5. März 2026, 4:04 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Antihistaminikum eingeworfen – und trotzdem läuft die Nase? Dann lohnt sich ein Blick auf den Speiseplan. Denn einige Lebensmittel treiben die Histaminausschüttung zusätzlich an, während andere allergische Reaktionen abmildern können. FITBOOK-Expertin Beke Enderstein erklärt, was Pollenallergiker jetzt essen sollten – und was lieber nicht. Einen praktischen Zubereitungstipp hat sie auch parat.
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Schnellüberblick: Diese Lebensmittel bei Heuschnupfen besser meiden
Histamin aus Lebensmitteln kann die Beschwerden verstärken. Folgende Nahrungsmittel sollten daher bei akuten Allergiebeschwerden – und gegebenenfalls auch vorbeugend – nicht oder nur in Maßen gegessen werden:
- Geräucherter Aufschnitt, Wurst und Schinken
- Reife Käsesorten, z. B. Parmesan oder alter Gouda
- Geräucherter Fisch, Fischkonserven und Meeresfrüchte
- Gemüse: Aubergine, Spinat und Tomaten
- Avocado
- Sauerkraut
- Weichkäse und Schmelzkäse (z. B. Brie und Camembert)
- Pilze (Steinpilze und Champignons)
- Obst: Erdbeeren, Himbeeren, Birnen, Zitrusfrüchte*
- Südfrüchte: Banane, Ananas, Kiwi, Papaya, Guave
- Hülsenfrüchte und Nüsse (auch Sojaprodukte wie Tofu)
- Alkohol**
- frische (noch warme) Backwaren
- Hefe und Essig
- Kakao und dunkle Schokolade
- Marmelade, Erdnusscreme
- schwarzer Tee und Mate
- Marzipan und Nougat
- Lakritz
*v. a. reifes Obst
**v. a. obergärige Biere (z. B. Kölsch), Rotwein und Sekt
Warum Essen bei Heuschnupfen überhaupt eine Rolle spielt
Heuschnupfen ist eine fehlgeleitete Immunreaktion auf eigentlich harmlose Pollen. Sobald diese jedoch auf die Schleimhäute von Nase oder Augen gelangen, stuft das Immunsystem sie fälschlicherweise als Bedrohung ein, woraufhin es spezifische IgE-Antikörper bildet. Kommt es anschließend erneut zum Kontakt mit den Pollen, binden diese Antikörper an sogenannte Mastzellen – also Immunzellen, die dann den Botenstoff Histamin ausschütten.
Histamin ist maßgeblich für die typischen Beschwerden verantwortlich: Es erweitert die Blutgefäße, erhöht die Durchlässigkeit der Gefäßwände und fördert Entzündungsreaktionen. Die Folge sind geschwollene Schleimhäute, eine laufende oder verstopfte Nase, Juckreiz und tränende Augen.
Genau hier setzen Antihistaminika an: Sie blockieren die Histamin-Rezeptoren und schwächen so die Symptome ab. Alternativ oder zusätzlich zur medikamentösen Therapie ist es natürlich sinnvoll, während der Pollensaison histaminreiche Lebensmittel zu meiden. Wer zusätzlich viel Histamin über die Ernährung aufnimmt, kann Symptome verstärken.
7 Tipps für eine histaminarme Ernährung im Alltag
- Frische Lebensmittel bevorzugen*
- Histaminreiche Nahrungsmittel meiden (siehe Liste)
- Auf konservierte und fermentierte Lebensmittel verzichten
- Naturbelassen essen
- Auf lang gereifte Produkte verzichten
- Individuelle Toleranzen herausfinden
- Ernährungstagebuch führen (Wann sind die Beschwerden ausgeprägt?)
*Lebensmittel möglichst direkt verbrauchen und nicht lange lagern
Auch interessant: Was ist eine Histaminintoleranz?
Diese Lebensmittel sind bei Heuschnupfen verträglicher
Da eine komplett histaminfreie Ernährung nicht möglich ist, sollte der Ernährungsplan bei allergischen Beschwerden aus histaminarmen Nahrungsmitteln bestehen. Übersicht:
- Salat
- Frischkäse und Quark
- junger Gouda, Butterkäse
- Hefefreie Backwaren
- Kartoffeln
- Mais, Reis
- frischer Fisch
- Gemüse*
- Obst: Apfel, Aprikose, Pfirsich, Melone, Mango, Sauerkirschen, Brombeeren**
- Kokosnuss, Macadamia und Maronen
- geringe Mengen an Weißwein und untergärige Biersorten (z. B. Pils)
*außer die oben genannten histaminreichen Gemüsesorten
**Kern- und Steinobst für Birkenpollenallergiker nicht geeignet
60 Prozent entwickeln eine Kreuzallergie
Laut Deutschem Allergie- und Asthmabund entwickeln 60 Prozent der Heuschnupfenpatienten zudem eine Kreuzallergie, Birkenpollenallergiker sind besonders betroffen.1 Dadurch zeigen Allergiker nach dem Verzehr spezieller Lebensmittel – beispielsweise Apfel oder Möhre – ähnliche Allergiesymptome wie nach dem Kontakt mit Pollen.
Beispiele von Kreuzallergien bei Pollenallergikern
- Birkenpollen: Nüsse, Kern- und Steinobst (z. B. Äpfel, Kirschen oder Pflaumen), Soja
- Gräserpollen: Tomaten, Getreide und Hülsenfrüchte
- Kräuterpollen: Gewürze, Möhren, Tomaten, Gurken, Paprika, Sellerie, Artischocken, Knoblauch, Kamille
Bei der modernen Ernährungstherapie bei Allergien lautet die Devise: Nicht präventiv auf Lieblingsgerichte verzichten, weil sie potenziell unverträglich sind bzw. zu den möglichen Triggern gehören. Während beispielsweise Personen mit Zöliakie ihr Leben lang selbst Spuren von Gluten meiden müssen, sollten bei Heuschnupfen individuelle Verträglichkeiten zunächst ausgetestet werden.
Erst bei festgestellter Intoleranz sollten bekannte Allergene gemieden werden. Außerdem ist es sinnvoll, die Toleranz gegenüber verträglichen Lebensmitteln aufrechtzuerhalten, indem regelmäßig ein bunter Mix aus nährstoffreichem Obst, Gemüse und Salat serviert wird. Häufig diagnostizieren Allergologen eine Kreuzallergie bei Birkenpollen-Allergikern. Doch auch bei einer Gräser- und einer Kräuterpollen-Allergie auf Beifuß treten kreuzallergische Reaktionen auf.1
Mein Zubereitungs-Tipp: Auch die Hitzeeinwirkung beim Kochen, Dünsten oder Backen spielt eine Rolle bei der Intensität einer allergischen Reaktion. Beispielsweise wird ein gedünsteter Apfel eher vertragen als das entsprechende Raw Food. Auch Nüsse führen seltener zu Beschwerden, wenn sie als Kuchen gegessen werden.
Kreuzallergie – wer auf Pollen reagiert, tut es womöglich auch auf Lebensmittel
Auch bei gekochten Karotten ist eine allergische Reaktion möglich
Verstärkungsfaktoren – was Symptome zusätzlich verschlimmern kann
Neben histaminreichem Essen gibt es weitere Lebensmittel und Faktoren, die Symptome einer Pollenallergie verstärken. Diese Verstärkungsfaktoren sind von Person zu Person unterschiedlich. Allerdings hängt die Sensibilität und die Intensität des Körpers, allergisch zu reagieren, auch von physiologischen und psychologischen Einflussfaktoren ab. Mögliche Verstärkungsfaktoren sind:
- Alkohol
- Zigarettenrauch (auch Passivrauch)
- intensive körperliche Aktivität
- Fast Food und Fertiggerichte (Zusatzstoffe)
- psychische Belastungen (Stress, Burnout)
- Duftstoffe (z. B. Kerzen)
- bestimmte Medikamente
- Weizen bzw. Gluten* (nicht evidenzbasiert)
*v. a. aus Sicht der Alternativmedizin, die bei Allergien und Autoimmunerkrankungen häufig den Verzicht auf Weizenprodukte und glutenhaltige Lebensmittel empfiehlt
Was wirklich helfen kann: Antientzündliche Pflanzenkost
Zahlreiche regionale Obst- und Gemüsesorten liefern eine Extraportion Antioxidantien. Diese kleinen Wirkstoffe entfalten nach dem Verzehr entzündungshemmende, antiallergische und weitere zellschützende Effekte. Der Nachhaltigkeit zuliebe müssen es daher nicht immer Acai, Goji oder sonstige kostspielige Exoten vom anderen Ende der Welt sein.2
Antioxidantien gegen Entzündung
- Äpfel: Aufgrund ihres hohen Gehalts an Quercetin gelten Äpfel als antiallergisches Superfood. Ihr Inhaltsstoff Quercetin besitzt eine ähnliche Wirkung wie Antihistaminika. Achtung: Bei Birkenpollen-Allergikern kann allerdings eine Kreuzallergie bestehen.
- Brokkoli: Der Kohl ist reich an Vitamin C. Seine antioxidativen Senfölglykoside lindern zudem entzündliche Atemwegsbeschwerden.
- Salat und grünes Blattgemüse: Feldsalat und Co. sind reich an Carotinoiden und sekundären Pflanzenstoffen. Als Zellschutz-Wirkstoffe lindert dieses grüne Superfood Entzündungen und dadurch verursachte Gewebe- und Zellschädigungen. Auch die Intensität von Heuschnupfen kann herabgesetzt werden. Vorsicht: Spinat ist reich an Histamin!
- Beeren, Holunder, Sanddorn: Der Mix aus antioxidativen Vitaminen wie Vitamin C, zahlreichen sekundären Pflanzenstoffen wie Flavonoiden in Blaubeeren, Himbeeren oder schwarzen Johannisbeeren wirkt ebenfalls entzündungshemmend.
- Ingwer: Die Knolle liefert eine Extraportion Vitamin C und hilft, die Histaminausschüttung bzw. die akute Entzündungsreaktion bei Heuschnupfen zu regulieren.
- Petersilie: Das beliebte Küchenkraut blockiert die Ausschüttung von Histamin bei Pollenbelastung.
- Thymian: Die antimikrobielle und schleimlösende Wirkung (z. B. als Tee) der ätherischen Öle von Thymian kann Allergiesymptome lindern.
- Zwiebeln: Genau wie Äpfel liefern Zwiebeln eine Extraportion Quercetin mit antihistaminerger Wirkung.