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US-Forscher warnt

Biss einer bestimmten Zeckenart kann Fleischallergie auslösen

Zeckenbiss Fleischallergie: Gemeiner Holzbock
Der Gemeine Holzbock kommt auch in Deutschland und Österreich vor.Foto: Getty Images

Klingt unglaublich und doch nehmen die dokumentierten Fälle zu: Der Zeckenbiss einer bestimmten Art kann eine heftige Fleischallergie auslösen. Betroffene sind vermutlich für den Rest ihres Lebens gezwungen, Vegetarier zu bleiben.

Mit dem Frühling kommen auch die Zecken zurück. Der US-Allergologe Dr. Arnaldo Perez von der Cleveland Clinic nimmt die neue Jahreszeit zum Anlass, um auf ein noch nicht lange bekanntes Phänomen aufmerksam zu machen: Ein Zeckenbiss, der das Potenzial hat, eine handfeste Fleischallergie auslösen. Wen das Alpha-Gal-Syndrom (AGS) erwischt hat, muss vermutlich zeit seines Lebens auf rotes Fleisch und Milchprodukte verzichten.

Durch Zeckenbiss ausgelöste Fleischallergie erst seit 2007 bekannt

Erst ein üppiges Steak und drei Stunden später Atemnot und Hautausschlag. Dass diese heftige Reaktion etwas mit einer Zecke zu tun haben könnte, ist der Medizin gerade mal seit 2007 bekannt. Und zunächst blieb die Fleischallergie im Reich der Kuriositäten: „Im Jahr 2009 wurden in den Vereinigten Staaten nur 24 Fälle gemeldet“, erklärt Allergie-Experte Perez in seinem Bericht.1 Doch das sollte sich schnell ändern. 2018 stieg die Zahl auf über 34.000 Fälle. Mittlerweile ist das Phänomen auch in Europa angekommen. „Wir schätzen, dass es in Österreich jährlich etwa 100 derartige Fälle von Patienten über 50 Jahren mit erworbener Fleischallergie gibt. Sie tritt also deutlich häufiger auf als angenommen“, schreibt 2019 das österreichische Ärzteblatt.2

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Wie das Alpha-Gal-Syndrom Fleisch zu Gift für den Körper werden lässt

Das Alpha-Gal-Syndrom ist eine schwere Allergie gegen ein Zuckermolekül namens Galactose-Alpha-1, 3-Galactos. „Dieses kommt in den Zellen der allermeisten Säugetiere vor“, erklärt Perez weiter. Wenn also eine Zecke sich zuvor bereits an einer Kuh vergangen hat, trägt es Alpha Gal in sich. Beißt diese Zecke dann einen Menschen, kann der Biss eine allergische Reaktion seines Immunsystems auslösen. Dadurch produziert der Organismus – sobald ein Produkt verzehrt wird, das von einem Säugetier stammt – Alpha-Gal-Antikörper. Das betrifft nicht nur Fleisch, sondern auch Gelatine, Schmalz, Milch und Milchprodukte.

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Unerklärliche Symptome? Vielleicht ist es eine Fleischallergie

„Zeckenbisse sind ein ungewöhnlicher Weg, um auf eine Substanz allergisch zu werden“, findet auch der Experte. „Wir haben es mit einer neuen Entdeckung zu tun, die noch vergleichsweise selten ist. Und doch sollte man sie in Betracht ziehen, wenn man unerklärliche allergische Reaktionen hat.“

Zu den Symptomen einer Fleischallergie gehören:

  • Hautausschläge
  • Magen-Darm-Probleme, wie Sodbrennen, starke Bauchschmerzen oder Durchfall
  • Schwierigkeiten beim Atmen
  • Schwellung der Lippen, des Rachens oder der Zunge

Das Tückische: Die meisten Reaktionen treten drei bis sechs Stunden nach der fleischlastigen Mahlzeit auf. „Diese Verzögerung macht es so schwierig, einen direkten Zusammenhang herzustellen“, so Perez.

Welche Zeckenbisse eine Fleischallergie auslösen können

Mit dem Bekanntwerden von AGS hat man in den USA die Schuldige schnell gefunden. Die sogenannte Lone-Star-Zecke oder Einzelsternzecke scheint in den Vereinigten Staaten die Hauptquelle zu sein. Besagte Zecke ist seit Langem in den südöstlichen Staaten zu Hause, aber ihr Verbreitungsgebiet hat sich auf den Mittleren Westen und Nordosten ausgeweitet. Doch allem Anschein nach braucht es für eine Fleischallergie gar nicht unbedingt den Zeckenbiss einer Lone-Star-Zecke. Wie die Ärztezeitung weiter berichtet, steht der Gemeine Holzbock, welcher in Deutschland und Österreich heimisch ist, unter dringendem Verdacht, ebenfalls AGS auslösen zu können.

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Für die Fleischallergie gibt es keine Heilung

Bislang müssen Betroffene wohl oder übel mit ihrer Fleischallergie leben, betont auch Perez. „Die No-No-Liste beginnt mit Fleisch von Säugetieren. Dazu gehören Rind-, Schweine-, Lamm- und Wildfleisch.“ Kleiner Trost: Geflügel und Fisch enthalten kein Alpha-Gal und können weiter gegessen werden. Wer dieses Schicksal um jeden Preis verhindern will, dem rät der Experte zu absoluter Vorsicht bei Streifzügen durch die Natur: „Tragen Sie Kleidung, die Ihre Haut vollständig bedeckt. Stecken Sie die Hosenbeine in die Socken und verwenden Sie Zecken-Abwehrsprays.“

Quellen