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Autorin Dr. Swaantje Taube berichtet

»Erst Brustkrebs, dann plötzlich Menopause – so habe ich beides erlebt

Swaantje Taube berichtet über ihren Brustkrebs
Diagnose Brustkrebs – ein Schock, ein Kampf und eine Lebensveränderung Foto: Getty Images, Patrick Amos; Collage: FITBOOK
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Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

14. Januar 2026, 14:03 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Sie ist Unternehmerin, Speakerin und Autorin, zweifache Mutter und Ehefrau – und erlebte mit Ende 40 etwas, das sie unverhofft aus der Bahn warf. Dr. Swaantje Taube erhielt die Diagnose Brustkrebs. Wie sich das anfühlte, wie dramatisch ihre Behandlung verlief, wie es ihr heute geht und was sie aus der schmerzhaften Erfahrung für ihr Leben mitgenommen hat, hat sie FITBOOK verraten.

Es war der 13. August 2020 – ein Tag, den Dr. Swaantje Taube wohl ihr Leben lang nicht vergessen wird. „Ich war 49 Jahre alt, an einem Donnerstagabend, lag ich zu Hause auf unserem Sofa und strich mir gedankenverloren über meine linke Brust. Plötzlich spürte ich einen Knoten. In diesem Moment war ich sofort hellwach“, erinnert sich die heute 54-Jährige im FITBOOK-Interview.

„Ich wusste tief in mir: Das ist nichts Harmloses“

„Mir wurde heiß, mein Herz schlug schneller. Und in meinem Kopf war sofort die Erinnerung an meine Mutter da, die ebenfalls an Brustkrebs erkrankt war. Sie war damals ungefähr in meinem Alter“, wusste Dr. Taube das, was sie in ihrem Körper ertastete, offenbar sofort einzuordnen. Auch ihr Mann, dem sie sich mitteilte, nahm die Situation sofort ernst und ermutigte seine Frau, am nächsten Tag zur Frauenärztin zu gehen. Kein leichter Schritt: „Ich wusste tief in mir: Das ist nichts Harmloses.“

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„Alles wurde leise, ich hatte einen Tunnelblick“

Bei der Ultraschalluntersuchung an der Universitätsmedizin Essen bestätigte sich der Verdacht leider schnell. Dr. Swaantje Taube hatte Brustkrebs. Ein Moment, den man wohl in seiner Tragweite erst richtig begreift, wenn man ihn selbst erlebt. „Ich stand unter Schock. Alles wurde leise, ich hatte einen Tunnelblick. Die Umgebung nahm ich kaum noch wahr“, berichtet Dr. Taube von ihrem Gefühl bei der Diagnose. „Für mich blieb an diesem Morgen die Welt stehen. Vor meinem inneren Auge sah ich meine beiden Kinder (10 und 11 Jahre) und meinen Mann. Der Gedanke war sofort da: Sie brauchen mich noch.“

Deshalb war für Dr. Swaantje Taube schnell klar: Sie würde kämpfen! Bis allerdings sicher war, welche Behandlung bei ihr infrage käme, musste sie sich noch rund zwei Wochen gedulden und weitere Untersuchungen über sich ergehen lassen. Wichtig war, die genaue Art der Krebserkrankung zu identifizieren, um die optimale Behandlung wählen zu können.

Zweiter Schock: Diagnose Mukoviszidose

Los ging die Behandlung mit Chemo- und Immuntherapie. Nach dem dritten Zyklus musste die Therapie jedoch abgebrochen werden, weil die Brustkrebspatientin darüber hinaus akut schwer erkrankte. Durch die Immunsuppression entwickelte Dr. Taube eine lebensbedrohliche Lungenentzündung und war körperlich extrem geschwächt. „Ich musste stationär behandelt, künstlich ernährt und intensiv antibiotisch versorgt werden“, erinnert sich Dr. Taube im Interview.

Als machte sie damit nicht schon genug durch, erhielt sie eine weitere Diagnose. Bei Dr. Swaantje Taube wurde eine bis dahin unerkannte genetische Erkrankung diagnostiziert, die ihre Lunge betrifft und erklärt, warum sie die Komplikationen so schwer getroffen hatten. Die damals 49-Jährige erfuhr, dass sie Mukoviszidose hat, weshalb die Ärztinnen selbst, nachdem sich Dr. Taubes Zustand stabilisiert hatte, entschieden, die Chemotherapie nicht fortzuführen.

„Entfernung der gesunden Brust“

Stattdessen wurde die Patientin Ende 2020 brusterhaltend operiert. Der Tumor war durch die vorangegangene Therapie stark geschrumpft, die Operation verlief komplikationslos. Kurz darauf kam die erlösende Nachricht: Es waren keine aktiven Krebszellen mehr nachweisbar. Anfang 2021 folgte noch eine Strahlentherapie. Aber damit war der Leidensweg noch nicht zu Ende: „Parallel stellte sich heraus, dass ich Trägerin des BRCA1-Gens bin. Aufgrund des hohen Risikos entschied ich mich später für eine vorsorgliche Entfernung der gesunden Brust sowie der Eierstöcke. Diese Entscheidungen haben mir für heute vor allem eines gegeben: Sicherheit und mentale Ruhe.“

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»Plötzlich Menopause: Ich musste meinen Körper neu kennenlernen

Heute lebt Dr. Swaantje Taube krebsfrei. Doch die Behandlung und die operativen Eingriffe, die dafür nötig waren, haben Spuren hinterlassen. „Durch meine Krebstherapie und die anschließende Entfernung der Eierstöcke bin ich abrupt in die Postmenopause gekommen. Rückblickend wurde mir klar, dass ich schon vor der Diagnose in der Perimenopause war, also in der hormonellen Übergangsphase“, so Dr. Taube. „Während der Behandlung ging es für mich ausschließlich ums Überleben. Erst danach habe ich verstanden, dass viele Symptome nicht nur Folgen der Krebstherapie waren, sondern auch durch den massiven Hormonabfall entstanden sind. Schlechter Schlaf, Schmerzen, Erschöpfung, Hitzewellen, Stimmungsschwankungen, Gewichtsveränderungen und vor allem ein deutlicher Verlust an Muskelmasse.“

Dazu kamen klassische Therapiefolgen wie anhaltende Müdigkeit und ein vermindertes Gefühl in den Füßen. Die Unternehmerin musste ihren Körper neu kennenlernen. „Genau das war mein Weckruf: Verantwortung für meine Gesundheit zu übernehmen und mein Leben nach dem Krebs aktiv zu gestalten“, sagt sie heute über diese Zeit.

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»Ich möchte diese zweite Chance, die mir geschenkt wurde, nutzen

Die Brustkrebserkrankung führte auch dazu, dass Dr. Swaantje Taube die Perspektive auf ihr Leben grundlegend veränderte. Sie wisse jetzt, dass nichts selbstverständlich sei, empfinde viel Dankbarkeit und Demut. Sie habe „das Bewusstsein, dass ich diese zweite Chance, die mir geschenkt wurde, nutzen möchte“.

Deswegen ging sie 2021 mit ihrer Brustkrebsgeschichte bei Social Media an die Öffentlichkeit, wagte mit 52 Jahren den Schritt, sich selbstständig zu machen, und schrieb das Buch „Happiness & Longevity“, das im Februar beim Christian Verlag erscheint.

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„Ich habe gelernt, wie wenig wir Frauen über unseren eigenen Körper wissen“

Auf Social Media und als Speakerin macht sich Dr. Swaantje Taube heute für einen gesunden und glücklichen Lebensstil stark und möchte damit besonders Frauen erreichen – auch zum Thema Menopause und die Zeit danach. „Ich habe gelernt, wie wenig wir Frauen über unseren eigenen Körper wissen und wie fragmentiert Frauengesundheit oft betrachtet wird. Erst durch meine Erkrankung und die intensive Auseinandersetzung mit den Wechseljahren habe ich verstanden, wie tiefgreifend hormonelle Veränderungen Körper, Psyche und Leistungsfähigkeit beeinflussen“, verriet sie. „Mir wurde klar, dass Gesundheit ganzheitlich gedacht werden muss. Für mich gehören heute Bewegung, ausgewogene Ernährung, guter Schlaf und mentale Stabilität selbstverständlich zusammen. Aber auch Mode und Beauty sind Teil dieses Ansatzes … nicht oberflächlich, sondern als Ausdruck von Selbstfürsorge, Identität und innerer Haltung.“

Da sich medizinische Standards häufig am männlichen Körper orientierten und weibliche Symptome oft anders aussähen, seien Aufklärung und Sichtbarkeit für sie ein Bedürfnis. „Genau deshalb teile ich meine Erfahrungen: um Frauen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und Gesundheit ganzheitlich zu gestalten – innen wie außen.“

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