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Nachgefragt bei der Expertin

Wie funktioniert eine Darmsanierung und wie sinnvoll ist sie?

Darmsanierung sinnvoll: Bauch mit aufgemaltem Darm
Mit einer Darmsanierung soll das Verdauungssystem unterstützt und das Immunsystem gestärkt werdenFoto: Getty Images

Den Körper entgiften, den Darm von Schlacken befreien und die Verdauung in Schwung bringen – das alles soll eine Darmkur bewirken. Doch ist eine Darmsanierung überhaupt notwendig?

Ungesunde Ernährung, hektisches Essen, unregelmäßige Verdauung: Der Darm reagiert sensibel auf unsere Lebensumstände. Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall können die Folge sein. Eine Darmsanierung, bei der Giftstoffe und schädliche Bakterien aus dem Darm gespült und durch „gute“ Bakterienstämme ersetzt werden, verspricht Besserung. Außerdem soll damit nicht nur Verdauungsproblemen entgegengewirkt, sondern auch das Immunsystem gestärkt werden. Doch ist eine Darmsanierung wirklich für jeden sinnvoll? FITBOOK hat mit einer Expertin gesprochen.

Ablauf einer Darmsanierung

Eine Darmsanierung kann in wenigen Tagen durchgeführt werden, aber auch bis zu mehreren Wochen dauern. Im Gegensatz zu einer Darmreinigung, z. B. als Maßnahme vor einer anstehenden Darmspiegelung, beinhaltet die Darmsanierung noch weitere Maßnahmen. Sie erfolgt für gewöhnlich in drei Schritten. Diese sind:

  • Reinigung
  • Gabe von Präbiotika zur Optimierung der Verdauung und zur Förderung des Wachstums nützlicher Darmbakterien
  • Gabe von Probiotika zum Wiederaufbau des Darmmikrobioms

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Reinigung

Die Entgiftungskur beginnt mit einer Reinigung. Hier sollen zunächst alle Schlacken entfernt und schädliche Bakterien aus dem Darm geschwemmt werden. Die Darmreinigung kann durch einen Einlauf oder mit Hilfe von Abführmitteln wie Glaubersalz oder Flohsamenschalen erfolgen.

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Gabe von Präbiotika

Im nächsten Schritt soll im Darm das optimale Milieu für die nützlichen Bakterienstämme hergestellt werden. Dafür wird auf eine ballaststoffreiche, präbiotische Ernährung umgestellt. Bei Präbiotika handelt es sich zumeist um nicht verdauliche Kohlenhydrate. Zu den präbiotischen Lebensmitteln zählen beispielsweise Chicorée, Pastinaken, Artischocken und Bananen. Auf zuckerhaltige Lebensmittel sowie Koffein und Alkohol sollte jedoch verzichtet werden, denn diese nähren die „falschen“ Bakterien.

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Gabe von Probiotika

Mit der Einnahme bestimmter Bakterienstämme soll das Mikrobiom nun aufgebaut werden. Dabei handelt es sich zumeist um Lakto- und Bifidobakterien. Diese stellen Milchsäure her und tragen zu einem gesunden Bakteriengleichgewicht im Darm bei. Probiotika gibt es beispielsweise in flüssiger Form oder als Kapseln. Diese beinhalten neben Bakterien oftmals auch fermentierte Frucht-, Kräuter- oder Heilpflanzenextrakte sowie Präbiotika.

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Ist eine Darmsanierung wirklich sinnvoll?

FITBOOK bat Dr. Viola Andresen, Leiterin des Palliativ- und Ernährungsteams im Israelitischen Krankenhaus in Hamburg, um ihre Einschätzung. Sie sagt: „Das ganze Gerede von Detox ist überwiegend Quatsch. Die Leute stellen sich den Darm wie ein verschlammtes Abwasserrohr vor, das man mal ordentlich durchspülen muss. Das ist nicht der Fall. Der Darm hat eine selbstreinigende Funktion. Der Darminhalt wird permanent weitergetragen, da bleibt nichts liegen, was durch eine Spülung weggeräumt werden müsste.“ Dies treffe natürlich nur auf gesunde Menschen zu.

Anders verhält es sich bei Patienten, die unter chronischen Beschwerden wie dem Reizdarm-Syndrom leiden. „Da kann eine Darmspülung, wie sie zum Beispiel als Vorbereitung für eine Darmspiegelung notwendig ist, manchen Patienten eine Linderung verschaffen, wahrscheinlich, weil dadurch das Mikrobiom verändert wird“, so die Expertin.

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Darmsanierung als Risiko

Gleichzeitig birgt der Effekt des Wegspülens aber auch eine Gefahr: „Mit Abführmaßnahmen wie Darmspülungen mit Salzlösungen spült man das Darmmikrobiom weg. Man reduziert es auf ein Minimum, damit es sich danach wieder regenerieren kann. Die Vorstellung ist, dass es nachher besser ist als vorher. Das ist leider nicht unbedingt so. Bei manchen Leuten ist es hinterher schlechter zusammengesetzt als vorher.“

Gute Bakterien für den Darm

Die Gabe von Präbiotika findet Dr. Andresen sinnvoll, auch außerhalb einer Darmsanierung: „Präbiotika sind immer gut, weil sie die Darmbakterien mit Nahrung versorgen. Allerdings finde ich es bedenklich, dass die Nahrungsmittelindustrie den Trend für sich entdeckt hat und nun überall Produkte mit zugesetzten Präbiotika bewirbt. Im Grunde erreicht man dasselbe, in dem man sich ausgewogen und vor allem ballaststoffreich ernährt.“

Das Darmmikrobiom ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Woher weiß man also, welche Bakterien nützlich für die eigene, indiviuelle Darmflora sind? „Das kann man nicht wissen. Wenn man probiotisch aktiv werden will, ist Ausprobieren angesagt“, so Dr. Andresen. „Manche Patienten sprechen sehr gut auf bestimmte probiotische Stämme an. Deshalb ist es bei Patienten zum Beispiel mit Reizdarm-Syndrom immer einen Versuch wert, das ein oder andere Probiotikum zu testen.“

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Empfehlungen für ein gesundes Darmmikrobiom

Wer unter Verdauungsbeschwerden leidet, für den ist eine Darmsanierung nicht immer sinnvoll. Schon kleine Veränderungen im Alltag können dabei helfen, das Verdauungssystem zu entlasten. „Das sind ganz banale Dinge, wie sich Zeit nehmen und bewusst Mahlzeiten zu sich nehmen. Manchmal wird einfach nur Kohlensäure schlecht vertragen. Es gibt auch ein paar Reizstoffe: Zwiebeln und Knoblauch werden zum Beispiel nicht gut vertragen“, so Dr. Andresen.

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Wichtig sei vor allem, ein normales Verhältnis zum Essen und zur Ernährung aufzubauen. „Auch Pausen zwischen den Mahlzeiten sind wichtig. Der Magen-Darm-Trakt ist auf einen Rhythmus von Mahlzeit und Fastenzeit eingestellt. Da gibt es ganz bestimmte neurologische und motorische Abfolgen. Wenn man permanent isst, ist der Magen-Darm-Trakt immer im Essensmodus und kann wichtige Aufgaben, wie die Spülfunktion, die normalerweise im Fastenzeitraum stattfindet, nicht durchführen. Das kann einiges aus dem Takt bringen. Das ist in unserer Gesellschaft oft ein Problem. Es gibt viele Leute, die zwar ständig am Essen sind, sich aber nie so richtig Zeit dafür nehmen.“ Auch mit Bewegung, wie dem klassischen Verdauungsspaziergang, kann dem Magen-Darm-Trakt Gutes getan werden.

Quellen

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