22. Januar 2026, 11:14 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Ungefähr fünf bis zehn Prozent der Menschen in Deutschland sind von einer Schilddrüsenunterfunktion betroffen. Dabei können Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Verstopfungen tägliche Begleiter sein – doch nur bei den Symptomen bleibt es nicht. Unbehandelt kann die Erkrankung auch Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben. Was genau dahintersteckt, welche Anzeichen es gibt und wie man sie behandeln kann, erfahren Sie hier.
Jetzt dem FITBOOK-Kanal bei Whatsapp folgen!
Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?
Es wirkt beinahe paradox: Ein Organ, kaum größer als ein Schmetterling, übernimmt eine Schlüsselrolle bei der Regulierung des gesamten Hormonhaushalts. Die Schilddrüse liegt unterhalb des Kehlkopfs und schmiegt sich eng an die Luftröhre. Trotz ihrer geringen Größe beeinflusst sie nahezu alle Stoffwechselprozesse im Körper. Sie reguliert unter anderem den Herzschlag, die Körpertemperatur, den Kalorienverbrauch, die Verdauung und sogar chemische Vorgänge im Gehirn – indem sie steuert, wie die Zellen Energie aus der Nahrung gewinnen.
Dabei wirken die Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) auf zentrale Prozesse wie Blutdruck, Fett‑, Eiweiß‑ und Kohlenhydratstoffwechsel, Darmtätigkeit, Muskelstoffwechsel sowie die Gehirnaktivität. Gesteuert wird ihre Ausschüttung über das Hormon TSH, das von der Hirnanhangdrüse gebildet wird.
Wenn die Schilddrüse gestört ist bzw. die Produktion der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), dann werden der gesamte Energiestoffwechsel beeinträchtigt und die Stoffwechselfunktionen verlangsamt. Bleibt eine Schilddrüsenunterfunktion unentdeckt, kann das zu Folgebeschwerden wie bspw. Bluthochdruck und Unfruchtbarkeit führen.1 In seltenen Fällen kann eine langanhaltend unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion zu einem sogenannten Myxödemkoma führen – einer lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung.2
Auch interessant: FITBOOK-Autorin über Schilddrüsenunterfunktion: „Uneinigkeit der Ärzte machte mir Angst“
Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion
Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion variieren von Person zu Person und sind oft schwer zu identifizieren. Dabei treten am häufigsten auf:
- Müdigkeit
- starkes Kälteempfinden
- Gewichtszunahme
- langsamer Puls
- trockene Haut, spröde Haare
- aufgequollenes Gesicht
- Wassereinlagerungen (Ödeme)
- Verstopfung, Blähungen
- Konzentrationsstörungen
- depressive Verstimmung
Die Symptome können sich über den Verlauf einer Erkrankung verschlimmern, da bei einer unentdeckten Schilddrüsenunterfunktion die Drüse schrittweise weniger arbeitet. Zusätzlich kann es bei Frauen zu Zyklusstörungen, verstärkten Regelblutungen und einer verminderten Fruchtbarkeit kommen. Bei Männern sind Libidoverlust oder Erektionsstörungen möglich. Auch äußerliche Veränderungen wie eine vergrößerte Schilddrüse (Kropf), raue Haut, brüchige Nägel oder eine heisere Stimme können auftreten.3
Diagnose: Ein Bluttest schafft Klarheit
Wenn einem einige der Symptome bekannt vorkommen, sollte man einen Bluttest in Betracht ziehen. Anhand des TSH-Werts im Blut kann man eine Schilddrüsenerkrankung erkennen. TSH (Thyroid Stimulating Hormone) ist ein in der Hirnanhangdrüse produziertes Hormon. Der TSH-Wert signalisiert, ob die Schilddrüse genügend Hormone produziert. TSH hat die Aufgabe, die Schilddrüse zur Hormonproduktion anzuregen. Ist der TSH-Wert erhöht, kann das auf einen Mangel an Schilddrüsenhormonen hindeuten. Zudem wird häufig der Wert des freien Thyroxins (fT4) bestimmt. Ist dieser erniedrigt, liegt eine manifeste Schilddrüsenunterfunktion vor. Bei normalem fT4 spricht man von einer latenten Hypothyreose. Das zweite Schilddrüsenhormon T3 wird zur Diagnose seltener genutzt, da es oft erst später absinkt.4
Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion
Die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion ist die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis. Das gesunde Immunsystem wehrt unbekannte Bakterien und Viren in unserem Körper mit körpereigenen Immunabwehrzellen ab. Manchmal verwechselt der Körper, welche Zellen gesund sind und welche bekämpft werden sollen. Bei Hashimoto-Thyreoiditis erkennt der Körper die Schilddrüse als ein Fremdgewebe und attackiert sie mit körpereigenen Abwehrzellen. Das führt zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse, die auf Dauer die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigt. Weitere mögliche Ursachen sind operative Eingriffe an der Schilddrüse, etwa bei Schilddrüsenkrebs oder -überfunktion, eine Radiojodtherapie sowie Strahlentherapien im Kopf-Hals-Bereich.
Medikamente wie bestimmte Herz- und Krebsmedikamente oder Anti-Depressiva können ebenfalls die Aktivität der Schilddrüse hemmen. Genauso kann eine Störung in der Hormonbildung vorliegen. Wenn bspw. der Hypothalamus in seinen Funktionen gestört ist, kann ebenfalls kein Schilddrüsenstoffwechsel stattfinden. In sehr seltenen Fällen kann ein schwerer Jodmangel zu einer Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktionen führen, da die Schilddrüse Jod und Eiweiß braucht, um ihre Hormone herzustellen. Je nachdem, wo die Ursache liegt, unterscheidet man drei Formen der Schilddrüsenunterfunktion: Bei der primären Hypothyreose liegt das Problem in der Schilddrüse selbst – sie ist auch die häufigste Form. Bei der sekundären Form liegt die Ursache in der Hirnanhangdrüse, bei der tertiären im Hypothalamus. Letztere beiden treten jedoch sehr selten auf.5
Wer hat ein besonders hohes Risiko?
Frauen sind häufiger von einer Schilddrüsenunterfunktion betroffen als Männer. Außerdem können Vorerkrankungen wie Diabetes Typ 1 und 2, sowie Autoimmunerkrankungen ein Risikofaktor für eine unteraktive Schilddrüsenfunktion sein. Alter und Genetik spielen auch eine Rolle. Daher sollten über 60-Jährige regelmäßig ihre Schilddrüsenwerte überprüfen lassen. Das gilt ebenfalls für Personen, die genetisch prädisponiert sind.6,7 Auch bei Neugeborenen wird die Schilddrüsenfunktion standardmäßig kontrolliert, da etwa eines von 3000 bis 4000 Kindern mit einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion zur Welt kommt. Eine frühe Behandlung ist entscheidend für die Entwicklung.6
„Selbst Verantwortung übernehmen! So kam ich zu meiner Hashimoto-Diagnose“
Mögliche Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion
Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion
Wenn eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert wird, gibt es keinen Grund zur Panik. Meistens sind Betroffene erleichtert, endlich eine Erklärung für ihre vielfältigen Symptome zu bekommen.
Die Behandlungsmethoden sind in der Regel auch sicher, einfach und effektiv. Man kann bspw. mit Hormonersatztherapie die Schilddrüsenhormone künstlich ersetzen. Die Einnahme der Tabletten muss ein Leben lang erfolgen. Natürlich hängt das auch von der jeweiligen gesundheitlichen Ausgangslage ab. Schwangere oder Vorerkrankte müssen einen individuellen Therapieansatz mit ihrem Arzt erarbeiten.
Allgemein betrachtet wird das synthetisch hergestellte Hormon Levothyroxin (L‑Thyroxin) verschrieben. Die Dosierung orientiert sich am TSH-Wert und wird regelmäßig kontrolliert. Wichtig ist, die Tablette morgens nüchtern einzunehmen, da Nahrung die Aufnahme beeinträchtigen kann.
Worauf ist bei Ernährung zu achten?
Es gibt keine konkreten Ernährungstipps bei einer Schilddrüsenunterfunktion. Dennoch ist es ratsam, eine ausgewogene Diät mit viel Vollkorn, magerem Protein, Obst und Gemüse zu führen. Jodhaltige Lebensmittel werden ebenfalls empfohlen.⁹ Darüber hinaus spielt eine ausreichende Versorgung mit Selen (z. B. Paranüsse), Eisen (z. B. Blutwurst, Schweineleber), Vitamin A (z. B. Karotten) und Vitamin D (durch Sonnenlicht) eine wichtige Rolle für die Schilddrüsenfunktion. Auch Omega-3-Fettsäuren aus Seefisch oder Leinöl wirken unterstützend. Nahrungsergänzungsmittel – insbesondere Jod – sollten nur in Rücksprache mit ärztlichem Personal eingenommen werden.
Auch Sport könnte hilfreich sein
Bei Sport sollte man auf leichte Sportarten wie Walking oder Yoga zurückgreifen. Auch moderat-anstrengende Sportarten wie Tai-Chi sind geeignet und können zudem beim Abnehmen helfen. Insbesondere das Bauchfett kann man damit schmelzen lassen, wie FITBOOK berichtete. Da es bei einer Schilddrüsenunterfunktion zu Muskelschmerzen kommen kann, sollte auf Krafttraining oder andere stark Muskel-beanspruchende Aktivitäten verzichtet werden. Aber auch dabei kommt es auf das individuelle Empfinden an.
„Mein Körper brauchte Hilfe – und das musste ich erst lernen“
Als ich mit 17 Jahren die Diagnose Schilddrüsenunterfunktion erhielt, brach für mich eine Welt zusammen. Plötzlich war ich auf Medikamente angewiesen und musste mir eingestehen, dass mein Körper nicht mehr allein zurechtkam.
Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, wie wichtig es ist, Symptome ernst zu nehmen – auch wenn sie zunächst harmlos wirken. Ich habe viele Anzeichen wie Erschöpfung oder Kopfschmerzen lange auf Schulstress oder zu wenig Bewegung geschoben. Dabei hat mein Körper längst signalisiert, dass etwas nicht stimmt.
Bis heute lasse ich meine Werte regelmäßig kontrollieren, um sicherzugehen, dass sie sich im Normalbereich bewegen. Es gibt Tage, an denen alles gut läuft – und andere, an denen es schwieriger ist. Aber das Wichtigste ist: auf den eigenen Körper zu hören. Immer. Beispielsweise habe ich meine Ernährung auf jodhaltige Lebensmittel umgestellt – und das hat mir spürbar gutgetan. Gleichzeitig haben mir manche Ärzte gesagt, Ernährung habe keinen Einfluss auf die Schilddrüse. Man merkt schnell: Die Meinungen gehen auseinander. Jeder Arzt (nichts gegen Ärzte!) scheint seine eigene „Geheimformel“ zu haben. Ich habe deshalb gelernt, meinem eigenen Gefühl zu vertrauen und mich nicht verunsichern zu lassen, wenn es mal kompliziert wird. Und das würde ich allen auch so raten.