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Adele schwört drauf

Was bringt die Sirt-Diät wirklich?

Schokolade und Früchte auf einem Teller, dazu ein Glas Rotwein
Inhaltsstoffe aus Schokolade und Rotwein sollen bestimmte Enzyme aktivieren, die beim Abnehmen helfen sollenFoto: Getty Images

Abnehmen, sich fitter fühlen und trotzdem nicht auf Rotwein und Schokolade verzichten? Das klingt nach einer nahezu unschlagbaren Kombination und soll laut Ernährungsmedizinern tatsächlich funktionieren. Und zwar durch die Aktivierung bestimmter Enzyme. FITBOOK sagt, was an der Sirt-Diät wirklich dran ist.

Was steckt hinter der Diät?

Bei der Sirt-Diät liegt der Fokus auf einer bestimmten Gruppe an Enzymen – den sogenannten Sirtuinen. Hierbei handelt es sich um Signal-Proteine, die wichtige Funktionen beim Stoffwechsel, der Immunabwehr, dem Alterungsprozess und auch beim Abnehmen innehaben. Nicht selten wird die Diät daher mit Slogans wie „Abnehmturbo“ oder „Anti-Aging-Diät“ beworben.

Die Erfinder des Ernährungstrends – Aidan Goggins und Glen Matten – behaupten, dass mithilfe ihrer Ernährungsform die Sirt-Proteine gezielt aktiviert werden können. Funktionieren soll das Ganze durch eine hohe Zufuhr an Polyphenolen. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe an sekundären Pflanzenstoffen, die maßgeblichen Einfluss auf die Farbe und Geschmack pflanzlicher Lebensmittel haben und eben auch viele positive gesundheitliche Eigenschaften.

Das besondere an dieser Diätform: Nicht nur gesunde Lebensmitteln enthalten viele Polyphenole, sondern auch Rotwein und dunkle Schokolade, weshalb man diese „Diätsünden“ bei dieser Ernährungsform tatsächlich auf dem Speiseplan wiederfindet.

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Wie funktioniert die Sirt-Diät?

Insgesamt lässt sich der Ernährungstrend in vier Stufen einteilen, wobei die ersten drei Phasen einer kalorienreduzierten Diät entsprechen und sich die letzte Phase als langfristige Ernährungsumstellung beschreiben lässt.

Obst- und Gemüse-Smoothies sind fester Bestandteil der Sirt-Diät, vor allem in den ersten sieben Tagen. Die gesunden Inhaltsstoffe sollen die Enzymaktivitäten besonders effektiv aktivieren.Foto: Getty Images

Dunkle Schokolade und Rotwein sind tatsächlich erlaubt, allerdings nur in kleinen Mengen und nicht gleich zu Beginn. Hier stehen nämlich primär Obst- und Gemüse-Smoothies auf dem Programm.

Phase 1

Die erste Phase dauert nur 3 Tage – hat es aber in sich! Denn hier sind täglich nur 1000 kcal erlaubt. Diese werden in zwei Sirt-Säfte und eine Sirt-Mahlzeit aufgeteilt.

Phase 2

Hier werden 4 Tage 1500 kcal verzehrt, also etwas mehr als an den Einstiegstagen. Statt einer Mahlzeit gibt es jetzt zwei – wobei der Fokus weiterhin auf Lebensmitteln mit hohem Anteil an sekundären Pflanzenstoffen liegt. Zwischendurch sind außerdem zwei Sirt-Drinks erlaubt.

Phase 3

Die dritte Phase ist eine Art Übergangsphase, in der man drei Mahlzeiten und einen Sirt-Saft zu sich nehmen darf. Auch ein Glas Rotwein oder Schokolade (allerdings nur mit sehr hohem Kakaoanteil) sind ab und an erlaubt.

Phase 4

Langfristig soll man die Energiezufuhr nicht mehr bewusst einschränken, sondern den Fokus generell auf einen gesunden Lebensstil legen. Hierzu zählen neben möglichst vielen Sirt-Lebensmittel auch viel Bewegung und Sport.

Sirt-Lebensmittel mit hoher Konzentration an sekundären Pflanzenstoffen

Folgende Lebensmittel sind laut den Erfindern der Diät besonders zu empfehlen:

  • Äpfel
  • Blaubeeren
  • Buchweizen
  • Erdbeeren
  • Grüner Tee
  • Grünkohl
  • Kaffee
  • Kapern
  • Knoblauch
  • Kurkuma
  • Olivenöl (kaltgepresst)
  • Passionsfrucht
  • Petersilie
  • Rotwein
  • Rucola
  • Sellerie
  • Tofu
  • Walnüsse
  • Zartbitterschokolade (Kakao-Anteil von mindestens 85 Prozent)
  • Zwiebeln (rot)

Sind Sirt-Foods die neuen Superfoods?

Sirt-Foods sind tatsächlich gesund, daran besteht kein Zweifel! Sie enthalten viele Vitamine, Mineralstoffe und eben auch reichlich sekundäre Pflanzenstoffe.

Grüner Tee zum Beispiel hat einen hohen Anteil an Polyphenolen, wodurch die Zellen gegen freie Radikale geschützt werden, was wahrscheinlich das Risiko für Krebs und chronische Herzkreislauf-Erkrankungen senkt.

Auch bei der Zuckerstoffwechselstörung Diabetes Typ-2 soll der aus Asien stammende Tee helfen. Das suggeriert zumindest eine große Untersuchung von 17 Studien.Foto: Getty Images

Ähnlich positive Effekte haben Beeren. Auch hier lassen Forschungsergebnisse darauf schließen, dass ein hoher Verzehr sich positiv auf die Herzgesundheit auswirkt.

Selbst dunkle Schokolade hat aufgrund des hohen Kakao-Anteils durchaus positive gesundheitliche Eigenschaften. Hierzu zählt zum Beispiel eine anti-oxidative Wirkung gegen freie Radikale und positive Effekte auf einen erhöhten Cholesterinspiegel.

Doch sind Sirt-Foods deswegen gleich Superfoods? Unserer Meinung nach nicht! Denn andere Lebensmittel, die nicht in der Sirt-Diät auftauchen, sind mindestens genauso gesund: Haferflocken, Brokkoli, Vollkornprodukte, Linsen, Bohnen, fettarme Milchprodukte – um nur ein paar Alternativen zu nennen – finden in den Sirt-Büchern keine Erwähnung.

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Das steckt hinter den Sirt-Proteinen

Grundsätzlich sind sich Forscher einig, dass Sirt-Proteine tatsächlich viele wichtige Prozesse regulieren, die für unseren Stoffwechsel und unsere Gesundheit von Bedeutung sind.

Insgesamt gibt es sieben Sirt-Proteine, wobei das Sirt-1-Protein am besten erforscht ist. Es ist unter anderem an der Mobilisierung von weißem Fettgewebe und der Regulierung des Zuckerstoffwechsels beteiligt. Zusätzlich reduziert es die zellulären Schäden durch freie Radikale und übernimmt wichtige Funktionen des Immunsystems. 

Aber können die Sirt-Foods die Aktivität dieser wichtigen Signal-Proteine auch positiv beeinflussen?

Eine Gruppe von niederländischen Forschern bewertet die wissenschaftliche Evidenz zum Thema Polyphenole und Abnehmen wie folgt: „Erste Forschungsergebnisse an isolierten Zellstrukturen und an Tieren waren sehr vielversprechend. Sie machten Hoffnung, dass Polyphenole sowohl bei metabolischen Stoffwechselerkrankungen als auch beim Abnehmen helfen könnten. Schaut man sich allerdings die Studienergebnisse mit Menschen an, ließen sich die vielversprechenden Ergebnis bisher nicht replizieren.“

Unser Fazit

Die Sirt-Diät erfindet das Rad nicht neu. Es wird empfohlen, die tägliche Kalorienzufuhr zu reduzieren und insgesamt gesünder zu essen. Auch Bewegung und Sport werden empfohlen. Also wie bei nahezu allen Diäten. Dass man mit diesen Tipps abnimmt, sollte also keine große Überraschung sein!

Die Sirt-Proteine sind tatsächlich – wie von den Diät-Erfindern behauptet – an vielen relevanten Stoffwechselreaktionen beteiligt. Nach jetzigem Forschungsstand lässt sich die Behauptung, dass Polyphenole die Sirt-Proteine direkt aktivieren und dadurch der Abnehmturbo angeschmissen wird, allerdings nicht bestätigen.

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Erfolgreich abnehmen kann man mit der Sirt-Diät vermutlich trotzdem. Allerdings liegt das wohl eher an der gezielten Kalorienreduktion und der anschließenden „step-by-step“ Ernährungsumstellung als mit der magischen Aktivierung bestimmter Enzyme. Schade, dass der Verbraucher mal wieder vorgegaukelt bekommt, dass bei dieser Diät eine neue magische Abnehmformel gefunden wurde.

FITBOOK wurde fachlich beraten von Ökotrophologe und Ernährungscoach Jörn Utermann.