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Für ihr Herz! Meiden Sie diesen Fehler beim Schlafen

Mann liegt schlafend im Bett
Ein gesundes Schlafverhalten ist entscheidend für die Herzgesundheit – und dabei ist nicht nur die Schlafdauer wichtig, wie eine neue Studie zeigt. Foto: Getty Images
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9. April 2026, 13:02 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Ausreichend Schlaf ist wichtig für die körperliche und mentale Gesundheit – so weit, so bekannt. Bekommt der Körper nicht genügend Zeit zur Erholung, steigt unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine neue Studie aus Finnland beleuchtet nun näher, dass in diesem Zusammenhang nicht nur die Dauer des Schlafs entscheidend ist, sondern auch, ob wir regel- oder unregelmäßig ins Bett gehen. Bedeutet: Für ein gesundes Herz ist es offenbar ratsam, auf regelmäßige Zubettgehzeiten zu achten.

Unstetes Schlafverhalten als Risikofaktor für das Herz

Gesunder Schlaf – idealerweise sieben bis neun Stunden pro Nacht – trägt dazu bei, Blutdruck und Herzfrequenz zu senken, und ist damit essenziell für die Herzgesundheit.1 Im Alltag fällt es jedoch vielen Menschen schwer, ausreichend zur Ruhe zu kommen und genug zu schlafen – nicht zuletzt aufgrund von Stress. Eine Studie aus dem Jahr 2024 sorgte in dieser Hinsicht für vorsichtige Entwarnung (FITBOOK berichtete).2 Demnach könnte es möglich sein, verpassten Schlaf am Wochenende nachzuholen und so das Herz zu entlasten.

Doch es kommt nicht nur auf die Menge an Schlaf an, wie die Untersuchung aus Finnland einmal mehr zeigt – es geht um schwankende Zubettgehzeiten.3 Eine ähnliche Richtung schlugen bereits frühere Untersuchungen ein. Eine Studie der Harvard University zeigte 2020, dass nicht nur die Schlafdauer, sondern auch die Regelmäßigkeit der Schlafenszeiten entscheidend für die Herzgesundheit ist (FITBOOK berichtete). Bereits Abweichungen von rund 90 Minuten zwischen den Nächten standen mit einem deutlich erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang.4

Nun ging es jedoch einen Schritt weiter: Die finnische Studie untersuchte nicht nur, ob unregelmäßiger Schlaf schadet, sondern für wen er besonders riskant ist – und wie stark sich schwankende Zubettgehzeiten konkret auf schwere Herzereignisse auswirken.

Störungen des zirkadianen Rhythmus haben Folgen

Die Studie erinnert daran, dass Schlaf dem zirkadianen Rhythmus folgt: einer sogenannten inneren Uhr, die viele Prozesse im Körper steuert. Hierzu zählen auch der Blutdruck, die Herzfrequenz und der Hormonspiegel. Störungen dieses Rhythmus können langfristig die Herzgesundheit beeinträchtigen. Neben der Schlafdauer rückt deshalb zunehmend auch die Regelmäßigkeit des Schlafs in den Fokus der Forschung.

Ziel der Untersuchung war es nun, herauszufinden, ob stark variierende Zeiten für das Zubettgehen, Aufwachen und den sogenannten Schlafmittelpunkt (die Mitte der Schlafphase zwischen Einschlafen und Aufwachen) das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse erhöhen. Auch beleuchteten die verantwortlichen Forscher, ob moderne Messmethoden per Wearables die Möglichkeit bieten, alltagsnahe Verhaltensmuster zuverlässig zu erfassen.

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Details zur Untersuchung

Es handelt sich um eine prospektive Kohortenanalyse. Denn es wurde eine Gruppe von Probanden über einen längeren Zeitraum beobachtet, um Zusammenhänge zwischen Lebensstil und späteren Erkrankungen zu erkennen. Die Daten stammen aus der großen Langzeitstudie Northern Finland Birth Cohort 1966 (NFBC1966).5 Im Fokus standen schwerwiegende Herzereignisse, sogenannte Major Adverse Cardiac Events (MACE). Dazu zählen Herzinfarkt, instabile Angina pectoris (Brustschmerzen durch Durchblutungsstörungen), Schlaganfall, Krankenhausaufenthalte wegen Herzschwäche sowie Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Insgesamt waren 3231 Personen Teil der Studie, der Frauenanteil betrug rund 60 Prozent. Sie wurden alle zwischen 2012 und 2014 im Alter von etwa 46 Jahren im Rahmen der NFBC1966 untersucht. Die Nachbeobachtung lief bis zum 31. Dezember 2023 oder bis zum Auftreten eines Herzereignisses beziehungsweise eines anderen Ausschlussgrundes (z. B. Tod durch andere Ursachen).

Wie „unregelmäßige“ Zubettgehzeit definiert wurde

In der Studie wurde „unregelmäßig“ als das oberste Drittel der Abweichungen definiert. Bei der Zubettgehzeit bedeutete „unregelmäßig“ eine mittlere Schwankung von 108 Minuten, während die „regelmäßige“ Gruppe nur etwa 33 Minuten variierte.

Messungen

Die Schlafdaten wurden mithilfe von Wearables erfasst. Dabei berechneten die Forscher die Schwankungen der Schlafzeiten über sieben Tage hinweg. Anhand dieser Schwankungen wurden die Teilnehmer in drei Gruppen eingeteilt: in Personen mit jeweils

  • regelmäßigem Schlafrhythmus,
  • mäßig regelmäßigem Schlafrhythmus und
  • unregelmäßigem Schlafrhythmus.

Zusätzlich untersuchten die Forscher die durchschnittliche Schlafdauer der Probanden. Dabei wurde ein Grenzwert von 7 Stunden und 56 Minuten zugrunde gelegt: Personen, die kürzer schliefen, bildeten eine Gruppe, und diejenigen, die länger schliefen, die andere. Um das Risiko für schwerwiegende Herzereignisse (MACE) zu berechnen und gleichzeitig andere Einflussfaktoren wie Körpergewicht, Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker (HbA1c) und körperliche Aktivität zu berücksichtigen, nutzten die Forscher sogenannte Cox-Regressionsmodelle – eine statistische Methode, die genau solche Zusammenhänge analysiert.

Ergebnisse der Untersuchung

Während der rund zehnjährigen Nachbeobachtungszeit erlebten 128 Personen (vier Prozent) ein schweres Herz-Kreislauf-Ereignis. Das erhöhte Risiko zeigte sich vor allem bei Menschen, die weniger als etwa acht Stunden pro Nacht schliefen. Innerhalb dieser Gruppe verdoppelte sich das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Teilnehmern mit unregelmäßigen Einschlafzeiten.

Bemerkenswert: Unregelmäßige Aufwachzeiten hatten keinen signifikanten Einfluss. Außerdem zeigte sich bei Teilnehmern mit längerer Schlafdauer (über 7 Stunden und 56 Minuten) kein klarer Zusammenhang zwischen Schlafunregelmäßigkeit und Herzrisiko.

Die Beobachtungen legen nahe, dass der Körper eine gewisse Erholungsreserve braucht: Wer ausreichend schläft, kann kleinere Unregelmäßigkeiten offenbar besser kompensieren.

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Studienautor ordnet Ergebnisse ein

FITBOOK sprach mit dem korrespondierenden Autor der Studie, Vahid Farrahi, Professor of Data Analytics in Sport Sciences an der TU Dortmund University. Auf die Frage nach künftigen Untersuchungen betont er, dass die einwöchige Messung bereits ein etablierter und wissenschaftlich akzeptierter Ansatz sei. „Die sieben Tage umfassen sowohl Werktage als auch das Wochenende und liefern in der Regel ein verlässliches Bild des Schlafverhaltens“, erklärt er. Dennoch sollten die Ergebnisse in Studien mit längeren Beobachtungszeiträumen überprüft werden. Solche Analysen würden durch die rasante Weiterentwicklung von Wearables zunehmend möglich – entsprechende Untersuchungen mit Messzeiträumen von bis zu einem Jahr seien bereits geplant.

Auch hinsichtlich möglicher Einflussfaktoren wie Stress, Ernährung oder Schichtarbeit ordnet Farrahi die Ergebnisse ein. Er verweist noch einmal auf den zirkadianen Rhythmus, der den Schlaf-Wach-Zyklus sowie Prozesse wie Hormonhaushalt, Körpertemperatur und Stoffwechsel steuert. Unregelmäßige Schlafzeiten könnten zu einer sogenannten Fehlanpassung („circadian misalignment“) führen, bei der die innere Uhr nicht mehr mit dem tatsächlichen Verhalten übereinstimmt. Faktoren wie nächtliche Lichtexposition, unregelmäßige Essenszeiten, Stress oder Schichtarbeit gelten als mögliche Auslöser und stehen ihrerseits mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung. Allerdings habe die Studie bereits viele dieser Einflüsse berücksichtigt. Die beobachteten Zusammenhänge blieben dennoch bestehen.

Förderung regelmäßiger Schlafzeiten zur Krankheitsprävention?

Mit Blick auf die Praxis sieht Farrahi weiteren Forschungsbedarf: „Ein nächster Schritt wäre, zu prüfen, ob Maßnahmen zur Förderung regelmäßiger Schlafzeiten tatsächlich umsetzbar und wirksam sind.“ Solche Ansätze könnten helfen, das Herz-Kreislauf-Risiko zu senken. Schlafregelmäßigkeit lasse sich dabei vergleichsweise einfach erfassen – etwa über Wearables oder auch mithilfe eines Schlaftagebuchs. Aus praktischer Sicht empfiehlt er, möglichst konstante Schlafzeiten einzuhalten. Ein festes Zeitfenster für das Zubettgehen könne dabei helfen. In der Studie galten bereits Schwankungen von rund 108 Minuten als unregelmäßig, während Personen mit stabilem Schlafrhythmus ihre Schlafzeiten meist innerhalb eines Fensters von etwa 30 Minuten hielten.

Melanie Hoffmann
Fitness- und Schlafexpertin

Schlaftagebücher können aufschlussreich sein

„Der Autor der Studie verweist auf Schlaftagebücher als Mittel, um im Rahmen der Forschung die Schlafregelmäßigkeit zu erfassen. Tatsächlich kommen Schlaftagebücher auch zum Einsatz, um herauszufinden, ob jemand an einer Schlafstörung leidet. Indem man über mehrere Wochen sein Schlafverhalten, inklusive Einschlaf- und Aufwachzeiten, trackt, lässt sich klarer nachvollziehen, ob die gefühlte Schlafstörung eine tatsächliche ist. Das sollte dann aber ein Mann oder eine Frau vom Fach, etwa ein Schlafcoach oder eine Schlafmedizinerin, bewerten. Im weiteren Schritt helfen die Schlaftagebücher auch, ungesunde Muster mit Lebensstilgewohnheiten wie Ernährung und Bewegung oder Lichtexposition in Zusammenhang zu setzen. Um dann im weiteren Verlauf mithilfe von Verhaltensanpassungen einen Weg zu finden, Schlafstörungen zu minimieren oder idealerweise komplett auszumerzen.“

Einschränkungen

Doch so spannend die Ergebnisse sind – sie haben auch Grenzen. Denn aufgrund des Studiendesigns zeigen sie zunächst nur einen Zusammenhang auf. Aber einen direkten Beweis dafür, dass unregelmäßiger Schlaf Herzkrankheiten verursacht, liefern sie nicht.

Die untersuchte Gruppe war zudem recht homogen: Alle Teilnehmer stammen aus Finnland und sind ungefähr gleich alt. Daher lassen sich die Ergebnisse nicht automatisch auf andere Altersgruppen oder Länder übertragen. Hinzu kommt, dass mit 128 Fällen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen relativ wenige Ereignisse auftraten, was die statistische Aussagekraft einschränken kann. Schließlich könnten trotz umfangreicher Anpassungen weitere unbekannte Faktoren eine Rolle spielen, etwa Stress, Ernährungsgewohnheiten oder Schichtarbeit, die das Risiko ebenfalls beeinflussen könnten.

Quellen

  1. Deutsche Herzstiftung: Der Schlaf und das Herz (aufgerufen am 09.06.2026) ↩︎
  2. European Society of Cardiology: Catching up on sleep on weekends may lower heart disease risk by up to 20% (aufgerufen am 09.04.2026) ↩︎ ↩︎
  3. Nauha, L., Niemelä, M., Azadifar, S. et al. (2026). Sleep timing irregularity in midlife: association with incident major adverse cardiac events and cardiovascular disease mortality over a 10-year follow-up. BMC Cardiovasc Disord. ↩︎
  4. Huang, T., Mariani, S., Redline S. (2020). Sleep Irregularity and Risk of Cardiovascular Events: The Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis. J Am Coll Cardiol. ↩︎
  5. University of Oulu: Northern Finland Birth Cohorts. (aufgerufen am 09.04.2026) ↩︎ ↩︎

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