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Wie Übergewicht und Adipositas die Entstehung von Krebs begünstigen können

Übergewicht ist ein Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen. Auch rund zwölf Krebsarten werden damit in Verbindung gebracht.
Übergewicht und Adipositas sind Risikofaktoren für zahlreiche Erkrankungen. Auch rund zwölf Krebsarten werden damit in Verbindung gebracht. Foto: Getty Images, Niels Starnick; Collage: FITBOOK
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Nuno Alves
Chefredakteur

16. März 2026, 10:56 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Übergewicht und Adipositas stehen mit zahlreichen Erkrankungen in Verbindung, darunter auch bestimmte Arten von Krebs. Doch wie genau könnte überschüssiges Fettgewebe die Entstehung von Tumoren begünstigen? Dieser Frage sind US-Forscher in einer Übersichtsarbeit nachgegangen.

Was hat die Übersichtsarbeit betrachtet?

Das Forschungsteam um Sherry Shen vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center und dem Onkologen Neil M. Iyengar von der Emory University hat in „JAMA“ den aktuellen Forschungsstand zum Zusammenhang zwischen Übergewicht, Adipositas und Krebs zusammengefasst.1

Übergewicht ist definiert als Body-Mass-Index, kurz BMI, von 25 bis 29,9, Adipositas als BMI ab 30. Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm, geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Die Autoren bündelten Ergebnisse aus großen Bevölkerungsuntersuchungen und Metaanalysen. Zudem betrachteten sie auch Labor- und Tierstudien, um mögliche biologische Mechanismen zu erklären, warum Übergewicht und Adipositas Krebs fördern könnten.

Die Ergebnisse

Übergewicht und Adipositas stehen in den USA mit etwa zehn Prozent aller neuen Krebsdiagnosen pro Jahr in Zusammenhang. Zwölf Krebsarten hängen eng mit Adipositas zusammen, darunter Darm-, Leber-, Nieren-, Bauchspeicheldrüsen-, Speiseröhren-, Schilddrüsen-, Eierstock-, Gebärmutter-, Gallenblasen-, Magen- und Brustkrebs nach den Wechseljahren sowie multiples Myelom.

In großen Auswertungen wurde das Risiko pro Anstieg um fünf BMI-Einheiten berechnet. Bei einer 1,70 Meter großen Person entsprechen fünf BMI-Einheiten rechnerisch ungefähr 14 bis 15 Kilogramm zusätzlichem Körpergewicht.

Beispiele pro Anstieg um fünf BMI-Einheiten:

  • Gebärmutterkrebs: Risikozunahme um 59 Prozent
  • Speiseröhrenkrebs vom Typ Adenokarzinom: Zunahme um 52 Prozent bei Männern und 51 Prozent bei Frauen
  • Nierenkrebs: Zunahme um 24 Prozent bei Männern und 34 Prozent bei Frauen
  • Dickdarmkrebs: Zunahme um 24 Prozent bei Männern und 9 Prozent bei Frauen

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Wie könnte Fettgewebe die Entstehung von Krebs fördern?

Überschüssiges Körperfett scheint chronische Entzündungsprozesse zu begünstigen und die Reparatur von DNA-Schäden zu beeinträchtigen.

  • Fettgewebe setzt vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe frei, darunter Interleukin-1β (IL-1β), Interleukin-6 (IL-6) und Tumornekrosefaktor-α (TNF-α).
  • Die dauerhafte Entzündung und sogenannter oxidativer Stress, also aggressive Sauerstoffverbindungen, können zu DNA-Schäden führen.
  • Das Fettgewebe bildet mehr Östrogene, die hormonabhängige Krebsarten antreiben können. Gleichzeitig sinkt das entzündungshemmende Hormon Adiponektin.
  • Bestimmte Abwehrzellen – sogenannte zytotoxische T-Zellen und natürliche Killerzellen – verlieren an Wirksamkeit bei der Bekämpfung entstehender Tumoren.
  • Für die Gesundheit förderliche Darmbakterien nehmen ab, entzündungsfördernde können zunehmen.

In Beobachtungsstudien war ein Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent, etwa durch Magenverkleinerungen oder GLP-1-Rezeptor-Agonisten, mit leicht niedrigeren Krebsraten verbunden. Der Unterschied war insgesamt aber klein.

Am deutlichsten zeigte sich das nach magenverkleinernden Operationen: Zehn Jahre später waren 2,9 Prozent der Operierten an einer adipositasassoziierten Krebsart erkrankt. In der Vergleichsgruppe ohne Operation waren es 4,9 Prozent. Auch bei GLP-1-Rezeptor-Agonisten wurden geringfügig niedrigere Krebsraten beobachtet.

Was bedeutet die Übersichtsarbeit?

Die Übersichtsarbeit zeigt, dass überschüssiges Fettgewebe Krebs über mehrere biologische Wege begünstigen kann. Eine deutlichere Gewichtsabnahme, insbesondere mehr als zehn Prozent, scheint eher mit einem geringeren Risiko verbunden zu sein. Da viele Daten aus Beobachtungsstudien stammen und die Evidenz nicht formal bewertet wurde, sind randomisierte klinische Studien nötig, um den tatsächlichen präventiven Effekt sicher zu belegen.

Fehler entdeckt? Bitte Feedback an: highway2health@fitbook.de.

Quellen

  1. Shen, S., Brown, K. A., Green, A. K., & Iyengar, N. M. (2026). Obesity and Cancer: A Translational Science Review. JAMA, 10.1001/jama.2026.1114. Advance online publication. https://doi.org/10.1001/jama.2026.1114 ↩︎

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