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SWEET-Studie

Süßstoffe können den Erfolg beim Abnehmen steigern

Süßstoffe abnehmen
Süßstoffe stecken in der Regel in Light-Produkten. Eine Studie zeigt, dass sie beim Abnehmen helfen können. Foto: Getty Images
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Sophie Brünke
Ernährungsexpertin

27. Mai 2026, 13:25 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Kaum eine Zusatzstoffgruppe ist umstrittener als Süßstoffe. Die aktuelle Studienlage ist geprägt von einem Widerspruch: Kurzzeitige klinische Studien kommen zum Ergebnis, dass Süßstoffe beim Abnehmen helfen. Beobachtungsstudien zeigen langfristig Risiken fürs Gewicht. Die kürzlich veröffentlichte SWEET-Studie gehört zu den bislang größten und längsten klinischen Studien, die sich diesem Fall angenommen hat. Das Überraschende: Süßstoffe schneiden erstaunlich gut ab.

Die Idee hinter der SWEET-Studie

In der Studie ging es um eine Frage, die in Ernährungsdebatten seit Jahren polarisiert: Sind Süßstoffe eine sinnvolle Hilfe, um Zucker zu sparen und das Gewicht zu kontrollieren, oder könnten sie langfristig Stoffwechsel und Darmflora ungünstig beeinflussen?

Aktuell empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Süßstoffe nicht als Mittel zum Gewichtsmanagement. Hintergrund ist die diskrepante Studienlage: In klinischen Studien (RCTs) sank das Körpergewicht leicht – vor allem, wenn Süßstoffe Zucker ersetzten. Klare Vorteile bei Diabetesmarkern zeigten sich aber nicht. Beobachtungsstudien fanden dagegen Zusammenhänge mit einem erhöhten Risiko für Adipositas und Typ-2-Diabetes.1

Allerdings empfiehlt die WHO, freie Zucker auf weniger als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen (zugesetzte Zucker und Zucker aus Honig, Sirup und Säften). Gleichzeitig ist unklar, ob der Ersatz von Zucker durch Süßstoffe langfristig hilft oder problematisch sein könnte. Die SWEET-Studie wollte deshalb prüfen, wie sich ein längerer Süßstoffeinsatz auf Gewichtskontrolle, Darmflora und Risikomarker für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirkt.

Fokus auf Süßungsmittel insgesamt – nicht einzelne Stoffe

Die Studie untersuchte den Einfluss von Süßungsmitteln. Dazu zählten klassische Süßstoffe wie Aspartam, Acesulfam-K, Saccharin und Steviolglycoside, aber auch Zuckeralkohole wie Erythrit, Sorbit und Xylit, langsam verdauliche Kohlenhydrate sowie süße Ballaststoffe. Zentral war nicht der isolierte Konsum einzelner Süßungsmittel, sondern ihr Einsatz in einer alltäglichen und zuckerreduzierten gesunden Ernährung.

Zwei Gruppen mussten ein Jahr lang unterschiedlich essen

Die SWEET-Studie war eine randomisierte kontrollierte Studie. Das bedeutet: Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip einer von zwei Gruppen zugeteilt. Diese Studienform gilt als Goldstandard.2

Insgesamt wurden 341 Erwachsene und 38 Kinder mit Übergewicht oder Adipositas eingeschlossen. Die Studie fand an vier europäischen Zentren statt: Kopenhagen, Maastricht, Pamplona und Athen. 203 Erwachsene und 22 Kinder beendeten die einjährige Studie.

Zuerst folgten alle Erwachsenen zwei Monate lang der gleichen kalorienarmen Diät. Ziel war eine Gewichtsabnahme von mindestens fünf Prozent des Ausgangsgewichts. Danach begann eine zehnmonatige Phase zur Gewichtsstabilisierung. In dieser Phase sollten beide Gruppen sich gesund und zuckerreduziert ernähren, mit weniger als zehn Prozent der Energie aus zugesetztem Zucker. Sprich: Die Vorgabe war noch einmal strenger als die WHO-Empfehlung. Die Süßstoffgruppe sollte zuckerreiche Produkte möglichst durch Produkte mit Süßungsmitteln ersetzen. Die Kontrollgruppe sollte solche Produkte meiden.

Begleitet wurde die Studie durch regelmäßige Untersuchungen, Ernährungsprotokolle und Fragebögen. Erfasst wurden unter anderem Gewicht, Körpermaße, Blutwerte, Appetit, Magen-Darm-Beschwerden und Medikamentennutzung. Urinproben dienten als objektivere Kontrolle des Süßstoffkonsums. Bei 137 Erwachsenen wurde zusätzlich die Darmmikrobiota analysiert, also die Gemeinschaft der Mikroorganismen im Darm. Hintergrund ist, dass man potenzielle Veränderungen im Mikrobiom durch Süßstoffe erkennen wollte.

Süßstoffe verbesserten Abnehmerfolg

In der zweimonatigen Diätphase hatten die Erwachsenen im Schnitt 10,1 Kilogramm abgenommen. Danach ging es nicht mehr ums schnelle Abnehmen, sondern um das, was vielen im Alltag am schwersten fällt: den Erfolg zu halten. Genau hier schnitt die Süßstoffgruppe besser ab. Wer Zucker durch Produkte mit Süßungsmitteln ersetzte, hatte nach einem Jahr einen um 1,6 Kilogramm höheren Gewichtsverlust als die Kontrollgruppe. In der Untergruppe, bei der auch das Darmmikrobiom analysiert wurde, nahm die Süßstoffgruppe während des Jahres im Schnitt 3,4 Kilogramm wieder zu, die Kontrollgruppe 5,6 Kilogramm.

Der Effekt wurde stärker, je konsequenter die Teilnehmer die Ernährungsvorgaben einhielten. Bei besonders guter Umsetzung lag der Gewichtsunterschied zugunsten der Süßstoffgruppe sogar bei bis zu 3,8 Kilogramm. Auch die Zuckeraufnahme passte dazu: Die Süßstoffgruppe reduzierte ihren Gesamtzucker stärker als die Kontrollgruppe und senkte den Konsum zuckerreicher Produkte deutlich stärker. Das spricht dafür, dass Süßstoffe in dieser Studie tatsächlich als Ersatz für Zucker genutzt wurden – und nicht einfach obendrauf kamen.

Bei wichtigen Stoffwechselmarkern wie Diabetes- und Herz-Kreislauf-Risikowerten fanden die Forscher nach einem Jahr keine klaren Unterschiede zwischen den Gruppen.

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Bei den Kindern gab es keine signifikanten Ergebnisse

Bei den Kindern zeigte sich kein signifikanter Süßstoffeffekt. Zwar verbesserte sich der BMI-für-Alter-z-Score über das Jahr insgesamt, aber ähnlich in beiden Gruppen. Dieser Score ordnet den BMI eines Kindes im Vergleich zu Kindern gleichen Alters und Geschlechts ein. Das ist wichtig, weil Kinder wachsen und ihr Gewicht deshalb anders bewertet werden muss als bei Erwachsenen. Wegen der kleinen Gruppengröße – 22 Kinder beendeten die Studie – werteten die Autoren diese Ergebnisse nur vorsichtig.

Wie sieht’s bei der Darmflora aus?

Bei der Darmmikrobiota zeigten sich in der Süßstoffgruppe andere Verschiebungen als in der Kontrollgruppe. Mehrere Bakteriengruppen, die kurzkettige Fettsäuren bilden können, kamen häufiger vor. Kurzkettige Fettsäuren sind Stoffwechselprodukte von Darmbakterien, die potenziell gesundheitliche Vorteile bieten. Allerdings nahmen auch methanbildende Mikroben zu. Das passt dazu, dass Teilnehmer aus der Süßstoffgruppe häufiger von Blähungen und Krämpfen berichteten.

Was bedeuten die Ergebnisse für alle, die Zucker sparen wollen?

Die Studie spricht dafür, dass Süßstoffe beim Abnehmen nützlich sein können: nicht als Freifahrtschein für Süßes, sondern als Ersatz für Zucker in einer insgesamt gesunden, zuckerreduzierten Ernährung. Der Vorteil beim Gewicht war nicht riesig, aber messbar – und beim Gewichthalten zählt langfristig gesehen oft genau diese kleine Differenz.

Wer nach einer Gewichtsabnahme Zucker reduzieren und sein Gewicht halten möchte, könnte mit süßstoffhaltigen Alternativen leichter dranbleiben. Die Studie zeigt aber nicht, dass Süßstoffe selbst schlank machen. Beide Gruppen mussten eine Diät einhalten. Die Süßstoffgruppe profitierte vom Gesamtpaket ihrer Vorgaben.

Wichtig ist auch der Darmbefund. Die Forscher sahen erfreulicherweise keine Hinweise auf einen schädlichen Effekt auf das Mikrobiom – fernab der unerwünschten Magen-Darm-Beschwerden. Die beobachteten Veränderungen müssen aber vorsichtig gelesen werden, weil aus Bakterienverschiebungen allein noch keine sicheren Gesundheitswirkungen abgeleitet werden können.

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Einordnung der Studie und mögliche Einschränkungen

Eine klare Stärke ist das Design. Sie war randomisiert, kontrolliert, und mit einer Dauer von einem Jahr für eine klinische Studie im Ernährungsbereich lang. Zudem waren mehrere europäische Zentren eingebunden. Positiv ist auch, dass die Forscher nicht nur Fragebögen nutzten, sondern zusätzlich Urinmarker für den Süßstoffkonsum auswerteten. Das macht die Angaben zur Ernährung glaubwürdiger.

Trotzdem hat die Studie Grenzen. Die Abbruchrate lag bei 40 Prozent und damit höher als geplant. Dadurch war die Zahl der Teilnehmer am Ende kleiner als vorgesehen. Die Studie fand außerdem während der COVID-19-Pandemie statt, was Nachverfolgung und Organisation erschwerte.

Fazit

Die SWEET-Studie zeigt: Süßstoffe sind kein Abnehmtrick, können aber beim Dranbleiben helfen. Wer nach einer Diät Zucker durch süßstoffhaltige Produkte ersetzt, kann besser den Gewichtsverlust beibehalten. Zwar veränderte sich das Darmmikrobiom, doch glücklicherweise ohne klare Hinweise auf Nachteile bei wichtigen Stoffwechselwerten.

Quellen

  1. Rios-Leyvraz, M., Montez, J. (2022). Health effects of the use of non-sugar sweeteners: a systematic review and meta-analysis. WHO. ↩︎
  2. Pang, M. D., Kjølbæk, L., Bastings, J. J. A. J. et al. (2025). Effect of sweeteners and sweetness enhancers on weight management and gut microbiota composition in individuals with overweight or obesity: the SWEET study. Nature Metabolism. ↩︎

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