3. März 2026, 11:03 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Altern ist das Ergebnis zahlreicher biologischer Prozesse, die sich im Lauf des Lebens verändern. Forscher interessieren sich in diesem Zusammenhang dafür, ob bestimmte Stoffe, die im Körper vorkommen oder über die Ernährung aufgenommen werden, einen Einfluss auf diese Prozesse haben. Eine wissenschaftliche Arbeit hat den bisherigen Kenntnisstand zu solchen Stoffen eingeordnet.
Was hat die Studie untersucht?
Für die im Fachjournal „Aging Cell“ veröffentlichte Übersichtsarbeit werteten die Forscher der Hainan Medical University und der Peking University zahlreiche Studien an Labororganismen wie Fadenwürmern und Fruchtfliegen, an Mäusen sowie die bislang verfügbaren Daten beim Menschen aus.1 Ziel war es, einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zu geben.
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Die Ergebnisse
Die Studie zeigt, dass mehrere dieser Stoffe in experimentellen Modellsystemen in altersrelevante biologische Prozesse eingreifen können. Die Effekte unterscheiden sich dabei stark je nach Organismus und Studienlage. Hier eine Auswahl der betrachteten Stoffe:
Taurin
Dieser körpereigene Stoff unterstützt unter anderem Nerven und Mitochondrien. In einzelnen Tiermodellen zeigten sich Hinweise auf geringere Zellschäden und funktionelle Verbesserungen in bestimmten Geweben. Beim Menschen sind die Ergebnisse jedoch widersprüchlich. Ein klarer Zusammenhang von Taurin mit gesundem Altern ist bislang nicht eindeutig belegt.
Betain (TMG)
Dieser Stoff spielt eine Rolle beim Zellschutz und bei der Regulation von Genaktivität. In Fadenwürmern verlängerte Betain die Lebensdauer, bei Mäusen verbesserte es unter anderem Muskelkraft, Ausdauer und Entzündungsmarker. Für den Menschen ist die Datenlage bisher begrenzt und uneinheitlich. Zudem deuten einzelne Studien darauf hin, dass hohe Betain-Dosierungen im Bereich mehrerer Gramm pro Tag die Blutfettwerte ungünstig beeinflussen können.
Alpha-Ketoglutarat
Dabei handelt es sich um ein zentrales Zwischenprodukt des Energiestoffwechsels. In Fadenwürmern verlängerte Alpha-Ketoglutarat die Lebensdauer deutlich, bei Mäusen zeigte sich eine messbare Verlängerung der Lebens- und Gesundheitsspanne. Als mögliche Erklärungen gelten Veränderungen im zellulären Energiestoffwechsel sowie eine verstärkte zelluläre Selbstreinigung (Autophagie). Beim Menschen liegen bislang nur sehr begrenzte Daten vor. Eine gesicherte Wirkung auf das Altern ist nicht belegt.
Ketonkörper
Sie dienen dem Körper beim Fasten als alternative Energiequelle. In Würmern verlängerten sie die Lebensdauer. In Mäusen zeigte sich ein gemischtes Bild: Während ketogene Diäten unter bestimmten Bedingungen die Gesundheit verbesserten, führten sie in anderen Versuchen – etwa bei früher oder dauerhaft strenger Anwendung – zu einer erhöhten Sterblichkeit. Für den Menschen gibt es bislang keine gesicherten Belege dafür, dass Ketonkörper oder ketogene Ernährung das Altern verlangsamen oder die Lebensdauer verlängern.
Myo-Inositol
Diese vitaminähnliche Verbindung ist wichtig für die Kommunikation zwischen Zellen. In Wurmstudien wurde eine verlängerte Lebensdauer beobachtet. In Mausmodellen gibt es indirekte Hinweise auf zelluläre Schutzmechanismen und eine verbesserte Organfunktion. Welche Bedeutung das für das menschliche Altern hat, ist derzeit jedoch unklar.
NAD+
Dabei handelt es sich um einen zentralen Stoff für die Energiegewinnung der Zellen. Mit zunehmendem Alter sinken die NAD+-Spiegel. In Tierstudien führte die Gabe von NAD+-Vorstufen wie NMN oder NR zu Verbesserungen von Stoffwechsel- und Leistungsparametern. Studien am Menschen liefern bislang gemischte Ergebnisse und zeigen keinen gesicherten Einfluss auf die Lebensdauer. Forscher mahnen zudem zur Vorsicht, da mögliche Langzeitrisiken noch nicht ausgeschlossen sind.
Methionin (bzw. Methionin-Restriktion)
Diese essenzielle Aminosäure wird ausschließlich über die Nahrung aufgenommen und ist hauptsächlich in tierischen Produkten wie Fleisch, Fisch, Eiern und Käse enthalten. In verschiedenen Tiermodellen verlängerte eine gezielte Reduktion des Methioninanteils – bei ansonsten ausreichender Kalorien- und Nährstoffzufuhr – die Lebensdauer. Für den Menschen fehlen bislang belastbare Langzeitstudien, die Nutzen und mögliche Risiken zuverlässig bewerten.
Verzweigtkettige Aminosäuren
Diese sogenannten BCAA sind wichtige Bausteine von Muskelprotein. Ihre Wirkung auf das Altern ist jedoch widersprüchlich: In einigen Studien unterstützten sie Muskel- und Energiehaushalt, während eine dauerhaft hohe Zufuhr in anderen Untersuchungen mit Stoffwechselstörungen, entzündlichen Veränderungen und weiteren altersbedingten Problemen in Verbindung stand.
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Vitamine
In Tiermodellen zeigten einzelne Vitamine – insbesondere Vitamin D3, Vitamin C und Vitamin B12 – teils lebensverlängernde oder schützende Effekte. Große Studien beim Menschen fanden dagegen meist nur geringe oder keine klaren Einflüsse auf altersbezogene körperliche Funktionen oder auf das Auftreten von Krankheiten.
Spermidin
Dieser Stoff aktiviert die Autophagie bzw. die zelluläre Selbstreinigung. In mehreren Tierarten wurde eine verlängerte Lebensdauer beobachtet. Beim Menschen beruhen entsprechende Hinweise bislang primär auf Beobachtungsstudien und gelten nicht als eindeutig belegt.
Die Autoren betonen ausdrücklich, dass es sich hierbei um eine Bestandsaufnahme der aktuellen Forschung handelt. Viele der beschriebenen Stoffe gelten als biologisch interessant, doch für die meisten fehlen bislang aussagekräftige Langzeitstudien beim Menschen. Ob und für wen sich daraus tatsächlich ein Nutzen ergibt, muss durch weitere Forschung geklärt werden.
Was bedeutet die Studie?
Altern wird nicht von einem einzelnen Stoff gesteuert, sondern von einem komplexen Zusammenspiel vieler biologischer Prozesse. Mehrere der untersuchten Stoffe greifen hier ein und sind deshalb für die Forschung relevant. Gleichzeitig betonen die Autoren klar, dass Ergebnisse aus Würmern, Fliegen oder Mäusen keine Beweise für eine Lebensverlängerung beim Menschen darstellen. Hier fehlt es vorwiegend an Langzeitstudien zu Wirksamkeit, optimaler Dosierung und Sicherheit.
Wichtig: Die Studie liefert eine wissenschaftliche Einordnung und keine Empfehlung zur Einnahme oder Selbstbehandlung.
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