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Studie mit Mäusen

Ketogene Ernährung macht Hoffnung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs-Therapie

Ketogene Ernährung Bauchspeicheldrüsenkrebs: Teller mit Avocado, Ei und Tomaten
Bei einer ketogenen Ernährung stehen Fette, zum Beispiel aus Avocado, im Vordergrund.Foto: Getty Images

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den aggressivsten Krebsarten überhaupt. Wird die Erkrankung zu spät erkannt, gibt es für Patienten meistens keine Aussicht mehr auf Heilung. Hoffnung macht nun eine Studie aus den USA, die den Einfluss einer ketogenen Ernährung auf die Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs untersucht hat.

Allein in Deutschland sterben jährlich rund 15.000 Menschen an einem duktalen Pankreaskarzinom (Stand 2014). Damit ist Bauchspeicheldrüsenkrebs die vierthäufigste Krebstodesursache bei Frauen und Männern.1 Ein Pankreaskarzinom ist schwer zu diagnostizieren und wird daher oftmals erst spät erkannt. Doch ist die Erkrankung einmal fortgeschritten, lässt sie sich meist nicht mehr aufhalten. Eine Studie von Forschern des Ludwig Institute for Cancer Research in New York gibt Anlass zur Hoffnung. Demnach könnte eine ketogene Ernährung die Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs unterstützen und die Lebensdauer von Betroffenen erheblich verlängern.

Ketogene Ernährung kann Chemotherapie unterstützen

Wie die Forscher aus New York herausfanden, kann eine ketogene Ernährung, also eine Kost, die vor allem aus Fett, moderater Proteinzufuhr und sehr wenig Kohlenhydraten besteht, die Wirksamkeit einer Chemotherapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs verstärken. Das ergab eine Untersuchung von Mäusen, die an einem duktalen Pankreaskarzinom litten. Diese wurden entweder einer gewöhnlichen kohlenhydratreichen Ernährung oder einer ketogenen Diät unterzogen und mit einer Chemotherapie behandelt.

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Was die Wissenschaftler herausfanden: Zwar konnte eine ketogene Ernährung allein das Fortschreiten des Bauchspeicheldrüsenkrebses nicht aufhalten. In Kombination mit einer Chemotherapie zeigte sich jedoch, dass die Mäuse, die sich ketogen ernährten, bis zu drei Mal länger lebten, als ihre Artgenossen, die mit Kohlenhydraten gefüttert wurden.2

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Insulin und Glukose fördern Krebswachstum

Bei einer ketogenen Ernährungsweise wird die Zufuhr von Kohlenhydraten auf ein Minimum heruntergefahren. Der Körper produziert dann weniger Insulin. Das Hormon Insulin fördert wiederum das Krebswachstum, insbesondere bei Bauchspeicheldrüsentumoren.

Bei der Verdauung werden Kohlenhydrate in Glukose gespalten. Diese sind ein wichtiger Faktor bei der Entstehung gefährlicher Krebszellen. Wird die Kohlenhydratzufuhr drastisch verringert, kann der Körper keine Glukose mehr produzieren. Stattdessen stellt er sogenannte Ketonkörper her, um Energie zu erzeugen. Zu diesen Ketonkörpern gehört der Stoff 3-Hydroxybutyrat. Dieser hat einen schädigenden Einfluss auf die Tumorzellen und kann, so die Vermutung der Forscher, die Wirkung der Chemotherapie verstärken.

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Überlebensdauer könnte auf drei Jahre ansteigen

Laut Prof. Dr. Joshua Rabinowitz, Leiter der Studie und Professor am Department of Chemistry und des Lewis-Sigler Institute for Integrative Genomics an der Princeton University, birgt das Ergebnis der Studie große Hoffnung für Bauchspeicheldrüsenkrebs-Patienten. In einer Mitteilung des Ludwig Institute for Cancer Research erklärt er: „In den letzten zwei Jahrzehnten gab es echte Fortschritte bei der Bekämpfung von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das Problem ist, dass sich die Tumore vieler Patienten zwar stabilisieren oder sie schrumpfen, die Vorteile der Chemotherapie aber nur sehr kurzlebig sind. Oft verlängert sie das Leben der Patienten um sechs Monate bis zu einem Jahr. Aber viel zu selten kann es um drei Jahre oder mehr verlängert werden, was viele Patienten hoffen.“3

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Fazit

Die ketogene Diät versetzt den Körper in die sogenannte Ketose. Dieser Zustand ähnelt der Stoffwechselwirkung, die beim Fasten eintritt. Wie Rabinowitz erklärt, deuten präklinische Beweise darauf hin, dass das Fasten – oder Diäten, die dem Fasten in ihrer Stoffwechselwirkung ähnlich sind – die Therapie für eine Vielzahl verschiedener Krebsarten verbessern könnte. Ob man die Ergebnisse der Mäuse-Studie auf den Menschen übertragen kann, müssen weitere Untersuchungen zeigen. „Wir hoffen, dass wir bei den Patienten die gleichen Vorteile sehen werden“, so der Studienleiter.

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