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Studie mit 160 Methusalems

Forscher finden besonderes Bakterium in der Darmflora von 100-Jährigen

Alter japanischer Mann mit Bart
Japanische Forscher fanden im Mikrobiom von Menschen, die 100 Jahre und älter sind, ein besonderes Darmbakterium. Ist dieses für das hohe Lebensalter verantwortlich?Foto: Getty Images

Warum erreichen einige Menschen ein dreistelliges Alter und andere nicht? Die Antwort könnte einer neuen Studie zufolge am Mikrobiom liegen. Japanische Forscher entdeckten jetzt bei über 100-jährigen Frauen und Männern ein spezielles Darmbakterium, welches womöglich vor zahlreichen altersbedingten Krankheiten schützt und damit für ein langes Leben sorgt.

Das Geheimnis der über 100-Jährigen liegt in ihrem Darm. Sie verdanken ihr Alter nämlich womöglich einem speziellen Darmbakterium. Dies vermuten jetzt japanische Forscher der Kaio University of Medicine (Tokio), welche im Rahmen einer neuen Studie bei besonders langlebigen Menschen eine herausragende Gesundheit festgestellt hatten. Diese scheinen auf wundersame Weise vor zahlreichen chronischen Krankheiten geschützt zu sein. Darunter auch Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Diabetes und Krebs.

Mikrobiom von 160 Methusalems untersucht

Die Wissenschaftler analysierten Stuhlproben von 160 Erwachsenen mit einem stolzen Durchschnittsalter von 107 Jahren. Diese verglichen sie mit Proben von weiteren 112 Männern und Frauen zwischen 85 und 89 Jahren sowie einer weiteren Gruppe von 47 Personen im Alter von 21 bis 55 Jahren. Dabei entdeckten die Forscher, dass die über 100-Jährigen ein ganz spezielles Darmbakterium aufwiesen, welches sogenannte sekundäre Gallensäuren produziert. Dieses Bakterium war in der Menge bei den jüngeren Probanden nicht vorhanden. Die Forscher vermuten, dass genau jenes Gallensäure produzierende Bakterium für eine bessere Immunabwehr sorgt. So sei auch der Darm vor Infektionen geschützt, heißt es in der im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichen Studie.1

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Wie das Darmbakterium bei den über 100-Jährigen Erreger abtötet

Um der Rolle des noch rätselhaften Darmbakteriums weiter auf die Spur zu kommen, behandelten die Forscher im Labor bestimmte Krankheitserreger mit den sekundären Gallensäuren, welche bei den über 100-Jährigen vermehrt gefunden worden waren. Dabei entdeckten sie, dass ein in den sekundären Gallensäuren vorkommendes Molekül namens isoalloLCA unter anderem das Wachstum von Clostridioides difficile hemmt. C. difficile ist eines der häufigsten Krankenhauskeime, welches schweren Durchfall und Darmentzündungen verursacht und obendrein antibiotikaresistent ist. Nachdem infizierte Mäuse mit isoalloLCA behandelt wurden, linderten sich ihre Symptome ebenfalls signifikant. Die Forscher schließen daraus, dass das Darmbakterium der Greise für einen hohen Spiegel des besagten „heilenden Moleküls“ sorgt, welches dementsprechend zur Gesundheit und damit zur außergewöhnlichen Langlebigkeit beiträgt.

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Woher kommt das Darmbakterium der 100-Jährigen?

Was dafür sorgte, dass sich die besonderen Bakterien im Darm der rüstigen Menschen ansiedelten, ist bislang unklar. So müsse weiter erforscht werden, ob es genetische Ursachen hat oder vielleicht doch hauptsächlich an der Ernährung liegt. So kommen in Japan – wo die Bevölkerung bekanntlich überdurchschnittlich alt wird – nahezu täglich fermentierte Lebensmittel auf den Tisch. Neuesten Studien zufolge, reduzieren Joghurt, Kimchi, Kombucha und Sauerkraut entzündliche Proteine im Darm, während sie gleichzeitig die Vielfalt gesunder Bakterien im Darm erhöhen. FITBOOK berichtete.

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Für Studienautor Ramnik Xavier steht jedenfalls fest, dass er und sein Team auf eine heiße Spur in Sachen Gesundheit und Langlebigkeit gestoßen sind. So erklärt der Wissenschaftler in einer Pressemitteilung: „Eine einzigartige Kohorte, internationale Zusammenarbeit, Computeranalysen und experimentelle Mikrobiologie haben gemeinsam die Entdeckung ermöglicht, dass das Darmmikrobiom die Schlüssel für ein gesundes Altern enthält.“2 Vielleicht, so hofft er, fänden sich dadurch schon bald neue therapeutische Ansätze, welche die allgemeine Lebenserwartung auf gesunde Weise weiter erhöhen könnten.

Quellen