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FITBOOK-Autorin erklärt

„Wie ich mit Seated Cardio die Zwangspause nach einer OP überstand“

Frau auf einem Stuhl
FITBOOK-Autorin Nina Ponath erklärt, was es mit Seated Cardio auf sich hat Foto: Getty Images, Collage: FITBOOK
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Nina Ponath
Freie Autorin

8. Juni 2026, 4:01 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

„Ich lasse mich operieren.“ Diesen Satz sprach FITBOOK-Autorin Nina Ponath in den vergangenen Jahren dreimal aus – und verschob den Termin dann doch jedes Mal wieder. Der Grund war nicht etwa die Angst vor dem Eingriff selbst, sondern der pure Respekt vor der Zeit danach: der absoluten Sportpause. Als sie schließlich kaum noch schmerzfrei auf einem Bein stehen konnte, war klar: Augen zu und durch. Was folgte, war ein zweiwöchiger Selbstversuch in Sachen „Seated Cardio“. Wie sich der Puls ordentlich nach oben treiben lässt, während der Fuß hochgelagert ist, und warum Bewegung manchmal vor allem Kopfsache ist, erklärt sie nachfolgend.

Wenn der Yoga-Baum zur Zitterpartie wird

Vielleicht haben Sie den Begriff schon einmal gehört oder gehören selbst zu den vielen Frauen, die davon betroffen sind: Hallux Valgus. Dabei handelt es sich um eine Fehlstellung des großen Zehs, bei der das Grundgelenk immer weiter nach außen tritt – das typische „Überbein“. Was oft als kosmetisches Problem abgetan wird, war bei mir mittlerweile so weit fortgeschritten, dass der Zeh kaum noch beweglich war. Die Diagnose: fortgeschrittene Arthrose im Gelenk. 

Besonders beim Yoga wurde das Problem unübersehbar. Balance-Haltungen wie der „Baum“ oder der „Krieger III“ wurden zur Qual, weil das Fundament – mein Fuß – schlichtweg nicht mehr stabil war. Die Entscheidung zur Operation war also keine Frage der Eitelkeit, sondern eine notwendige Investition in meine zukünftige Beweglichkeit. Dennoch: Die Aussicht, den Fuß nach der OP erst einmal gar nicht belasten zu dürfen, fühlte sich für mich an wie eine lebenslange Haftstrafe auf dem Sofa. 

Von 20.000 Schritten auf Null

Normalerweise ist mein Alltag von Bewegung geprägt. 16.000 bis 20.000 Schritte sind für mich ein Standardtag, dazu kommen Yoga- und Pilates-Einheiten und zwei- bis dreimal die Woche Kardiotraining. Nach der OP sah die Realität plötzlich anders aus: hochlegen, kühlen, abwarten. Am ersten Tag war an Sport vor Schmerzen ohnehin nicht zu denken. Doch schon nach kurzer Zeit meldeten sich wieder die sprichwörtlichen „Hummeln im Hintern“. 

Wenn man es gewohnt ist, Stress durch Bewegung abzubauen, ist körperliche Passivität mentaler Stress. Ich merkte schnell, dass ich eine Alternative brauchte, um nicht völlig den Verstand zu verlieren – und vor allem, um meinen Kreislauf sanft in Schwung zu halten, ohne die Heilung meines Fußes zu gefährden. Bei meiner Recherche stieß ich auf ein Konzept, das ich bisher eher belächelt hatte: Seated Cardio.

Was ist eigentlich Seated Cardio?

Das Prinzip ist so simpel wie genial: Kardiotraining im Sitzen. Normalerweise verbrennen wir die meisten Kalorien über die großen Muskelgruppen in unseren Beinen (beim Laufen, Gehen oder Radfahren). Beim Seated Cardio fällt dieser Teil weg – oder wird zumindest stark reduziert. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Training ein Spaziergang ist. Durch schnelle, koordinierte Bewegungen des Oberkörpers, der Arme und der Rumpfmuskulatur lässt sich die Herzfrequenz erstaunlich gut steigern. 

Es ist die perfekte Lösung für Menschen mit Verletzungen am Unterkörper, für Senioren, Menschen mit Behinderungen oder eben für Sportbegeisterte in der postoperativen Reha. Man spart zwar die Energie der Beine, gleicht dies aber durch eine höhere Frequenz im Oberkörper aus. Und ich kann Ihnen versichern: Wenn man 20 Minuten lang die Arme in Box-Manier durch die Luft wirbelt, spürt man das durchaus. 

Frau sitzt auf Stuhl
FITBOOK-Autorin Nina Ponath während einer Seated-Cardio-Session auf dem Klavierstuhl Foto: Nina Ponath

Boxen auf dem Klavierhocker 

Auf meiner Suche nach Inspiration bin ich auf YouTube auf eine ganze Subkultur von „Seated Athletes“ gestoßen. Viele der Follower kommen aus den USA – darunter Menschen, die aufgrund von starkem Übergewicht ihre Gelenke schonen müssen, oder Sportler, die sich von Knie- und Fußverletzungen erholen. Ich bin vor allem bei zwei Kanälen hängen geblieben, die meine zweiwöchige Rettung waren: 

  • Paul Eugene: Sein „Low Impact Seated Cardio Boxing“ ist großartig. Er kombiniert klassische Box-Moves mit einer „80er-Jahre-Aerobic-Energie“, die sofort ansteckt. Das Training ist sicher, effektiv und darauf ausgelegt, ordentlich Kalorien zu verbrennen, ohne dass man auch nur einen einzigen Schritt dafür machen muss. 
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  • Nourish Move Love: Hier wird es etwas moderner und intensiver. Das „20-Minute Seated Workout“ fokussiert sich stark auf die Core-Stärke. Da ich meinen Fuß währenddessen auf einem Hocker hochlagern musste, war die Stabilität in der Mitte für mich der Schlüssel. 
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Mein Setup 

Anstatt auf dem Sofa zu versinken, nutzte ich meinen Klavierhocker im Wohnzimmer als Trainingsbank. Er bietet keine Lehne, was mich zwang, meine Rückenmuskulatur aktiv einzusetzen. Um die Intensität zu steigern und den Puls noch ein paar Schläge höher zu treiben, nahm ich leichte Kurzhanteln dazu. Ein typisches Seated Cardio Workout besteht aus einer Mischung aus: 

  • Seated Boxing: Schnelle Jabs, Hooks und Uppercuts. Die Rotation im Oberkörper fordert die schrägen Bauchmuskeln. 
  • Seated Jumping Jacks: Die Arme machen die klassische Hampelmann-Bewegung, während die Beine (in meinem Fall nur das gesunde Bein) sanft mitwippen, sich den Armen entgegenheben oder fest am Boden bleiben. 
  • Windmühlen: Große Kreise mit den Armen, um die Schultermobilität zu fördern und die Atmung zu vertiefen. 

Das Ergebnis: Nach einer halben Stunde hatte ich laut meiner Smartwatch rund 120 Kalorien verbrannt. Das ist kein Vergleich zu einer intensiven Joggingrunde, aber es reicht völlig aus, um die Endorphine freizusetzen und den „Lagerkoller“ zu vertreiben. 

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Bewegung findet immer einen Weg 

Nach einer Woche hatte ich die gängigen Seated-Workouts quasi „durchgespielt“. Ich fing an zu improvisieren und schaute mir normale Box-Videos an und setzte einfach nur den Oberkörper-Part um, während mein operierter Fuß sicher auf seinem Kissen ruhte. Zudem machte ich eine Cardio-Einheit von Pamela Reif nach, bei der ich mit den Beinen fest sitzenblieb.

Auch interessant: Was macht ein effektives Cardiotraining aus?

Fazit: Die Vorfreude auf den ersten Lauf 

Natürlich ist es schöner, draußen im Park die frische Luft einzuatmen, als im Wohnzimmer auf einem Hocker vor dem Fernseher gegen imaginäre Gegner zu boxen. Auch die Vorstellung so von vorbeigehenden Nachbarn gesehen zu werden, fand ich etwas peinlich, aber ich bin trotzdem froh, auf Seated Cardio gestoßen zu sein. Mein Körper sagt mir sehr genau, was er braucht – und manchmal ist das eben nicht die totale Ruhe, sondern eine vorsichtige, angepasste Bewegung. 

Falls Sie also selbst gerade mit einer Verletzung kämpfen oder jemanden kennen, der nach einer OP frustriert das Bett hütet: Geben Sie Seated Cardio eine Chance. Es heilt vielleicht nicht den Fuß, aber definitiv die Seele. Ich freue mich jetzt riesig darauf, wenn ich meinen Fuß bald wieder voll belasten und meine erste kleine Joggingrunde drehen darf. Bis dahin mache ich Freudensprünge im Sitzen.  

Ein Tipp für die Zeit nach der Heilung: Wenn Sie Ihre Füße wieder aktiv trainieren dürfen, ist Barfußlaufen auf weichem Untergrund das beste Training für die Tiefenmuskulatur. Aber bis dahin: Schön die Füße stillhalten – oder im Sitzen boxen! 

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