8. November 2026, 8:27 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Mick Jagger ist nicht nur ein Ausnahmemusiker, sondern auch eine Longevity-Ikone. Mit 83 Jahren ist er noch immer topfit. Dahinter stecken zahlreiche gesunde Routinen. Im Laufe der Jahre gab er in Interviews Einblicke dazu, wie er sich fit und stark hält. Sportwissenschaftler und Personaltrainer Jörn Giersberg gibt FITBOOK seine Einschätzung dazu ab.
Zu Mick Jagger muss man nicht viele Worte verlieren. Der Frontmann der Rolling Stones zählt zu den erfolgreichsten Musikern aller Zeiten. Die meisten dürften ihn als unermüdlichen Rockstar vor Augen haben, der vor Energie strotzt und sich auf der Bühne austobt. Für viele war (oder ist) er der Inbegriff von Rock ‚n‘ Roll – auch, was den Lifestyle betrifft.
So weit, so bekannt. Doch die Zeiten wilder Drogeneskapaden liegen Jahrzehnte zurück. Längst setzt der mittlerweile 83-Jährige auf einen gesunden Lebensstil – und das schon lange, bevor der Longevity-Trend aufkam. Bemerkenswert ist, mit welcher Disziplin und Konsequenz er sich bis ins hohe Alter fit hält. Zwei Faktoren spielen dabei eine entscheidende Rolle: das Training und die Ernährung, wie Mick Jagger in dem Männermagazin „Men’s Health“ erklärt.
Die Bewegung macht‘’’s
Man mag es kaum glauben, aber laut einer Recherche von „Men’s Health“ läuft Mick Jagger täglich zwölf Kilometer – und das selbst im Alter von mittlerweile 83 Jahren. Ein beachtliches Pensum, auch wenn sich nicht eindeutig bestätigen lässt, ob er diese Strecke tatsächlich jeden Tag zurücklegt. Lauftraining erhöht seinen Energieverbrauch und verbessert seine Ausdauer. Damit schafft er eine wichtige Grundlage für seine energiegeladenen Bühnenauftritte.
Obwohl diese Laufleistung Respekt einflößt, sieht es der Sportwissenschaftler und Personaltrainer Giersberg kritisch: „Es gibt sicherlich Menschen, die genetisch gute Voraussetzungen mitbringen und bei denen es kein Problem ist. Aber generell würde ich es in dem Alter nicht empfehlen, jeden Tag zwölf Kilometer zu joggen. Ich würde eher darauf setzen, viele Muskeln aufzubauen. Und viel Cardio-Training bewirkt eher das Gegenteil“, sagt der Experte. Außerdem rät er dazu, die Intensität zu variieren. Also nicht immer nur zwölf Kilometer im gleichen Tempo laufen, sondern lieber auch mal kürzere Strecken mit höherer Intensität, damit der Körper mehr gefordert wird.
Doch beim Laufen bleibt es offenbar nicht. Jagger soll dem „Q Magazine“ im September 2026 verraten haben, dass er an sechs Tagen in der Woche trainiere und dabei auf eine erstaunliche Vielfalt setze: vom Schwimmen, Radfahren und Kickboxen bis zu Ballett, Yoga und Pilates. Eines wird dabei deutlich: Mick Jagger setzt auf Abwechslung. Dass er deshalb kein Fitnessstudiogänger ist oder auf klassisches Krafttraining verzichtet, lässt sich allerdings nicht sagen. Andere Berichte nennen ausdrücklich auch Krafttraining als Teil seines Programms.
Jörn Giersberg nennt gute Gründe, im Alter eher auf Krafttraining und Muskelaufbau zu setzen. „Wichtig wäre, schwere Gewichte zu heben, kurze Sprints zu machen, weil es etwa den Testosteronspiegel positiv beeinflussen kann im Vergleich zum Ausdauertraining“. Allerdings rät er davon ab, täglich Kraftsport zu treiben, da der Körper sich zwischen den Trainingseinheiten regenerieren muss. Sonst droht eine Überlastung. Im höheren Alter dauert die Regenerationsphase entsprechend länger. Auch mental fällt es leichter, moderates Training regelmäßig auszuführen, als den Körper in kurzer Zeit völlig zu erschöpfen.
Jagger setzt auf einen vielseitigen Trainingsmix
Statt auf eine einzelne Disziplin setzt Jagger auf Sportarten, die unterschiedliche körperliche Fähigkeiten ansprechen. Schwimmen zum Beispiel trainiert die Ausdauer und beansprucht viele Muskelgruppen, während der Auftrieb im Wasser die Gelenke entlastet. Das macht es zu einer gelenkschonenden Möglichkeit, die körperliche Fitness zu fördern. Für die Knochenstärkung ist Schwimmen allerdings weniger geeignet als Training, bei dem das eigene Körpergewicht oder zusätzliche Widerstände auf den Körper wirken.
Ballett, Yoga und Pilates können dazu beitragen, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Körperkontrolle bis ins hohe Alter zu erhalten. Je nach Übung stärken sie auch die Muskulatur und können eine aufrechte Körperhaltung unterstützen. Für die Knochengesundheit sind dagegen vor allem ausreichend intensive Belastungsreize wichtig. Wie etwa durch gezieltes Krafttraining oder geeignete Bewegungen unter Belastung des eigenen Körpergewichts. Die verschiedenen Trainingsformen ergänzen sich also, statt alle dieselbe Wirkung zu haben.
Selbst Kickboxen gehört bei Jagger zum Repertoire
Ein wenig überraschend wirkt dabei das Kickboxen, das je nach Trainingsform auch Verletzungsrisiken mit sich bringt. Kontaktloses Techniktraining oder Übungen am Sandsack sind dabei deutlich verletzungsärmer als Vollkontakt-Sparring. Kickboxtraining kann Schnelligkeit, Koordination, Ausdauer und Kraftausdauer fördern. Voraussetzung sind eine saubere Technik, eine passende Trainingsintensität und ausreichend Erholung. Und natürlich ein gutes Aufwärmen.
„Man denkt immer, im höheren Alter müssten sich Menschen schonen. Das ist aber nicht zwingend notwendig. Ganz im Gegenteil: Gerade im Alter sind intensive Belastungen wichtig. Das sollte Belastungen sein, die z. B. dem Sprinten und höheren Gewichten entsprechen, um die Muskulatur kurz und intensiv anzusprechen“, erklärt Fitnessexperte Jörn Giersberg.
Muskeln, Sehnen und Knochen können sich mit der Zeit an angemessene Trainingsbelastungen anpassen und belastbarer werden. Zu hohe oder zu schnell gesteigerte Belastungen können aber auch zu Überlastungsbeschwerden führen. Doch ein sinnvoll aufgebautes Training kann die körperliche Belastbarkeit verbessern. Das Ziel von Jagger ist klar: Auch im hohen Alter will er stark und gesund bleiben. Unser FITBOOK-Experte empfiehlt jedoch nach zwei Tagen Sport mindestens einen Ruhetag einzulegen, damit der Körper sich im Ganzen erholen kann.
Mick Jagger isst viel
Was zunächst überrascht: Mick Jagger spart nicht an Kalorien, um fit und schlank zu bleiben. Ganz im Gegenteil. Damit ihm bei seinem Trainingspensum nicht die Energie ausgeht, isst er über den Tag verteilt reichlich. „Ich muss viel essen. Die Leute sagen zu mir: ‚Du isst ja gar nichts.‘ Dabei esse ich eine Menge. Ich sage ihnen dann: ‚Ich habe gerade doppelt so viel gegessen wie du’“, erklärte er in einem früheren Interview. Und das ergibt Sinn. Denn wenn er tatsächlich zweimal täglich Sport treibt, muss er den Körper mit ausreichend Nährstoffen versorgen und vor einem Übertraining schützen. Allerdings gibt unser Fitnessexperte zu bedenken, dass es subjektiv ist, ob man viel oder wenig isst. Nur weil es Mick Jagger viel erscheint, muss es objektiv nicht viel sein.
„Eine gute Nährstoffversorgung ist im Alter wichtig, sehr wichtig sogar, daran hapert es oft“, sagt Jörn Giersberg. Viel Flüssigkeit, Nährstoffe und dabei nicht nur Proteine sind entscheidend. Auch ausreichend Kohlenhydrate als Energieträger zu verzehren, rät Giersberg. Deswegen setzt Jagger auf die Mittelmeer-Diät, die von Experten als eine der gesündesten Ernährungsformen bewertet wird (FITBOOK berichtete).
Trainingsgewohnheiten, die uns schneller altern lassen
Reicht Schrittezählen, um eine schöne Figur zu formen?
Warum die Mittelmeer-Diät so gesund ist
Mick Jaggers Ernährung ist mediterran und möglichst unverarbeitet. Das bedeutet: Neben viel Obst und Gemüse wird reichlich Olivenöl und fettiger Seefisch verzehrt. Rotes Fleisch, verarbeitete Lebensmittel, Butter und Margarine werden hingegen auf ein Minimum reduziert. Auch die Menge an raffinierten Kohlenhydraten, etwa aus Weißbrot und Pasta, ist eingeschränkt.
Diese Ernährungsform hat deutliche gesundheitliche Vorteile. Denn die pflanzlichen Öle und die im Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren tragen zur Herz-Kreislauf-Gesundheit bei. Da man in der mediterranen Küche nur mit wenig Salz und Zucker arbeitet, senkt diese Diät das Risiko für Diabetes Typ 2, Adipositas sowie Hypertonie. Ebenso zeigte eine Studie (FITBOOK berichtete), dass die mediterrane Ernährung den Alterungsprozess des Gehirns verlangsamte. Zudem kann sie das Demenz– und Alzheimer-Risiko reduzieren.1
Jagger gönnt sich aber auch Süßes
Doch Mick Jagger ist kein richtiger Asket, der komplett auf Genuss verzichtet. „Er isst zu jeder Mahlzeit ein Dessert“, verriet seine Tochter Georgia May Jagger kürzlich. Wer körperlich so aktiv ist, wie Mick Jagger, der kann sich offensichtlich auch ein Dessert gönnen, ohne an Speck zuzulegen. Dennoch steht bei ihm die Gesundheit an erster Stelle, um möglichst lange gesund und leistungsfähig zu bleiben.
Der Musiker lebt mittlerweile so gesund, dass sich sogar ein ganzes Buch seinem Longevity-Lebensstil widmet. Dazu verfasste die Autorin Isadora Puiggené ihr Buch „Pacto con el Diablo: Los hábitos saludables del Rolling Stone más dinámico del mundo“ – auf Deutsch etwa: „Ein Pakt mit dem Teufel: Die gesunden Gewohnheiten des dynamischsten Rolling Stone der Welt“. Sie begann sich mit der Ernährung und dem Training von Mick Jagger zu beschäftigen als der Rockstar 80 Jahre alt wurde.