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„Iron Cage“-Wettbewerb von BILD

1 Mio. Kilo in 72 Stunden stemmen! Ist das überhaupt physisch machbar?

Beim iron Cage Event muss man eine millionen Kilogramm in 72 Stunden heben.
Wären Sie dieser Mammutaufgabe gewachsen? Foto: Getty Images
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9. März 2026, 20:35 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Wenn am 11. März das „Iron Cage“ seine Pforten schließt, beginnt für fünf Athleten ein Experiment an der Grenze des biologisch Möglichen. Gewonnen hat den BILD-Wettbewerb, wer als Erster eine Million Kilogramm – bewegt durch reine Muskelkraft – stemmt. Dafür haben sie mindestens 72 Stunden Zeit. FITBOOK hat bei Fitnessexperte Markus Bremen nachgefragt, ob das physisch in dieser Zeitspanne eigentlich machbar ist.

Fitnesscoach Markus Bremen
Mit fachlicher Beratung von Fitnesstrainer

Hier geht es zur Anmeldung für den „Iron Cage“-Stream bei BILD.

Die mathematische Realität

Bevor man über Biologie oder Willenskraft spricht, lohnt ein Blick auf die nackten Zahlen. Eine Million Kilogramm in 72 Stunden – das klingt toll, ist aber zunächst einmal ein Rechenproblem, wie Fitnesscoach Markus Bremen erklärt.

  • Stundenleistung: 1.000.000 kg : 72 Stunden = 13.889 kg pro Stunde.
  • Minutenleistung: 13.889 kg : 60 Minuten = 231 kg pro Minute.

Würde ein Athlet mit 20-Kilogramm-Gewichten arbeiten, müsste er theoretisch alle fünf Sekunden einen neuen Satz beginnen – ohne eine einzige Sekunde Pause, ohne Schlaf, ohne Mahlzeit und ohne dass die Muskeln vor Erschöpfung versagen. Unter solchen Bedingungen wäre das schlicht unmöglich. Doch hier liegt der Schlüssel: Die Wahl der richtigen Geräte und ein kluges Konzept können die Gleichung grundlegend verändern.

Jeder Athlet muss pro Stunde rund 13.889 Kilogramm bewegen – ganz allein. Das entspricht etwa 694 Wiederholungen mit einem 20-Kilo-Gewicht pro Stunde, also knapp zwölf pro Minute. Wählt der Athlet jedoch schwerere Maschinen wie Beinpresse oder Kabelzug, sinkt die Anzahl der nötigen Wiederholungen drastisch. Das Potenzial liegt also vor allem in der klugen Geräteauswahl.

Warum die Geräteauswahl entscheidend ist

Der wichtiger Hebel bei diesem Wettbewerb wird nicht die rohe Kraft der Athleten sein, sondern die intelligente Nutzung von Fitnessgeräten. Maschinen wie die Beinpresse erlauben es, sehr hohe Gewichte bei vergleichsweise geringer Gesamtbelastung des Körpers zu bewegen.

Ein Rechenbeispiel:

Wer an der Beinpresse 200 Kilogramm für 15 Wiederholungen schiebt, akkumuliert in einem einzigen Satz 3.000 Kilogramm. Wenn man vier solcher Sätze in einer Stunde macht, kommt man nahezu auf die notwendige Stundenleistung eines einzelnen Athleten. Hanteln, Kabelzüge und Multi-Gyms bieten ähnliche Möglichkeiten zur Maximierung des bewegten Volumens bei kontrollierbarer Intensität. Die Athleten können dabei frei kombinieren: schwere Mehrgelenksübungen für große Gewichtsvolumen, ergänzt durch leichtere, schnell ausführbare Bewegungen in Erholungsphasen. Die Trainingsplanung wird damit zur eigentlichen Disziplin für die „Iron Cage“-Athleten.

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Was der menschliche Körper über 72 Stunden aushält

Jenseits der Mathematik stellt sich die biologische Kernfrage: Was passiert mit einem menschlichen Körper, der 72 Stunden lang unter körperlicher Belastung steht? Die erste kritische Ressource ist Glykogen – der in Muskeln und Leber gespeicherte Zucker, der als primärer Energielieferant bei Kraftbelastungen dient. Diese Reserven sind nach wenigen Stunden intensiver Arbeit erschöpft und müssen kontinuierlich durch Nahrungsaufnahme aufgefüllt werden.1 Hinzu kommt die neuromuskuläre Ermüdung: Nach langen Belastungsperioden beginnt das Nervensystem, die Muskelrekrutierung zu drosseln – ein Schutzmechanismus, der unkontrollierte Schäden verhindern soll. Schlafentzug verstärkt diesen Effekt erheblich und beeinträchtigt nicht nur die Kraft, sondern auch Koordination, Reaktionsfähigkeit und Schmerztoleranz.2

Fitnessexperte Markus Bremen ordnet es klar ein: „Die Grenze der menschlichen Leistungsfähigkeit liegt bei solchen Formaten nicht primär in der Maximalkraft, sondern in der Fähigkeit, über viele Stunden hinweg Arbeit zu verrichten, ohne dass das System kollabiert. Entscheidend sind dabei Trainingserfahrung, Energiemanagement, Ermüdungsresistenz und Regeneration zwischen den Belastungsblöcken.“

Pausen, Schlaf und das Prinzip der intelligenten Krafteinteilung

Der wichtigste strategische Faktor bei diesem Challenge-Format ist nicht die Frage, wie viel Gewicht ein Athlet maximal heben kann – sondern wie gut er seine Kräfte über drei Tage allein einteilt. Kurze, bewusst geplante Ruhephasen sind dabei keine Schwäche, sondern die einzige Möglichkeit, den Körper am Laufen zu halten.

Auch kurze Schlafphasen – selbst 20 bis 30-minütige Nickerchen zwischen den Belastungsblöcken – können die kognitive und motorische Leistungsfähigkeit signifikant aufrechterhalten. Sportphysiologische Studien zu Ultraausdauersport und militärischen Ausdauerleistungen zeigen, dass fragmentierter Schlaf den totalen Leistungseinbruch erheblich verzögern kann – und damit über Erfolg oder Scheitern entscheidet.3, 4

Bremen fasst die Grundvoraussetzungen zusammen: „Physisch ist das grundsätzlich machbar – aber nur unter bestimmten Voraussetzungen: moderates Gewicht, sehr effiziente Bewegungsausführung, geplante Pausen und eine kluge Einteilung der Kräfte.“

Quellen

  1. Ivy, J. L. (2004). Regulation of Muscle Glycogen Repletion, Muscle Protein Synthesis and Repair Following Exercise. National Library of Medicine. ↩︎
  2. Fullagar, H. H., Skorski, S., Duffield, R., et al. (2015). Sleep and athletic performance: the effects of sleep loss on exercise performance, and physiological and cognitive responses to exercise. National Library of Medicine. ↩︎
  3. Poussel, M., Laroppe, J., Hurdiel, R., et al. Sleep Management Strategy and Performance in an Extreme Mountain Ultra-marathon. National Library of Medicine. ↩︎
  4. 2Attiah Alzahrani, A., Alessa, M. F., Musaad Alharbi, F., et al. (2025). Efficacy of Fatigue Countermeasures on Cognitive Performance and Operational Safety in Military Pilots: A Systematic Review. National Library of Medicine. ↩︎

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