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Veganes Würzmittel

Was sind Hefeflocken und wie verwendet man sie?

Hefeflocken schmecken sehr würzig, leicht nussig oder auch käsig
Hefeflocken schmecken sehr würzig, leicht nussig oder auch käsigFoto: iStock

Für viele Veganer sind Hefeflocken fester Bestandteil des Speiseplans. Ihr besonders herzhafter Geschmack macht sie zum willkommenen Würzmittel – außerdem enthalten sie einige B-Vitamine in nennenswerten Mengen. Hier erfahren Sie, wie Hefeflocken hergestellt werden, wie man sie beim Kochen einsetzt – und worauf man beim Kauf achten sollte.

Was sind Hefeflocken und wie werden sie hergestellt?

„Hefeflocken bestehen im Grunde nur aus getrockneter und gewalzter Hefe“, erklärt Sabine Hülsmann, Fachberaterin für Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Bayern.

Bei der Herstellung müsse man jedoch zwischen Bio- und konventioneller Hefe unterscheiden. So würden bei konventioneller Hefe meist Melasse, anorganischer Stickstoff und Phosphor als Nährlösung eingesetzt. Zur ph-Wert-Regulierung verwendet man Schwefelsäure und Natronlauge. „Wenn sich Hefe vermehrt, entsteht ein Schaum, der das weitere Wachstum hemmt. Um diesen Schaum zu verhindern, benutzt man synthetische Entschäumungsmittel, die anschließend mit viel Wasser wieder aus dem Endprodukt herausgewaschen werden müssen“, so Hülsmann gegenüber FITBOOK. Dieses Abwasser sei biologisch jedoch nur schwer zu abbaubar.

Bei Bio-Hefe hingegen wird vor allem Getreide, seltener Melasse aus Rohstoff verwendet. „Getreide enthält von Natur aus bereits Stickstoff und Phosphor, sodass diese Stoffe nicht künstlich zugefügt werden müssen. Zur ph-Wert-Regulierung sind beispielsweise Natriumcarbonat, Zitronen- oder Milchsäure erlaubt.“ Diese Hilfsmittel würden nach Angabe vieler Hersteller aber meist gar nicht eingesetzt werden. Das Schäumen verhindere bei Bio-Hefe die Zugabe pflanzlicher Bio-Öle, z.B. Sonnenblumenöl. „Die Produktion von Bio-Hefe benötigt insgesamt deutlich weniger Wasser und die Prozessreste können als Rohstoff für weitere Produkte genutzt werden“, erklärt die Ernährungsexpertin.

Um die gewünschte Flockenform zu erhalten, wird die Hefe nach dem Trocknen und Walzen schließlich noch grob gemahlen. Hefeflocken schmecken sehr würzig, leicht nussig oder auch käsig.

Inhaltsstoffe und Nährwerte – wie gesund sind Hefeflocken?

Aber Hefeflocken sind nicht nur reich an Geschmack, sondern auch an wertvollen Inhaltsstoffen. „Hefeflocken enthalten viele Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Vor allem die B-Vitamine wie B1 oder B6 sind in nennenswerten Mengen enthalten“, weiß die Ernährungsexpertin.

Hefeflocken sind auch relativ eiweißreich. Das ist ein Grund, warum vor allem in der veganen Ernährung, bei der man vermehrt auf eine ausreichende Eiweißzufuhr achten muss, gerne darauf zurückgegriffen wird.

Was laut Hülsmann allerdings eher weniger ins Gewicht fällt, ist der Energiewert der Flocken (361 kcal pro 100 Gramm). „Da Hefeflocken immer nur in relativ kleinen Mengen verzehrt werden, wirkt sich die Menge an Kohlenhydraten oder Kalorien in der täglichen Ernährung kaum aus.“

Generell würden sich Hefeflocken aber sehr gut für eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung eignen. „Damit die Nährstoffe auch erhalten bleiben, sollte man die Hefeflocken allerdings möglich nicht erhitzen“, lautet der Rat der Expertin.

Hefeflocken sind von Natur aus vegan, natriumarm, gluten- und laktosefrei, sodass auch Menschen mit Unverträglichkeiten sie problemlos verzehren können. „Die Flocken sind außerdem durch den Trocknungsprozess frei von aktiven Hefen, sodass es unseres Wissens nach nicht zu Nebenwirkungen kommen kann“, erklärt die Ernährungsexpertin weiter. Aufpassen müssten lediglich Menschen, die grundsätzlich an einer Hefe-Unverträglichkeit leiden.

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Die richtige Verwendung und Dosierung

Hefeflocken lassen sich vielfältig einsetzen. Zum Beispiel:

  • für selbstgemachte Gemüsebrühe
  • für vegane Aufstriche
  • als Bindemittel für Saucen und Suppen
  • für Bratlinge und Burgerpatties
  • für Reis- und Nudelgerichte
  • zum Panieren

Man kann sie je nach Belieben auch einfach als Würze pur über Speisen streuen, zum Beispiel Joghurt. Bei der Dosierung sollte man aber beachten, dass die Flocken von Natur aus sehr intensiv schmecken. Wer es lieber milder mag, sollte nur etwa ein bis zwei Teelöffel verwenden.

In der veganen Küche kommen Hefeflocken auch als eine Art Käseersatz vor, zum Beispiel an Stelle von Parmesan bei Nudelgerichten. Allerdings gibt Hülsmann zu Bedenken: „Echte Käseliebhaber werden mit Hefeflocken keinen adäquaten Ersatz finden. Dafür ist der Geschmack dann doch zu unterschiedlich.“

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Enthalten Hefeflocken Glutamat?  

Wer sich ein wenig mit Hefeflocken beschäftigt, stößt sicher auch auf die Aussage, dass sie Glutamat enthalten sollen. Der Geschmacksverstärker steht besonders wegen seiner vermeintlichen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit immer wieder stark in der Kritik.

Was an dieser Behauptung dran ist, erklärt Sabine Hülsmann aus Expertensicht wie folgt: „Der würzige Geschmack der Hefeflocken entsteht durch die Eiweißbestandteile. Einer dieser Bestandteile ist tatsächlich natürliches Glutamat, das Salz der Glutaminsäure. Glutamat kommt in dieser Form in vielen Lebensmitteln vor, zum Beispiel in Parmesan.“ Doch die Expertin gibt Entwarnung. Denn dabei handle es sich eben gerade nicht um das umstrittene, künstlich hergestellte Glutamat, was als Geschmacksverstärker in Fertigprodukten mit einer E-Nummer gekennzeichnet werden muss. Zudem sei dessen gesundheitsschädliche Wirkung bislang nie eindeutig bewiesen worden.

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Worauf Sie beim Kauf von Hefeflocken achten sollten

Wem die nachhaltige und umweltschonende Herstellung wichtig ist, der sollte laut der Ernährungsexpertin auf Bio-Hefeflocken zurückgreifen. Hefeflocken findet man üblicherweise in Reformhäusern, Bio-Läden, Drogeriemärkten oder auch im Internet. Da Hefeflocken nur vergleichsweise kurz haltbar sind, werden sie meist in kleineren Packungen mit 200 bis 250 Gramm Inhalt verkauft. Diese liegen preislich zwischen vier und fünf Euro.