12. März 2026, 9:46 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die Calisthenics-Athleten wirbeln den „Iron Cage“ ordentlich auf: Nach fast 24 Stunden in der Challenge liegen die beiden mit jeweils über 820.000 Kilogramm nahezu gleichauf – und an der Spitze. Der Vorsprung auf den drittplatzierten Iron Mike beträgt dabei knapp 100.000 Kilogramm. Ein frühes Ausrufezeichen setzte Coach Andy (22) gleich zu Beginn des Events: Als erster Teilnehmer knackte der Calisthenics-Athlet im „Iron Cage“ die Marke von 100.000 bewegten Kilogramm. Bemerkenswerte Leistungen – schließlich stammen beide nicht aus dem klassischen Gerätetraining, sondern aus dem Bereich des Street-Workouts. Damit rückt eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: Kann ein Calisthenics-Profi, der primär mit dem eigenen Körpergewicht trainiert, in einem Maschinen-Wettkampf wie dem „Iron Cage“ tatsächlich gegen erfahrene Geräte-Athleten bestehen – oder ihn sogar gewinnen? Dieser Frage ging FITBOOK-Autor Tony Poland zusammen mit einem Experten nach.
Auch Daniel Krobath (27) kommt aus dem Calisthenics- und Street-Workout-Bereich. Wie Andy setzt er auf Körpergewicht, Disziplin und hohe Wiederholungszahlen statt auf klassisches Studio-Training. Beide stehen damit für eine Trainingsphilosophie, die ohne Maschinen auskommt – und dennoch enorme Kraftleistungen ermöglicht.
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Warum Calisthenics-Training vorab sinnvoll war
„Sagen wir es mal so: Die Übertragbarkeit von Calisthenics-Kraft auf eine Maschine ist sicher einfacher und möglicher, als andersherum“, so Markus Bremen. Den Grund sieht der Personal Trainer vor allem in einer bestimmten Muskelgruppe, die bei Calisthenics vorrangig trainiert wird. So habe man bei diesem Bodyweight-Training viel Rumpfmuskulatur und stabilisierende Muskulatur dabei, die man für die Übungen an der Maschine im „Iron Cage“ benötige. Beziehungsweise sei es kein Fehler, dies nicht zu haben.
„Kann sein, dass der Rumpf nicht mitspielt“
Umgekehrt sieht die Sache dagegen anders aus. Heißt also: Jemand, der nur an Geräten trainiert und diese dann auch gewohnt ist, hätte bei der Umstellung auf Calisthenics seine Mühe. „Wenn man dann zum Beispiel Liegestütze machen muss, kann es schon sein, dass der Rumpf nicht mitspielt, weil er einfach nicht die Stabilität hat. Oder es könnte auch sein, dass auf neuronaler Ebene die Aktivierung nicht zustande kommt“, sagt der Fitnessexperte.
Markus Bremen schätzt, dass der mit 22 Jahren jüngste Teilnehmer im Feld beim „Iron Cage“ sicher seine Anpassungserscheinungen erfahren werde. Und: „Er wird bestimmt schon mal in der Brustpresse gewesen sein.“, so der Fachmann über Coach Andy.
Fazit des Experten
Festzuhalten bleibt also, dass der Umstieg von Calisthenics auf Gerätetraining vergleichsweise unkomplizierter ist. Grund: „Man hat die ganze Zeit einfach mehr stabilisierende Muskulatur trainiert und aktiviert, und das hilft einem dann natürlich auch bei der Maschine“, fasst Markus Bremen kurz zusammen.
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Im Vergleich: Calisthenics-Profi vs. Gym-Profi
Aufgrund der unterschiedlichen Trainingsmuster zwischen Calisthenics und Kraftsport im Fitnessstudio unterscheiden sich beide Konzepte hinsichtlich Ablauf und Trainingsziel. „Beim Calisthenics trainierst du vorwiegend mit dem eigenen Körpergewicht. Man verändert sein Training über Hebel und versucht schwierigere Varianten oder mehr Wiederholungen“, beschreibt Markus Bremen und ergänzt: „Man ist also eher im Kraft-Ausdauer-Bereich unterwegs.“
Im Gym hingegen versuche man, externe Gewichte zu erhöhen. Dies gelinge letztlich nur dann, wenn man diese auch tatsächlich steigern würde – und zwar ganz egal, ob es an der Langhantel, der Kurzhantel oder an der Maschine sei. „Es geht vor allem darum, über Gewichtssteigerung mehr Effekt zu erzielen“, weiß der Coach.
Auch das optische Körperbild unterscheidet sich beim Blick in den Spiegel. Markus Bremen vergleicht: „Wenn der Gym-Profi eine entsprechende Trainingsplanung verfolgt und sich gut ernährt, dann ist er eher der Auffälligere.“ Er wäre also breiter bzw. aufgepumpter mit mehr sichtbarer Muskulatur. „Der Calisthene zielt dagegen eher auf eine funktionelle und athletische Muskulatur ab“, so der Experte abschließend. Heißt: Er wäre insgesamt drahtiger und wohl auch etwas schmaler.
Alle Highlights von Tag 1 im Überblick
Die Kraftausdauer-Phase ist vorbei
Wer die Marke von 750.000 bewegten Kilogramm erreicht, tritt in die zweite Phase der Challenge ein. Ab diesem Punkt dürfen die Athleten an jeder Maschine nur noch zehn Wiederholungen absolvieren, bevor ein Gerätewechsel Pflicht wird. Strategien wie hunderte oder gar tausende Wiederholungen mit niedrigem Gewicht an einem einzigen Gerät gehören damit der Vergangenheit an. Damit verschiebt sich der Belastungsschwerpunkt: weg von der Kraftausdauer – also dem Arbeiten im hohen Wiederholungsbereich mit geringerer Intensität – hin zur maximalen Kraft, bei der das Nerven-Muskel-System durch schwere Lasten mit wenigen Wiederholungen stärker gefordert wird. Genau hier liegt traditionell die Stärke klassisch trainierter Gym-Athleten.
Ob den Calesthenics-Athleten diese Umstellung zum Verhängnis wird, bleibt die spannende Frage der zweiten Phase.