Guter Schlaf ist wichtig für die Gesundheit, aber keine Selbstverständlichkeit. Wenn man schlecht schläft, können unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen. Herauszufinden, wo im Einzelfall die Ursache liegt, ist von Bedeutung, um die Schlafstörung entsprechend behandeln zu können. Eine solche Stellschraube ist laut Forschern die körperliche Fitness.
Schlafstörungen sind längst zu einer Volkskrankheit geworden. In Deutschland fühlen sich rund 80 Prozent der Erwachsenen davon betroffen, 20 Prozent leiden demnach unter schwerwiegenden Ein- oder Durchschlafproblemen. Dies geht aus dem Gesundheitsreport einer großen deutschen Krankenkasse hervor.1 In anderen Ländern ist die Lage ähnlich. Manchen Betroffenen helfen gegen ihre Beschwerden nur noch schlaffördernde Medikamente. Doch besser ist es, Schlafstörungen natürlich – also ohne Tabletten – zu behandeln. Eine Methode ist, regelmäßig und ausreichend Sport zu machen. Forscher aus Norwegen konnten in einer Studie jetzt zeigen, dass es dabei aber nicht nur auf die Bewegung ankommt, sondern auf das körperliche Fitnesslevel.
Übersicht
Wie hängen körperliche Fitness und Schlaf zusammen?
Forschende der Norwegian University of Science and Technology wollten wissen, ob es einen Zusammenhang zwischen der körperlichen Fitness und gutem bzw. schlechtem Schlaf gibt. Dafür zogen sie die norwegische Langzeitstudie Trøndelag Health Survey (HUNT) heran, an der seit ihrem Start im Jahr 1984 etwa 240.000 Menschen teilgenommen haben. Für ihr Projekt studierten die Wissenschaftler 34.357 Probanden der dritten Runde der HUNT-Langzeitstudie. Diese waren im Durchschnitt 51 Jahre alt, zwischen 2006 und 2008 rekrutiert und etwa zehn Jahre beobachtet worden.

Ablauf der Studie
Auf die Daten dieser Personen wendeten die Wissenschaftler einen speziellen Algorithmus an, um die körperliche Fitness, genauer die kardiorespiratorische Fitness, der Probanden zu ermitteln. Schließlich zogen die Forscher auch noch Informationen aus der National Norwegian Prescription Database heran. Auf diese Weise konnten sie Rückschlüsse über den Gebrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten ziehen. Anhand der Anzahl der verschriebenen Schlafmedikamente erfassten die Studienverantwortlichen, welche und wie viele Personen Schlafstörungen entwickelten.2 Die Bestimmung von Schlafbeschwerden beruhte damit also auf ärztlichen Diagnosen und nicht auf Selbstauskünften der Probanden.
Was ist die kardiorespiratorische Fitness?
Sportbegeisterten Menschen ist die Maßeinheit VO₂max sicher schon einmal begegnet. Der VO₂max-Wert kommt oft zum Ermitteln der Laufleistungsfähigkeit zum Einsatz und sagt etwas über die kardiorespiratorische Fitness aus.3 Eine andere Bezeichnung für die kardiorespiratorsiche Fitness ist „allgemeine dynamische aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit“. Sie gilt als wichtiger Gesundheitsmarker, weil sie anzeigt, wie gut Atmung und Blutkreislauf den Körper mit Sauerstoff versorgen. Gut ist sie, wenn Lunge, Herz, Gefäße und Muskulatur ideal zusammenarbeiten.4,5
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Bessere körperliche Fitness senkt offenbar das Risiko für Schlafstörungen
„Fast 5800 Probanden erhielten während des Studienzeitraums ihr erstes Rezept für ein Schlafmittel“, erklärt die an der Studie beteiligte Professorin Linda Ernstsen in einer Pressemitteilung.6 17 Prozent der Studienteilnehmer entwickelten also so starke Schlafstörungen, dass ihr Arzt ihnen ein Medikament verschrieb.
Die weitere Analyse der Wissenschaftler ergab auch, welche Rolle die körperliche Fitness zu spielen scheint. Denn die Probanden, die am fittesten waren, brauchten am wenigsten Schlafmittel. Körperliche Fitness, so interpretieren die Forscher, scheint also ein Faktor zu sein, der den Schlaf positiv – oder falls die Fitness nicht so gut ist, negativ – beeinflussen kann. Wobei dieser Effekt bei Männern etwas stärker zu sein scheint als bei Frauen. So hatte der fitteste Mann, der an der Studie teilnahm, ein 15 Prozent verringertes Risiko für Schlafstörungen, die so schwerwiegend sind, dass ein Schlafmittel benötigt wird.
„Das entsprechende prozentuale Risiko für die fittesten Frauen war viel geringer. Aber auch Frauen, die Probleme mit dem Schlaf haben, können davon profitieren, wenn sie besser in Form kommen“, erläutert Ernstsen. „Unsere Ergebnisse unterstützen die Idee, dass die Verbesserung oder Aufrechterhaltung der Fitness eine wirksame Alternative sein kann, um Schlafproblemen vorzubeugen.“
Aktuelle Artikel
Schlafstörungen natürlich behandeln – durch das passende Training
Wer unter Schlafproblemen leidet, kann sich also schon damit behelfen, dass er etwas für seine körperliche – genauer: kardiorespiratorische – Fitness tut. Generell ist jede Bewegung besser als keine. Aber am effektivsten für die Erhaltung oder Verbesserung der kardiorespiratorischen Fitness ist laut Forschungserkenntnissen ausdauerorientiertes Training, das mindestens ein Fünftel der Skelettmuskulatur beansprucht. Dazu zählen Sportarten wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen.7 Sie können also natürliche Wege sein, Schlafstörungen vorzubeugen oder sie zu behandeln, falls schon welche vorhanden sind.
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Quellen
- 1. DAK-Gesundheitsreport 2017. Müdes Deutschland: Schlafstörungen steigen deutlich an (aufgerufen am 7.12.2022)
- 2. Ernstsen, L., Zotcheca, E. Sui, X. et al. (2022). Association Between Cardiorespiratory Fitness and Incident Purchase of Hypnotic Drugs in Adults: The HUNT Study. Mayo Clinic Proceedings.
- 3. Runner’s World. Die VO₂max als Indikator für allgemeine Gesundheit. (aufgerufen am 7.12.2022)
- 4. medizinarium.de. Warum die kardiorespiratorische Fitness so wichtig ist. (aufgerufen am 7.12.2022)
- 5. zeitschrift-sportmedizin.de. Kardiorespiratorische Fitness – richtig erfasst, interpretiert und verwendet? (aufgerufen am 7.12.2022)
- 6. Brandslet, S. Having trouble sleeping? Try exercise! Norwegian SciTech News. (aufgerufen am 7.12.2022)
- 7. Finger, J.D., Kurs, S., Gößwald, A. et al. (2013). Kardiorespiratorische Fitness bei Erwachsenen in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz.