12. Januar 2026, 4:24 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die Antibabypille enthält die Hormone Östrogen und Gestagen, welche den monatlichen Eisprung verhindern und Frauen eine sichere Verhütung ermöglichen. Doch wussten Sie, dass die Pille ein wahrer „Vitaminräuber“ ist? So kann sie etwa die Aufnahme von Nährstoffen im Darm vermindern oder die Ausscheidung über die Niere erhöhen. FITBOOK-Ernährungsexpertin Sophie Brünke sprach hierzu mit Gynäkologin Dr. med. Heidi Gößlinghoff.
Der Klassiker: Vitamin C
Egal, wie viel oder wenig man über Ernährung weiß, den Begriff Vitamin C kennt man. Und das nicht ohne Grund: Das Vitamin ist an einer Vielzahl von Stoffwechselprozessen beteiligt. Als Antioxidans schützt es vor Zellschäden, hilft beim Aufbau des Bindegewebes, der Knochen und Zähne. Zudem ist es wichtig fürs Immunsystem und unterstützt die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Lebensmitteln. Grund genug, davon genügend essen zu wollen!
Laut einem britischen Review entsteht trotz Pilleneinnahme kein Vitamin-C-Mangel – sofern eine ausreichende Zufuhr über die Nahrung gewährleistet ist!1 Es lohnt sich also, ein paar Vitamin-C-Bomben in den Speiseplan einzubauen. Top-Lieferanten sind:
- Hagebutte
- Paprika
- Rosenkohl
- Blumenkohl
- Zitrone
- Kiwi
- Orange
Weiterhin rät Frau Dr. Gößlinghoff, generell auf Antioxidantien zu setzen. Neben Vitamin C nennt sie auch Vitamin E. Dieses finden Sie reichlich in pflanzlichen Ölen, Nüssen und Samen.
Von Vitamin B1 bis B12
„Bei den neueren Pillen besteht häufig ein B12-Mangel, manchmal auch B9, sprich Folat-Mangel“, weiß Dr. Gößlinghoff. Allerdings sei „der gesamte B-Komplex ein wenig in Mitleidenschaft gezogen“.
Folat
Folat ist für die Zellteilung, Blutbildung, Nervenfunktion und für den Aminosäurestoffwechsel wichtig. Insbesondere Schwangere sollten auf eine ausreichende Zufuhr achten. Denn es ist für die Entwicklung des Nervensystems des Kindes wichtig. Wer die Pille bei Kinderwunsch absetzt, kann sich ärztlich zur Supplementation beraten lassen. In Lebensmitteln steckt Folat vor allem in:
- grünes Blattgemüse
- Tomaten
- Hülsenfrüchte
- Nüsse
- Vollkornprodukte
- Eier
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Vitamin B12
Das Vitamin fungiert im Körper als Coenzym und arbeitet eng mit Folat bei der Zellteilung und ‑differenzierung zusammen, z. B. bei der Blutbildung und der DNA-Synthese. Nach derzeitigem Wissensstand kann der Bedarf ausschließlich über tierische Lebensmittel gedeckt werden. Folgende Produkte sind besonders reich an B12:
- Fleisch und Fleischprodukte
- Fisch
- Meeresfrüchte
- Eier
- Milch und Milchprodukte
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Auch auf Mineralstoffe und Spurenelemente achten
Kommen wir zu den Mineralien. Häufig besteht bei Einnahme der Antibabypille ein erhöhter Bedarf an Magnesium und Zink, teilweise auch an Selen.
Magnesium
Das Elektrolyt ist für eine Vielzahl von Funktionen wichtig: den Energiestoffwechsel, die Herzgesundheit, feste Knochen, die Funktion der Muskeln und das hormonelle Gleichgewicht. Folgende Lebensmittel sollten deshalb regelmäßig auf dem Speiseplan stehen:
- Kerne und Samen, z. B. Mandeln, Leinsamen und Sesam
- Vollkornprodukte
- Kakaopulver und Bitterschokolade
- Hülsenfrüchte
- grünes Blattgemüse
- Fisch und Meeresfrüchte
- ggf. Trinkwasser, je nach Härtegrad und Quelle (siehe Etikett)
Zink
Zink ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, welches z. B. für das Immunsystem von Bedeutung ist. Jedoch kann unser Körper Zink nicht speichern. Folglich muss es regelmäßig über die Nahrung zugeführt werden:
- Rind- und Schweinefleisch
- Milch und Milchprodukte
- Eier
- Nüsse
- Weizen- oder Roggenkeimlinge
Selen
Das Spurenelement Selen schützt die Zellen vor Radikalen. Zudem ist es an der Regulation der Schilddrüsenhormone beteiligt. Einige Pflanzen können Selen stark anreichern. Allerdings schwankt in Europa der Selengehalt in den Böden stark. Da Tierfutter mit Selen angereichert wird, können tierische Lebensmittel zuverlässiger zur Selenversorgung beitragen. Das Spurenelement steckt in:
- Fleisch und Eiern
- Nüssen, insbesondere Paranüsse
- Kohlgemüse, z. B. Brokkoli
- Zwiebeln und Knoblauch
- Pilze
- Hülsenfrüchte
Auf diese 5 Nährstoffe definitiv aufpassen
Am wichtigsten sind folglich die Nährstoffe:
- Vitamin C
- Folsäure
- Vitamin B12
- Magnesium
- Zink
Eine ganze Menge! Je nach Antibabypillen-Präparat können zudem weitere Vitamine aus dem B-Komplex und Selen hinzukommen. Darüber hinaus können auch andere Medikamente, die Sie regelmäßig einnehmen, den Bedarf bestimmter Nährstoffe erhöhen. Sprechen Sie hierfür mit Ihrem Frauenarzt oder einer Ernährungsfachkraft.
Dr. Gößlinghoff weist darauf hin, dass bisherige Studien zur Pilleneinnahme und Nährstoffversorgung Querschnittserhebungen mit unterschiedlichen Präparaten und Dosierungen sind. „Das sind alles nur zarte Hinweise“, so die Frauenärztin. Dennoch resümiert sie: „Egal, ob man die Pille einnimmt oder nicht, eine gesunde, ausgewogene Ernährung sorgt für einen ausgeglichenen Nährstoffspiegel.“