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Wissenschaftler warnen

Ernste Erkrankungen, die durch ketogene Ernährung hervorgerufen werden können

Ketogene Ernährung womöglich schuld an Erkrankungen: Typischen Keto-Gericht mit Rindfleisch, Brokkoli-Reis und Eiern
Mediziner und Ernährungswissenschaftler warnen, dass die ketogene Ernährung ernsthafte Erkrankungen verursachen kannFoto: Getty Images

Ketogene Ernährung erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Doch ist die Ernährungsform, die auf einem sehr geringen Kohlenhydrat-, moderaten Protein- und hohen Fett-Anteil der Nahrung basiert, womöglich gefährlich? Wissenschaftler warnen jetzt vor ernsthaften gesundheitlichen Schäden durch die „Keto-Diät“.

Low Carb und „Keto“ im Speziellen scheinen derzeit wahrhaftig in aller Munde zu sein. Auch ich habe sie ausprobiert und bei FITBOOK von meinen Erfahrungen berichtet. Der Ernährungsform wird nachgesagt, beim Abnehmen zu helfen, mehr Energie zu verleihen und gesundheitsfördernd zu sein. Doch genau an diesem letzten Punkt widersprechen nun Mediziner und Ernährungswissenschaftler aus den USA und Kanada. Sie warnen, dass die ketogene Ernährung schwerwiegende Erkrankungen auslösen könne – und stützen sie sich dabei auf die Auswertung von 123 Studien.

Die Qualität der ketogenen Ernährung

In ihrem Paper, das sie in dem Fachmagazin „Frontiers in Nutrition“ veröffentlichten, setzte sich das Team aus sieben Wissenschaftlern ganz genau mit der „Keto-Diät“ auseinander.1 Dabei betonen sie, dass die Qualität der Ernährung leiden kann, wenn man die Kohlenhydrate stark einschränkt. Denn bei der „Keto-Diät“ wird zumeist der Verzehr von Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten eingeschränkt, während der Konsum von tierischen Produkten erhöht wird. So enthält eine kohlenhydratarme Ernährung oft wenig Thiamin, Folat, Vitamin A, Vitamin E, Vitamin B6, Kalzium, Magnesium, Eisen und Kalium. Damit besteht die Gefahr eines Nährstoffmangels, weil dem Körper wichtige Vitamine, Mineralien, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe fehlen. Auch für den Darm scheint die ketogene Ernährung laut der Analyse der Mediziner und Ernährungswissenschaftler nicht von Vorteil zu sein.

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Welche Erkrankungen kann die ketogene Ernährung auslösen?

Aufgrund der erwähnten Auswirkungen auf den Nährstoffhaushalt des Körpers ist die „Keto-Diät“ laut den Forschenden nicht gut für die Gesundheit. Auch wenn die ketogene Ernährung – wie entsprechende, ausgewertete Daten zeigen – kurzfristig gegen die Symptome von Epilepsie zu helfen scheint und zudem Fettleibigkeit vorbeugen kann, überwiegen auf Dauer offenbar die Risiken für ernsthafte Erkrankungen. Die Autoren des Fachartikels stellten fest, dass die kohlenhydratarme Ernährungsform Herz- und Nierenerkrankungen genauso fördern wie Diabetes, Krebs und Alzheimer.

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Ketogene Diät und Diabetes

Bei Diabetes scheint sich die ketogene Ernährung zunächst positiv auszuwirken. So zeigen die analysierten Untersuchungen, dass sie die Blutzuckerwerte senkt. Dies wird darauf zurückgeführt, dass sich ketogen ernährende Personen oft an Gewicht verlieren. Der vorteilhafte Effekt auf den Blutzucker zeigt sich zwar in den ersten Monaten der Ernährungsumstellung, nimmt aber mit der Zeit wieder ab. Zusätzlich scheint die „Keto-Diät“ die Glukosetoleranz zu beeinträchtigen und Entzündungsmarker im Körper zu erhöhen. Der Grund könnte in den Grundnahrungsmitteln der Ernährungsform liegen: Konzentrierte Fette, Fleisch, Geflügel, Fisch, Eier und Käse werden mit einem erhöhten Diabetesrisiko in Verbindung gebracht.

Ketogene Ernährung und Krebs

Was den Zusammenhang von ketogener Ernährung und Krebserkrankungen angeht, fehlen aktuell noch langfristige Daten. Allerdings betonen die Wissenschaftler in ihrer Arbeit, dass der verstärkte Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung stehe. Krebshemmende Lebensmittel, wie Vollkorngetreide und Obst, seien dagegen kaum oder gar nicht Teil der „Keto-Diät“.

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Ketogene Ernährung und Alzheimer

Auch beim Thema Alzheimer scheint die ketogene Ernährung eher auf die falschen Lebensmittel zu setzen. Fleisch, Eier, fettreiche Milchprodukte wie Butter und Käse – sie gehören typischerweise alle zu der Ernährungsform und werden auf Grundlage der aktuellen Studienlage mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko in Verbindung gebracht.

Interessant ist jedoch, dass die ketogene Ernährung bei bereits an Alzheimer erkrankten Menschen kurzfristige Verbesserungen der Symptome bewirken kann. Allerdings hält dieser positive Effekt laut Studien nur kurzfristig an.

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Ketogene Ernährung und Herzgesundheit

Wer Gewicht verliert, tut seiner Gesundheit eigentlich etwas Gutes – gerade auch im Hinblick auf sein Herz. Allerdings zeigen eine Reihe von Forschungen, die die Wissenschaftler für das Paper auswerteten, dass dieser Effekt bei einer kohlenhydratarmen Ernährung leider nicht auftritt. Zwar hilft sie beim Abnehmen, wirkt sich aber sowohl kurz- als auch langfristig negativ auf das Cholesterin aus. Mit dem Ergebnis, dass sich das Risiko für Herzerkrankungen erhöht.

Ketogene Ernährung und Nierenerkrankungen

Während die „Keto-Diät“ in der Medizin durchaus gezielt zur Behandlung von Epilepsie zum Einsatz kommt, zeigte sich gleichzeitig ein weiterer negativer Effekt. Sie führte häufig zur Entwicklung von Nierensteinen, was die Wissenschaftler auf den Verzehr fettreicher, tierischer Lebensmittel zurückführen. Auch eine chronische Nierenerkrankung könnte genau durch dieses Essverhalten gefördert werden, warnen die Forschenden.

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Ketogene Ernährung vor und während einer Schwangerschaft

Zu guter Letzt warnt das Forschungsteam auch davor, sich vor oder während einer Schwangerschaft ketogen zu ernähren. So habe die Auswertung von Studien ergeben, dass sie das Risiko für Geburtsfehler und für Schwangerschaftsdiabetes erhöhen kann.

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Fazit: Zu viel Fleisch macht die „Keto-Diät“ ungesund

Ob in der Schwangerschaft oder mit Blick auf die Vermeidung ernsthafter Erkrankungen – besonders kritisch an der ketogenen Ernährung scheint der hohe Fleischkonsum zu sein. Denn viele der beschriebenen negativen Effekte zeigten sich nicht bei Personen, die zwar auf Kohlenhydrate verzichteten, zugleich aber überwiegend pflanzliche Lebensmittel aßen.

Quelle