dazu führen, dass die Körperzellen vermindert auf das Hormon reagieren, das im menschlichen Körper für verschiedene weitere bedeutungsvolle Stoffwechselprozesse verantwortlich ist. Eine Insulinintoleranz ziehe daher nach sich, dass die Regulierung des Blutzuckerspiegels und Umwandlung von Zucker in Energie beeinträchtigt sind. Dadurch fällt der Blutzuckerspiegel ab. Betroffene sind häufiger hungrig und können an Diabetes Typ 2 erkranken. Insulinintoleranz stehe oft im Zusammenhang mit einer Fettleber.

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Soll man (insbesondere) nach 18 Uhr Kohlenhydrate meiden?

Ob man große Portionen an Teigwaren oder Reis morgens, mittags oder abends verdrückt, ändert nichts an ihrem Kaloriengehalt – oder? Der Fachmann hat hierauf leider keine endgültige Antwort. Überraschenderweise soll es im Körper aber tatsächlich eine Art innere Uhr geben. „Zu welcher Tageszeit man Kohlenhydrate isst, beeinträchtigt die Wirkung von Wachstumshormen und die Ausschüttung von Insulin, die am Abend Einfluss auf das Gewicht haben kann.“ Welchen genau – hierzu fehle (noch) eine endgültige wissenschaftliche Erklärung.

Auch wenn viele Menschen beobachtet haben wollen, dass durch Low-Carb am Abend die Pfunde purzeln – israelische Forscher konnten vor vier Jahren das exakte Gegenteil belegen. Im Rahmen einer Studie (hier der Link zum Download) durften Probanden NUR am Abend Kohlenhydrate verzehren und verzeichneten nach sechs Monaten einen bemerkenswerten Gewichtsverlust. Dieses Ergebnis könne ebenfalls nichts final beweisen. Laut Aussage von Professor Worm stütze es jedoch die Tatsache, dass der Makronährstoff als solcher gegenüber der Kalorienersparnis insgesamt eine untergeordnete Rolle spielt.

Was ist der Unterschied zwischen Low-Carb und No-Carb?

„No-Carb gibt es gar nicht“, klärt der Fachmann auf. In fast jedem Lebensmittel seien (wenn auch geringfügige) Anteile von Kohlenhydraten enthalten. Selbst eine ketogene Diät – eine streng kontrollierte Ernährungsform, bei der am Tag nicht mehr als 20 bis 50 Gramm Kohlenhydrate erlaubt sind – würde man laut Fachmann Worm als „very Low-Carb“ („sehr kohlenhydratreduziert“) bezeichnen. Zum Vergleich: „Deutsche nehmen täglich im Schnitt 300 bis 400 Gramm Kohlenhydrate auf, allem voran über Brot und Kartoffeln.“

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Steak-Dinner

Sogar die ketogene Ernährung ist nicht ganz „No-Carb“. Auch in Gemüse, das als Beilage üblich ist, sind sie enthalten. Grüner Spargel etwa besteht zu etwa 2,2 Prozent aus Kohlenhydraten
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Sind Kohlenhydrate also nicht „böse“?

Zum Glück: nein. „So lange man sich ausreichend bewegt und kein Übergewicht hat, spricht nichts dagegen, ab und zu ein Brötchen mit Marmelade zu essen.“ Wer wenig Sport treibt, sollte auf Dauer die Roggen- oder Vollkornvariante bevorzugen, aufgrund ihres niedrigeren glykämischen Index und des entsprechend moderateren Effekts auf den Blutzuckerspiegel.

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